Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

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Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von Sternenbande » 30.03.17, 21:28

Hallo,
A ist privat versichert und fällt in Hartz IV. Das Jobcenter übernimmt nur einen Teil seiner Versicherung. Den Rest kann A aber auch nicht selber aufbringen.

Ist A verpflichtet in einen günstigeren Tarif zu wechseln?

Wenn nein, was passiert, wenn A seinen Tarif weiter beibehält? Er häuft Schulden an, das ist klar. Aber welche weiteren Konsequenzen könnte es geben? Kann man ihm Behandlungen verweigern bzw. die Kosten verwehren?

MfG
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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von windalf » 31.03.17, 07:34

Ist A verpflichtet in einen günstigeren Tarif zu wechseln?
Nein Hartz IV-Empfänger dürfen sich wie jeder andere grundsätzlich so hoch verschulden wie Sie möchten...
Aber welche weiteren Konsequenzen könnte es geben? Kann man ihm Behandlungen verweigern bzw. die Kosten verwehren?
Es besteht ja nicht der Zwang die Schulden beim Versicherungsunternehmen anzuhäufen...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von ktown » 31.03.17, 08:48

Sternenbande hat geschrieben:Kann man ihm Behandlungen verweigern bzw. die Kosten verwehren?
Da man als priv. Patient in Vorleistung tritt, wird es seitens der Ärzte zu keiner Leistungsverweigerung kommen. Man bekommt halt einfach irgendwann von der Versicherung kein Geld mehr. :wink:
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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von Sternenbande » 31.03.17, 09:42

Ist das nicht eine Benachteiligung von Hartz IV Empfängern? Alle anderen Personengruppen kämen in dem Fall zwangsläufig in den Notlagentarif und könnten somit immerhin zu einem Notfall zum Arzt gehen. Der Hartz IV Empfänger könnte in so einem Fall nicht mal im Notfall zum Arzt, wenn seine Versicherung nicht zahlt.
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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von ktown » 31.03.17, 09:52

Sternenbande hat geschrieben:Der Hartz IV Empfänger könnte in so einem Fall nicht mal im Notfall zum Arzt, wenn seine Versicherung nicht zahlt.
Stimmt nicht, da er ja immer in Vorleistung tritt. Es gibt auch für private Versicherungen eine Leistungspflicht. Sie dürfen aber diese bei Zahlungsrückständen einschränken.
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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von Sternenbande » 31.03.17, 09:58

Nun aber der Hartz IV Empfänger kann ja nur dann in Vorleistung gehen, wenn er sich darauf verlassen kann, dass seine Versicherung die Kosten übernimmt. Wer nun mit einem Notlagentarif ins Krankenhaus geht um sich das abgetrennte Bein wieder annähen zu lassen weiß das seine Versicherung diese Kosten zahlen wird. Der Hartz IV Empfänger weiß, dass seine Versicherung nicht bezahlen wird und muss daher ohne Bein zurecht kommen.

So gesehen sehe ich hier klar eine Benachteiligung.
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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von ktown » 31.03.17, 10:00

Sternenbande hat geschrieben:Der Hartz IV Empfänger weiß, dass seine Versicherung nicht bezahlen wird
und das weiß er woher?

Wo soll die Benachteiligung liegen. Er selbst will doch im teuren Tarif bleiben.
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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von windalf » 31.03.17, 10:02

So gesehen sehe ich hier klar eine Benachteiligung.
Es hat ja niemanden den Hartz IV-Empfänger gezwungen sich für das private System zu entscheiden... Das war seine eigene Entscheidung.
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von Sternenbande » 31.03.17, 10:07

Ok anderes Beispiel:

Der Hartz IV Empfänger geht mit einem Tumor zum Arzt. Der Tumor wird operativ entfernt. Um das Leben des Patienten zu retten ist aber noch eine Chemotherapie nötig.

Der Patient erhält eine Rechnung für die Entfernung des Tumors. Die Versicherung zahlt nicht mit der Begründung, dass der Patient seine Beiträge nicht ausreichend zahlt. Nun kann sich der Patient ja denken, dass die Versicherung dann auch nicht die Rechnung für die Chemotherapie bezahlen wird.
Er selbst will doch im teuren Tarif bleiben.
Ja, weil die billigeren Tarife mit einer hohen Selbstbeteiligung einhergehen, welche er nicht von seinem Hartz IV Regelsatz begleichen kann.

@windalf:
Nö. Wenn du in Deutschland als Kind von Privatversicherten geboren wirst kannst du nicht entscheiden in welche Versicherung du eintreten willst. Dann musst du in die PKV gehen.
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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von ktown » 31.03.17, 10:12

Sternenbande hat geschrieben:Nö. Wenn du in Deutschland als Kind von Privatversicherten geboren wirst kannst du nicht entscheiden in welche Versicherung du eintreten willst. Dann musst du in die PKV gehen.
Hä??? Also entweder ist das Kind mitversichert oder es kann beim anderen Elternteil mit in den Versicherungsumfang aufgenommen werden oder es ist volljährig, dann kann es frei selbst entscheiden.
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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von BäckerHD » 31.03.17, 10:14

Sternenbande hat geschrieben:Ok anderes Beispiel
Wollen Sie die Situationsbeschreibung jetzt so lange ändern, bis sie Ihnen dazu dienlich ist, sich im Selbstmitleid zu suhlen, wenn ich mal so direkt fragen darf?

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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von ktown » 31.03.17, 10:21

Also ich glaube das deutsche System ist das komfortabelste überhaupt. Sicherlich gibt es auch da Einzelfälle die auf den ersten Blick ungerecht aussehen. Aber es gibt nun mal ein Vollkaskoleben.
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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von Sternenbande » 31.03.17, 14:28

Hä??? Also entweder ist das Kind mitversichert oder es kann beim anderen Elternteil mit in den Versicherungsumfang aufgenommen werden oder es ist volljährig, dann kann es frei selbst entscheiden.
Wenn das Kind aus einem Hartz IV Haushalt stammt ist es bis zum 25. Lebensjahr bei den Eltern mitversichert. Wenn es dann mit 26 Jahren weiterhin Hartz IV bekommt kann es meines Wissens nach nicht in die GKV wechseln.
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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von ratlose mama » 31.03.17, 17:39

Das ist so nicht richtig. Seit 2016 wird jedes Kind über 15 in einer Bedarfsgemeinschaft eigenes Mitglied der Krankenversicherung, Die Familienversicherung entfällt in diesem Fall.

Und ich glaube kaum, das das JC über Jahre lang einer HartzIV-Familie die teure PKV finanziert. Im übrigen gibt es bei den PKV in diesem Sinne keine Familienversicheung, sondern jeder ist sozusagen selbst versichert (bzw. es wird ein Beitrag erhoben). Von daher sollte es kein Problem für das Kind sein freiwillig in die gesetzliche zu wechseln.
Spätestens mit Ausbildungsbeginn kann es (unabhängig von der Vorversicherung) eine GKV auswählen und sich versichern lassen.

Wenn man zu wenig Geld hat, dann muss man eben auch in der KV Abstriche machen

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Re: Darf armer Menschen teuren PKV Tarif abschließen?

Beitrag von windalf » 01.04.17, 14:05

ratlose mama hat geschrieben:Das ist so nicht richtig. Seit 2016 wird jedes Kind über 15 in einer Bedarfsgemeinschaft eigenes Mitglied der Krankenversicherung, Die Familienversicherung entfällt in diesem Fall.

Und ich glaube kaum, das das JC über Jahre lang einer HartzIV-Familie die teure PKV finanziert. Im übrigen gibt es bei den PKV in diesem Sinne keine Familienversicheung, sondern jeder ist sozusagen selbst versichert (bzw. es wird ein Beitrag erhoben). Von daher sollte es kein Problem für das Kind sein freiwillig in die gesetzliche zu wechseln.
Spätestens mit Ausbildungsbeginn kann es (unabhängig von der Vorversicherung) eine GKV auswählen und sich versichern lassen.

Wenn man zu wenig Geld hat, dann muss man eben auch in der KV Abstriche machen
Und unabhängig davon besteht ja auch die Möglichkeit in jungen Jahren einfach mal sozialversicherungspflichtig arbeiten zu gehen und schwupp ist man in der gesetzlichen wenn man nicht mit einem Gehalt über der JAEG startet...
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