Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

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Michi240281
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Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von Michi240281 » 08.01.18, 13:40

Hallo zusammen,

ein bei einer Firma Angestellter A ist seit einigen Jahren privat krankenversichert. Er ist zwischen 30 und 40 Jahre alt, verheiratet und hat 1 Kind. Dieses Kind ist ebenfalls privat krankenversichert, allerdings bei einer anderen Versicherungsgesellschaft.
Nun hat der A im Jahr 2017 weniger verdient als die Versicherungspflichtgrenze und er möchte auch zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln. Sein Arbeitgeber hat ihn zum Jahreswechsel im eigenen System auf die GKV umgestellt. Die Anmeldung bei der GKV erfolgt Ende Januar.

Dazu ein paar Fragen:
  • Wie ist das weitere Vorgehen? Wenn A bei der GKV angemeldet wurde, bekommt er dann Post nach Hause mit einer Mitgliedsbescheinigung, mit der er dann die PKV fristlos (?) kündigen kann?
  • Muss/Sollte A umgehend seinen beiden PKVs (für sich und sein Kind) mitteilen, dass demnächst ein Wechsel stattfindet / die PKVs gekündigt werden?
  • A bekommt ja dann von seinem Arbeitgeber für Januar (rückwirkend?) keinen PKV-Zuschuss mehr sondern es wird der GKV-Beitrag abgezogen vom Gehalt. Kann A den Beitrag für Januar dann von der PKV zurückfordern?
  • Ist bei einer Anmeldung Ende Januar davon auszugehen, dass der Wechsel erst zum 1.2. stattfindet und bringt das irgendwelche Probleme mit sich?
  • Muss A dann bei der GKV einen Antrag auf Familienversicherung stellen, damit Kind (und Frau?) dann mitversichert sind oder sind sie automatisch familienversichert?
Wie ist die Rechtslage?

Besten Dank

ExDevil67
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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von ExDevil67 » 08.01.18, 14:07

Da sollte man schleunigst mit dem AG klären zu welchem Stichtag er einen in der GKV anmeldet. So rein gefühlt dürfte es nämlich nicht klappen nachträglich der PKV zu melden das jetzt wieder in der GKV ist. Pacta sund servanda.
Zumal das auch für einen selber nicht ganz unwichtig sein dürfte. Nicht das man im Januar noch als Privatpatient von einem Arzt behandelt wird, aber keiner mehr ist.

Michi240281
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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von Michi240281 » 08.01.18, 14:19

Hab schon dieses hier gefunden:
Versicherungsvertragsgesetz - VVG
§ 205 Kündigung des Versicherungsnehmers
2) Wird eine versicherte Person kraft Gesetzes kranken- oder pflegeversicherungspflichtig, kann der Versicherungsnehmer binnen drei Monaten nach Eintritt der Versicherungspflicht ...
rückwirkend zum Eintritt der Versicherungspflicht kündigen.
... Später kann der Versicherungsnehmer das Versicherungsverhältnis zum Ende des Monats kündigen, in dem er den Eintritt der Versicherungspflicht nachweist.

windalf
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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von windalf » 08.01.18, 14:35

Interressant bei der Frage dürfte noch sein, was ist wenn bereits "Versicherungsleistungen" in Anspruch genommen wurden aber rückwirkend GKV versichert werden soll? Wer zahlt dann die Arztrechnung bzw. von wem kann der Versicherte sich diese dann erstatten lassen?
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Michi240281
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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von Michi240281 » 08.01.18, 14:47

windalf hat geschrieben:Interressant bei der Frage dürfte noch sein, was ist wenn bereits "Versicherungsleistungen" in Anspruch genommen wurden aber rückwirkend GKV versichert werden soll? Wer zahlt dann die Arztrechnung bzw. von wem kann der Versicherte sich diese dann erstatten lassen?
Naja bei einem der beiden ist man ja versichert und kann dann auch die Leistungen abrechnen denke ich. Ist mir aber herzlich egal, da bei der PKV eh eine SB von 500€ besteht und ich dann eh selbst zahlen müsste und ich habe auch nicht vor, da was abzurechnen.

windalf
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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von windalf » 08.01.18, 15:04

Naja bei einem der beiden ist man ja versichert und kann dann auch die Leistungen abrechnen denke ich. Ist mir aber herzlich egal, da bei der PKV eh eine SB von 500€ besteht und ich dann eh selbst zahlen müsste und ich habe auch nicht vor, da was abzurechnen.
Was relativ sinnfrei ist einen Selbstbehalt zu bezahlen, wenn man eigentlich gar nicht mehr PKV versichert ist sondern die GKV gezahlt hätte... Aber auch über die 500 EUR kann man ja mit einem MRT ganz schnell drüber kommen...
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FM
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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von FM » 08.01.18, 16:11

Wenn man sich privatärztlich behandeln hat lassen, kann der Arzt das nicht mit der Kassenärztlichen Vereinigung abrechnen, und die Behandlungsgebühr ist auch viel höher. Schuldner ist der Patient, nicht seine Versicherungsgesellschaft.

Wenn Angehörige familienversichert sein sollen, muss das der Krankenkasse natürlich mitgeteilt werden. Die weiß sonst ja gar nicht, dass de Angehörigen existieren. Auch deren Einkommen muss mitgeteilt werden. Das entsprechende Formular bekommt man bei der Kasse.

windalf
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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von windalf » 08.01.18, 16:45

Wenn man sich privatärztlich behandeln hat lassen, kann der Arzt das nicht mit der Kassenärztlichen Vereinigung abrechnen, und die Behandlungsgebühr ist auch viel höher. Schuldner ist der Patient, nicht seine Versicherungsgesellschaft.
Das ist klar aber wenn der Arbeitgeber es nun versäumt hat rechtzeitig einzustufen, dass der Arbeitnehmer eigentlich pflichtversichert ist, dann ist doch eigentlich der Arbeitgeber Schuld, dass der Arbeitnehmer nun auf den Arztbehandlungskosten sitzen bleibt oder nicht?
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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von SusanneBerlin » 08.01.18, 17:12

Michi240281 hat geschrieben:Nun hat der A im Jahr 2017 weniger verdient als die Versicherungspflichtgrenze und er möchte auch zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln.
Die Frage ist, warum hat der AN weniger verdient? Durch Stundenreduzierung (geplant) oder weil er durch längere Krankheit aus der Entgeltfortzahlung fiel (ungeplant)?

Zweiteres löst mMn. keine Versicherungspflicht in der GKV aus.
Grüße, Susanne

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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von Stefanie145 » 08.01.18, 18:39

Hallo,

wenn jetzt zum 01.01.2018 Versicherungspflicht eingetreten ist, sollte sich dies der Arbeitnehmer morgen kurz von seinem Arbeitgeber schriftlich bestätigen lassen. Der Arbeitnehmer sucht sich dann jetzt innerhalb der nächsten Tagen eine GKV aus, an diese ist er dann 18 Monate gebunden.

Der Arbeitnehmer stellt jetzt einen Mitgliedschaftsantrag bei seiner ausgewählten GKV und reicht die Bestätigung des Arbeitgebers mit ein sowie einen Nachweis, dass er aktuell privat versichert ist (z.B. die Mitteilung über die Beiträge in 2018), den Famiantrag für das Kind (was macht die Frau?) kann der Arbeitnehmer auch in den nächsten Tagen nachreichen oder direkt mitschicken. Zeitgleich sollte der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber schon sagen, ich will zu Krankenkasse X.

Der Arbeitnehmer bekommt dann von seiner neuen Krankenkasse eine Mitgliedsbescheinigung, diese muss er bis zum 14.01. bei seinem Arbeitgeber vorlegen, ansonsten kann der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer eine Krankenkasse aussuchen an welche der Arbeitnehmer dann für 18 Monate gebunden ist.

Neben der Mitgliedsbescheinigung für den Arbeitgeber bekommt der Arbeitnehmer noch eine Bescheinigung für die PKV von der GKV, mit welcher die PKV zum 31.12.2017 beendet werden kann.

Für die Ausstellung der Versicherungskarte benötigt die GKV noch ein Passfoto des Arbeitnehmers, bis zur Zusendung der Versicherungskarte kann der Arbeitnehmer von der GKV eine vorl. Bescheinigung für mögliche Arztbesuche bekommen.

windalf
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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von windalf » 08.01.18, 18:42

Und was ist nun mit Arztkosten die zum Beispiel am 01.01.2018 in der Notaufnahme aufgelaufen sind?

Da kannte der Arbeitnehmer die Beurteilung des Arbeitgebers pflichtversichert zu sein noch gar nicht und hat da dann Privatpatient angegeben. Bleibt der AN auf seinen Kosten sitzten?

Und Erweiterungsfrage: Was ist wenn der Arbeitgeber diese Einschätzung, dass es nicht reichen wird erst im Juli treffen kann. (Weil der Arbeitnehmer zum Beispiel seine Stunden reduziert was ja am 01.01. noch nicht bekannt war).

Wird dann rückabgewickelt auf den 01.01. oder ab welchem Zeitpunkt genau tritt die Versicherungspflicht ein
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von Michi240281 » 08.01.18, 19:30

@SusanneBerlin: A verdient nun weniger als die Versicherungspflichtgrenze, da er in 2011 bei Eintritt in die PKV nur etwas mehr als die Versicherungspflichtgrenze verdient hat und diese seither stärker gestiegen ist als sein Gehalt. Daher lag er 2017 darunter.

@Stefanie145: Besten Dank für deine ausführlichen Infos. Ich habe heute vom AG die Info erhalten, dass er mich Ende Januar bei meiner gewünschten GKV anmelden wird. Warum das erst so spät passiert, weiß ich noch nicht, muss ich morgen mal fragen. Wäre das denn grundsätzlich schlimm, wenn das noch etwas dauert?

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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von ExDevil67 » 08.01.18, 19:52

Michi240281 hat geschrieben: @Stefanie145: Besten Dank für deine ausführlichen Infos. Ich habe heute vom AG die Info erhalten, dass er mich Ende Januar bei meiner gewünschten GKV anmelden wird. Warum das erst so spät passiert, weiß ich noch nicht, muss ich morgen mal fragen. Wäre das denn grundsätzlich schlimm, wenn das noch etwas dauert?
Warum der AG die Meldung erst Ende des Monats abgibt, dürfte mit den nötigen Abläufen zu tun haben. Der AG muss monatlich den Kassen melden für wen er was an Beiträgen abführt, da wird es vermutlich auch reichen wenn er in dem Zug die Neuanmeldungen zum 1.1 mitmeldet.
Das Szenario warum Sie sich für ihren Status (Kasse oder Privat) interessieren sollten, wurde doch schon grob entworfen. Angenommen Sie verunfallen morgen privat schwer und werden bewusstlos ins Krankenhaus gebracht. Was wird man wohl bei ihren Papieren finden? Vermutlich eine Karte ihrer PKV, dementsprechend wird man Sie unterbringen und ihnen die Rechnung stellen. Nun meldet aber ihr AG einer GKV das Sie ab 1.1 gesetzlich versichert sind und die stellt die nötige Bescheinigung für die Kündigung der PKV zum 31.12 aus. Die PKV wird damit wohl keine Rechnungen mehr für Behandlungen in 2018 akzeptieren. Das mag vielleicht für den Besuch beim Hausarzt wegen einer Erkältung finanziell verkraftbar sein, einen mehrtägigen Aufenthalt auf der Intensivstation dürften nur ein kleiner erlauchter Kreis selber finanzieren können.

FM
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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von FM » 08.01.18, 20:23

windalf hat geschrieben:Und was ist nun mit Arztkosten die zum Beispiel am 01.01.2018 in der Notaufnahme aufgelaufen sind?

Da kannte der Arbeitnehmer die Beurteilung des Arbeitgebers pflichtversichert zu sein noch gar nicht und hat da dann Privatpatient angegeben. Bleibt der AN auf seinen Kosten sitzten?
Wie der AG jetzt auf Ende Januar kommt, weiß ich auch nicht. Die Meldungen müssen aber auch nicht sofort erfolgen, es gibt da eine Frist von einigen (ich erinnere mich vage, 6) Wochen.

Wenn der Patient die teure privatärztliche Behandlung beansprucht obwohl er nur gesetzlich versichert ist, wird er mindestens die Differenz der Kosten selbst zahlen müssen, wahrscheinlich aber sogar die kompletten Kosten (das dürfte davon abhängen, ob die Krankenkasse einen Fehler gemacht hat). So seltsam es auch klingen mag: ein und dieselbe ärztliche Tätigkeit kann bei einem Kassenpatienten 10 Euro kosten, bei einem Privatpatienten aber 30 Euro (grob geschätzte Zahlen). Obwohl der Arzt genau dieselben Geräte verwendet hat, nicht mehr Zeit brauchte, und auch sonst nichts anders war.

Hoinzu kommt, dass abrechnungstechnisch in der GKV ein ganz anderes System gilt als für Privatpatienten. Da wird nicht jeder Vorgang einzeln der Krankenkasse in Rechnung gestellt, vieles ist über Pauschalen geregelt. Und die Krankenkasse hat keinen Grund, zusätzlich Einzelleistungen zu vergüten.

Im vorliegenden Fall weiß der Patient auch noch selbst, dass er nun gesetzlich versichert ist. Selbst wenn der Arbeitgeber in Bezug auf den Termin etwas falsch gemacht haben sollte, ist das noch nicht unbedingt Grund genug für den Arbeitnehmer, weiterhin als Privatpatient aufzutreten. Er könnte sich ja auch sofort an seine Krankenkasse wenden und die Sache klären lassen.

Stefanie145
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Re: Wechsel von PKV zu GKV: Vorgehensweise

Beitrag von Stefanie145 » 08.01.18, 20:27

Das der Arbeitgeber Sie erst Ende des Monats (dies geschieht in der Regel mit der Monatsabrechnung) anmeldet ist kein Problem, Sie sollten sich nur so schnell wie möglich mit ihrer gewählten Krankenkasse in Verbindung setzen, damit die ganzen Formalitäten eingeleitet werden können, damit sie so bald wie möglich eine Versicherungskarte bekommen.
Die Bestätigung des Arbeitgebers, dass Sie ab diesem Jahr versicherungspflichtig werden, dient Ihnen erst mal nur als Nachweis, dass sie angemeldet werden, damit kann die Krankenkasse schon arbeiten und Ihnen die notwendigen Unterlagen schon vor der Anmeldung des Arbeitgebers ausstellen.

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