THW Gefahrguttransport

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Thunderline
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THW Gefahrguttransport

Beitrag von Thunderline » 17.03.14, 00:30

Hallo zusammen,

habe zu diesem Thema hier im Forum schon bischen gestöbert, war aber nicht unbedingt das was ich suche.

Was darf ich den im Einsatz (mit Lkw) an Gefahrgut fahren ? (Bei Diesel max. 1000 l zu jeweils 450 l gebinden. Richtig ????) Bezieht sich das auf das komplette Fahrzeug mit oder ohne Tank oder nur auf die Ladefläche (Wir haben meist noch Zusatzkanister dabei). Achja und brauche ich jetzt eine Unterweisung bei der 1000 Punkte Regelung ? Bei Benzin sieht die Sache auch wieder anders aus. Wieviel darf man da haben ?

Ja habe mir schon die GgVS angesehen :? :shock: :? mehr oder WENIGER schlau danach. Ich suche also bei euch eine verständliche Erklärung, bitte nicht nur Paragraphen um die Ohren gehaue.

Wie oben geschrieben ´´im Einsatz´´ meinte ich z. B. Öl/Wasser gemische (Keller auspumpen), LKW -unfall Waschmittel/Deodosen kaputt etc. so mal die Richtung

Ja das THW hat zu dem Thema Abhandlungen, aber von OV zu OV unterschiedlich und Fz - Da ist auch nicht gerade aussagekräftig.

Gruß und Dank
Thunder

ExDevil67
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Re: THW Gefahrguttransport

Beitrag von ExDevil67 » 26.03.14, 09:23

Thunderline hat geschrieben: Wie oben geschrieben ´´im Einsatz´´ meinte ich z. B. Öl/Wasser gemische (Keller auspumpen), LKW -unfall Waschmittel/Deodosen kaputt etc. so mal die Richtung
Ich würde mal tippen, im konkreten Einsatz dürfte es den zuständigen Behörden egal sein wenn jemand ohne ADR-Schein mit passendem Fahrzeug sowas transportiert um eine größere Gefahr für andere zu verhindern.
Wenn planmäßig passende Fahrzeuge vom THW vorgehalten werden für solche Lagen kann man sicher auch erwarten das die Fahrer entsprechend geschult werden.
Muss ich aber improvisieren und zweckentfremde ein passende Fahrzeug einer Fachgruppe wird man den Fahrer nehmen müssen der grad greifbar ist.

Mike Gimmerthal
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Re: THW Gefahrguttransport

Beitrag von Mike Gimmerthal » 22.07.14, 19:28

Moin,

ich bin kein ausgewiesener Gefahrstoffexperte, aber ...
Ich bin der Meinung dass das THW den ADR Vorschriften unterworfen ist und auch entsprechend seine LKW kennzeichnen muss.
Ich denke auch es ist zumutbar die am verunfallten LKW mitgeführten Sicherheitsdatenblätter mitzunehmen (sofern noch vorhanden).
Bei Mischungen von Stoffen (wie z.B. kontaminiertes Löschwasser) müsste m.E. die (leere) orangene Warntafel reichen.
Inwieweit bei bekannten "Ladungen" (z.B. eine komplette Ladung Diesel die abgepumpt wird) die Gefahrstoffklasse und die UN- Nummer angebracht werden muss kann ich nicht sagen.
Soweit ich weiss sind die Ölwehren der BFen Experten für die Entsorgung von Gefahrstoffen. Vielleicht da mal fragen.
Was darf ich den im Einsatz (mit Lkw) an Gefahrgut fahren ? (Bei Diesel max. 1000 l zu jeweils 450 l gebinden. Richtig ????) Bezieht sich das auf das komplette Fahrzeug mit oder ohne Tank oder nur auf die Ladefläche (Wir haben meist noch Zusatzkanister dabei). Achja und brauche ich jetzt eine Unterweisung bei der 1000 Punkte Regelung ? Bei Benzin sieht die Sache auch wieder anders aus. Wieviel darf man da haben ?
Dies bezieht sich auf die sogenannte 1000-Punkte-Regel des ADR (Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route, deutsch: Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße).
Dabei werden Gefahrstoffen Punkte zugeteilt. Z.B. Diesel 1 Punkt/Liter. Deswegen darf man 1000 Liter Diesel mitführen. Erst bei 1001l wird man kennzeichnungspflichtig.
Im Übrigen wird die Füllung von Fahrzeugtanks nicht mitgerechnet. Auch nicht die Tankfüllungen von transportierten oder abgeschleppen Fahrzeugen und Maschinen.

********************+
Freistellungen zum ADR Abschnitt 1.1.3.6ADR 2009
Im Zusammenhang mit Mengen, die je Beförderungseinheit befördert werden (Beförderung nach der Kleinmengenregelung -1000-Punkte - Regel),
Grundsätzliches:
Höchstmengen nach Tabelle 1.1.3.6.3 ADR sind einzuhalten,
Beachte, unterschiedliche Maßeinheiten für die einzelnen Gefahrgüter, flüssige Stoffe in Liter, für feste Stoffe und verflüssigte Gase in kg Nettomasse; Verdichtete Gase in dem Fassungsvolumen der Gasflaschen.
Bei mehreren gefährl. Gütern muss die Mengenbegrenzung unter Berücksichtigung der Multiplikationen errechnet werden, wobei gilt: Je höher das Gefahrenpotenzial, desto höher der Multiplikator.
Allgemein kann man sagen. Die Freigrenzen ist bei 1000 „Gefahrenpunkten“ erreicht (nicht 1000kg)
ABER ! Maßnahmen treffen, damit ein Freiwerden bei der Beförderung verhindert wird! –ausreichende Ladungssicherung, +UN-Versandstücke, Feuerlöscher/Beförderungspapier (GGAV Nr. 18) !!!

********************
Errechnen der Beförderungsmenge nach der 1000-Punkte-Regel

Die Punkte errechnen Sie, indem Sie die Menge, die befördert werden soll, mit dem jeweiligen Faktor multiplizieren. Zum Beispiel 20 kg "UN 1001 Acetylen, gelöst 2.1“, was Beförderungskategorie 2 und einen Faktor von 3 bedeutet. Multiplizieren Sie also 20 mit 3 und Sie bekommen 60 Punkte heraus.
Machen Sie das für alle Stoffe, die Sie in einer Fracht transportieren wollen. Addieren Sie dann die Punkte, die Sie für jeden Stoff heraus bekommen haben. Wenn Sie weniger oder genau 1000 Punkte erhalten, unterliegen Sie mit der Fracht der Freistellung, Sie müssen das Fahrzeug nicht als Gefahrguttransporter kennzeichnen. Wenn Sie mehr als 1000 Punkte erreichen, müssen Sie einen Teil der Fracht mit einem anderen Fahrzeug transportieren oder die Fracht kennzeichnen, der Fahrer braucht dann einen ADR-Schein.
Das müssen Sie zusätzlich beachten

Sie unterliegen mit dem Transport natürlich auch, wenn Sie die 1000-Punkte-Regel nutzen, weiter der Gefahrstoffverordnung. Daher gilt:

Die Güter müssen in bauartzugelassenen Verpackungen sein. Beispiel: Wenn Sie Benzin transportieren, muss das Behältnis für Benzin zugelassen sein, Benzin im Wasserkanister oder im Regenfass erfüllt die Bedingung dagegen nicht.
Die Verpackungen müssen mit einem passenden Gefahrzettel und der UN-Nummer des Inhalts versehen sein. Dabei muss deutlich ein „UN“ vor den Ziffern stehen..
Sie müssen ordnungsgemäße Beförderungspapiere erstellen und dabeihaben. Achten Sie auf den Vermerk: "Beförderung ohne Überschreitung der in Unterabschnitt 1.1.3.6 festgesetzten Freigrenzen“. Wenn Sie mehrere Sendungen von verschiedenen Absendern transportieren, muss der Vermerk nicht dabei stehen. Außerdem muss für jede Beförderungskategorie die Gesamtmenge in den Papieren verzeichnet sein.
Der Fahrer braucht in dem Fall keinen ADR-Schein, aber Sie müssen darauf achten, dass ein Feuerlöscher (Mindestfassungsvermögen 2 Kg) vorhanden ist. Auch wenn Sie die 1000-Punkte-Regel nutzen können, muss die Ladungssicherung gewährleistet sein. Die Ladung müssen Sie so verstauen, dass diese untereinander und zu den Wänden des Fahrzeugs sich nur geringfügig bewegen kann.

Beachten Sie auch, dass es, auch wenn die Fracht die Bedingungen der 1000-Punkte-Regel entspricht, es durchaus Probleme in Tunneldurchfahrten geben kann. Zum Beispiel dürfen „UN 1001 Acetylen, gelöst, 2.1“ nach der Regel bis zu einer Menge von 333 kg transportieren in Tunnels gelten aber nur 150 kg als bewilligungsfrei.
Quelle:http://www.helpster.de/1000-punkte-rege ... cht_100390
Zuletzt geändert von Mike Gimmerthal am 22.07.14, 20:45, insgesamt 1-mal geändert.
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khmlev
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Re: THW Gefahrguttransport

Beitrag von khmlev » 22.07.14, 20:15

Die hier bereits zitierten Gefahrgut-Vorschriften sehen für Notfallbeförderung zur Rettung menschlichen Lebens oder zum Schutz der Umwelt umfangreiche Befreiungen vor, die auch für das THW gelten. Allerdings müssen auch in diesen Fällen geeignete Vorkehrungen zur sicheren Durchführung der Beförderung getroffen werden.

Normale THW Gefahrgut-Transporte fallen unter die Regelung der "begrenzten Menge" (1000 Punkte Regelung).

Ich empfehle, sich mit dem Handbuch Kraftfahrwesen im THW, Kapitel 7.4, sowie der THW-Rundverfügung 28/2000 Gefahrgut im THW zu beschäftigen.
Gruß
khmlev
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