Beim Einparken touchiert oder nicht ?

Moderator: FDR-Team

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Beim Einparken touchiert oder nicht ?

Beitrag von Benutzer13 »

Hallo zusammen !

Nehmen wir an eine Zivilstreife sieht wie ein PW-Fahrer beim Rückwärts einparkt. Die Streife steigt aus, gibt sich als Polizei zu erkennen und die anschließend durchgeführte Personenkontrolle inkl. Alk-Test läuft reibungslos.
Dann sagt die Streife jedoch, der PKW-Fahrer sei beim Einparken gegen das hinter ihm stehende Auto gefahren. Beide beteiligten PKW haben bereits alte Schrammen an beiden Stoßstangen.

Die Polizistin weist auf einen eingedrückten Kühlergrill. Der PFW-Fahrer bitte um einen Zollstock um klarmachen zu können, dass das von der Höhe her nicht sein kann. Es ist modell-bedingt schlicht nicht möglich. Sie habe in zivil keinen Zollstock dabei, war die Antwort.

Man verblieb so, dass der angeblich Geschädigte eine Mitteilung an die Scheibe geheftet bekommt. Sollte er sich darauf hin nicht melden, werde der Vorgang gelöscht.

Frage ans Forum : Was passiert wenn der Halter den Zettel sieht und sich eine neue Stoßstange aufgrund alter Schäden eine neue Stoßstange einbauen läßt ? Wird der angebliche Verursacher dann zur Kasse gebeten und gäbe es Möglichkeiten zu beweisen, dass er keinen Schaden verursacht hat ?
Welche Rolle spielen Sachverständige in dem Fall ? Wann und von wem würden die beauftragt ? Und zu guter letzt : Wie stellt ein Gutachter fest ob ein Kratzer 2 Tage oder 2 Minuten alt ist ? Anhand von Rost bzw. Witterungseinflüssen kann man vielleicht nach 2 Monaten was feststellen. Aber in diesem konkret-fiktiven Fall ?

Rückfragen gerne jederzeit !

Gruß & Dank !

FM
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Re: Beim Einparken touchiert oder nicht ?

Beitrag von FM »

Es gibt ja zwei Zeugen, kommt darauf an was die genau gesehen und gehört haben.

Benutzer13
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Re: Beim Einparken touchiert oder nicht ?

Beitrag von Benutzer13 »

Danke für die flotte Antwort.

Richtig, es gibt 2 Zeugen. Die sagten ja schon sinngemäß : "Wir haben gesehen, wie sie gegen das Auto gefahren sind".

Mittelfristig wird es darauf hinaus laufen, dass ein Gutachter tätig wird. Der wird aller Wahrscheinlichkeit nach Schäden an beiden PKW fest stellen, da es beides keine Neuwagen sind. "Schaden" bedeutet ja nicht automatisch, dass der Wagen komplett Kernschrott ist. Das kann ja von einer Delle bis zu einem fast unsichtbaren Lackschaden fast alles sein. Es wird aber nicht dran stehen wann der Schaden entstanden ist.

Dann wäre es folgender Sachverhalt :

2 Zeugen sagen, sie häten gesehen, wie jemand in einen parkenden PKW gefahren ist. An diesem PKW wurden Schäden fest gestellt.

Es geht aber in letzter Konsequenz darum ob der angebliche Verursacher eine Chance hat, nicht für Schäden zu Kasse gebeten zu werden, die er nicht verursacht hat.

Wenn der Gutachter zweifelsfrei zu dem Ergebnis kommt, dass das genau so war, wie es die Zeugen angegebene haben, ist die Sache recht klar.

Aber wie liefe das wenn der Gutachter es für wahrscheinlich hält, aber nicht sicher geklärt werden kann, wer das letztendlich verursacht hat. Reichen dann 2 Zeugen, ein beschädigtes Auto und ein recht vages Gutachterurteil um den angeblichen Verursacher zu belangen ?

Altbauer
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Re: Beim Einparken touchiert oder nicht ?

Beitrag von Altbauer »

Gutachter können z.B. feststellen, ob das Auto 1 den Schaden an Auto 2 überhaupt verursacht haben kann:
- Stichwort "Zollstock"
- Das Alter der Beschädigung ist auch feststellbar, wenn sie z. B. einige Wochen alt oder älter ist (Rost im Mini-Format)
- Lackspuren des Verursacher-Autos

Wenn der mutmaßliche Geschädigte jetzt schnell reparieren läßt, ohne dass ein Gutachter tätig war, könnte er einen Fehler begehen.

Ansonsten: zügig zum Anwalt!

FM
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Re: Beim Einparken touchiert oder nicht ?

Beitrag von FM »

Es können auch andere Beweismittel nach der Reparatur noch vorhanden sein, z.B. die ausgetauschten Teile und Fotos.

Was die Polizisten gesehen haben, bleibt unklar: fuhr der PKW nur auffällig weit nach hinten oder hat man gesehen, wie das andere Fahrzeug durch den Stoß ins Schwanken geriet, oder gar wie sich Teile verformten?

Dass die Polizei sogleich vor Ort war und eingriff ist für den Fahrer ja gut, die Frage nach Unfallflucht stellt sich hier wohl gar nicht.

Benutzer13
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Re: Beim Einparken touchiert oder nicht ?

Beitrag von Benutzer13 »

Letztendlich vermute ich mal, dass die Polizei von vorn herein vorhatte den PKW-Fahrer zu kontrollieren. Denn schon vor beenden des Parkvorgangs wäre genug Platz gewesen, um an ihm vorbei zu fahren. Das taten die Polizisten aber nicht. Das "wieso weshalb und überhaupt" hatte ich in dem Fall jetzt nicht als wichtig erachtet.

Ich kann es aber gern schildern.
Es wurde ein Akoholtest gemacht. Der ergab 0,0 promille. Führerschein und Fahrzeugschein konnte der Fahrer nicht vorlegen, da er sie nicht dabei hatte. Er hat sich mit seiner Kreditkarte ausgewiesen und die fehlenden Daten mündlich genannt. Das wurde von der Streife kommentarlos hingenommen. Es wurde auch nicht erwähnt, dass die fehlenden Papiere normalerweise mit einem Bußgeld "quittiert" werden.

Der Abgleich der Personalien ergab nichts.

Anschließend wandten sich die Beamten dem angeblich beschädigten Auto zu. Polizist 1 sagte : "Sie waren schon ziemlich nah dran". Der Fahrer sagte, dass das durchaus sein kann. Er habe das hinter ihm stehende auto aber nicht berührt.

Beide Beamte schauten sich die Autos an. Es konnten keine Schäden festgestellt werden. Polizist 2 sagte darauf hin, dass sie (war eine Polizistin) auch gesehen habe, wie der angeblich "gerammte" Wagen eine ruckartige Bewegung gemacht habe. Von verformten Teilen sprach niemand.
Das zu Widerlegen ist nahezu unmöglich. Außerdem sei der Kühlergrill berührt worden (an dem aber auch keine Schäden festzustellen waren)
Der Fahrer entgegnete, dass das nicht sein kann und verwies auf die Höhe der beiden Karossen. Bei einem Zusammenstoß wären direkt an den vordersten Stellen Macken zu sehen gewesen. Ein Berühren des Kühlergrills ist bei diesen beiden Autos nur möglich wenn die komplette Front beteiligt ist. Der Fahrer fragte nach einem Zollstock oder ähnlichem, um das einmal zeigen zu können. Ein Zollstock habe man in zivil nicht dabei, hieß es.

Als Außenstehender kann man sich vielleicht vorstellen, dass die Stoßstange des einparkenden Autos über die Stoßstange des stehenden Autos hinwegragt und theoretisch der Kühlergrill eingedrückt werden kann, ohne dass das Fahrzeug sonst berührt wird. In diesem konkretten Fall war das aber nicht möglich. Eben wegen der jeweiligen Höhe beider Autos. Und weil die Stoßstange des Einparkenden deutlich zu tief sitzt, als das das hätte so passieren können. Beide Stoßstangen waren auf gleicher Höhe.

Es wurde erneut der komplette Wagen per Taschenlampe untersucht und nichts gefunden.

Die Situation endete dann nach gegenseitiger Verabschiedung. Als der Fahrer jedoch nach 2 Minuten zurück kehrte um sein Handy aus dem auto zu holen, was er vergessen hatte, sah er die beiden Beamten wie sie mit einem Zollstock am "Unfallwagen" hantierten und sich unterhielten.

Allerdings gab es kein Gespräch mehr. Nur ein weiteres gegenseitige "Tschüss".

Die ganze Situation lief ruhig ab, ohne Gemotze oder Pöbelei. Keine aggressiven Untertöne oder ähnliches. Es waren ganz normale unverfängliche und höfliche Dialoge, falls das eine Rolle spielen sollte.

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