Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Moderator: FDR-Team

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Fürst
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Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Beitrag von Fürst »

Hallo zusammen,

nehmen wir mal an, das Verkehrszeichen „Gefahrenstelle“ (101) steht außerorts auf einer BAB kurz vor einem Tunnel in Verbindung mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung (60 km/h).

Die Geschwindigkeitsbegrenzung wird nicht aufgehoben, es folgt dann erst später nach ca. 3 Kilometer ein neues Tempolimit mit 80 km/h.

Wie lange ist hier die Geschwindigkeitsbegrenzung (60 km/h) gültig?

Vielen Dank im Voraus und Gruß

Tom Ate
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Re: Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Beitrag von Tom Ate »

in Kombination mit einem Gefahrzeichen gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung so lange, bis die angezeigte Gefahr zweifelsfrei nicht mehr besteht. Ein Schild, das das Tempolimit wieder aufhebt, gibt es in solchen Fällen häufig nicht.

Fürst
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Re: Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Beitrag von Fürst »

Dort ist für mich aber keine Gefahr ersichtlich. Dort ist nur ein kurzer Tunnel und der stellt an sich ja keine Gefahr dar.
Ich kenne dieses Schild eigentlich immer nur in Verbindung mit der genauen Gefahrenbezeichnung (z. B. Ausfahrten, schlechter Fahrbahnbelag, Glätte auf Brücken etc.).

Immerhin gibt es hier aber zumindest einen Anhaltspunkt, warum das Schild auf eine Gefahrenstelle hinweist (Tunnel).

Bei einer anderen Strecke wird bei der Auffahrt auf eine Bundesstraße ein Tempolimit für eine scharfe Kurve angeordnet.
Kurz danach wird ein Tempolimit mit 60 km/h ohne Zusatz angeordnet. Vermutlich soll die Begrenzung für eine 2. folgende Kurve folgen, allerdings wird dieses Tempolimit danach nicht mehr aufgehoben. Erst 15 Kilometer später erfolgt eine neue Geschwindigkeitsbegrenzung und somit die Aufhebung des Tempolimits. Dazwischen sind diverse Auffahrten zur Bundesstraße, welche ja aber das Tempolimit nicht aufheben.

Parallel zur soeben beschriebenen Auffahrt verläuft eine 2. Auffahrt auf die Bundesstraße (hier ohne starker Kurve), wobei hier kein Tempolimit ausgewiesen wird. Es bestehen also an der gleichen Anschlussstelle unterschiedliche Geschwindigkeitsvorgaben.
Würde man sich nun für 15 Kilometer strikt an die 60 km/h halten, käme es vermutlich zu nicht unerheblichen Verkehrsbehinderungen. Gibt es hier eine Regelung, dass man sich in diesem Fall nicht an die 60 km/h halten muss, da die Anordnung offensichtlich fehlerhaft erfolgt ist?

sentry
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Re: Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Beitrag von sentry »

Ich persönlich finde ja oft schon die automatische Aufhebung der Geschwindigkeitsbeschränkung nach Gefahrenstellen grenzwertig, da es doch oft nicht eindeutig ist, wo die potenzielle Gefahr zu Ende ist bzw. Interpretationsspielraum bleibt. Viele fahren dann eben doch mit der limitierten Geschwindigkeit weiter und erst dann enstehen echte Gefahren (Nötigung durch Nachfolgende, riskante Überholmanöver usw.). Da wäre ein billiges Aufhebungszeichen manchmal schöner.

Die Geschichte mit der (vermeintlich) fehlerhaften Anordnung dürfte hingegen praktisch nie wirken. Da wäre ja noch wesentlich mehr Spielraum.
Es gibt so viele Geschwindigkeitsbeschränkungen aus Gründen, die sich jemandem nicht immer sofort erschließen, dessen einzige Qualifikation auf dem Gebiete der Verkehrsanlagenplanung ein Führerschein ist (eingeschränkte Sichtweiten, Hindernisse im Seitenraum, fehlende Schutzeinrichtungen, erhöhtes Unfallaufkommen, fehlende oder zu schmale Seitenstreifen oder Bankette, schlechte Straßenentwässerung usw. usf.). Wenn man da auf Nummer sicher gehen will, muss man sich wohl oder übel an die Geschwindigkeitsbeschränkung halten.

fragenfueralle
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Re: Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Beitrag von fragenfueralle »

Fürst hat geschrieben:...das Verkehrszeichen „Gefahrenstelle“ (101) steht außerorts auf einer BAB kurz vor einem Tunnel in Verbindung mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung (60 km/h).

Die Geschwindigkeitsbegrenzung wird nicht aufgehoben, es folgt dann erst später nach ca. 3 Kilometer ein neues Tempolimit mit 80 km/h.

Wie lange ist hier die Geschwindigkeitsbegrenzung (60 km/h) gültig?...
Das Zeichen 101 ist das Zusatzzeichen für die streckenbezogenen Geschwindigkeitsbeschränkung, der Tunnel (vermutlich unbeleuchtet) der offensichtliche Anlass dafür. Deshalb bedarf es auf der Strecke nach dem Tunnel auch keiner weiteren Kennzeichnung. Es sei denn, es folgen nach dem Tunnel Örtlichkeiten, die einen Zweifel an dem Ende der Geschwindigkeitsbeschränkung lassen (etwa fehlende Fahrbahnmarkierungen oder andere für den Streckenverlauf untypische Gegebenheiten).
Die Beschränkung auf 60 km/h gilt bis zum Ende des Tunnels.
Fürst hat geschrieben:...wird ein Tempolimit mit 60 km/h ohne Zusatz angeordnet. Vermutlich soll die Begrenzung für eine 2. folgende Kurve folgen, allerdings wird dieses Tempolimit danach nicht mehr aufgehoben. Erst 15 Kilometer später erfolgt eine neue Geschwindigkeitsbegrenzung und somit die Aufhebung des Tempolimits. Dazwischen sind diverse Auffahrten zur Bundesstraße, welche ja aber das Tempolimit nicht aufheben....
Lt. StVO gilt: http://www.gesetze-im-internet.de/stvo_ ... 10013.html
[siehe Anlage 2 (zu § 41 Absatz 1) Vorschriftzeichen", Tabelle zu Nr. 55 rechte Spalte]
Erläuterung
Das Ende einer streckenbezogenen Geschwindigkeitsbeschränkung oder eines Überholverbots ist nicht gekennzeichnet, wenn das Verbot nur für eine kurze Strecke gilt und auf einem Zusatzzeichen die Länge des Verbots angegeben ist. Es ist auch nicht gekennzeichnet, wenn das Verbotszeichen zusammen mit einem Gefahrzeichen angebracht ist und sich aus der Örtlichkeit zweifelsfrei ergibt, von wo an die angezeigte Gefahr nicht mehr besteht. Sonst ist es gekennzeichnet durch die Zeichen 278 bis 282.


M.E. ist die Beschilderung so nicht vollständig, da die Kurve zwar der Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung sein dürfte, es jedoch an dem Grund für die Nichtkennzeichnung des Endes der streckenbezogenen Geschwindigkeitsbeschränkung fehlt (kein Zusatzzeichen, kein Gefahrzeichen).
Fürst hat geschrieben:...Gibt es hier eine Regelung, dass man sich in diesem Fall nicht an die 60 km/h halten muss, da die Anordnung offensichtlich fehlerhaft erfolgt ist?
Kann ich mir nicht vorstellen.
Viele Menschen hinterlassen Spuren.
Nur wenige hinterlassen Eindrücke.

Manche aber hinterlassen nur beim Eindrücken Spuren.

hambre
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Re: Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Beitrag von hambre »

Gibt es hier eine Regelung, dass man sich in diesem Fall nicht an die 60 km/h halten muss, da die Anordnung offensichtlich fehlerhaft erfolgt ist?
Mir ist dazu auch keine Regelung bekannt. Allerdings kann man sich in so einem Fall an die zuständige Straßenverkehrsbehörde wenden und diese auf das Problem aufmerksam machen. Wahrscheinlich wurde tatsächlich ein Schild vergessen oder, was auch manchmal passiert gestohlen und bislang hat es noch niemand bemerkt.

hawethie
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Re: Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Beitrag von hawethie »

Ich persönlich finde ja oft schon die automatische Aufhebung der Geschwindigkeitsbeschränkung nach Gefahrenstellen grenzwertig, da es doch oft nicht eindeutig ist, wo die potenzielle Gefahr zu Ende ist bzw. Interpretationsspielraum bleibt. Viele fahren dann eben doch mit der limitierten Geschwindigkeit weiter und erst dann enstehen echte Gefahren (Nötigung durch Nachfolgende, riskante Überholmanöver usw.). Da wäre ein billiges Aufhebungszeichen manchmal schöner.
und noch ein Schild - damit die VTs bloß nicht das Gehirn einschalten müssen.
Gibt es hier eine Regelung, dass man sich in diesem Fall nicht an die 60 km/h halten muss, da die Anordnung offensichtlich fehlerhaft erfolgt ist?
eine Formelle Regelung gibt's nicht, das wären dann Einzelfallentscheidungen. Aber 15 km ohne Wiederholung? Schon mal bei der zuständigen Verkehrsbehörde gefragt?
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

sentry
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Re: Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Beitrag von sentry »

hawethie hat geschrieben:und noch ein Schild - damit die VTs bloß nicht das Gehirn einschalten müssen.
Na ja, wir reden in diesem Fall ja nicht vom Schilderwald, sondern von einzelnen Verkehrszeichen auf längeren Streckenzügen, die ganz offensichtlich einen Nutzen hätten.
Wenn wir zur Gehirneinschaltung animieren wollen, könnten wir auch gleich alle genannten Geschwindigkeitsbeschränkungen weglassen. Muss ja sowieso jeder seine Fahrweise an die örtlichen Gegebenheiten anpassen... :roll:
Außerdem impliziert auch Dein Vorschlag (Nachfrage bei der Verkehrsbehörde) die Aufstellung zusätzlicher Schilder (Gefahrenstelle/Kurve, Aufhebung oder ggf. Wiederholung der Geschwindigkeitsbeschränkung).

Tom Ate
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Re: Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Beitrag von Tom Ate »

Fürst hat geschrieben:Dort ist für mich aber keine Gefahr ersichtlich.
Vielleicht deinen Gefahrenradar mal überprüfen.



@senty

Die Auslegung wann das zuende ist, hat die Rechtsprechung schon deutlich gemacht.
Es ist deutlich weiter, als man denken mag. Somit handeln die langsamen Fahrer richtig

SusanneBerlin
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Re: Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Beitrag von SusanneBerlin »

Dort ist für mich aber keine Gefahr ersichtlich. Dort ist nur ein kurzer Tunnel und der stellt an sich ja keine Gefahr dar.
Wie kommt es dann, dass an fast jedem Tunnel die Geschwindigkeit auf 60km/h begrenzt ist? Hat vielleicht doch was damit zu tun, dass ein Unfall im Tunnel gefährlicher ist als auf freier Strecke. Man kann nicht ausweichen, oft gibt es keinen Standstreifen, wenn es brennt wird der Sauerstoff knapp.
Grüße, Susanne

Fürst
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Re: Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Beitrag von Fürst »

Also ich kenne außer diesem Tunnel keinen, der auf 60 km/h beschränkt ist.
Die meisten Tunnel auf der BAB, die ich kenne, sind auf 100 km/h oder 80 km/h beschränkt.

Unabhängig davon kommt es eben aufgrund dieser Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Strecke immer wieder zu gefährlichen Fahrmanövern, wenn sich tatsächlich dann mal ein Verkehrsteilnehmer (wie z. B. ich) "überraschend" an die zulässige Höchstgeschwindigkeit hält. LKW halten hier regelmäßig nur wenige Meter Abstand und blenden zum Teil sogar auf...

fragenfueralle
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Re: Geschwindigkeitsbegrenzung mit Gefahrstelle

Beitrag von fragenfueralle »

Fürst hat geschrieben:...Unabhängig davon kommt es eben aufgrund dieser Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Strecke immer wieder zu gefährlichen Fahrmanövern, wenn sich tatsächlich dann mal ein Verkehrsteilnehmer (wie z. B. ich) "überraschend" an die zulässige Höchstgeschwindigkeit hält. LKW halten hier regelmäßig nur wenige Meter Abstand und blenden zum Teil sogar auf...
Das Aufblenden und nahes Auffahren ist natürlich Nötigung, auch nach dem Tunnel. Der LKW-Fahrer kann ja überholen, wenn er der Ansicht ist, dass die angezeigte Gefahr nach dem Tunnel zweifelsfrei nicht mehr besteht.
Da es sich um eine BAB handelt, dürfte es vermutlich vor der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60km/h eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 bzw. 80 km/h geben, oder?
Tom Ate hat geschrieben:...
@senty

Die Auslegung wann das zuende ist, hat die Rechtsprechung schon deutlich gemacht.
Es ist deutlich weiter, als man denken mag. Somit handeln die langsamen Fahrer richtig
Aber wie weit ist denn "deutlich weiter"? Wenn wir jetzt mal annehmen, die Gefahrenstelle sei ausschließlich der Tunnel, und nach dem Tunnel sind keine weiteren Gefahren mehr erkennbar. Dann wird doch der Verkehrsteilnehmer in seinem Fahrzeug sich innerhalb weniger Sekunden nach der Tunneldurchfahrt davon überzeugen können, dass kein Zweifel über das Ende der Gefahr besteht. In dieser Zeit legt er dann, wenn er lange überlegt, z.B. 200m zurück, lange genug, um auch vorausschauend bei einer geraden, gut einsehbaren Strecke eventuelle Gefahren erkennen zu können. Zwar gilt die Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h auf deutschen BABs, wenn er aber aufgrund der vorangegangenen Geschwindigkeitsbegrenzung weiterhin mit 60 km/h fährt, hat er die Beschilderung nicht richtig interpretiert.
Viele Menschen hinterlassen Spuren.
Nur wenige hinterlassen Eindrücke.

Manche aber hinterlassen nur beim Eindrücken Spuren.

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