Darf eine Versicherung bei einem KFZ Haftpflichtschaden fiktive Werte ansetzen?

Moderator: FDR-Team

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Caesar
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Darf eine Versicherung bei einem KFZ Haftpflichtschaden fiktive Werte ansetzen?

Beitrag von Caesar »

Folgende Fallbetrachtung:
Mal angenommen wir haben zwei Autofahrer, ich nenne sie mal Herr Unschuldig und Herr Verursacher.
Der Herr Verursacher fährt in das von Herr Unschuldig stehende Auto und verursacht dabei einen Schaden.
Herr Verursacher ist voll für den Schaden verantwortlich.

Herr Unschuldig lässt die Schadenshöhe von KFZ Gutachtern in einer Markenwerkstatt ermitteln.
Die Gutachter ermitteln den Schadenswert und setzen ihn auf 2000 € an. Die Versicherung von Herr Verursacher wird daraufhin informiert.

Das Auto von Herr Unschuldig ist schon etwas älter, Herr Unschuldig möchte sich die Summe von der Versicherung auszahlen lassen.
Die Versicherung kritisert, dass das beschädigte Fahrzeug älter als 3 Jahre ist und verweist auf ein Urteil vom BGH ( VI ZR 53/09 vom 20.10.2009) dass aufgrund des Alters des Fahrzeugs kein Anspruch auf die Stundenlöhne einer Markenwerkstatt bestehen würden.
Sie berechnet die Schadenshöhe daher erneut, anhand einer Reparatur bei einer normalen Werkstatt für Karosserie und Lackschäden mit geringeren Stundenlöhnen und setzt einen fiktiven Schadenswert von 1000 € an.
Ebenso verweist sie auf entsprechende Werkstätten im Umkreis, die die Reparatur für diese Summe durchführen würden.

Würde sich Herr Unschuldig nun die Summe auszahlen lassen, dann würde die Versicherung nur diese 1000 € auszahlen, anstatt die von den Gutachtern festgestellten 2000 €.

Herr Unschuldig findet das nicht in Ordnung, muss Herr Unschuldig diesen fiktiven Schadenswert hinnehmen oder welche rechtlichen Möglichkeiten hätte Herr Unschuldig hier?

Celestro
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Re: Darf eine Versicherung bei einem KFZ Haftpflichtschaden fiktive Werte ansetzen?

Beitrag von Celestro »

Caesar hat geschrieben:
19.05.20, 14:54
Ebenso verweist sie auf entsprechende Werkstätten im Umkreis, die die Reparatur für diese Summe durchführen würden.
Also sehr fiktiv klingen die Angaben ehrlich gesagt nicht. :roll:

FM
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Re: Darf eine Versicherung bei einem KFZ Haftpflichtschaden fiktive Werte ansetzen?

Beitrag von FM »

Die zu beachtenden Punkte stehen doch in der Pressemitteilung des BGH. Natürlich nicht als Ja/Nein. Das muss für den konkreten Einzelfall bei Meinungsverschiedenheiten dann eben der zuständige Richter beurteilen.

Eine wesentliche Frage dürfte sein: was genau spricht denn dafür, dass die Reparatur in einer von der Versicherung genannten Werkstatt nicht ausreichend wäre?

Niemand2000
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Re: Darf eine Versicherung bei einem KFZ Haftpflichtschaden fiktive Werte ansetzen?

Beitrag von Niemand2000 »

Caesar hat geschrieben:
19.05.20, 14:54
Folgende Fallbetrachtung:
Mal angenommen wir haben zwei Autofahrer, ich nenne sie mal Herr Unschuldig und Herr Verursacher.
Der Herr Verursacher fährt in das von Herr Unschuldig stehende Auto und verursacht dabei einen Schaden.
Herr Verursacher ist voll für den Schaden verantwortlich.

Herr Unschuldig lässt die Schadenshöhe von KFZ Gutachtern in einer Markenwerkstatt ermitteln.
Die Gutachter ermitteln den Schadenswert und setzen ihn auf 2000 € an. Die Versicherung von Herr Verursacher wird daraufhin informiert.

Das Auto von Herr Unschuldig ist schon etwas älter, Herr Unschuldig möchte sich die Summe von der Versicherung auszahlen lassen.
Die Versicherung kritisert, dass das beschädigte Fahrzeug älter als 3 Jahre ist und verweist auf ein Urteil vom BGH ( VI ZR 53/09 vom 20.10.2009) dass aufgrund des Alters des Fahrzeugs kein Anspruch auf die Stundenlöhne einer Markenwerkstatt bestehen würden.
Sie berechnet die Schadenshöhe daher erneut, anhand einer Reparatur bei einer normalen Werkstatt für Karosserie und Lackschäden mit geringeren Stundenlöhnen und setzt einen fiktiven Schadenswert von 1000 € an.
Ebenso verweist sie auf entsprechende Werkstätten im Umkreis, die die Reparatur für diese Summe durchführen würden.

Würde sich Herr Unschuldig nun die Summe auszahlen lassen, dann würde die Versicherung nur diese 1000 € auszahlen, anstatt die von den Gutachtern festgestellten 2000 €.

Herr Unschuldig findet das nicht in Ordnung, muss Herr Unschuldig diesen fiktiven Schadenswert hinnehmen oder welche rechtlichen Möglichkeiten hätte Herr Unschuldig hier?
vllt. finden Sie bei http://www.rechtsprechung.saarland.de/c ... sl&nr=7591 auch noch etwas, was Ihnen ggf. weiter hilft

Gaia
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Re: Darf eine Versicherung bei einem KFZ Haftpflichtschaden fiktive Werte ansetzen?

Beitrag von Gaia »

Caesar hat geschrieben:
19.05.20, 14:54
Herr Unschuldig findet das nicht in Ordnung, muss Herr Unschuldig diesen fiktiven Schadenswert hinnehmen oder welche rechtlichen Möglichkeiten hätte Herr Unschuldig hier?
Wenn Herr Unschuldig sich angehört hat, was irgendwelche anonymen Amateure in einem Internetforum zu seiner Frage denken, kann er sich überlegen, ob er sich weiter mit der Versicherung streiten will oder ob er mit dem Angebot der Versicherung zufrieden ist.

Wenn er mit dem Angebot der Versicherung zufrieden ist, stimmt er zu und das Thema ist erledigt. Wenn er sich weiter mit der Versicherung streiten will, sollte er sich darüber klar sein, daß ihm bei der Versicherung Menschen gegenübersitzen, die viel Erfahrung mit solchen Fällen haben und deren Sinnen und Trachten es nicht ist, dem Herrn Unschuldig freiwillig irgendwas vom sauer erworbenen Geld der Versicherung hinterherzuwerfen. Und spätestens dann sollte er sich überlegen, daß es Fachleute gibt, die auch ganz viel Erfahrung in solchen Fällen haben und die sich durch Geld dazu bewegen lassen, diese Erfahrung im Interesse des Herrn Unschuldig einzusetzen. Und das Schönste: das Geld, was es braucht, zahlt die Versicherung.

Es soll auch schon Fälle gegeben haben, in denen der Hinweis auf die sehr große Bereitwilligkeit, sich eines solchen Fachmannes zu bedienen, die Versicherung zu einer nachhaltigen Veränderung ihrer Sichtweise bewegt hat.

Caesar
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Re: Darf eine Versicherung bei einem KFZ Haftpflichtschaden fiktive Werte ansetzen?

Beitrag von Caesar »

FM hat geschrieben:
19.05.20, 16:05
Eine wesentliche Frage dürfte sein: was genau spricht denn dafür, dass die Reparatur in einer von der Versicherung genannten Werkstatt nicht ausreichend wäre?
Danke für den Hinweis. Dazu folgende Frage, Ist eine durchgeführte Reparatur eines Schaden rechlich so zu bewerten, als wäre er nie enstanden?
Hat ein Unfallauto bei einem Verkauf von diesem den gleichen Wert wie ein Auto ohne Unfallgeschichte, wenn der Schaden repariert wurde?
Niemand2000 hat geschrieben:
19.05.20, 16:07
vllt. finden Sie bei http://www.rechtsprechung.saarland.de/c ... sl&nr=7591 auch noch etwas, was Ihnen ggf. weiter hilft
Danke für den Hinweis.
Gaia hat geschrieben:
19.05.20, 18:41
Wenn Herr Unschuldig sich angehört hat, was irgendwelche anonymen Amateure in einem Internetforum zu seiner Frage denken, kann er sich überlegen, ob er sich weiter mit der Versicherung streiten will oder ob er mit dem Angebot der Versicherung zufrieden ist.
Ich dachte man darf hier nur Fallbetrachtungen behandeln. Soll man dann bei bspw. einer Prüfung reinschreiben, dass der im geschilderten Fall Beteiligte im Internet nachfragen und sich dann mit dem Angebot der Versischerung zufrieden geben soll, ohne zu erörtern, ob der Beteiligte rechtliche Möglichkeiten hätte, was ja sicher die eigentliche Frage der Aufgabenstellung wäre?
Und das Schönste: das Geld, was es braucht, zahlt die Versicherung.
Aber doch nur, wenn er den Fall auch gewinnt. Ansonsten bleibt er auf den Kosten des Anwalts und des Verfahren sitzen, oder?

Celestro
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Re: Darf eine Versicherung bei einem KFZ Haftpflichtschaden fiktive Werte ansetzen?

Beitrag von Celestro »

Caesar hat geschrieben:
25.05.20, 20:47
Danke für den Hinweis. Dazu folgende Frage, Ist eine durchgeführte Reparatur eines Schaden rechlich so zu bewerten, als wäre er nie enstanden?
Hat ein Unfallauto bei einem Verkauf von diesem den gleichen Wert wie ein Auto ohne Unfallgeschichte, wenn der Schaden repariert wurde?
https://www.bussgeldkatalog.de/wertminderung/

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Gaia
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Re: Darf eine Versicherung bei einem KFZ Haftpflichtschaden fiktive Werte ansetzen?

Beitrag von Gaia »

Caesar hat geschrieben:
25.05.20, 20:47
Dazu folgende Frage, Ist eine durchgeführte Reparatur eines Schaden rechlich so zu bewerten, als wäre er nie enstanden?
Hat ein Unfallauto bei einem Verkauf von diesem den gleichen Wert wie ein Auto ohne Unfallgeschichte, wenn der Schaden repariert wurde?
Das kommt darauf an.
Ich dachte man darf hier nur Fallbetrachtungen behandeln.
Och. Da scheint es durchaus unterschiedliche Auslegungen zu geben. Aber das spielt in diesem Fall eher keine Rolle.
Soll man dann bei bspw. einer Prüfung reinschreiben, dass der im geschilderten Fall Beteiligte im Internet nachfragen und sich dann mit dem Angebot der Versischerung zufrieden geben soll, ohne zu erörtern, ob der Beteiligte rechtliche Möglichkeiten hätte, was ja sicher die eigentliche Frage der Aufgabenstellung wäre?
Ich würde das nicht für eine sonderlich gute Idee halten, so grundsätzlich, allerdings käme es möglicherweise auf die Prüfung an, um die es ginge. Falls die Frage von Relevanz ist, empfiehlt es sich, im passenden Unterforum einen neuen Thread zu eröffnen. Zwischenzeitlich wäre es sicher hilfreich, den auf den zitierten Satz folgenden Absatz meiner Antwort zu lesen und zu durchdenken.
Aber doch nur, wenn er den Fall auch gewinnt. Ansonsten bleibt er auf den Kosten des Anwalts und des Verfahren sitzen, oder?
Wenn man mit dem Anwalt eine Stundensatzvereinbarung trifft, könnte das tatsächlich der Fall sein. Sonst eher nicht.

Rechtsstreitigkeiten sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Wenn man nicht bereit ist, dieses Risiko einzugehen, kann man sich Nachfragen nach rechtlichen Möglichkeiten ersparen.

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