Brandschaden Gesamtschuldnerische Haftung

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Sunnyboy96
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Brandschaden Gesamtschuldnerische Haftung

Beitrag von Sunnyboy96 » 22.03.17, 17:14

Hallo,

als ich heute nach Hause gekommen bin trifft mich der Schlag.
Es lag ein Zettel im Briefkasten von einer Versicherung die von mir jetzt knapp 400 Euro verlangen.
Ich war an Silvester auf einer Party bei bekannten. Dort ist beim Nachbarn ein Brandschaden in höhe von 2500 Euro entstanden. Die Polizei konnte den Täter nicht feststellen ging aber davon aus das es die Gruppe bzw. die Gäste der Party waren. Ich wurde von der Polizei vor Ort gar nicht aufgenommen. Der Gastgeber gab meinen Namen dann bei der Kriminalpolizei an. Die Hecke war auch eine Zeit lang nicht beaufsichtigt das hatte der Gastgeber nicht gesagt weil er kein Ärger mit den Nachbarn will.

Muss ich noch was Zahlen wo gar nicht feststeht ob ich es überhaupt war? Ich habe bei der Versicherung angerufen die von mir das Geld wollen, die sagten es handelt sich um eine Gesamtschuldnerische Haftung?

Wie ist die Rechtlage, was sollte mein nächster Schritt sein?



LG

ktown
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Re: Brandschaden Gesamtschuldnerische Haftung

Beitrag von ktown » 22.03.17, 19:40

Wer nix angestellt hat, der muss auch nix zahlen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Sunnyboy96
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Re: Brandschaden Gesamtschuldnerische Haftung

Beitrag von Sunnyboy96 » 22.03.17, 20:03

Hallo,

so sehe ich das ja auch, aber wie mach ich das der Versicherung klar? Ich bin von der Polizei nie befragt worden. Die haben nicht mal meine Personalien aufgenommen an diesem Abend.

freemont
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Re: Brandschaden Gesamtschuldnerische Haftung

Beitrag von freemont » 22.03.17, 20:09

Sunnyboy96 hat geschrieben:...
Wie ist die Rechtlage, was sollte mein nächster Schritt sein?



LG
Hallo,

das kommt darauf an was vorgefallen ist, bzw. wie sich das nach Aussage des Gastgebers und/oder weiterer Zeugen darstellt.

Zivilrechtlich gelten andere Spielregeln, als im Strafrecht, die Versicherung denkt an § 840 in Verbindung mit § 830 I 2 BGB. Da steht:
(1) Haben mehrere durch eine gemeinschaftlich begangene unerlaubte Handlung einen Schaden verursacht, so ist jeder für den Schaden verantwortlich. Das Gleiche gilt, wenn sich nicht ermitteln lässt, wer von mehreren Beteiligten den Schaden durch seine Handlung verursacht hat.
Das von mir gefettete ist das "gefährliche". Das ist aber so zu verstehen, daß dem Beteiligten ein deliktisches Verhalten nachgewiesen werden muss. Wenn das gelingt ist es irrelevant, ob sein Beitrag oder der eines anderen Beteiligten kausal für den Schaden war.

Sunnyboy96
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Re: Brandschaden Gesamtschuldnerische Haftung

Beitrag von Sunnyboy96 » 22.03.17, 20:19

Danke, das hilft schon mal sehr. Was genau meinst du mit deliktisches Verhalten? Feuerwerk hat fast jeder der Gäste gezündet. Das stellt ja an Silvester keine unerlaubte Handlung da oder? Es kann ja auch sein das keiner der Beteiligten den Schaden verursacht hat, es wird ja nur vermutet von der Polizei, Beweise gibt's dafür nicht.

freemont
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Re: Brandschaden Gesamtschuldnerische Haftung

Beitrag von freemont » 22.03.17, 20:34

Sunnyboy96 hat geschrieben:Danke, das hilft schon mal sehr. Was genau meinst du mit deliktisches Verhalten? Feuerwerk hat fast jeder der Gäste gezündet. Das stellt ja an Silvester keine unerlaubte Handlung da oder? Es kann ja auch sein das keiner der Beteiligten den Schaden verursacht hat, es wird ja nur vermutet von der Polizei, Beweise gibt's dafür nicht.
Alle Vergleiche und Beispiele hinken, aber vielleicht hilft dieser Fall des OLG Oldenburg. Ein Brand war durch eine weggeworfene Kippe entstanden. 2 Kippen wurden von 2 Beteiligten weggeworfen:

http://app.olg-ol.niedersachsen.de/efun ... p4?id=4746
Diese Vorschrift setzt nämlich voraus, dass sich mehrere Personen deliktisch verhalten haben, dass also bis auf die Ursächlichkeit für den Verletzungserfolg sämtliche haftungsbegründenden Voraussetzungen erfüllt sind (BGH VersR 1989,1051,1053 Anl.2. OLG Hamm VersR 2000,55,Anl. 5). Allein das Rauchen einer Zigarette durch den Beklagten stellte entgegen der Ansicht der Klägerin noch keine unerlaubte Handlung dar. Eine nicht mehr brennende Zigarette des Beklagten konnte den Brand nicht herbeiführen. Den Beweis dafür, dass auch eine brennende Zigarette des Beklagten als Brandursache in Betracht kam, hat die Klägerin zu führen. Diesen Beweis hat sie angesichts der Bekundungen der Zeugen R... und S... auch unter Berücksichtigung der zu Beweiszwecken beigezogenen Akten der Staatsanwaltschaft Oldenburg – 274 Js 19321/05 – nicht erbracht.

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