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Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 10.04.17, 21:59
von agneva
Hallo,
ich hätte gern eine grobe Einschätzung der Rechtslage bezüglich meiner gemieteten Garage:
-Garagentor war bei Einzug 10 Jahre alt und hatte (hat) eine Delle im unteren Bereich
-während meiner Zeit habe ich selbst eine kleine Delle (Kugelkopfkupplung) und eine leichte Abschürfung durch das vordere Kennzeichen hinterlassen
-zusätzlich hat noch Jemand unbekanntes ebenfalls eine Delle hinterlassen die nachweislich nicht von meiner Anhängerkupplung stammen kann
-die Garage funktioniert einwandfrei, es sind nur optische Mängel, Alter nun 17 Jahre

Eine Reparatur von 2 (von insgesamt 3) Lamellen kostet um die 900€, ein komplett neues Tor etwas über 1100€.

Der VM hat mich aufgefordert ein neues Tor zu bestellen/bezahlen.

Ich habe ihm 200€ angeboten und bin auf maximal 300€ hochgegangen.

Die 300€ sind ihm zu wenig.

Gibt es einen ähnlichen Fall der vor Gericht entschieden wurde ?

Nachfrage beim Anwalt ergab dass meine angebotene Summe mehr als gerecht sei.
Recherche im Internet ebenfalls.
Nachfrage bei der Versicherung ergab ebenfalls einen zu regulierenden Schaden von um die 200€.

Bitte um Einschätzung.

Gruß

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 10.04.17, 23:59
von Froggel
Anspruch auf ein neues Tor hat der Vermieter auf keinen Fall, da er nach dem Austausch erheblich besser gestellt wäre als vorher (§ 249 BGB). Zudem ist ein Mieter nicht für die Vorschäden seines Mietvorgängers verantwortlich zu machen. Ich frage mich allerdings, warum man es nicht der Versicherung überlässt, sich mit dem Vermieter auseinanderzusetzen. Diese wird dem Vermieter den Anteil bezahlen, den sie für gerechtfertigt hält.

Abgesehen von dem, was Anwalt und Versicherung sagen - ich habe irgendwo gelesen, dass bei einem Garagentor eine Nutzungsdauer von vierzig Jahren angesetzt wird. Ausgehend vom Neupreis (1100 Euro) und der bereits genutzten Zeit (siebzehn Jahre), wäre noch eine Nutzungsdauer von dreiundzwanzig Jahren für die Rechnung heranzuziehen. Nach Dreisatz hätte das Tor noch einen Wert von knapp 630 Euro. Demnach wäre die bisher bewilligte Summe natürlich zu niedrig. Andererseits darf der Vorschaden dabei auch nicht vernachlässigt werden.

Nur mal so als Frage nebenbei - wenn einbeulen möglich war, sollte ausbeulen nicht auch möglich sein? Eventuell mal bei einem Schlosserbetrieb anfragen, ob die die Möglichkeit haben, die Schäden angemessen zu entfernen. Aber eigentlich ist das sowieso Vermietersache.

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 11.04.17, 05:43
von BäckerHD
Mal abseits der juristischen Fragestellungen finde ich es schon erstaunlich, mit welchen Summen da gleich hantiert wird. Wenn es sich um ein "übliches" Tor handelt, das aus lackiertem Stahlblech besteht, muss es möglich sein, zwei oder drei kleine Beulen verschwinden zu lassen, ohne gleich tausend Euro in die Hand zu nehmen. Im PKW-Bereich nennt man das heute Smart- oder Spot-Repair, wobei die optischen Anforderungen dort selbstredend deutlich höher sind, während die Kosten i.d.R. erfreulich niedrig bleiben. Ich würde also mal einen solchen mobilen "Lackdoktor" vorbeikommen und ein Angebot machen lassen.

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 11.04.17, 06:27
von ktown
:lachen: Sie wollen jetzt aber nicht ein Karroserieteil in der Materialstärke mit einem alten Garagentorantrieb vergleichen? :lachen: :lachen: :lachen:

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 11.04.17, 08:00
von BäckerHD
Was hat die Blechstärke mit dem Zuspachteln zu tun? Habe ich "Lackdoktor" oder "Beulendoktor" geschrieben? Niemand wird ernsthaft auf die Idee kommen, solche Beulen aufwendig herauszudrücken, wir haben es schließlich weder mit einem Neuwagen noch mit einem historisch wertvollen Gegenstand zu tun.

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 11.04.17, 08:48
von ktown
Sie erwähnten Smart Repair und die beinhaltet das herausdrücken bzw. herausziehen von Dellen. Dies ist aber meines Erachtens bei alten Stahltoren schlichtweg nicht möglich, da, im Gegensatz zu heutigen Garagentoren, weniger plan und großflächig die Oberfläche ausgebildet ist.
Letztlich darf der Vermieter entscheiden, wie er die vom Mieter verursachten Dellen entfernen lässt. Er muss nur, wie Froggel schon sagte, den Zeitwert zum Abzug bringen. Letztlich wird nicht soviel an Kosten übrig bleiben.

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 11.04.17, 09:36
von BäckerHD
Ich erwähnte
BäckerHD hat geschrieben: Smart- oder Spot-Repair
wobei das Herausdrücken von Beulen nur eine optionale Teildisziplin dieser Methoden ist, sicher aber nicht Mittel der Wahl bei Garagentoren.

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 11.04.17, 12:19
von agneva
Mit dem Smartrepair das wird wohl eher nichts, denn der VM wird nicht akzeptieren dass ich "meine Dellen" rausdrücken lasse und der Rest drin bleibt.
Mein Beulendoktor sagte mir er habe das noch nie probiert.

Habe mir den KV noch mal angeschaut. Dieser behinhaltet wie schon geschrieben 2 von 3 Torgliedern.

Da ich meinen Schaden nur im unteren Torglied zu verantworten habe, habe ich im KV das mittlere Torglied einmal rausgerechnet und komme auf Reparaturkosten von 555 € brutto.
Da das untere Glied schon einen Vorschaden hatte finde ich 50% der Reparaturkosten als angemessen.
Wären dann 278 €.

Über Froggel's Rechenansatz käme in etwa das Gleiche rum wenn man den Vorschaden abzieht.

Wie ich es dreh und wende, man kommt eigentlich immer bei 200-300€ raus.

Wie würde wohl ein Richter entscheiden ? Oder wer entscheidet bei einer Kautionsklage ?

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 11.04.17, 12:38
von BäckerHD
agneva hat geschrieben:der VM wird nicht akzeptieren dass ich "meine Dellen" rausdrücken lasse und der Rest drin bleibt.
Mein Beulendoktor sagte mir er habe das noch nie probiert.
Ja, deswegen drückt man solche Beulen auch nicht raus, sondern spachtelt sie über und lackiert die Stellen passend bei.

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 11.04.17, 12:47
von ktown
agneva hat geschrieben:Über Froggel's Rechenansatz käme in etwa das Gleiche rum wenn man den Vorschaden abzieht.
Naja der von Froggel ausgerufene Zeitansatz sehe ich etwas kritisch, da hier niemand weiß, welche Qualität die Garage hat. Nach einem Arbeitsblatt der BTE‐Arbeitsgruppe „Lebensdauer von Bauteilen, Zeitwerte",beträgt die Lebensdauer von Garagentoren je nach Material und Verarbeitung 25-40 Jahre.
Problem ist, dass der Schädiger, da er sich zu seinen Gunsten auf den Grundsatz Abzug "neu für alt" bezieht, in der Beweispflicht ist.

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 12.04.17, 08:26
von agneva
Andere Frage: Die Verjährungsfrist für die Kfz-Haftpflicht beträgt 3 Jahre. Wenn der Schaden 2013 eingetreten ist, fällt die schon mal raus oder ?
Tritt dann automatisch meine Privathaftpflicht dafür ein ??

Morgen kommt erst mal der Beulendoktor :kopfstreichel: vielleicht kriegt der´s wieder hin.

Bin zwar kein Lackierer, aber spachteln fällt bei dem Tor eigentlich flach da die Lamellen übereinander gleiten und auch im Gleitbereich ein Schaden ist. Zudem ist die Toroberfläche nicht glatt sondern "ribbelig" (Woodgrain), wie soll man so ein Muster wieder in die Spachtelmasse kriegen ?

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 12.04.17, 08:34
von webmaster76
agneva hat geschrieben:-Garagentor war bei Einzug 10 Jahre alt und hatte (hat) eine Delle im unteren Bereich
Wurde diese Delle im Übergabeprotokoll festgehalten? Wenn nicht, könnte der Vermieter darüber argumentieren, dass bei Übergabe keine Mängel (sprich Dellen) vorhanden waren...

Wenn der Mieter die Dellen mit seinem PKW verursacht hat, ist nicht die Privat- sondern die KFZ-Haftpflicht zuständig. Und da diese einmal mit der AHK und einmal mit dem vorderen Nummernschild verursacht wurden, handelt es sich auch noch um zwei Schadensfälle.
Bei der KFZ-Haftpflicht ist oft eine SB vereinbart. Rechnet man diese in die beiden Schadensfälle mit ein zzgl. der Hochstufung in der SF-Klasse, dürfte sich eine Regulierung über die Versicherung nicht wirklich lohnen.

Der Vermieter wird wohl seinen Anspruch von der Kaution abziehen und der Mieter wird sich dann damit herumschlagen können, den zu unrecht einbehaltenen Anteil wieder herauszufordern.

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 12.04.17, 14:25
von agneva
Er hat mir damals nur die Schlüssel in die Hand gedrückt und ist sofort wieder abgehaun.

Ich habe dann ein Mängelprotokoll erstellt und selbst unterschrieben, dieses per Email an ihn geschickt mit der Aufforderung es zu unterschreiben und die erheblichen Mängel abzustellen. So wie eine Quittung der Kaution.

Die erheblichen Mängel wurden abgestellt, unterschrieben hat er nichts und auch keine Quittung erstellt.
Es gibt auch keinen jährlichen Kontoauszug mit Zinsen.

Mein Protokoll und die Email habe ich noch.

Dazu einen Zeugen der die Delle bezeugen kann.

Verjährungsfrist gibt es also nicht ???

Re: Vorbeschädigtes Garagentor beschädigt

Verfasst: 13.04.17, 06:59
von webmaster76
agneva hat geschrieben:unterschrieben hat er nichts und auch keine Quittung erstellt.
Womit der Mieter letztlich nachweisen müsste, dass die Delle bei Übergabe vorhanden war.

Das hier könnte weiterhelfen
agneva hat geschrieben:Dazu einen Zeugen der die Delle bezeugen kann.
wobei offen ist, wie die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen im Ernstfall eingestuft werden würde.
agneva hat geschrieben:Mein Protokoll und die Email habe ich noch.
Die jedoch keine Beweiskraft haben wird, da der Mieter zu Zugang nicht beweisen können wird. Zudem hat er ja wohl vorbehaltlos jeden Monat die Miete in voller Höhe bezahlt.

Die Verjährungsfrist sehe ich auch bei 3 Jahren, siehe:

http://www.iww.de/va/archiv/unfallschad ... orm-f44361

Womit das Thema eh durch sein wird. Aber nochmal, die KFZ-Haftpflicht zu bemühen ist bei kleineren Summen oft unwirtschaftlich. Zwar gibt es da keine SB (sorry, war ein Fehler von mir, die gibt es nur bei Kasko), man wird aber in der SF-Klasse hochgestuft. Das sollte man sich ganz genau durchrechnen.