Versicherung und Anwaltskosten unklar

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Philipp90
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Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von Philipp90 » 23.11.17, 13:41

Hallo liebe User von recht.de,

ich hoffe ihr könnt mir helfen, mein Problem zu lösen. :)

Mein Auto wurde vor kurzem unverschuldet geschädigt. Die Schuldfrage ist eigentlich eindeutig(mein parkendes Auto wurde verkratzt, ich selbst war nicht vor Ort). Nun habe ich den Schaden der Versicherung gemeldet und einen Kostenvoranschlag erstellen lassen. Nachdem ich den Kostenvoranschlag an die Versicherung geleitet habe, war ich heute bei einem Anwalt für Verkehrsrecht, weil ich bei der Schadenssumme von über 1.500€ dann doch lieber einen Anwalt an meiner Seite haben wollte.

Zu meiner Überraschung sagte der Anwalt, dass ich auf den Kosten wohl sitzen bleiben würde, würde ich ihm jetzt das Mandat übertragen. Die Begründung war sinngemäß: "Jetzt da die Versicherung den Kostenvoranschlag hat, ist kein Anwalt mehr nötig und sie würde sich eh nur weigern mich zu bezahlen". Auch die Erstberatung wird nun mir in Rechnung gestellt... :evil:

meine Fragen:

1. Ist es wirklich so, dass ich die Erstberatung selber zahlen muss?
2. Habe ich nicht in jedem Stadium der Schadensabwicklung das Recht auf kostenlosen Rechtsbeistand als Geschädigter?
3. Habe ich Chancen, die Kosten für die Erstberatung selbst bei der Versicherung einzureichen und erstattet zu bekommen?

Wie ist die Rechtslage?

LG

webelch
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von webelch » 23.11.17, 13:43

Welcher Versicherung wurde der Schaden gemeldet? Reden wir hier über Ansprüche an die eigene Kaskoversicherung?

Philipp90
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von Philipp90 » 23.11.17, 13:46

Es geht um die Versicherung des Unfallverursachers. Nein das sind Ansprüche an die Versicherung des Unfallverursachers (Gegners)
Zuletzt geändert von hawethie am 23.11.17, 14:00, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Klarname der Versicherung entfernt

webelch
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von webelch » 23.11.17, 16:00

Ah, ok. Und warum war man der Meinung einen Anwalt einschalten zu müssen?

Der Anwalt liegt zudem richtig, dass eine Erstberatung zu zahlen ist. Es ist ja eine solche erfolgt.

Sie sollte beachten, dass wir hier im Forum keine konkrete Rechtsberatung leisten.

Philipp90
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von Philipp90 » 23.11.17, 16:08

Vollkommen richtig, ich ging nur immer davon aus, dass die Versicherung des Verursachers dafür aufkommt. Immerhin ist er eindeutig und zu 100% Schuld!

freemont
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von freemont » 23.11.17, 17:54

Philipp90 hat geschrieben:Vollkommen richtig, ich ging nur immer davon aus, dass die Versicherung des Verursachers dafür aufkommt. Immerhin ist er eindeutig und zu 100% Schuld!

Hallo,

ja, so kenne ich das auch und so kann man es auch überall im web in einer Unzahl von Urteilen nachlesen.

Wie der Anwalt zu seiner Meinung kommt, ist mir schleierhaft.

Hat die Versicherung denn durchblicken lassen, dass sie die Erstberatung nicht übernimmt?
Bis da hin glaube ich das nicht.

Hanomag
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von Hanomag » 23.11.17, 18:34

freemont hat geschrieben:Hat die Versicherung denn durchblicken lassen, dass sie die Erstberatung nicht übernimmt?
Vermutlich, weil diese Erstberatung unnötig wie ein Kropf ist. Die Versicherung hat sich doch nicht streitig gestellt.

@ Philipp90
Entschuldige, wenn ich konkret werde: Du bist sicher einer von den typischen Bundesbürgern, die für ihr heiliges Blechle keine Mühen und Kosten scheuen. Warum kannst Du nicht abwarten, wie die Versicherung reagiert? Ich hoffe im Sinne der Versichertengemeinschaft, dass Du auf Deinen Beratungskosten sitzen bleibst.

freemont
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von freemont » 23.11.17, 18:39

Hanomag hat geschrieben:
freemont hat geschrieben:Hat die Versicherung denn durchblicken lassen, dass sie die Erstberatung nicht übernimmt?
Vermutlich, weil diese Erstberatung unnötig wie ein Kropf ist. Die Versicherung hat sich doch nicht streitig gestellt.

@ Philipp90
Entschuldige, wenn ich konkret werde: Du bist sicher einer von den typischen Bundesbürgern, die für ihr heiliges Blechle keine Mühen und Kosten scheuen. Warum kannst Du nicht abwarten, wie die Versicherung reagiert? Ich hoffe im Sinne der Versichertengemeinschaft, dass Du auf Deinen Beratungskosten sitzen bleibst.
Ähm, ich zitiere mal exemplarisch eines von hunderten Urteilen, welche die Rechtslage zutreffend wiedergeben:
Amtsgerichts Dortmund (Urteil vom 29.06.2009 – 431 C 2944/09):

„Entgegen der Auffassung der Beklagten ist nach Auffassung des seit fast 30 Jahren mit Verkehrsunfallhaftpflichtfragen befassten Richters jeder Verkehrsunfallgeschädigte gut beraten, die Regulierung selbst kleiner Schäden wie der vorliegend angemeldeten und dann auch regulierten 645,13 Euro Sachschadenersatz von Anfang an in die Hand eines erfahrenen Rechtsanwalts zu geben. (...) Da die Haftpflichtversicherer bei der Schadenregulierung inzwischen geradezu systematisch fast jede übliche Schadensposition in zahlreichen Zivilprozessen zum Gegenstand umfangreicher Auseinandersetzungen machen, muss auch der geschäftserfahrene Geschädigte stets auf der Hut sein und befürchten, dass eine Schadensposition, die noch gestern anerkannt worden wäre, von der gegnerischen Versicherung jetzt nicht mehr akzeptiert wird. (...)“
@Philipp90, lassen Sie sich hier nicht verunsichern, das ist Ihr gutes Recht, da ist rein gar nichts dagegen zu sagen.

Philipp90
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von Philipp90 » 24.11.17, 08:40

Erstmal vielen Dank für die Antworten!

Ich werde nun auf jeden Fall versuchen, die Beratungskosten nachträglich der Versicherung in Rechnung zu stellen. Immerhin scheint es ja unstrittig, dass ich von Anfang an einen Anwalt hätte beauftragen können, was die Versicherung ohne Wenn und Aber hätte bezahlen müssen. Nur weil ich dachte es geht um einen "Bagatellschaden" mit eindeutiger Sachlage, habe ich zunächst darauf verzichtet. Ich versuche einfach mal, mich bei der Versicherung als großen Gönner dazustellen :mrgreen:

Hanomag
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von Hanomag » 24.11.17, 10:29

freemont hat geschrieben: @Philipp90, lassen Sie sich hier nicht verunsichern, das ist Ihr gutes Recht, da ist rein gar nichts dagegen zu sagen.
Wenn auch aus Deiner Sicht ist rein gar nichts dagegen zu sagen ist, erlaube ich mir folgenden Widerspruch: Wenn der Fragensteller der Meinung ist, dass die Schuldfrage eindeutig ist, dann soll er doch erst einmal abwarten, ob die gegnerische Versicherung zahlt. Erst wenn die sich streitig stellt, besteht Grund für die Einschaltung eines Anwaltes.

Wo kämen wir denn auch hin, wenn jeder kleine Pup's mit dem Anwalt abgehandelt wird. Zahlen muss es die Versichertengemeinschaft, die dann über steigende Prämien zur Kasse gebeten wird.

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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von Philipp90 » 27.11.17, 16:43

Hanomag hat geschrieben:Wo kämen wir denn auch hin, wenn jeder kleine Pup's mit dem Anwalt abgehandelt wird. Zahlen muss es die Versichertengemeinschaft, die dann über steigende Prämien zur Kasse gebeten wird.
Bei aller Liebe: Die Gier der Versicherungen hat wohl einen weit größeren Anteil an den steigenden Prämien, als die Absetzung von Anwaltskosten durch Geschädigte...aber das ist ein anderes Thema.

In meiner Erstberatung, die Rechnung lag heute im Briefkasten, wurde ich schon drauf vorbereitet das die Versicherung nicht den vollen Betrag zahlen will und was man ggf. dagegen tun könnte. So wie ich das verstanden habe, werden meine Anwaltskosten in dem Moment wieder erstattungspflichtig, in dem die gegnerische Versicherung versucht die Schadenssumme zu mindern richtig?

ktown
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von ktown » 27.11.17, 17:46

Trotz alle dem würde mich auch mal interessieren, wieso der Anwalt meint, dass eine Einschaltung seinerseits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich ist.
Sind die Sätze, die ein Anwalt mit der gegnerischen Versicherung abrechnen kann eventuell niedriger als das Honorar einer Erstberatung?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Philipp90
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von Philipp90 » 28.11.17, 17:10

ktown hat geschrieben:Trotz alle dem würde mich auch mal interessieren, wieso der Anwalt meint, dass eine Einschaltung seinerseits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich ist.
Sind die Sätze, die ein Anwalt mit der gegnerischen Versicherung abrechnen kann eventuell niedriger als das Honorar einer Erstberatung?
Gute Frage...Für die nicht mal zwanzigminütige Beratung muss ich jetzt erstmal 100€ +Mwst. bezahlen.

freemont
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von freemont » 28.11.17, 17:56

Philipp90 hat geschrieben:
ktown hat geschrieben:Trotz alle dem würde mich auch mal interessieren, wieso der Anwalt meint, dass eine Einschaltung seinerseits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich ist.
Sind die Sätze, die ein Anwalt mit der gegnerischen Versicherung abrechnen kann eventuell niedriger als das Honorar einer Erstberatung?
Gute Frage...Für die nicht mal zwanzigminütige Beratung muss ich jetzt erstmal 100€ +Mwst. bezahlen.
Ich weiss nicht, was @ktown da meint.

Wenn ein Geschädigter Anwaltskosten geltend macht, muss er das auf eine Anspruchsgrundlage stützen. Irgendwelche "Sätze der gegnerischen Versicherung" sind keine Anspruchsgrundlage. Es kann aber sein, dass das hier in diesem Forum gegen das geltende Recht so propagiert werden soll. Das weiss ich nicht.

Rechtlich gesehen führt die deliktische Eigentumsverletzung durch den Unfall zu einem Schadensersatzanspruch, Anspruchsgrundlage ist u.a. § 823 BGB:
(1) Wer ... fahrlässig ... das Eigentum ... eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.
"Schaden" ist dabei nicht nur das verbeulte Blech, als weiterer Schaden sind grundsätzlich auch die aussergerichtlichen Kosten für eine anwaltliche Vertretung, erst recht für eine anwaltliche Beratung erstattungsfähig.

Bei ganz einfachen Fällen kann dem Geschädigten zwar zugemutet werden, das selbst zu regeln. Das gilt aber nicht bei Verkehrsunfällen, auch wenn sie noch so klar und einfach sind. Da ist die Notwendigkeit der anwaltlichen Hilfe generell begründet, da es so viele Fallstricke gibt.

Die Kosten müssen vom Versicherer voll erstattet werden, so wird das hier auch passieren da kein Mitverschulden vorliegt.

windalf
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Re: Versicherung und Anwaltskosten unklar

Beitrag von windalf » 28.11.17, 18:15

Ist denn die Schuldfrage überhaupt eindeutig?
Die Schuldfrage ist eigentlich eindeutig(mein parkendes Auto wurde verkratzt, ich selbst war nicht vor Ort).
Eigentlich lässt zumindest ein wenig Interpretationsspielraum. Parkend heißt ja zum Beispiel nicht automatisch, dass das Fahrzeug dort parken durfte, ob es ordnungsgemäß abgestellt wurde usw.
...fleißig wie zwei Weißbrote
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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