23 Punkte und noch nicht mal einen Führerschein

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DaChris77
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23 Punkte und noch nicht mal einen Führerschein

Beitrag von DaChris77 »

Ein Bekannter B hat mir folgende Situation geschildert:

Er, 22 Jahre alt, hatte bisher keinen Führerschein da er aus medizinischen Gründen kein Auto fahren durfte.

Er arbeitete als Disponent in einer Spedition die Europaweit tätig ist.

Immer wenn ihm unterstellt wurde er habe die Planung und Ladungsmenge nicht richtig berechnet gab es nicht nur Punkte für den LKW Fahrer sondern auch für ihn.
Das Problem war dass der Chef eine Überladung von mindestens 10% als "Normal" angesehen hat und so kalkuliert werden musste, zudem konnten bei einigen Fahrzeugen die Gitterboxen nicht so gesichert werden wie es die undurchsichtigen Vorschriften und der Gutwill der Polizeibeamten wollten. Oft haben auch die Fahrer geschlampt oder es wurde mehr geladen als erlaubt da Druck vom Chef gemacht wurde.
Von vielen Punkten wurde B nicht unterrichtet da die Briefe immer an die Firma kamen.

B hat jetzt gekündigt und sich einen anderen Job gesucht. Da er zwischenzeitlich die Freigabe vom Amtsarzt hat und jetzt einen Führerschein machen darf, hat er alles entsprechende in die Wege geleitet, dabei wurde ihm mitgeteilt dass er frühestens in 2-5 Jahren einen Führerschein machen darf da er so viele Punkte hat.
Somit war der neue Job in der gleichen Branche dann schnell wieder weg.

Gibt es irgendeine Chance, ausgenommen den Führerschein im Ausland zu machen, dass B seinen Führerschein machen darf, schliesslich hat er selbst keinerlei Fahrverstösse begangen, er hatte ja noch nicht mal einen Führerschein.

Es kam nie eine Einladung zur Nachschulung oder sonstwas, da er ja nie einen FS besessen hat.

Was passiert wenn ich B in unserer Firma in der CH anstelle und er hier den Führerschein macht, was er ja darf da hier nichts gegen ihn vorliegt. Darf er dann mit dem Führerschein auch in Deutschland fahren? Oder darf er auch hier (CH) keinen Führerschein machen?

Wieso haftet der Disponent für die "Schlamperei" der Fahrer und die Überladung gegen die er nichts tun kann.

MrMurphy
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Re: 23 Punkte und noch nicht mal einen Führerschein

Beitrag von MrMurphy »

Hallo,

ich glaube nicht, das B 23 Punkte erhalten hat, ohne an ihn adressierte Schreiben der Behörden zu erhalten.
Er arbeitete als Disponent in einer Spedition die Europaweit tätig ist.
Dann hat er entsprechende Pflichten, die er gegebenenfalls auch gegen den Chef durchsetzen muss. Wenn er die üblen Spiele des Chefs mitmacht haftet er auch entsprechend.

Als Disponent muss er seine Unterschrift verweigern, wenn mit der Ladung bzw. der Ladungssicherung etwas nicht in Ordnung ist. Dazu muss er die Ladung natürlich in Augenschein nehmen. Und das Fahrer (wie hier suggeriert sogar mehrmals) eine sicher verstaute Ladung wieder entsichern habe ich noch nicht erlebt und sehe auch keinen Grund darin.

Er kann seinen Führerschein überall machen (sofern er die Voraussetzungen des entsprechenden Landes erfüllt, z. B. Wohnsitz), aber in Deutschland darf er damit nicht fahren.

Gruss

MrMurphy

Roni
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Re: 23 Punkte und noch nicht mal einen Führerschein

Beitrag von Roni »

Wieso haftet der Disponent für die "Schlamperei" der Fahrer und die Überladung gegen die er nichts tun kann.
weil er verpflichtet ist für die Ladung das entsprechende Fahrzeug zu schicken. Ebenso ist der Fahrer verpflichtet das Fahrzeug nicht zu überladen.
Somit war der neue Job in der gleichen Branche dann schnell wieder weg.
und das nur wegen des Führerscheins den er vorher auch nicht hatte, wiedermal voller Widersprüche :roll:

Elektrikör
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Re: 23 Punkte und noch nicht mal einen Führerschein

Beitrag von Elektrikör »

Hallo,
MrMurphy hat geschrieben: ... Dazu muss er die Ladung natürlich in Augenschein nehmen.

:?:


MfG
Alles hier von mir geschriebene stellt meine persönlichGanzFürMichAlleineMeinung dar
Falls in einer Antwort Fragen stehen, ist es ungemein hilfreich, wenn der Fragesteller diese auch beantwortet

lerchenzunge
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Re: 23 Punkte und noch nicht mal einen Führerschein

Beitrag von lerchenzunge »

DaChris77 hat geschrieben:Wieso haftet der Disponent für die "Schlamperei" der Fahrer und die Überladung gegen die er nichts tun kann.
weil es exakt seine Aufgabe ist, solche Schlamperei zu verhindern. Er ist für Routen- und Beladungsplanung, das ist ja exakt die Aufgabenbeschreibung eines Disponenten, verantwortlich, wenn diese Planung -egal aus welchem Grund- fehlerhaft ist, dann ist er dafür dran. Dass ihn der Chef dazu gezwungen hat, will ich nicht bezweifeln, ändert aber nichts daran. Sofern er dies beweisen kann, könnte der Chef auch, aber nicht stattdessen bestraft werden.

Ich will das an einem simplen Beispiel erläutern: Du bist auf einer Betriebsfeier, es geht hoch her, alle, auch Du, trinken kräftig Alkoholisches. Am späten Abend, Du bist schon reichlich breit, kommt plötzlich Dein Chef zu Dir, drückt Dir die Schlüssel zu einem Firmenwagen in die Hand und sagt "Müller, Sie fahren mich jetzt nach Hause", Du sagst, Du bist zu besoffen zum Fahren, doch der Chef droht Dir "Müller, wenn Sie mich jetzt nicht sofort nach Hause bringen, können Sie sich morgen Ihre Papiere abholen!", darauf fährst Du und geräts prompt in eine Polizeikontrolle.
Preisfrage: Wer kriegt die Strafe? Du, es spielt keine Rolle, ob Dein Chef Dir die Fahrt befahl oder Dich gar genötigt hat, Du hättest betrunken nicht fahren dürfen, punkt aus. Wenn Du beweisen kannst, dass Dein Chef Dich genötigt hat, könntest Du ihn dazu noch anzeigen, aber Deine Strafe für Fahren unter Alkoholeinfluss würde dadurch nicht in Frage gestellt.

Richtiges Verhalten des jungen Mannes wäre gewesen, die Disposition nicht ausserhalb des rechtlich Zulässigen zu machen, falls der Chef dann Druck ausübt, sich Hilfe zu suchen (Gewerkschaft, BAG), Beweise zu sammeln und den Chef anzuzeigen oder aber einen Absprung aus dem Betrieb so schnell als möglich zu machen...

Die Briefe dürften übrigens nicht immer an die Firma gekommen sein, Briefe vom Verkehrszentralregister werden an die Meldeanschrift zugestellt, nicht an den Arbeitsplatz, vermutlich hat der junge Mann nur einfach nicht verstanden, worum es in den Briefen ging...

Führerschein kann er natürlich im Ausland machen, genausowenig wie die deutschen Behörden bei Führerscheinantrag die schweizer Behörden befragen, fragen die Schweizer beim Verkehrszentralregister in Flensburg nach. Aber fahren dürfte er mit dem Führerschein dann trotzdem nur ausserhalb Deutschlands. Insoweit dürfte ihm das wenig helfen...

lerchenzunge
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Re: 23 Punkte und noch nicht mal einen Führerschein

Beitrag von lerchenzunge »

MrMurphy hat geschrieben:Dazu muss er die Ladung natürlich in Augenschein nehmen.
nein, das muss er nicht, er ist nur für die Planung zuständig. Dh. er muss so planen, dass hinreichende Sicherungsmittel für die Ladung bereitstehen, dass die beauftragte Ladung in ihrer Beschaffenheit sich sichern lässt etc. Für die tatsächliche richtige Durchführung der Ladungssicherung ist dann Lader und Fahrer zuständig. Simpel: der Fahrer wird mit zu gering berechneter Zahl Sicherungsmittel losgeschickt: Disponent und Fahrer sind dran; der Fahrer hat zwar hinreichend Sicherungsmittel, aber aus Faulheit benutzt er sie nicht: nur Fahrer ist dran...

DeaGereet
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Re: 23 Punkte und noch nicht mal einen Führerschein

Beitrag von DeaGereet »

Man kann es nicht nicht mitbekommen, dass man Punkte erhält.

Jeder Punkt bring nämlich auch ne Geldbuße mit sich.

DaChris77
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Re: 23 Punkte und noch nicht mal einen Führerschein

Beitrag von DaChris77 »

So wie ich das verstanden habe:

Der Disponent plant die Abholung und Lieferung von Waren in zig verschiedenen Ländern, er kennt weder die, teils selbstständigen Fahrer, noch die Firmen. Somit ist es ihm ja technisch gar nicht möglich die Ladung zu kontrollieren.
Wenn die Fahrer zu bequem sind ihre Ladung richtig zu sichern kann er ja auch nichts dagegen tun.
Wie soll er so seine Aufgabe wahrnehmen die Ladung zu kontrollieren?
Er errechnet nur am Computer was passt und was nicht, hat aber keinen Einfluss darauf welchen Auflieger der Fahrer mit sich bringt (verstärkt oder nicht) und ob der Fahrer Sicherungsmaterial hat und es auch benutzt.

Bei Schüttgut und Muldentransporten wird grundsätzlich immer überladen, vor allem da die Firma mehrere verschiedene Mulden mit unterschiedlichem Leergewicht hat, aber immer die gleiche Menge transportiert werden muss.
Den Fahrern scheint dies wohl egal zu sein, und ausserhalb von D scheint sich auch niemand die Mühe zu machen dies zu kontrollieren.

Was soll man als Mitarbeiter machen wenn der Chef befiehlt und man seinen Job nicht verlieren will? Die Unterschrift verweigern wäre ja Arbeitsverweigerung.

Der neue Job wurde deshalb gechancelt weil er einen Auszug aus dem Verkehrszentralregister abgeben musste, daraufhin wurde er in der Probezeit ohne Angabe von Gründen gekündigt.

Laut seiner Aussage hat er nie irgendwelche Strafen bezahlt und auch nie Aufforderungen für Nachschulung o.ä. erhalten, lediglich ab und an die Briefe aus Flensburg die er dann an den Chef weitergereicht hat, woraufhin der Chef ihm versichert habe da er er keinen Führerschein hat kann ihm ja nichts passieren und er könnte gar keine Punkte sammeln.

Gammaflyer
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Re: 23 Punkte und noch nicht mal einen Führerschein

Beitrag von Gammaflyer »

Hat dann der Chef dann auch die Bußen gezahlt?

lerchenzunge
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Re: 23 Punkte und noch nicht mal einen Führerschein

Beitrag von lerchenzunge »

DaChris77 hat geschrieben: Er errechnet nur am Computer was passt und was nicht.
exakt. Es gibt eine Reihe hervorragender Programme (und auch Tabellen für weniger EDV-affine), die genau ausrechnen, was geladen werden darf, welche Sicherungsmittel benötigt werden etc. Wenn der Disponent sich beim Fahrauftrag an diese Werte hält, dann kann ihm auch nichts passieren, wenn der Fahrer dann mehr lädt als im Fahrauftrag angegeben oder auf die Anwendung vorhandener Sicherungsmittel aus Faulheit verzichtet, dann ist der Disponent aussen vor.
DaChris77 hat geschrieben: Bei Schüttgut und Muldentransporten wird grundsätzlich immer überladen
es gibt Schüttguttabellen, an die man sich halten kann, Überladen geschieht also grundsätzlich aus Vorsatz und nicht aus Unwissenheit...
DaChris77 hat geschrieben: Was soll man als Mitarbeiter machen wenn der Chef befiehlt und man seinen Job nicht verlieren will? Die Unterschrift verweigern wäre ja Arbeitsverweigerung.
Beweise sammeln und den Chef anzeigen
DaChris77 hat geschrieben: Laut seiner Aussage hat er nie irgendwelche Strafen bezahlt und auch nie Aufforderungen für Nachschulung o.ä. erhalten, lediglich ab und an die Briefe aus Flensburg die er dann an den Chef weitergereicht hat, woraufhin der Chef ihm versichert habe da er er keinen Führerschein hat kann ihm ja nichts passieren und er könnte gar keine Punkte sammeln.
also wie vermutet, er wurde darüber informiert, hat sich aber nicht darum gekümmert. Selbst schuld.

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