Familienversicherung GKV: Einnahmen aus Vermietung "zu hoch"

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Soleilala
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Familienversicherung GKV: Einnahmen aus Vermietung "zu hoch"

Beitrag von Soleilala » 16.12.17, 23:25

Folgender Sachverhalt: Ehefrau (nicht erwerbstätig), ist mit den beiden minderjährigen Kindern über den Ehemann kostenlos familienversichert. Die Ehefrau erhält neuerdings Einnahmen aus Vermietung, die die "Familienversicherungs-Einnahmengrenze" von 425 Euro monatlich übersteigen.

Fragen:
1. Müsste sich die Ehefrau freiwillig gesetzlich krankenversichern – wie hoch wären die Beiträge mindestens unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es keinen Arbeitgeberanteil gibt, da sie nicht erwerbstätig ist (ohne auf die Höhe der Mieteinnahmen eingehen zu wollen; ggf. gibt es eine prozentuale Beitragsangabe?)?
2. Die Ausschüttung erfolgte im aktuellen Kalenderjahr, gilt aus steuerlicher Sicht jedoch für das Jahr zuvor. Wie sieht das die Krankenkasse? Ist für sie der Zahlungseingang entscheidend oder der Zeitraum, indem die Einnahmen erwirtschaftet wurden?
3. Ggf. besteht die Möglichkeit, die Mieteinnahmen zukünftig im Rahmen eines Nießbrauchs den beiden Kindern zukommenzulassen. Dies wäre aufgrund des Freibetrags von jeweils 9000 Euro pro Kind steuerlich günstig, außerdem hätte die Ehefrau somit keine Einnahmen mehr, wodurch die kostenlose Familienversicherung wieder greifen würde. Allerdings hätten die beiden Kinder folglich Einnahmen, die auch wieder oberhalb der Grenze von 425 Euro monatlich lägen. Würden sie den kostenlosen Versicherungsschutz dann auch verlieren?
4. Welche Maßnahme ist in diesem Fall ratsam, um möglichst günstig bzw. kostenlos krankenversichert zu bleiben?
5. Wie verhält es sich generell mit höheren Schenkungen von den Eltern an die Kinder in Bezug auf deren kostenlosen Familienversicherungsschutz?

Stefanie145
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Re: Familienversicherung GKV: Einnahmen aus Vermietung "zu h

Beitrag von Stefanie145 » 17.12.17, 06:51

Hallo,

die Beiträge für freiwillig Versicherte berechnen sich entsprechend aus dem Beitragssatz der jeweiligen Krankenkasse. Da frw. Versicherte sonstige Personen keinen Anspruch auf Krankengeld haben, wird der ermäßigte Beitragssatz (14,0 %) + Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung und 2,5 % in der Pflegeversicherung (ohne Kinderlosenzuschlag) berücksichtigt. Allerdings gibt es eine Mindestbeitragsbemessungsgrenze, somit kommt man auf einen Beitrag von mindestens ca. 170 € (KV + PV), der Beitrag ist auch von dem Zusatzbeitrag der eigenen Krankenkasse abhängig.

Für die Beitragsberechnung wird jeweils der Steuerbescheid herangezogen.

Sofern die Kinder Einkommen haben, muss für diese geprüft werden, ob diese die Einkommensgrenze für die Familienversicherung überschreiten. Sobald dies der Fall ist, fallen die Kinder / das Kind aus der Familienversicherung raus und müssen anderweitig krankenversichert werden.

FM
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Re: Familienversicherung GKV: Einnahmen aus Vermietung "zu h

Beitrag von FM » 17.12.17, 09:55

Wenn das Einkommen so hoch ist, dass es sogar bei der Verteilung auf 2 Kinder die Familienversicherung ausschließen würde, muss es ja um eine Größenordnung von 850 Euro oder mehr gehen. Die Mindestbeitragsbemessungsgrenze liegt bei 991,67 Euro. Insofern würde sich also wohl schon eine übliche Beitragsbelastung ergeben, nichts ungewöhnlich hohes. Kostenlose Mitversicherung ist nur für diejenigen gedacht, die sich mangels eigenen Einkommens keine eigene Versicherung leisten können.

Es kann schon sein, dass man dieses Ergebnis durch Eigentumsübertragung innerhalb der Familie vermeiden kann, wobei es ja viele Gestaltungsmöglichkeiten gibt. Wenn das vermietete Objekt nicht mehr nur der Mutter gehört, ist sie auch nur noch anteilig Empfängerin der Mieteinnahmen. Allerdings ist das dann nicht mehr so einfach umkehrbar. Wenn die Kinder erst mal (Mit-)Eigentümer der Immobilie sind, können die Eltern nur noch mit Genehmigung des Familiengerichts darüber verfügen (§ 1643 BGB), und das Gericht wird sicher nicht genehmigen, dass die Eltern in Vertretung des Kindes so etwas weit unter Wert an sich selbst verkaufen oder gar verschenken. Ebenso sollte man beachten, welche Auswirkungen so etwas im Falle einer Trennung haben kann. Und die Kinder können dann natürlich wenn sie volljährig sind selbst entscheiden, und z.B. ihren Eigentumsanteil an Dritte verkaufen (etwa um ihr Studium zu finanzieren, weil sie wegen Vermögens keine Ausbildungsförderung bekommen).

Soleilala
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Re: Familienversicherung GKV: Einnahmen aus Vermietung "zu h

Beitrag von Soleilala » 18.12.17, 12:10

Hallo,

danke vorab für die Antworten. Frage 1 ist somit geklärt, Frage 2 so halbwegs. Sollte die aktuelle Zahlung – die sich ja auf das Jahr 2016 bezieht – dann direkt an die Krankenkasse gemeldet werden oder erst, wenn diese einen Steuerbescheid verlangt? 2016 bestand für die Ehefrau noch keine Familienversicherung. Sie war zu diesem Zeitpunkt im Rahmen der Elternzeit beitragsfrei versichert.
Zu Frage 3: Ein Nießbrauchsrecht für die Kinder macht dann ja offenbar wenig Sinn, wenn beide den kostenlosen Versicherungsschutz verlieren würden.
Hat noch jemand eine Idee zu Fragen 4 und 5?
Danke!

winterspaziergang
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Re: Familienversicherung GKV: Einnahmen aus Vermietung "zu h

Beitrag von winterspaziergang » 18.12.17, 13:01

Soleilala hat geschrieben: Hat noch jemand eine Idee zu Fragen 4 und 5?
Danke!
man ersetze "Einnahmen durch Miete", durch "Einnahmen durch Erwerbseinkommen".
:arrow: Es bleibt, dass über einer bestimmten Summe die Familienversicherung nicht in Anspruch genommen werden kann.

Möchte man das nicht, muss man die Immobilien verkaufen und auf deren Mieteinnahmen verzichten.

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