Nötigung oder Abstandsverstoß

Moderator: FDR-Team

neutrino
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Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von neutrino »

Liebes Forumteam und -Teilnehmer,

folgende Situation:

Fahrer A fährt auf einem mäßig befahrenen dreispurigen Autobahnabschnitt auf der mittleren Spur mit etwa 130-140 km/h. Um vor ihm fahrende Fahrzeuge auf der mittleren Spur zu überholen wechselt er auf die linke Spur, nachdem er sich versichert hat, dass die linke Spur frei ist. Auf dem geraden Autobahnabschnitt ist lediglich sehr weit hinten ein Fahrzeug auf der linken Spur zu erkennen. Die Entfernung dieses Fahrzeugs zu diesem Zeitpunkt spricht nicht gegen ein Wechseln auf die linke Spur.

Während des Überholvorgangs blickt Fahrer A in wieder den Rückspiegel und sieht nun ein Fahrzeug sehr dicht hinter sich fahren, so dicht, dass man die Scheinwerfer nicht mehr erkennen kann. Offensichtlich hatte das Fahrzeug, das sehr weit hinten zu erkennen war eine sehr hohe Geschwindigkeit drauf weil es in der kurzen Zeit so schnell aufgeschlossen hatte.

Fahrer A fühlt sich sehr bedrängt und prüft, ob er wieder in die mittlere Spur einscheren kann, was aber in diesem Moment nicht geht weil sich dort Fahrzeuge befinden. Bei einem erneuten Blick in den Rückspiegel sieht er, dass der Fahrer des ihm folgenden Fahrzeugs jetzt in beiden Händen ein Handy abgestützt auf das Lenkrad hält und Fahrer A offensichtlich filmt. Der Abstand des drängelnden Fahrzeugs zum Auto von Fahrer A hatte sich nur unwesentlich vergößert (man sieht jetzt ein kleines Stück mehr von der Motorhaube.

Der drängelnde Fahrer in Fahrzeug B hält sein Handy weiterhin auf Fahrer A gerichtet. Fahrer A wechselt bei nächster Gelegenheit wieder auf die mittlere Spur.

Der Vorgang des Drängelns ging über mindestens eine halbe Minute (bis Fahrer A wieder nach links wechselt). In dieser Zeit wird bei einer Geschwindigkeit von 130 km/h mehr als ein Kilometer zurückgelegt.

Als der drängelnde Fahrer an Fahrer A vorbei fährt, hält er immer noch sein Handy in der Hand und filmt Fahrer A. Jetzt hält er das Handy mit seiner rechten Hand zum geöffneten Beifahrerfenster hinaus gerichtet und muss sich dafür über den Beifahrersitz legen, so dass sich sein Kopf schon über dem Beifahrersitz befindet. Seine Hand mit dem Handy befindet sich nahe am Beifahrerfenster. Dieses Manöver bei Beschleunigung und einer Geschwindigkeit von erheblich über 130 km/h. Es handelt sich nicht etwa um ein besonders schmales Auto, in welchem es einfacher möglich wäre, vom Fahrersitz aus das Beifahrerfenster zu erreichen. Es handelt sich um einen PKW XY (wahrscheinlich A6).

Wie ist das Verhalten des drängelnden Fahrers zu bewerten?

Vielen Dank im Voraus für Eure Einschätzung
Zuletzt geändert von ktown am 03.07.18, 08:45, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Klarnamen entfernt

Jens L
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von Jens L »

Ich sehe einen Verstoß gegen §4 StVO, für den im Bußgeldkatalog je nach Schwere bis zu 400 Euro Bußgeld und bis zu drei Monate Fahrvebot vorgesehen sind, sowie einen Verstoß gegen §23 Abs. 1 StVO, für den der Bußgeldkatalog 100 Euro vorsieht.

hawethie
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von hawethie »

beiden Händen ein Handy abgestützt auf das Lenkrad hält und Fahrer A offensichtlich filmt
ist aber auch eine Frechheit von A, so dicht vor dem herzufahren..... 8)
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

neutrino
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von neutrino »

Ja gell?

FelixSt
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von FelixSt »

Wir haben hier also einen Fahrer, der nicht das erforderliche Nervenkostüm für die Nutzung der Überholspur aufweist, es aber dennoch tut, und wir haben einen Verkehrsrowdy, der seine Verstöße selber filmt. Und nun?
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

Tastenspitz
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von Tastenspitz »

FelixSt hat geschrieben:Und nun?
Nix. :)
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

ktown
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von ktown »

Naja Jens L hat ja alles gesagt. Alles weitere ist Prosa.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

neutrino
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von neutrino »

FelixSt hat geschrieben:Wir haben hier also einen Fahrer, der nicht das erforderliche Nervenkostüm für die Nutzung der Überholspur aufweist, es aber dennoch tut, und wir haben einen Verkehrsrowdy, der seine Verstöße selber filmt. Und nun?
Nix und nun. Die Frage wurde rein aus Interesse gestellt.
Es würde mich interessieren, ob es sich bei einem solch dichten Auffahren über "längere" Zeit um Nötigung oder lediglich um einen Abstandsverstoß handelt.



Warum A nicht das erforderliche Nervenkostüm für die Überholspur haben soll erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht ganz.


Danke an Jens L für seine Einschätzung.

Elektrikör
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von Elektrikör »

Hallo,
neutrino hat geschrieben: Warum A nicht das erforderliche Nervenkostüm für die Überholspur haben soll erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht ganz.
OT:
Weil man es auch anders sehen könnte:
… nachdem er sich versichert hat, dass die linke Spur frei ist.
Auf dem geraden Autobahnabschnitt ist lediglich sehr weit hinten ein Fahrzeug auf der linken Spur zu erkennen. Die Entfernung dieses Fahrzeugs zu diesem Zeitpunkt spricht nicht gegen ein Wechseln auf die linke Spur.

Während des Überholvorgangs blickt Fahrer A in wieder den Rückspiegel und sieht nun ein Fahrzeug sehr dicht hinter sich fahren, so dicht, dass man die Scheinwerfer nicht mehr erkennen kann. Offensichtlich hatte das Fahrzeug, das sehr weit hinten zu erkennen war eine sehr hohe Geschwindigkeit drauf weil es in der kurzen Zeit so schnell aufgeschlossen hatte.
A hat also nicht sorgfältig genug geprüft / geschaut
… Fahrer A fühlt sich sehr bedrängt ...
Vorne alles frei --> lass ihn doch drängeln
…Der Vorgang des Drängelns ging über mindestens eine halbe Minute (bis Fahrer A wieder nach links wechselt).
Gaspedal defekt?


MfG
Alles hier von mir geschriebene stellt meine persönlichGanzFürMichAlleineMeinung dar
Falls in einer Antwort Fragen stehen, ist es ungemein hilfreich, wenn der Fragesteller diese auch beantwortet

ktown
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von ktown »

Naja 30sec für einen Überholvorgang ist nicht gerade extrem langsam.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Froggel
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von Froggel »

Elektrikör hat geschrieben:OT:
Weil man es auch anders sehen könnte:
...
A hat also nicht sorgfältig genug geprüft / geschaut
Das mag schon sein, gibt dem auffahrenden Fahrer aber nicht das Recht, den vorderen Fahrer zu nötigen. Das ganze Verhalten ist als Abstandsverstoß in Verbindung mit einer Nötigung zu sehen. Das "oder" in der Frage "Nötigung oder Abstandsverstoß" wäre also in ein "und" zu wandeln.

Im Übrigen kann ich die Fehleinschätzung des vorausfahrenden Fahrers gut nachvollziehen. Wenn man in weiter Ferne ein Auto entdeckt, muss man nicht damit rechnen, dass es im nächsten Augenblick bereits hinter einem ist. Anders herum sollte ein Schnellfahrer so voraussehend fahren, dass es gar nicht erst zu so einer Situation kommen kann. Aber das ist mit Tunnelblick und dem Glauben, dass man das Recht auf die linke Spur gepachtet hat, natürlich gar nicht so einfach.

Kleiner Schwank aus eigener Erfahrung: Bereits auf der Auffahrt auf die Autobahn drängelte das Fahrzeug hinter mir bis zum Gehtnichtmehr. Als ich auf dem Beschleunigungsstreifen beschleunigte, zog er gleich auf die linke Spur rüber - und schaffte es einfach nicht, mich zu überholen, da auch ich das Gaspedal durchgetreten hatte (Autobahn war recht leer und mein Wagen nicht langsam). Als ich (mittlerweile über 200 km/h schnell) in weiter, weiter Ferne zwei LKW dicht aufeinander fahren sah, nahm ich den Fuß vom Gas, da ich annahm, dass der hintere den vorderen überholen würde. Der Raser schräg hinter mir schien offensichtlich froh, mich endlich abzuhängen, zog an mir vorbei. In dem Augenblick scherte der hintere LKW aus - und da das für meinen Überholer offenbar vollkommen überraschend war, dass da plötzlich ein LKW auf seiner Spur war, musste er so stark bremsen, dass sein Auto ins Schlingern geriet.
Es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, dass ein zum Überholen ansetzender Fahrer schlecht einschätzen kann, dass das Auto in weiter Ferne eine so hohe Geschwindigkeit hat, wie im obigen Sachverhalt beschrieben. Deswegen auf jeden Überholvorgang zu verzichten, weil jemand mit Vollgas hinter ihm auftauchen könnte, ist unrealistisch.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

FM
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von FM »

Solche Risiken ließen sich vermeiden, wenn wie fast überall sonst weltweit die Geschwindigkeit auf 120 oder 130 begrenzt wäre.

fodeure
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von fodeure »

Elektrikör hat geschrieben:A hat also nicht sorgfältig genug geprüft / geschaut
Und wieso nicht? Selbst wenn er die Geschwindigkeit des nachfolgenden Fahrzeuges richtig eingeschätzt hätte, hätte A das nicht davon abhalten müssen zu überholen.

fodeure
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von fodeure »

FM hat geschrieben:Solche Risiken ließen sich vermeiden, wenn wie fast überall sonst weltweit die Geschwindigkeit auf 120 oder 130 begrenzt wäre.
Es gibt immer weniger Autobanhabschnitte, wo dies nicht schon der Fall ist. Das funktioniert aber nur, wenn auch schon die geringste Geschwindigkeitsübertretung ordentlich ins Geld geht. Ansonsten hat man auch bei Tempo 130 relativ schnell einen Drängler an der hinteren Stoßstange. Daß es auch anders geht, wird man feststellen, wenn man mal in Frankreich unterwegs ist. Erstaunlicherweise funktioniert das dort auch bei Autos mit deutschen Kennzeichen.

Nordland
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Re: Nötigung oder Abstandsverstoß

Beitrag von Nordland »

Elektrikör hat geschrieben:A hat also nicht sorgfältig genug geprüft / geschaut
Solange der Spurwechsel ohne Behinderung möglich ist, ist es vollkommen Latte, ob im späteren Verlauf jemand auf der linken Spur langsamer fahren muss. Dann kann man den Spurwechsel durchführen, auch wenn jemand weiter hinten potenziell sehr schnell angerauscht kommt.

Wer nicht damit klar kommt, dass ihm auf der linken Spur andere Fahrzeuge begegnen, der sollte das Autofahren lassen.
Elektrikör hat geschrieben:Gaspedal defekt?
Du meinst Bremspedal. Ich mache es immer so, dass ich bei Dränglern versehentlich gegen das Bremspedal komme.
Es ist unser Land.

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