Fahrerflucht, Regressansprüche/Leistungen verweigern

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revoman2006
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Fahrerflucht, Regressansprüche/Leistungen verweigern

Beitrag von revoman2006 »

Hallo zusammen,

nehmen wir einmal an, A gibt sein KFZ (Vollkasko versichert) dem B.
B verursacht einen Unfall und begeht anschließend Fahrerflucht. B wird auch verurteilt.

Nun gibt es idR Versicherungen, die bei Fahrerflucht ja Regressansprüche stellen / Leistungen verweigern.

Stellt die Versicherung die Regressansprüche an A oder an B?
Wäre es rechtens, wenn die Versicherung den Schaden an A´s Fahrzeug nicht bezahlt oder muss die Versicherung den Schaden bezahlen und anschließend das Geld von B fordern?

Besten Dank
revoman2006

Evariste
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Re: Fahrerflucht, Regressansprüche/Leistungen verweigern

Beitrag von Evariste »

Von der Webseite einer Kfz-Versicherung:
Hast aber du selbst Fahrerflucht begangen und wurdest erwischt, zahlt auch deine Kfz-Haftpflichtversicherung zunächst den Schaden. Auch sie verlangt dann das Geld von dir zurück. Das gilt auch, wenn eine andere Person mit deinem Auto gefahren ist. Eine Kfz-Versicherung wird immer für ein Fahrzeug abgeschlossen.
Wurde mit deinem Auto Unfallflucht begangen, übernimmt normalerweise auch die Vollkasko den Schaden an deinem Fahrzeug nicht. Deine Versicherung kann dir bei einer Fahrerflucht sogar deine Kfz-Versicherung kündigen. Denn das unerlaubte Entfernen vom Unfallort ist ein außerordentlicher Kündigungsgrund.
Das Argument "Eine Kfz-Versicherung wird immer für ein Fahrzeug abgeschlossen." ist allerdings Schwachsinn, es ist nicht falsch, aber es ist überhaupt kein Argument: Wenn ein unberechtigter Fahrer (z. B. das Auto wurde gestohlen) einen Unfall mit Fahrerflucht begeht, würde ich schon erwarten, dass die Versicherung mich deswegen nicht in Regress nimmt.
Dem B wurde aber vom A gestattet, das Auto zu führen, das liegt allein in der Sphäre des A. Zu prüfen wären auch die vertraglichen Vereinbarungen. Bei meiner Vollkasko ist vereinbart, dass nur meine Frau und ich mit dem Wagen fahren...

Altbauer
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Re: Fahrerflucht, Regressansprüche/Leistungen verweigern

Beitrag von Altbauer »

Versicherungen sind Verträge zwischen Versicherungen und Versicherungsnehmer!

Mit B hat die Versicherung gar kein Vertragsverhältnis!

Also wird die Versicherung sich gegenüber ihren Vertragspartner A so verhalten, wie es im Vertrag steht,
also: - Kaskoleistungen kürzen oder verweigern
- Leistungen an den Unfallgegner zahlen und A in Regress nehmen.

A kann dann ja von B den Ausgleich in einer Privatklage fordern!

ktown
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Re: Fahrerflucht, Regressansprüche/Leistungen verweigern

Beitrag von ktown »

Altbauer hat geschrieben:
21.11.20, 09:27
Versicherungen sind Verträge zwischen Versicherungen und Versicherungsnehmer!

Mit B hat die Versicherung gar kein Vertragsverhältnis!

Also wird die Versicherung sich gegenüber ihren Vertragspartner A so verhalten, wie es im Vertrag steht,
also: - Kaskoleistungen kürzen oder verweigern
- Leistungen an den Unfallgegner zahlen und A in Regress nehmen.

A kann dann ja von B den Ausgleich in einer Privatklage fordern!
Das steht hier aber genau andersrum.
Dort steht:
Eine Haftpflicht- oder eine Kaskoversicherung wird jeweils für ein Fahrzeug, nicht für eine Person abgeschlossen. Verursacht also ein anderer einen Schaden mit einem fremden Auto und begeht Fahrerflucht, reguliert die Versicherung, die der Halter für das Kfz abgeschlossen hat, den Fall und nimmt den Täter in Regress.
Geschah der Unfall mit einem gestohlenen Wagen greift §7 StVG
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Evariste
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Re: Fahrerflucht, Regressansprüche/Leistungen verweigern

Beitrag von Evariste »

Wahrscheinlich muss man hier zwischen Haftpflicht und Vollkasko unterscheiden.

Die Haftpflicht zahlt natürlich immer (das ist ja der Sinn der Pflichtversicherung, dass ein Geschädigter nicht leer ausgeht) und kann sich allenfalls hinterher das Geld zurückholen.

Die Vollkasko dagegen könnte die Leistung verweigern, weil es zu den Obliegenheiten des Versicherten gehört, den Unfallort nicht zu verlassen, ohne die erforderlichen Feststellungen zu ermöglichen. Steht jedenfalls so in meinen Versichungsbedingungen. Und dort steht auch:
Für mitversicherte Personen [das sind z. B. berechtigte Fahrer] finden die Regelungen zu Ihren Pflichten als Versicherungsnehmer sinngemäße Anwendung.

Andererseits finde ich im Internet an verschiedenen Stellen Aussagen wie diese:
Der Versicherungsnehmer kann grundsätzlich nicht sanktioniert werden, wenn ein Fahrer des versicherten Fahrzeugs oder eine andere dritte Person eine Vertragspflicht verletzt, solange ihn daran (etwa durch Kenntnis eines pflichtwidrigen Umstands) selbst keine Schuld trifft. Das gilt nicht, wenn ein Repräsentant des Versicherungsnehmers eine Obliegenheitsverletzung begeht.
(https://kfz-versicherungen.com/kaskover ... sicherung/)

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