Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

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Jonas
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Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von Jonas » 19.06.18, 10:45

Moin,
nach jahrelangem unterschwelligen Krampf wird es in naher Zukunft darauf hinauslaufen, dass die Großeltern die Eltern dahingehend verklagen, Umgangsrecht mit den Enkelkindern einzuklagen.
Ist das eine Familienrechtssache im Sinne einer Rechtsschutzversicherung und welcher Baustein einer Rechtsschutzversicherung wäre sinnvoll bei der genannten möglichen Konstellation?

Beste Grüße
Jonas

Baden-57
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von Baden-57 » 19.06.18, 13:57

Hier käme das Familienrecht zum Tragen, wobei nur wenige Rechtschutzversicherer diese im Programm haben und hier dann meist auch nur sehr beschränkt Kosten übernehmen. Falls also im Rahmen der bestehenden RSV bereits "Familienrecht" beinhaltet ist, unbedingt darauf achten, ob hier eine Kostenobergrenze vereinbart ist.

CDS
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von CDS » 19.06.18, 14:27

Hallo!

Berichten Sie doch mal wie das Verfahren ausgegangen ist, denn die Chancen sind ehrlich gesagt ziemlich gering.
Die Großeltern müssten nachweisen das der Umgang für das Kindeswohl erforderlich ist.
Ich habe bisher keinen Fall gefunden in welchem ein Gericht den Einlassungen der Großeltern gefolgt wäre, allerdings doch ein paar welche das Gegenteil festgestellt haben.
Das wäre evtl. dann erfolgversprechend wenn bisher eine sehr innige Großeltern-Enkel Beziehung bestand, diese jetzt aber plötzlich von den Eltern unterbunden wird.
Die Bedeutung dieser Beziehung müsste auf jeden Fall deutlich der Tatsache überwiegen das die Kinder durch einen eingeklagten Umgang mit den Großeltern ins Spannungsfeld Eltern/Großeltern geraten.

SusanneBerlin
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von SusanneBerlin » 19.06.18, 14:50

Jonas hat geschrieben:Ist das eine Familienrechtssache im Sinne einer Rechtsschutzversicherung und welcher Baustein einer Rechtsschutzversicherung wäre sinnvoll bei der genannten möglichen Konstellation?
Man kann ein brennendes Haus nicht mehr versichern. Analog: keine Rechtsschutzversicherung wird einen (Rechts-)Streit finanzieren, der beim Abschluss der Versicherung bereits besteht.
Grüße, Susanne

Jonas
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von Jonas » 19.06.18, 21:00

Baden-57 hat geschrieben:Hier käme das Familienrecht zum Tragen, wobei nur wenige Rechtschutzversicherer diese im Programm haben und hier dann meist auch nur sehr beschränkt Kosten übernehmen. Falls also im Rahmen der bestehenden RSV bereits "Familienrecht" beinhaltet ist, unbedingt darauf achten, ob hier eine Kostenobergrenze vereinbart ist.

Hallo - vielen Dank für die Antwort. Bei der Recherche bezüglich RSV lese ich in der Regel etwas über Scheidungs-, Erb- oder Verfügungsrecht gerne auch Streitigkeiten um den Unterhalt. Da kann ich nachvollziehen, dass das ein heikles Thema für RSV ist und diese diese Themen gerne ausklammeren oder deckeln.
Hier allerdings wäre es ja nichts davon der Fall - wie nennt man so eine mögliche Konstellation und wie kann ich sie explizit versichern? Umgangsrecht?

Im konkreten Fall gehts darum, dass die Großeltern nicht den Erziehungsvorrang respektieren und immer wieder die Eltern hintergehen. Die Eltern überlegen den Großeltern zu sagen, dass sie die Enkelkinder gerne sehen dürfen, aber in Zukunft nur mit mindestens einem Elternteil dabei. Die Großeltern haben schon angedeutet, sollte es soweit kommen, werden sie sämtliche Mittel aufwenden um die Eltern finanziell auszutrockenen und sämtliche kostspieligen Wege zu gehen.
SusanneBerlin hat geschrieben:Man kann ein brennendes Haus nicht mehr versichern. Analog: keine Rechtsschutzversicherung wird einen (Rechts-)Streit finanzieren, der beim Abschluss der Versicherung bereits besteht.
Noch ist nichts passiert - aber wir wollen vorbereitet sein.

Beste Grüße
Jonas

Etienne777
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von Etienne777 » 19.06.18, 22:30

Jonas hat geschrieben:Noch ist nichts passiert - aber wir wollen vorbereitet sein.
Dafür ist es bereits - wie schon SusanneBerlin zutreffend einwandte - zu spät. Die Rechtsschutzversicherung deckt unter keinen Umständen Streitfälle ab, die bereits bei Abschluß des Versicherungsvertrags angelegt waren. Dafür kommt es nicht darauf an, ob bereits ein Rechtsstreit anhängig war. Es genügt, wenn es vorher bereits Probleme im Zusammenhang mit dem Umgangsrecht gab.

Die Großeltern haben übrigens in der Tat ein (einklagbares) Recht auf den regelmäßigen Umgang mit ihren Enkeln. Allein schon aus diesem Grunde sehe ich die Erfolgschancen der Eltern im Falle einer gerichtlichen Austragung als nicht allzu groß an. Da die Rechtsschutzversicherung vor jeder Deckungszusage erst die Erfolgsaussichten prüft, würde sie selbst wenn die Sache versichert wäre wohl eher keine Kostenübernahme zusagen.
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Versicherungsmensch
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von Versicherungsmensch » 21.06.18, 11:10

Die Rechtsschutz wird üblicherweise, auch wenn der Baustein Familien- und Erbrecht eingeschlossen ist, nicht eintreten.
Im Regelfall sichert der Baustein eine anwaltliche Erstberatung ab, wenn es zu einer Änderung der persönlichen Rechtslage kommt (etwa Geburt eines Kindes, Erbfall, Scheidung).
Das dürfte hier nicht vorliegen.
Ich kann länger nicht rauchen als ein Nichtraucher rauchen. Ich bin somit der mental Stärkere. (Horst Evers)

lottchen
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von lottchen » 21.06.18, 11:31

Etienne777 hat geschrieben: Die Großeltern haben übrigens in der Tat ein (einklagbares) Recht auf den regelmäßigen Umgang mit ihren Enkeln.
Alles was ich bisher im www zu diesem Thema gefunden habe sagt genau das Gegenteil.
Lediglich wenn das Kind eine besonders enge Bindung zu den Großeltern hat und der Kontaktabbruch dem Kind schaden würde haben Gerichte für die Großeltern entschieden.

Jonas
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von Jonas » 21.06.18, 11:48

Etienne777 hat geschrieben: ...deckt unter keinen Umständen Streitfälle ab, die bereits bei Abschluß des Versicherungsvertrags angelegt waren. Dafür kommt es nicht darauf an, ob bereits ein Rechtsstreit anhängig war. Es genügt, wenn es vorher bereits Probleme im Zusammenhang mit dem Umgangsrecht gab.
Hm, das kommt mir ein wenig komisch vor - wie will denn eine Versicherung ohne bisher eingetretene Vorfälle erkennen, ob ein Problem vorlag, wer bemisst das Problem und ab wann ist denn überhaupt ein Problem ein Problem. Nach der Logik dürften nur Neugeborene eine RSV abschließen, da sie völlig unvoreingenommen ins Leben kommen.

Etienne777 hat geschrieben:Die Großeltern haben übrigens in der Tat ein (einklagbares) Recht auf den regelmäßigen Umgang mit ihren Enkeln. Allein schon aus diesem Grunde sehe ich die Erfolgschancen der Eltern im Falle einer gerichtlichen Austragung als nicht allzu groß an.
Ich habe wie Userin lottchen bisher auch nur Gegenteiliges gelesen. Es scheint häufiger der Fall zu sein, dass Großeltern sich tatsächlich zu sehr in die Erziehung einmischen als dass sie dem Kindeswohl förderlich sind. Speziell die Stichworte "Erziehungsvorrang" und "Loyalitätskonflikt" scheinen die Position der Großeltern bei unstimmigem Verhalten zu schwächen.
Falls es soweit käme wäre auch kein absoluter Verbot des Umgangs unsere Linie sondern lediglich der Umgang mit einem Elternteil dabei. Sicherlich würden dann Wochenendübernachtungen und Kurzurlaube mit den Enkelkindern wegfallen - die fanden aber eh nur sporadisch und kaum merkbar statt.

Versicherungsmensch hat geschrieben:Die Rechtsschutz wird üblicherweise, auch wenn der Baustein Familien- und Erbrecht eingeschlossen ist, nicht eintreten.
Im Regelfall sichert der Baustein eine anwaltliche Erstberatung ab, wenn es zu einer Änderung der persönlichen Rechtslage kommt (etwa Geburt eines Kindes, Erbfall, Scheidung).
Das dürfte hier nicht vorliegen.
Ok, das hatte ich bisher auch so herausgelesen - dann werden wir beim Abschluss einer RSV nicht mehr darauf achten, dass Familienrecht inbegriffen ist - es gibt schlicht keine außer die anwaltliche Erstberatung.

Beste Grüße
Jonas

Versicherungsmensch
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von Versicherungsmensch » 21.06.18, 12:28

Normalerweise ist der Baustein automatisch in einem privaten Rechtsschutz enthalten. Der Umfang dieses Bausteins variiert nur von Versicherer zu Versicherer. 8)

Ansonsten bieten aber viele Rechtsschutzversicherer eine kostenlose Beratungshotline auch für nichtversicherte Fälle an. Könnte schon einmal helfen.

Oder die Eltern sollten einfach mal 200 EUR in die Hand nehmen und sich im Vorfeld anwaltlich beraten lassen. Viel teurer sollte das nicht sein.
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von SusanneBerlin » 21.06.18, 12:32

Hm, das kommt mir ein wenig komisch vor - wie will denn eine Versicherung ohne bisher eingetretene Vorfälle erkennen, ob ein Problem vorlag, wer bemisst das Problem und ab wann ist denn überhaupt ein Problem ein Problem. Nach der Logik dürften nur Neugeborene eine RSV abschließen, da sie völlig unvoreingenommen ins Leben kommen.
Es mag die Fälle geben wo die RSV nicht mitbekommt, dass zwischen dem Versicherungsnehmer und der Gegenpartei bereits vor dem Abschluss der Versicherung über einen Streitpunkt mündlich (nicht nachweisbar) ein Konflikt bestand. In vielen Fällen ist der Eintritt des Versicherungsfalls jedoch zu einem bestimmten Datum belegbar, z.B. ein Arbeitnehmer dem gekündigt wird, kann für diesen Kündigungsfall keine Unterstützung seiner RSV bekommen wenn er erst nach Erhalt der Kündigung eine Rechtsschutzversicherung abschließt.

Dass man bisher völlig unvoreingenommen und ihne Kontakt zur Außenwelt gelebt hat, ist hingegen keine Voraussetzung.
Grüße, Susanne

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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von hambre » 21.06.18, 16:10

Hm, das kommt mir ein wenig komisch vor - wie will denn eine Versicherung ohne bisher eingetretene Vorfälle erkennen, ob ein Problem vorlag, wer bemisst das Problem und ab wann ist denn überhaupt ein Problem ein Problem.
Das kommt doch beim Prozess raus.

Oder sind die Großeltern ernsthaft der Erwartung, dass die Eltern zur Abwehr der Ansprüche auf das Umgangsrecht nur auf Vorfälle zurückgreifen werden, die nach Abschluss des Versicherungsvertrages aufgetreten sind. Die Großeltern sollten davon ausgehen, dass die gesamte Geschichte im Rahmen eines Prozesses auf den Tisch kommt, so dass klar erkennbar ist, dass es bereits vor dem Abschluss der RSV erheblichen Streit bezüglich des Umgangsrechtes gab.

Oder fragen hier die Eltern? Dann gilt das Gleiche aber auch umgekehrt.

CDS
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von CDS » 22.06.18, 13:11

Etienne777 hat geschrieben:
Die Großeltern haben übrigens in der Tat ein (einklagbares) Recht auf den regelmäßigen Umgang mit ihren Enkeln. Allein schon aus diesem Grunde sehe ich die Erfolgschancen der Eltern im Falle einer gerichtlichen Austragung als nicht allzu groß an.
Wie ich schon schrieb ist eben genau das NICHT der Fall. Die Entscheidungen die ich gefunden habe drehen sich genau um diese Konstellation: Die Großeltern haben andere Ansichten beim Thema Erziehung als die Eltern, deshalb unterbinden die Eltern den Umgang.

In ALLEN diesen Fällen haben die ELTERN vor Gericht Recht bekommen: Sie haben die Erziehungshoheit. Wenn die Großeltern jetzt hier anderer Meinung sind ist ein Umgang nicht erzwingbar, da der dadurch entstehende Konflikt für die Kinder nicht akzeptabel ist.

Etienne777
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von Etienne777 » 26.06.18, 11:12

Es dürfte davon auszugehen sein, daß die Enkelkinder die meiste Zeit NICHT bei ihren Großeltern verbringen werden, sondern bei ihren Eltern sind, Kindergarten oder Schule besuchen oder bei Freunden sind. Es gibt also mannigfaltige Einflüsse auf die Kinder, völlig unabhängig davon, ob die Kinder Kontakt zu ihren Großeltern haben dürfen oder nicht.

Ist wirklich anzunehmen, daß die Großeltern all diese anderen - von den Eltern gewünschten oder doch jedenfalls hinzunehmenden - und schon zeitlich überwiegenden Einflüsse auf ihre Kinder verdrängen und der Erziehung der Kinder eine andere Richtung verleihen könnten? Das halte ich für eine fast schon schizophrene Vorstellung die zudem voraussetzt, daß die Großeltern wann immer sie mal Kontakt zu ihren Enkeln haben danach trachten, die Enkel nach ihren Vorstellungen "zu erziehen". Aus eigener Erfahrung geschieht das nicht, auch wenn man natürlich dem Enkel schon mal sagt, bei uns legst Du die Füße nicht auf den Tisch.
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Re: Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder

Beitrag von fodeure » 26.06.18, 11:18

@Etienne777:Und auf Basis welcher Rechtsgrundlage hätten die Großeltern einen Umgangsanspruch?

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