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recht.de • Thema anzeigen - Großeltern verklagen Eltern wegen (Enkel-)kinder
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BeitragVerfasst: 26.06.18, 13:04 
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fodeure hat geschrieben:
@Etienne777:Und auf Basis welcher Rechtsgrundlage hätten die Großeltern einen Umgangsanspruch?

Ggf. auf der Basis des § 1685 BGB, der aber voraussetzt, daß der Umgang dem Wohle des Kindes dienlich ist. Das ist eine Frage des Einzelfalls. Das OLG Brandenburg (Beschluß vom 17.05.2010 - 10 UF 10/10) sah die Sache so, daß grundsätzlich der Aufbau (und erst recht der Bestand) von sozialen Beziehungen zwischen Großeltern und Enkelkindern dem Kindeswohl dienlich und förderlich sei. Allerdings, so das OLG, müsse das dennoch im Einzelfall tatrichterlich positiv festgestellt werden. Es geht nicht um Befindlichkeiten der Eltern oder Großeltern, sondern allein um das Wohl der Enkelkinder. Im Einzelfall kann auch das Recht der Eltern zurücktreten müssen, oder auch das der Großeltern, jedenfalls kann man es nicht verallgemeinern und behaupten, es habe immer nach der Nase der Eltern zu gehen.

Gerade wenn schon gewachsene Bindungen des Enkelkindes zu den Großeltern bestehen, wird man eine Unterbindung weiteren Kontakts wohl eher nicht als dem Kindeswohl dienlich ansehen können, sondern als das genaue Gegenteil. Nur können wir als Forum hier keine Würdigung von Einzelfällen vornehmen.

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BeitragVerfasst: 26.06.18, 13:14 
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Etienne777 hat geschrieben:
Es geht nicht um Befindlichkeiten der Eltern oder Großeltern, sondern allein um das Wohl der Enkelkinder.
Das stimmt so nicht ganz. Genau dieses Gericht hat 2017 (OLG Brandenburg, 22.05.2017 - 10 WF 71/17) wie folgt argumentiert:
Zitat:
Das Amtsgericht ist im Grundsatz zu Recht davon ausgegangen, dass bei unüberbrückbaren Zerwürfnis oder empfindlichen Störungen der Beziehung zwischen Eltern und Großeltern der Umgang des Kindes mit den Großeltern in der Regel nicht dem Kindeswohl dient (vgl. hierzu auch Senat, Beschluss vom 17.5.2010 – 10 UF 10/10, FamRZ 2010, 1991). Denn in solchen Fällen ist regelmäßig ein starker Loyalitätskonflikt des Kindes zu befürchten (Hennemann, in: Münchener Kommentar zum BGB, 6. Aufl., § 1685 Rn. 14).

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BeitragVerfasst: 26.06.18, 13:55 
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Fassen wird das doch so zusammen:

Die Großeltern haben nach § 1685 BGB ein Umgangsrecht.
Wenn sie dieses Recht aber einklagen müssen, dann ist die Beziehung zwischen Eltern und Großeltern empfindlich gestört, so dass dann das Umgangsrecht nicht dem Kindeswohl dient.


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BeitragVerfasst: 26.06.18, 15:38 
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hambre hat geschrieben:
Fassen wird das doch so zusammen:

Die Großeltern haben nach § 1685 BGB ein Umgangsrecht.
Wenn sie dieses Recht aber einklagen müssen, dann ist die Beziehung zwischen Eltern und Großeltern empfindlich gestört, so dass dann das Umgangsrecht nicht dem Kindeswohl dient.

Womit der deutsche Gesetzgeber als so ziemlich letzter Europas eine gesetzliche Regelung dazu überhaupt erst geschaffen hat, die noch dazu keinen praktischen Anwendungsbereich hat. Wenigstens steigen die Abgeordnetendiäten im Bundestag, so daß man den Parlamentariern immerhin nicht vorwerfen kann, überhaupt nichts auf die Reihe zu bekommen.

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BeitragVerfasst: 26.06.18, 15:55 
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Das hat aber letztlich nichts mehr mit Versicherungsrecht zutun und dies war ja die eigentliche Grundlage der Frage des TE. :wink:

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BeitragVerfasst: 26.06.18, 17:21 
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ktown hat geschrieben:
Das hat aber letztlich nichts mehr mit Versicherungsrecht zutun und dies war ja die eigentliche Grundlage der Frage des TE. :wink:

Mittelbar schon, denn wenn eine Rechtsschutzversicherung bestünde, würde diese vor der Deckungszusage auch die Erfolgsaussichten prüfen. Sähe man die Chancen der Großeltern bei Null, hieße das trotz Versicherung keine Deckung / keine Kostenübernahme. Ob man dann jetzt noch eine solche Versicherung abschließen könnte, mutierte dann zu einer rein akademischen Frage.

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BeitragVerfasst: 26.06.18, 19:15 
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hambre hat geschrieben:
Fassen wird das doch so zusammen:

Die Großeltern haben nach § 1685 BGB ein Umgangsrecht.
Wenn sie dieses Recht aber einklagen müssen, dann ist die Beziehung zwischen Eltern und Großeltern empfindlich gestört, so dass dann das Umgangsrecht nicht dem Kindeswohl dient.


Man könnte ja auch mal die Kinder fragen, als Richter.... :wink: Immerhin soll ein Umgangsrecht den Kindern dienen und ist ihr Recht und nicht das Recht der Erwachsenen.

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BeitragVerfasst: 26.06.18, 19:45 
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Oktavia hat geschrieben:
Man könnte ja auch mal die Kinder fragen, als Richter.... :wink: Immerhin soll ein Umgangsrecht den Kindern dienen und ist ihr Recht und nicht das Recht der Erwachsenen.
Dann aber bitte nur mit Hilfe eines Psychologen. Das kann sonst auch nach hinten losgehen, denn die Kinder werden sich nicht zwischen Eltern und Großeltern entscheiden wollen. Am Ende haben sie ein schlechtes Gewissen, entweder den Eltern gegenüber, weil die nun weiterhin die Kinder zu den Großeltern geben müssen oder den Großeltern gegenüber, weil die das Kind nicht mehr sehen dürfen. Möglicherweise wird das Kind auch weiterhin unter dem schwelenden Streit leiden, wenn die Großeltern gewinnen und gegenüber den Eltern auftrumpfen.
Sinnvoll ist es, erst einmal nach den Gründen für das Zerwürfnis zu suchen. Wenn die Großeltern z.B. ständig die Erziehungsmethoden der Eltern hinterfragen und dieses gegenüber dem Kind äußern, kann das nicht zu dessen Wohl sein.

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BeitragVerfasst: 26.06.18, 23:25 
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Froggel hat geschrieben:
Wenn die Großeltern z.B. ständig die Erziehungsmethoden der Eltern hinterfragen und dieses gegenüber dem Kind äußern, kann das nicht zu dessen Wohl sein.

Das ist recht spekulativ, da wir nicht wissen, wie das im Einzelfall aussieht. Wenn man sich die "Erziehungsmethoden" mancher Eltern so anschaut, verdienen sie es durchaus hinterfragt zu werden. Auch kann es kaum zum Wohl eines Kindes sein, mieserabel oder gar nicht erzogen zu werden, nur weil seine Eltern das für richtig halten. Die Probleme mit schlecht erzogenen Kindern hat am Ende die Gesellschaft insgesamt und ich stimme sehr der These zu, daß man in Deutschland für jeden Scheiß Befähigungsnachweise oder eine Erlaubnis braucht, nur Kinder erziehen, das darf jeder Idiot. Und denen soll man dann auch noch das Monopol einräumen, über das Kind und die Entwicklung seines Sozialverhaltens zu entscheiden, als sei das Kind ein Gegenstand und die Eltern seine Eigentümer?

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BeitragVerfasst: 27.06.18, 00:49 
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Etienne777 hat geschrieben:
Wenn man sich die "Erziehungsmethoden" mancher Eltern so anschaut, verdienen sie es durchaus hinterfragt zu werden.
Da stimme ich Ihnen zu. Das darf dann aber nicht im Beisein des Kindes passieren oder auf dessen Rücken ausgetragen werden.
Natürlich ist meine Annahme spekulativ und war auch nur als Beispiel gedacht. Ich erinnere mich nur daran, wie meine Eltern versucht haben, sich in die Erziehung meiner Kinder einzumischen. Glücklicherweise haben sie es aufgegeben, nachdem ich sie mehrfach grob abgebügelt habe, andere sind womöglich hartnäckiger. Aus meinen Kindern ist trotzdem was geworden - oder gerade deswegen :wink:

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BeitragVerfasst: 27.06.18, 07:02 
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Jonas hat geschrieben:
Hm, das kommt mir ein wenig komisch vor - wie will denn eine Versicherung ohne bisher eingetretene Vorfälle erkennen, ob ein Problem vorlag, wer bemisst das Problem und ab wann ist denn überhaupt ein Problem ein Problem.

das kommt auf den Fall an und wie weit der Konflikt schon offensichtlich ausgetragen wurde. Man kann sich fragen, ob Streitigkeiten, die zuvor intern ausgetragen wurden, vom Versicherungsfall ausgenommen würden. Eventuell nicht und immerhin gibt es ja eine Karenzzeit.
Nur kommt es darauf an, welche Versicherung man abschließt und was damit alles abgedeckt ist. U.U. tritt die RSV auch einfach deswegen nicht ein, weil keine Erfolgsaussicht besteht.

Jonas hat geschrieben:
Nach der Logik dürften nur Neugeborene eine RSV abschließen, da sie völlig unvoreingenommen ins Leben kommen.

das ist keine Logik, sondern ein logischer Fehler.


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BeitragVerfasst: 27.06.18, 07:11 
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Jonas hat geschrieben:
Hm, das kommt mir ein wenig komisch vor - wie will denn eine Versicherung ohne bisher eingetretene Vorfälle erkennen, ob ein Problem vorlag, wer bemisst das Problem und ab wann ist denn überhaupt ein Problem ein Problem.
:shock: :shock: Bringen sie die Versicherungsbranche nicht auf solche Gedanken. :wink:

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