Wenig Zeit an der Fußgängerampel

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Altbauer
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Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von Altbauer »

Herr A ist gehbehindert.
Jedoch mit seinem Rollator ist er täglich wacker unterwegs.
Sein täglicher Weg zum Einkauf führt ihn über einen Zebrastreifen mit Fußgängerampel.

Wegen seines Handicaps schafft Herr A in der Grünphase gerade einmal 1/4 des Weges über die Straße.
Dann springt seine Fußgängerampel auf Rot und Herr A braucht noch einmal viel Zeit um drüben anzukommen.

Nach einem Erlebnis mit quietschende Bremsen von Autos und fast-Auffahrunfällen von Autos, die in der eigenen
Grünphase wegen Herrn A anhalten mussten, behauptet ein Bekannter von Herrn A:

-Wenn Herrn A bekannt ist, dass er den Weg über die Straße auch bei bester Ausnutzung der eigenen Grünpphase
plus einer vertretbaren Zusatzzeit zum Ankommen auf der anderen Seite nicht schafft, dann darf er halt diesen
Fußgängerübergang nicht benutzen.

Wie ist die Rechtslage?

karli
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von karli »

Altbauer hat geschrieben:Zebrastreifen mit Fußgängerampel.
Gibt's das? :shock:
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
Achtung: Meine Beiträge können Meinungsäusserungen, Denkanstösse, sowie Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.

winterspaziergang
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von winterspaziergang »

Altbauer hat geschrieben: Wegen seines Handicaps schafft Herr A in der Grünphase gerade einmal 1/4 des Weges über die Straße.
Dann springt seine Fußgängerampel auf Rot und Herr A braucht noch einmal viel Zeit um drüben anzukommen.

Nach einem Erlebnis mit quietschende Bremsen von Autos und fast-Auffahrunfällen von Autos, die in der eigenen
Grünphase wegen Herrn A anhalten mussten, behauptet ein Bekannter von Herrn A:
wie lange kann man sich die Zeit vorstellen, dass Autos, die bei Rot noch nicht an der Ampel standen und nun in der Geschwindigkeit heranfahren, dass sie quietschend bremsen müssen?

FM
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von FM »

Wie es funktioniert, ist hier schön erklärt:

https://www.merkur.de/lokales/muenchen/ ... 89673.html

Bei Ampeln die in zentrale Systeme zur Grünen Welle integriert sind, wird man die Phase auch nicht für den Einzelfall verlängern können. Bei Ampeln nur für einen Fußgängerüberweg ginge das leicht, z.B. mit einem extra Knopf (ähnlich wie im Bus für behinderte Fahrgäste). Das kann man der zuständigen Behörde vorschlagen.

MrMurphy
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von MrMurphy »

Hallo

Es gibt keine Regel dass Fußgänger eine Fußgängerampel während der Grünphase überqueren müssen.

Fußgänger dürfen die Fahrbahn während der Grünphase betreten und ihren Weg auch bei Rot fortsetzen, auch wenn sie sehr langsam sind.

Das Problem sind hier die Autofahrer, die offensichtlich mit den Verkehrsregeln überfordert sind.

Gruss

MrMurphy

FM
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von FM »

MrMurphy hat geschrieben: Das Problem sind hier die Autofahrer, die offensichtlich mit den Verkehrsregeln überfordert sind.
Es geht um die Zeit, wo der Autofahrer schon wieder grün hat. Und wenn er dann erst angefahren kommt ohne wissen zu können, dass einige Minuten vorher für Fußgänger grün war, muss er natürlich vermuten der Fußgänger wäre bei Rot auf die Straße gegangen. Klar, zur Seite rammen darf er ihn trotzdem nicht, aber mit der Hupe auf die Gefahrensituation aufmerksam machen schon.

winterspaziergang
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von winterspaziergang »

FM hat geschrieben: Es geht um die Zeit, wo der Autofahrer schon wieder grün hat. Und wenn er dann erst angefahren kommt ohne wissen zu können, dass einige Minuten vorher für Fußgänger grün war, muss er natürlich vermuten der Fußgänger wäre bei Rot auf die Straße gegangen.
Das ist wohl die Frage: Was macht ein gehbehinderter Mensch, der mehrere Minuten für das Überqueren benötigt bzw. offenbar so lange, dass "neue" Autofahrer ungebremst und mit zulässiger Höchstgeschwindigkeit heranfahren.
FM hat geschrieben: Klar, zur Seite rammen darf er ihn trotzdem nicht, aber mit der Hupe auf die Gefahrensituation aufmerksam machen schon.
was nutzt die Hupe und das aufmerksam machen, wenn er mitten auf dem Weg steht und nicht schneller laufen kann?
...mit seinem Rollator ...
Wegen seines Handicaps schafft Herr A in der Grünphase gerade einmal 1/4 des Weges über die Straße.

FM
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von FM »

winterspaziergang hat geschrieben:
FM hat geschrieben: Klar, zur Seite rammen darf er ihn trotzdem nicht, aber mit der Hupe auf die Gefahrensituation aufmerksam machen schon.
was nutzt die Hupe und das aufmerksam machen, wenn er mitten auf dem Weg steht und nicht schneller laufen kann?
...mit seinem Rollator ...
Wegen seines Handicaps schafft Herr A in der Grünphase gerade einmal 1/4 des Weges über die Straße.
Das kann der Autofahrer nicht wissen. Er sieht nur, da versucht jemand - noch dazu mit Rollator, also wohl gehbehindert - bei Fußgänger-Rot die Straße zu überqueren. Vielleicht hat er das Rot übersehen? Vielleicht ist er auch sehbehindert und konnte es gar nicht sehen? Mit der Hupe warnt man ihn, aber auch andere Autofahrer, vor der Gefahrensituation.

hawethie
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von hawethie »

da der Rollatorschieber sicher nicht stehen bleibt, wird jeder aufmerksame Autofahrer sehen, dass der nicht schneller kann.
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

ktown
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von ktown »

FM hat geschrieben:Mit der Hupe warnt man ihn
Also hupe ich auch die Entenfamilie an, wenn sie die Straße überquert. :wink:
FM hat geschrieben:aber auch andere Autofahrer, vor der Gefahrensituation
Welche anderen Autofahrer? Der rückwärtige Verkehr sollte schon durch mein Bremslicht auffallen, dass es nicht weiter geht und der Gegenverkehr wird das Hupen sicherlich erst wahrnehmen wenn er eh am Hindernis steht. Oder?

Aber um auf die Aussage zurück zu kommen, mit der der TE konfrontiert wurde
Altbauer hat geschrieben:Wenn Herrn A bekannt ist, dass er den Weg über die Straße auch bei bester Ausnutzung der eigenen Grünpphase
plus einer vertretbaren Zusatzzeit zum Ankommen auf der anderen Seite nicht schafft, dann darf er halt diesen
Fußgängerübergang nicht benutzen.
Meines Erachtens gibt die Gesetzeslage diesbezüglich nichts her. Das
MrMurphy hat geschrieben:Fußgänger dürfen die Fahrbahn während der Grünphase betreten und ihren Weg auch bei Rot fortsetzen, auch wenn sie sehr langsam sind.
sagt alles.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Zafilutsche
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von Zafilutsche »

hawethie hat geschrieben:da der Rollatorschieber sicher nicht stehen bleibt, wird jeder aufmerksame Autofahrer sehen, dass der nicht schneller kann.
und er würde sicherlich auch nicht die Hupe einsetzen, damit der ältere Herr sich weder erschrecken kann oder in Hast gerät um danach zu stolpern und so
die ganze Strasse für unbestimmte Zeit blockiert.
Aber das mit der Weitsicht und den Autofahrern ist ja bekanntlich so ne Sache!

Ich habe mal eine sehr ähnliche Situation erlebt. Statt des älteren Herrn mit Rollator, war es ein recht junger/sportlicher Mann der nach
Meinung des wartenden Autofahrers zu langsam die Strassenseite wechselte. Direkt Beleidigend kamen Wüste Beschimpfungen,
vom Autofahrer sein A... schneller zu bewegen. Der Füßgänger erdreisstete sich Widerworte zu geben. Daraufhin stieg der Autofahrer
aus und beging eine schwere Körperverletzung.
Beifahrerin und Autofahrer zeigten im Anschluß den Fußgänger an, weil dieser Angeblich den Autofahrer aus dem Fahrzeug gezehrt hätte.
Echt doof für die beiden, dass ein neutraler Zeuge das geschehen beobachtet hatte und bei der Polizei auftauchte. :devil: Damit hatten der Autofahrer und die Beifahrerin nicht mit gerechnet und somit ihre Aussagen vor Gericht revidieren müssen. :mrgreen:

zimtrecht
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von zimtrecht »

Hier geht es schon um zulässiges Hupen oder nicht. Die Frage war aber:
Altbauer hat geschrieben:behauptet ein Bekannter von Herrn A:
-Wenn Herrn A bekannt ist, dass er den Weg über die Straße auch bei bester Ausnutzung der eigenen Grünpphase plus einer vertretbaren Zusatzzeit zum Ankommen auf der anderen Seite nicht schafft, dann darf er halt diesen Fußgängerübergang nicht benutzen.

Wie ist die Rechtslage?
Die Rechtslage ist: Die Behauptung des Bekannten ist Quatsch.

Mueck
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von Mueck »

karli hat geschrieben:
Altbauer hat geschrieben:Zebrastreifen mit Fußgängerampel.
Gibt's das? :shock:
Nein.
In Deutschland darf es keine Kombination aus Zebrastreifen (amtlich: Fußgängerüberweg) und Ampel (amtlich: Lichtzeichenanlage) geben.
Es dürfte eine Ampel mit FußgängerFURT gemeint sein ...

Ansonsten: Der Rollatorschieber macht alles richtig:
"§ 25 (3) Wer zu Fuß geht, hat Fahrbahnen unter Beachtung des Fahrzeugverkehrs zügig auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrtrichtung zu überschreiten. Wenn die Verkehrsdichte, Fahrgeschwindigkeit, Sichtverhältnisse oder der Verkehrsablauf es erfordern, ist eine Fahrbahn nur an Kreuzungen oder Einmündungen, an Lichtzeichenanlagen innerhalb von Markierungen, an Fußgängerquerungshilfen oder auf Fußgängerüberwegen (Zeichen 293) zu überschreiten. Wird die Fahrbahn an Kreuzungen oder Einmündungen überschritten, sind dort vorhandene Fußgängerüberwege oder Markierungen an Lichtzeichenanlagen stets zu benutzen.
§ 37 (2) 5. Gelten die Lichtzeichen nur für zu Fuß Gehende oder nur für Rad Fahrende, wird das durch das Sinnbild „Fußgänger“ oder „Radverkehr“ angezeigt. Für zu Fuß Gehende ist die Farbfolge Grün-Rot-Grün; für Rad Fahrende kann sie so sein. Wechselt Grün auf Rot, während zu Fuß Gehende die Fahrbahn überschreiten, haben sie ihren Weg zügig fortzusetzen."

"Zügig" ist eben relativ zu den Möglichkeiten des Fußgängers. Hausarrest ist nicht Sache der StVO ...

Die Autofahrer mögen mal ihre Erinnerung an § 3 auffrischen "(2a) Wer ein Fahrzeug führt, muss sich gegenüber Kindern, hilfsbedürftigen und älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist."
Und ...
"§ 37 (2) 1. An Kreuzungen bedeuten:
Grün: „Der Verkehr ist freigegeben“."
... heißt nicht "ungebremste freie Fahrt". Nach herrschender Rechtsmeinung und vermutlich vielen Urteilen hat man noch mit räumenden Verkehrsteilnehmern zu rechnen ...

FM
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von FM »

Ich war die letzten zwei Tage in München (worauf sich der verlinkte Artikel bezog) und habe festgestellt: es ist so wie dort beschrieben. Bei normaler Gehgeschwindigkeit (ich denke meine ist normal) schafft man 3/4 der Fahrbahn bis wieder Rot wird. Was unproblematisch ist.

Der Gehbehinderte der nur halb so schnell vorankommt schafft dann nur ein Drittel, wenn er sofort zu Beginn der Grünphase losgeht. Bis er die Straßenmitte erreicht hat, dürften die Autofahrer schon wieder grün haben. Was schon problematisch ist. Ja, natürlich darf er weitergehen.

Wenn er aber erst am Ende der Fußgängergrünphase die Fahrbahn betritt, wird schon nach ein oder zwei Schritten für ihn Rot erscheinen und noch deutlich bevor er die Straßenmitte erreicht für die Autofahrer Grün. Das weiß er aber auch aus Erfahrung. Und dann haben wir:
§ 1 StVO Grundregeln
(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.
Daraus kann man nun folgern: der Fußgänger der um diese Problematik weiß, darf dann nur zu Beginn der Grünphase mit der Überquerung beginnen und nicht mehr dann, wenn er im letzten Moment gerade noch einen Fuß auf die Fahrbahn setzen kann. Nur so kann er "mehr, als nach den Umständen unvermeidbar" einhalten und eine Verkehrsbehinderung so weit als eben möglich vermeiden. Sehr wahrscheinlich wird er sich auch ohne Kenntnis des § 1 so verhalten, da er selbst auch ungern auf der Straße steht zwischen hupenden oder vorbeibrausenden Autos. Aber "die Straße überhaupt nicht überqueren" kann man natürlich nicht verlangen.

MrMurphy
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Re: Wenig Zeit an der Fußgängerampel

Beitrag von MrMurphy »

Hallo
Daraus kann man nun folgern: der Fußgänger der um diese Problematik weiß, darf dann nur zu Beginn der Grünphase mit der Überquerung beginnen und nicht mehr dann, wenn er im letzten Moment gerade noch einen Fuß auf die Fahrbahn setzen kann.
Was du schreibst ist Diskriminierung in Reinkultur. Gesetze gelten für Jedermann, unabhängig von Geschlecht, Alter, körperlichen Zustand und und und.

Wenn im Gesetz steht, dass bei Grün die Fahrbahn betreten werden darf, gilt das damit auch für Jeden. Außer im Gesetz selbst steht etwas anderes. Das ist hier nicht der Fall.

Deine Hinweise über Rücksicht, Behinderung u.s.w. müssen sich die Autofahrer hinter die Ohren schreiben, die sind nämlich auch in dem Fall eines langsam die Straße überquerenden Fußgängers gemeint.

Gruss

MrMurphy

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