Nässe und Pilzbefall - Wasser aus dem Nachbarhaus

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Altbauer
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Nässe und Pilzbefall - Wasser aus dem Nachbarhaus

Beitrag von Altbauer » 09.06.17, 14:25

Eventuell gehört das Thema in ein anderes Forum.
Z.B. Immobilienrecht oder Versicherungsrecht.
ggf. also bitte verschieben.

Herr A besitzt eine Doppelhaushälfte. Die Immobilie liegt in einem Urlaubsgebiet. Beide DHH werden als
Ferienhäuser benutzt und darum im Herbst / Winter lange Zeit nicht bewohnt.

Herr A schließt Mitte September seine Doppelhaushälfte ab und freut sich auf den nächsten Kurzurlaub im Frühjahr.
Er hat einen Hausmeistersevice beauftragt, alle Monate 1x in der DHH nach dem rechten zu sehen.

Ende Oktober bekommt Herr A vom Hausmeisterservice eine ungute Nachricht.
Im Nachbarhaus ( die 2. Doppelhaushälfte / die beiden DHH haben eine gemeinsame Wand ) ist
im oberen Stockwerk eine Wasserinstallation undicht geworden (Mischbatterie) .
Das wochenlang laufende Wasser hat die Mauern (nicht nur die gemeinsame Mauer) stark durchfeuchtet.
Im Erdgeschoß ist das Wasser wochenlang gestanden. Schimmel hat sich ausgebreitet.

Herr A läßt den Schaden begutachten und beauftragt dann Fachfirmen um den Bau zu trocknen und den Schimmel
zu entfernen und zu bekämpfen ( was aufwändig und teuer ist).

Die Kosten fordert er von der Haftpflichtversicherung seines Nachbarn.

Die Reaktion der Versicherung :
Die Bautrocknung wird bezahlt.
Die Schimmelbekämpfung aber nicht, denn Herr A sei in der Pflicht gewesen in kürzeren Abständen ( 1 - 2 mal pro Woche)
in seinem Haus nach dem rechten zu sehen. Hätte Herr A dies getan, so wäre der Bau zwar auch durchnässt gewesen, aber durch eine
zeitnahe Trocknung wäre es nicht zu dem starken Schimmelbefall gekommen.

Was ist von dem Standpunkt der Versicherung zu halten ?

freemont
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Re: Nässe und Pilzbefall - Wasser aus dem Nachbarhaus

Beitrag von freemont » 09.06.17, 15:02

Altbauer hat geschrieben:...

Was ist von dem Standpunkt der Versicherung zu halten ?
Hallo,

schlüssig ist die Argumentation der Versicherung nicht, im Gegenteil sie schiesst sich sozusagen sebst ins Knie. Was sie dem geschädigten Nachbarn auferlegen will, müsste ja erst recht für ihren eigenen VN gelten, die Schadensursache stammt aus dessen Risikosphäre. Damit ist der Nachbar in vollem Umfang auch für die Folgeschäden verantwortlich.

Altbauer
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Re: Nässe und Pilzbefall - Wasser aus dem Nachbarhaus

Beitrag von Altbauer » 09.06.17, 17:22

Könnte es die Versicherung eventuell mit dem Argument "Schaden - Minderungspflicht " versuchen ?
kommt mir allerdings selbst ein wenig weit hergeholt zu sein ....

freemont
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Re: Nässe und Pilzbefall - Wasser aus dem Nachbarhaus

Beitrag von freemont » 09.06.17, 17:41

Altbauer hat geschrieben:Könnte es die Versicherung eventuell mit dem Argument "Schaden - Minderungspflicht " versuchen ?
kommt mir allerdings selbst ein wenig weit hergeholt zu sein ....

Ja, das ist der Hintergedanke der Versicherung, § 254 BGB.

Aber wer hätte eine größere Pflicht die Ausweitung des Schadens zu verhindern, als der Schädiger selbst. Die Versicherung versucht da Ursache und Wirkung auf den Kopf zu stellen.

Diese Argumentation liegt klar unter der Gürtellinie, so ein Art Sonderrecht für den VN.

Das steht auch im VVG ganz anders:
§ 82 VVG
Abwendung und Minderung des Schadens

(1) Der Versicherungsnehmer hat bei Eintritt des Versicherungsfalles nach Möglichkeit für die Abwendung und Minderung des Schadens zu sorgen.
Die Versicherung kann ja ihren VN in Regress nehmen. Allerdings greift die Haftpflicht auch bei grober Fahrlässigkeit des VN. Daran wird der Regress scheitern. Aber den geschädgten Nachbarn baucht das nun wirklich nicht zu interessieren.

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