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 Betreff des Beitrags: KFZ Versicherungs Frage
BeitragVerfasst: 30.11.17, 10:38 
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Beiträge: 10
Hallo

Nehmen wir an D. hat einen Unfall mit Totalschaden, Schuldfrage ist eindeutig geklärt und
Gutachten errechnet einen Restwert von 200 Euro, Zeitwert minus Restwert 2100 Euro. Die Versicherung lässt sich mit der Regulierung Zeit und so schreibt D. die Versicherung an mit dem Hinweis das sie sich ein neues Auto kaufen möchte.

Die Versicherung reguliert nunmehr den Schaden und überweist Zeitwert minus Restwert 1500 Euro mit dem Hinweis auf Kfz Händler und deren Angeboten von ca 600 Euro.

D. hat aber inzwischen entschieden den Wagen nun doch zu behalten und weiter zu nutzen und teilt dies der Versicherung mit.

Frage : Hat D. nunmehr Anspruch auf die vom Gutachter errechnete volle Summe von
2100 Euro oder ist ihre Email bindend das sie sich ein neues Auto kaufen wollte?

Vielen Dank.


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 Betreff des Beitrags: Re: KFZ Versicherungs Frage
BeitragVerfasst: 30.11.17, 12:25 
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Beiträge: 2117
mar250669 hat geschrieben:
Gutachten errechnet einen Restwert von 200 Euro, Zeitwert minus Restwert 2100 Euro.
Nach dieser Aussage müsste der Zeitwert auf 2.300 € festgesetzt worden sein.

mar250669 hat geschrieben:
Die Versicherung reguliert nunmehr den Schaden und überweist Zeitwert minus Restwert 1500 Euro mit dem Hinweis auf Kfz Händler und deren Angeboten von ca 600 Euro.
Du bringst da etwas durcheinander. Der Restwert ist m. E. das was die Händler bieten, hier also 600 €. Demzufolge hatte das Fahrzeug einen Zeitwert von 2.100 €, der um das Händlerangebot von 600 € zu kürzen ist und somit 1.500 € zur Auszahlung kommen können.
mar250669 hat geschrieben:
D. hat aber inzwischen entschieden den Wagen nun doch zu behalten und weiter zu nutzen und teilt dies der Versicherung mit.
Wenn D. das Fahrzeug nicht reparieren lässt, dann wird m. E. der Auszahlungsbetrag von 1.500 € auch noch um die Mehrwertsteuer gekürzt.
mar250669 hat geschrieben:
Frage : Hat D. nunmehr Anspruch auf die vom Gutachter errechnete volle Summe von
2100 Euro
Sicherlich nicht, weil ihn letztendlich nur ein Schaden von 1.500 € entstehen würde.
mar250669 hat geschrieben:
...oder ist ihre Email bindend das sie sich ein neues Auto kaufen wollte?
Die Email ist m. E. irrelevant, was aber nichts an der Schadenshöhe ändert.


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 Betreff des Beitrags: Re: KFZ Versicherungs Frage
BeitragVerfasst: 30.11.17, 12:44 
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Beiträge: 8317
mar250669 hat geschrieben:
...
Die Versicherung reguliert nunmehr den Schaden und überweist Zeitwert minus Restwert 1500 Euro mit dem Hinweis auf Kfz Händler und deren Angeboten von ca 600 Euro.
...



Bei dem Rechenexempel stimmt etwas nicht.

Zitat:
... Restwert von 200 Euro, Zeitwert minus Restwert 2100 Euro.


Dann ist der Zeitwert 2.300 EUR. Trifft der Hinweis der Versicherung zu, Händler bieten 600 EUR, würden sich 1.700 EUR Regulierungsbetrag ergeben. Nicht 1.500 EUR.

Das Problem tritt normalerweise so auf, dass das Auto auf Gutachtenbasis, hier also für 200 EUR verkauft wurde. Und dann kommt die Versicherung hinterher und zieht wegen angeblicher hoher Händlerangebote bei der Regulierung noch etwas ab.

Das geht nicht, das Gutachten ist dann zugunsten des Geschädigten auch für die Versicherung bindend. Hier st das Auto ja noch da, noch nicht verkauft. Es stellt sich deshalb die Frage, wie hoch ist der Restwert? 600 oder 200. Das kann ein neutraler Gutachter feststellen. Ob die angeblichen Händlerangebote realistisch sind, weiss Niemand.

Wenn die Schuldfrage eindeutig ist, sollte man sich da i.Ü. einen Anwalt nehmen, die Kosten muss die Versicherung tragen. Schon aus Gründen der Waffengleichheit, die SB der Versicherung machen schliesslich nichts anderes und haben nicht die Interessen des Geschädigten im Blick.


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 Betreff des Beitrags: Re: KFZ Versicherungs Frage
BeitragVerfasst: 30.11.17, 15:20 
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Registriert: 22.08.11, 09:43
Beiträge: 47
Ich lese gerade auf einer Anwaltsseite :

Es ist erlaubt, wenn Sie als Geschädigter ihr Auto behalten, das Geld vom Versicherer nehmen und alles in Eigen­regie reparieren lassen. Sie bekommen aber nicht mehr als den Wiederbeschaffungs­wert minus den Rest­wert.

Also müssten wohl in dem Fall 2100 zur Auszahlung kommen.


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 Betreff des Beitrags: Re: KFZ Versicherungs Frage
BeitragVerfasst: 30.11.17, 16:33 
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Beiträge: 8317
Tapferer Toaster hat geschrieben:
Ich lese gerade auf einer Anwaltsseite :

Es ist erlaubt, wenn Sie als Geschädigter ihr Auto behalten, das Geld vom Versicherer nehmen und alles in Eigen­regie reparieren lassen. Sie bekommen aber nicht mehr als den Wiederbeschaffungs­wert minus den Rest­wert.

Also müssten wohl in dem Fall 2100 zur Auszahlung kommen.



Dann sollten Sie das genauer lesen.

Das geht nur dann, wenn tatsächlich, nachweislich und mit Rechnungen repariert wird und tatsächlich Kosten angefallen sind.

Dann dürfen, so der BGH, die Reparaturkosten, die nachgewiesenen Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert sogar um 30% übersteigen:

Zitat:
Ersatzfähig sind auch Reparaturkosten, die den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs in Grenzen (bis 30%) übersteigen, wenn sie konkret angefallen sind oder wenn der Geschädigte nachweisbar wertmäßig in einem Umfang repariert hat, der den Wiederbeschaffungsaufwand übersteigt, sofern die Reparatur fachgerecht und in einem Umfang durchgeführt wird, wie ihn der Sachverständige zur Grundlage seiner Kostenschätzung gemacht hat; andernfalls ist die Höhe des Ersatzanspruchs auf den Wiederbeschaffungsaufwand beschränkt (vgl. Senatsurteile BGHZ 115, 364, 371 f.; 162, 161, 163 ff.; 162, 170, 173 f.).

Das wären hier also 2.300 EUR + 30% = 2.990 EUR, das o.g. "wenn ... wenn ... sofern" ist dabei aber zu beachten.

Dabei kann der Geschädigte sich auch wieder umentscheiden. Wenn er ursprünglich auf Zeitwertbasis, auf Basis der Ersatzbeschaffung entschädigt werden wollte, kann er es sich wieder anders überlegen. Er ist an die Wahl nicht gebunden und kann sich noch im o.g. Umfang für die Reparaturkostenerstattung entscheiden.


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 Betreff des Beitrags: Re: KFZ Versicherungs Frage
BeitragVerfasst: 30.11.17, 20:29 
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Beiträge: 2117
freemont hat geschrieben:
Zitat:
Ersatzfähig sind auch Reparaturkosten, die den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs in Grenzen (bis 30%) übersteigen, wenn sie konkret angefallen sind oder wenn der Geschädigte nachweisbar wertmäßig in einem Umfang repariert hat, der den Wiederbeschaffungsaufwand übersteigt, sofern die Reparatur fachgerecht und in einem Umfang durchgeführt wird, wie ihn der Sachverständige zur Grundlage seiner Kostenschätzung gemacht hat; andernfalls ist die Höhe des Ersatzanspruchs auf den Wiederbeschaffungsaufwand beschränkt (vgl. Senatsurteile BGHZ 115, 364, 371 f.; 162, 161, 163 ff.; 162, 170, 173 f.).

Das wären hier also 2.300 EUR + 30% = 2.990 EUR, das o.g. "wenn ... wenn ... sofern" ist dabei aber zu beachten.
Die Ausführungen des Fragestellers lassen eher 2.100 € vermuten.
freemont hat geschrieben:
Dabei kann der Geschädigte sich auch wieder umentscheiden. Wenn er ursprünglich auf Zeitwertbasis, auf Basis der Ersatzbeschaffung entschädigt werden wollte, kann er es sich wieder anders überlegen. Er ist an die Wahl nicht gebunden und kann sich noch im o.g. Umfang für die Reparaturkostenerstattung entscheiden.
Aber nicht mit dem 30protentigen Zuschlag.


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 Betreff des Beitrags: Re: KFZ Versicherungs Frage
BeitragVerfasst: 30.11.17, 20:51 
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Beiträge: 8317
Hanomag hat geschrieben:
... Aber nicht mit dem 30protentigen Zuschlag.



Aber sicher kann er das, Schadensersatz ist Schadensersatz, gleichwertige Art der Naturalrestitution:

BGH, 17.10.2006 - VI ZR 249/05
Zitat:
... Im Fall eines wirtschaftlichen Totalschadens wie hier kann der Geschädigte im Rahmen der Ersatzbeschaffung nur Ersatz des Wiederbeschaffungswertes abzüglich des Restwertes verlangen; ...

[16] Auch in diesem Fall stehen dem Geschädigten, der sich zu einer Reparatur entschließt und diese auch nachweislich durchführt, die konkret abgerechneten Kosten der Instandsetzung ohne Berücksichtigung des Restwerts zu. Ersatzfähig sind auch Reparaturkosten, die den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs in Grenzen (bis 30 %) übersteigen, ...

Bei der Ersatzbeschaffung und der Reparatur des beschädigten Fahrzeugs handelt es sich mithin um gleichwertige Arten der Naturalrestitution, zwischen denen der Geschädigte innerhalb der oben aufgezeigten Grenzen wählen kann.
...
[22] III. Die Sache ist unter Aufhebung des angefochtenen Urteils an das Berufungsgericht zurückzuverweisen. Der Senat kann die Berufung der Beklagten nicht zurückweisen, weil der Rechtsstreit nicht entscheidungsreif ist (§ 563 Abs. 1, 3 ZPO). Im Streitfall übersteigen die tatsächlich aufgewendeten Reparaturkosten (8.327,57 €) den Wiederbeschaffungswert (7.900,00 €) unterhalb von 130 % (= 10.270,00 €); ...


Die seitenlangen Ausführungen dazu, dass der Geschädigte eben nicht an die zunächst gewählte Abrechnung auf Wiederbeschaffungsbasis gebunden war, können Sie ja selbst nachlesen. Der Versicherer hatte ursprünglich 3.100 EUR bezahlt.


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