Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Moderator: FDR-Team

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helmes63
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Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Beitrag von helmes63 »

Guten Tag,

... immer wieder wurde mir gepredigt dass Fahrradwege zu nutzen pflichtig ist wenn diese parallel zu Landstraßen angelegt sind. Das ist sicherlich auch ratsam aus sicherheitstechnischen Gründen. Allerdings gibt es zunehmend auch Fahrradwege welche mit Schlaglöcher übersäht sind, dann ist ja bekanntlich ein Wechsel auf der Straße statthaft.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Zumutbarkeitskriterien in der StVO konkret in diesem Punkt nicht genau geregelt sind. Es gibt bspw. Fahrradwege die im Frühjahr und Sommer auch wegen einer Fülle von Scherben eine echte Zumutung für Radfahrer sind.

Was sagt der Gesetzgeber zu dieser Problematik ?!


SusanneBerlin
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Re: Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Beitrag von SusanneBerlin »

helmes63 hat geschrieben:Was sagt der Gesetzgeber zu dieser Problematik ?!
Was der Gesetzgeber sagt, ist einfach zu beantworten. Man muss nämlich nur ins Gesetz gucken. Im Gesetz ist der Zustand des Radwegs nicht berücksichtigt. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass der Radweg in Ordnung ist.

Wenn Zeichen 237 (rundes Schild mit weißen Farradsymbol auf blauem Grund) angebracht ist, dann gilt:
StVO Anlage 2 (zu § 41 Absatz 1), lfd. Nr. 16 Satz 1 hat geschrieben:Der Radverkehr darf nicht die Fahrbahn, sondern muss den Radweg benutzen (Radwegbenutzungspflicht).
https://www.gesetze-im-internet.de/stvo ... age_2.html
Grüße, Susanne

FM
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Re: Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Beitrag von FM »

helmes63 hat geschrieben: Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Zumutbarkeitskriterien in der StVO konkret in diesem Punkt nicht genau geregelt sind.
Die Definition wieviele Schlaglöcher je Quadratmeter, welche Größe und Tiefe (und ähnliches über andere Hindernisse) wäre schwierig.

Schon des öfteren habe ich bemerkt, dass es Radfahrer äußerst verwunderlich finden, wenn Rollstuhlfahrer z.B. wegen besserer Pflasterung oder besserer Bordsteinabsenkungen lieber den Rad- als den Fußweg nutzen.

karli
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Re: Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Beitrag von karli »

FM hat geschrieben:Schon des öfteren habe ich bemerkt, dass es Radfahrer äußerst verwunderlich finden, wenn Rollstuhlfahrer z.B. wegen besserer Pflasterung oder besserer Bordsteinabsenkungen lieber den Rad- als den Fußweg nutzen.
Falls es sich um einen Radweg handelt, der mit Zeichen 237 gekennzeichnet ist und kein weiterer Verkehr per Zusatzbeschilderung zugelassen ist, hat der Rollstuhlfahrer meiner Ansicht nach auch nichts auf dem Radweg verloren.
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
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Tom Ate
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Re: Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Beitrag von Tom Ate »

Manchmal Sind auf der Straße sehr viele Schlaglöcher und der Radweg ist gut ausgebaut und die bessere Alternative. Darf ich dann als Autofahrer, weil zu viel Schlaglöcher auf der Straße sind, den Radweg nutzen?

FM
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Re: Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Beitrag von FM »

karli hat geschrieben: Falls es sich um einen Radweg handelt, der mit Zeichen 237 gekennzeichnet ist und kein weiterer Verkehr per Zusatzbeschilderung zugelassen ist, hat der Rollstuhlfahrer meiner Ansicht nach auch nichts auf dem Radweg verloren.
Mag sein. Aber das Nutzungsgebot interessiert ja den Radfahrer auch nicht, wenn er meint auf der Fahrbahn besser fahren zu können. In einer Situation wie dieser hier:
http://blog.medienecken.de/wp-content/g ... 121515.jpg
wird jeder Rollstuhlfahrer nur den Radweg benutzen.

Nordland
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Re: Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Beitrag von Nordland »

Tom Ate hat geschrieben:Manchmal Sind auf der Straße sehr viele Schlaglöcher und der Radweg ist gut ausgebaut und die bessere Alternative. Darf ich dann als Autofahrer, weil zu viel Schlaglöcher auf der Straße sind, den Radweg nutzen?
Nö, weil der angestammte Weg sowohl des Autofahrers als auch des Fahrradfahrers die Straße ist.

Zur Frage. Man sollte als Radfahrer großzügig auf die Nutzung von Fahrradwegen verzichten.
Es ist unser Land.

Deputy
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Re: Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Beitrag von Deputy »

SusanneBerlin hat geschrieben:
helmes63 hat geschrieben:Was sagt der Gesetzgeber zu dieser Problematik ?!
Was der Gesetzgeber sagt, ist einfach zu beantworten. Man muss nämlich nur ins Gesetz gucken.
Du weißt aber schon, wer da fragt? Der ist mit dem Blick ins Gesetz regelmäßig überfordert (selbst wenn man das Gesetz inkl. Paragraph nennt) ...

Hans Ulg
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Re: Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Beitrag von Hans Ulg »

FM hat geschrieben:Mag sein. Aber das Nutzungsgebot interessiert ja den Radfahrer auch nicht, wenn er meint auf der Fahrbahn besser fahren zu können. In einer Situation wie dieser hier:
http://blog.medienecken.de/wp-content/g ... 121515.jpg
wird jeder Rollstuhlfahrer nur den Radweg benutzen.
Wieso nicht die Fahrbahn, die ist doch in einem deutlich bessenren Zustand und zudem auch deutlich breiter? Verboten ist beides.

FM
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Re: Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Beitrag von FM »

Hans Ulg hat geschrieben:
FM hat geschrieben:
Wieso nicht die Fahrbahn, die ist doch in einem deutlich bessenren Zustand und zudem auch deutlich breiter? Verboten ist beides.
Rollstuhlfahrer wissen, dass sie schlecht sichtbar sind, schlechter als Fußgänger und Radfahrer. Schon hinter einem PKW sieht man sie nicht mehr. Der Radfahrer auf dem Radweg sieht sie aber ziemlich sicher, da ist nichts im Weg. Und was den Gehweg auf dem Foto betrifft: der ist wegen Kopfsteinpflaster mit Rollstuhl noch schlechter zu benutzen als ein Radweg mit einigen Schlaglöchern für einen Radfahrer (die Pflasterung kostet bei manzuellen Rollis viel Kraft, bei elektrischen ist das Steuern dann sehr schwierig). Da gilt also das gleiche Notstandsargument wie beim Radfahrer, der wegen schlechten Weg auf die Fahrbahn ausweicht.

helmes63
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Re: Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Beitrag von helmes63 »

Da das ausweichen auf Landstraßen bei schlechtem Zustand der Radwege erlaubt ist bleibt die Frage wer definiert, wann die Nutzungspflicht von Radfahrwegen als unzumutbar anerkannt werden kann. Auf diesen entscheidenden Punkt habe ich immer noch keine Antwort erhalten. Es muss hierfür entsprechende handfeste Kriterien geben.

Die Polizei ist da hoffentlich nachsichtig, insofern Sie das Problem kennen sollte.

Gammaflyer
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Re: Grenzen der Nutzungspflicht von Fahrradwegen

Beitrag von Gammaflyer »

helmes63 hat geschrieben:Es muss hierfür entsprechende handfeste Kriterien geben.
Nein, muss es nicht.
Man kann es schlicht anhand des Einzelfalls auf Zumutbarkeit prüfen.

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