Unfall per Kostenvoranschlag abrechnen.

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Wir4
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Unfall per Kostenvoranschlag abrechnen.

Beitrag von Wir4 »

Hallo und guten Tag.
Mir ist heute jemand in mein Auto gefahren.
Mein Auto ist Baujahr 1998 und ich würde
es gerne selber reparieren.
Da ich noch keinen bei der Versicherung erreiche meine Fragen:
Wenn die Versicherung einen Kostenvoranschlag haben möchte, bezahlt sie diesen wenn ich zur Werkstatt muss?
Gutachter wird ja meist von der Versicherung geschickt, käme er auch privat nach Hause?
Wenn ich per Kostenvoranschlag oder auch Gutachten abrechne, bekomme ich auf jeden Fall
den Nettowert (ohne MwSt, weiß ich), egal wie alt der Wagen ist?
Sollte ich der Versicherung vorher sagen, das ich per Kostenvoranschlag oder Gutachten abrechnen möchte?
Wie ist die Rechtslage?
Für Antworten bin ich dankbar.
LG
Sabine

Baden-57
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Re: Unfall per Kostenvoranschlag abrechnen.

Beitrag von Baden-57 »

Bei Schäden um die 1.000 € ist die Versicherung auch mit einem Kostenvoranschlag einverstanden, welcher von einer KFZ-Werkstatt vorgelegt wird, allerdings ist dies auch von den einzelnen Versicherer abhängig. Fordert die Versicherung einen Kostenvoranschlag, muss die Versicherung diese Kosten übernehmen.
Beauftragt die Versicherung einen Gutachter, setzt sich dieser vorab mit dem Kunden in Verbindung und klärt ab, ob der Unfallwagen in eine Werkstatt muß, um evtl. Schäden auf der Hebebühne besser erkennen zu können.
Die Kosten des Gutachters werden von der Versicherung übernommen sowie die Kosten, welche vom Gutachter zusätzlich verursacht werden (KFZ-Hebebühne).

Gesetzlich besteht keine Verpflichtung, den PKW reparieren zu lassen; die Entschädigungszahlung der Versicherung ist netto, es sei denn, das Fahrzeug des Geschädigten ist ein FirmenPKW.

Üblich ist das nachfolgende Procedere:
Info an die gegn. Versicherung hinsichtlich des Unfalles, ggf. Vorgang des Unfalles, der Gegner hat die Alleinschuld, Daten über das eigene Fahrzeug und eine "selbst geschätzte" Schadenshöhe von xx Euro.
Der Versicherer entscheidet dann (bis zu ca. 14 Tagen, kann aber auch 3 Wochen dauern, wenn der eigene Versicherungskunde nicht alle Unterlagen/Angaben seiner Versicherung mitgeteilt hat) über die Regulierung und verlangt einen Kostenvoranschlag oder schickt einen Gutachter.
Mit Einreichen des Kostenvoranschlag lässt sich die Versicherung dann bis zu 6 Wochen Zeit; es gibt kein Gesetz, welches eine max. Bearbeitungszeit von Versicherungsschäden den Versicherern vorschreibt.
RAe. setzen die Versicherung nach 6 Wochen in Verzug und hier beginnt dann eine erste Frist gegen die Versicherung zum laufen.

Man kann aber auch direkt einen RA einschalten, das empfiehlt sich, wenn man nicht tage/wochenlang unnötige Telefonate führen möchte und der Unfallgegner die Alleinschuld hat; in diesem Fall hat die Versicherung den RA zu bezahlen. Hat man eine Mitschuld, werden die Kosten anteilmäßig aufgeteilt.
Wichtig: der Geschädigte hat einen Anspruch auf 25€ Unfallkostenpauschale, die er allerdings der Versicherung gegenüber geltend machen muß (wird lediglich 25€ Pauschalbetrag geschrieben).

Für die Dauer der Reparatur hat der Geschädigte einen Anspruch auf einen ErsatzPKW und verzichtet der Geschädigte auf den ErsatzPKW, hat er der Versicherung gegenüber einen Anspruch auf Nutzungsausfallschaden.

Der Nutzungsausfallschaden entfällt, wenn der Schaden nicht repariert wird, der Anspruch auf Unfallkostenpauschale bleibt bestehen.

alana4
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Re: Unfall per Kostenvoranschlag abrechnen.

Beitrag von alana4 »

Baden-57 hat geschrieben:......
Der Versicherer ....... schickt einen Gutachter.
......
Kann.....muss aber nicht.
Besser ist es, der Geschädigte nimmt sich selbst einen Gutachter.
Einen Gutachter zu nehmen, den ausgerechnet die gegnerische Versicherung, also die des Verursachers, beauftragt, ist eher nicht zu empfehlen.

Baden-57
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Re: Unfall per Kostenvoranschlag abrechnen.

Beitrag von Baden-57 »

alana4 hat geschrieben:
Baden-57 hat geschrieben:......
Der Versicherer ....... schickt einen Gutachter.
......
Kann.....muss aber nicht.
Besser ist es, der Geschädigte nimmt sich selbst einen Gutachter.
Einen Gutachter zu nehmen, den ausgerechnet die gegnerische Versicherung, also die des Verursachers, beauftragt, ist eher nicht zu empfehlen.

Nunja, wenn es sich der Versicherungskunde leisten kann, einen Gutachter auf eigene Rechnung zu nehmen, ist dann das Problem, dass die gegn. Versicherung den Gutachter ggf. anweisen wird, um dies zu verhindern, müsste also ein öffentlich bestellter und vereidigter Gutachter beauftragt werden, wobei die Versicherungen eben diese öffentlich bestellter und vereidigter Gutachter auch beauftragen; ergibt also keinen Sinn, dass der Kunde dies tun sollte, oder :kopfstreichel:

freemont
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Re: Unfall per Kostenvoranschlag abrechnen.

Beitrag von freemont »

alana4 hat geschrieben:
Baden-57 hat geschrieben:......
Der Versicherer ....... schickt einen Gutachter.
......
Kann.....muss aber nicht.
Besser ist es, der Geschädigte nimmt sich selbst einen Gutachter.
Einen Gutachter zu nehmen, den ausgerechnet die gegnerische Versicherung, also die des Verursachers, beauftragt, ist eher nicht zu empfehlen.

Ja, das denke ich auch.

Wenn man nicht "schuld" ist, die gegnerische Versicherung zahlen muss, empfiehlt es sich nicht dem Versicherungs-Gutachter blind zu vertrauen. Auch wenn der öffentlich bestellt und vereidigt ist, es ist doch (wie soll man das sagen) manchmal eine gewisse Loyalität zugunsten des Auftraggebers feststellbar.

Es ist das gute Recht des Geschädigten wenn es nicht gerade um eine Bagatelle geht einen Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung sener Interessen und auch einen Gutachter auf Kosten des Unfallgegners resp. dessen Versicherung zu beauftragen.

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