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Führerschein-Entzug wegen Alkohol am Steuer

Verfasst: 19.12.18, 17:06
von Sulky1970
Hallo zusammen!
Folgendes Problem: mein Sohn, 19 Jahre hat seit August 2017 den Führerschein. Anfang September diesen Jahres hat er einen Unfall verursacht. Blöderweise hatte er Alkohol getrunken. In der Blutprobe wurden 1,31 Promille festgestellt. Gestern war die Gerichtsverhandlung. Der Führerschein ist ab gestern für 8 Monate weg. Außerdem muss er eine Geldstrafe von 500 € bezahlen. Soweit alles klar. Jetzt wurde mir gesagt, dass wir dann im nächsten Jahr einen Antrag beim Straßenverkehrsamt stellen müssen, damit er einen neuen Führerschein bekommen kann. Meine Frage wäre, kann man diesen Antrag schon vor Ablauf der 8 Monate stellen? Und welche Auflagen kann das Straßenverkehrsamt meinem Sohn auferlegen? Ich habe da überhaupt keine Ahnung, was da auf uns zukommen kann. Ist es eventuell auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich? Würde mich über ein paar Informationen freuen.

Re: Führerschein-Entzug wegen Alkohol am Steuer

Verfasst: 19.12.18, 18:37
von fodeure
In der Regel kann ein Antrag auf Neuerteilung drei Monate for Ende der Sperrfirst gestellt werden. Vermutlich befindet sich dein Sohn noch in der Probezeit. Dann ist die Teilnahme an einem Aufbauseminar zwingend bevor eine neue Fahrerlaubnis erteilt werden kann. Außerdem solltet ihr damit rechnen, daß die Führerscheinstelle nach der Antragstellung eine MPU fordert, was die führerscheinlose Zeit deines Sohnes deutlich verlängern würde.

Re: Führerschein-Entzug wegen Alkohol am Steuer

Verfasst: 19.12.18, 18:47
von SusanneBerlin

Re: Führerschein-Entzug wegen Alkohol am Steuer

Verfasst: 19.12.18, 20:56
von ExDevil67
fodeure hat geschrieben: Außerdem solltet ihr damit rechnen, daß die Führerscheinstelle nach der Antragstellung eine MPU fordert,
Also das die Führerscheinstelle eine MPU fordert, wird man nicht verhindern können. Da würde ich mich dann aber fachkundig zu beraten lassen. AFAIR ist eine MPU erst ab 1,6 Promille vorgesehen und Forderungen nach einer MPU bei geringeren Werten wurde auch schon von höheren Gerichten eine Absage erteilt.

Re: Führerschein-Entzug wegen Alkohol am Steuer

Verfasst: 19.12.18, 21:29
von Deputy
ExDevil67 hat geschrieben:AFAIR ist eine MPU erst ab 1,6 Promille vorgesehen und Forderungen nach einer MPU bei geringeren Werten wurde auch schon von höheren Gerichten eine Absage erteilt.
Geht aber genauso regelmäßig durch, zumal im § 13 Nr. 2 FeV die BAK von min 1,6 0/00 nur ein Punkt von insgesamt fünf Punkten ist, die jeweisl einzeln zu einer MPU führen. Zumindest a) und e) kämen theoretisch in Betracht - und können problemlos bei 1,31 0/00 zu einer MPU führen. In der Probezeit wird da grundsätzlich etwas genauer hingeschaut ...

Re: Führerschein-Entzug wegen Alkohol am Steuer

Verfasst: 19.12.18, 22:21
von FM
Gerade als Vater oder Mutter wird man da kaum daran interessiert sein, dass der Kleine schon allzubald wieder fährt. Man möchte ja doch, dass das Kind älter als 19, 20 oder 21 wird. Und in diesem Fall ist wohl das Ergebnis, er war noch nicht reif genug. Dass ihn die Polizei rausgezogen hat bevor er gegen einen Baum krachte und starb, war ein Glücksfall. Zwei oder drei Jahre später ist er vielleicht geeignet zum Fahren.

Re: Führerschein-Entzug wegen Alkohol am Steuer

Verfasst: 20.12.18, 04:05
von Jens L
fodeure hat geschrieben:In der Regel kann ein Antrag auf Neuerteilung drei Monate for Ende der Sperrfirst gestellt werden.
Der Antrag kann sechs Monate vor Ablauf der Sperre gestellt werden (§20 Abs. 4 FeV). Und das ist auch zu empfehlen. Denn wenn die Behörde tatsächlich eine MPU fordern sollte, dann hätte der Sohn bei rechtzeitiger Antragstellung ausreichend Zeit sich darauf vorzubereiten, so dass sich die führerscheinlose Zeit nicht unbedingt verlängern muss.
fodeure hat geschrieben:Dann ist die Teilnahme an einem Aufbauseminar zwingend bevor eine neue Fahrerlaubnis erteilt werden kann.
Erforderlich ist ein besonderes Aufbauseminar. Das wird nicht von Fahrschulen angeboten sondern z.B. von TÜV und Dekra.

Re: Führerschein-Entzug wegen Alkohol am Steuer

Verfasst: 20.12.18, 04:36
von Jens L
FM hat geschrieben:Dass ihn die Polizei rausgezogen hat
Die Polizei hat ihn nicht rausgezogen. Er hat einen Unfall gebaut. Wenn man schon meint, Moralin verspritzen zu müssen, sollte man zumindest die Sachverhaltschilderung lesen.

Re: Führerschein-Entzug wegen Alkohol am Steuer

Verfasst: 20.12.18, 07:31
von winterspaziergang
Die Polizei hat ihn nicht rausgezogen. Er hat einen Unfall gebaut.
Anfang September diesen Jahres hat er einen Unfall verursacht. Blöderweise hatte er Alkohol getrunken. In der Blutprobe wurden 1,31 Promille festgestellt. .
Korrekt, er hat bereits den Unfall gebaut.
Dabei sollte man vielleicht zwecks rechtlicher Beurteilung -auch durch die Beteiligten- anmerken, dass er nicht "blöderweise" Alkohol getrunken hatte, was nahelegt, dass er das Pech hatte, beim Unfall alkoholisiert zu sein, sondern der Wert von 1,3 Promille wahrscheinlich maßgeblich zum Unfall geführt hat.

Re: Führerschein-Entzug wegen Alkohol am Steuer

Verfasst: 20.12.18, 08:57
von ExDevil67
Deputy hat geschrieben:
ExDevil67 hat geschrieben:AFAIR ist eine MPU erst ab 1,6 Promille vorgesehen und Forderungen nach einer MPU bei geringeren Werten wurde auch schon von höheren Gerichten eine Absage erteilt.
Geht aber genauso regelmäßig durch, zumal im § 13 Nr. 2 FeV die BAK von min 1,6 0/00 nur ein Punkt von insgesamt fünf Punkten ist,
Dazu werfe ich dann mal das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 06.04.2017, Az. 3 C 24.15 in den Raum. So wie ich das lese reicht allein die Trunkenheitsfahrt mit weniger als 1,6 Promille nicht.

Re: Führerschein-Entzug wegen Alkohol am Steuer

Verfasst: 20.12.18, 09:38
von fodeure
ExDevil67 hat geschrieben:So wie ich das lese reicht allein die Trunkenheitsfahrt mit weniger als 1,6 Promille nicht.
Das ist richtig, aber abhängig vom Verhalten und den Aussagen des Sohnes nach dem Unfall kann es weitere Anzeichen dafür geben, daß auch in Zukunft mit Fahrten unter Alkoholeinfluß zu rechnen ist. Dann ist auch eine MPU bei weniger als 1,6 Promille zulässig.

Re: Führerschein-Entzug wegen Alkohol am Steuer

Verfasst: 20.12.18, 10:03
von Deputy
@ExDevil67
Eine Trunkenheitsfahrt alleine unter 1,6 0/00 reicht nicht; wenn es aber Anzeichen für Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit gibt (wobei es bei letzterem keine MPU, sondern eine ärztliche Untersuchung wäre), dann kommt es zu einer MPU.

In dem Urteil steht schon im Leitsatz
BVerG hat geschrieben:Anders liegt es, wenn zusätzliche Tatsachen die Annahme künftigen Alkoholmissbrauchs begründen.
Es kommt also auf die Gesamtumstände des Einzelfalles an.