Haftpflicht zahlt nicht, was nun

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blaufuss
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Haftpflicht zahlt nicht, was nun

Beitrag von blaufuss » 13.08.18, 17:52

Hallo,

A hält ein paar Schafe, die ausbrachen und das Auto von B mit Beulen versehen.
A hat eine private Haftpflichtversicherung, die den Schaden eigentlich deckt, aber da A vergessen hat, die Prämie zu zahlen, weigert sie sich nun, den Schaden zu begleichen.

1. A hat nun ein Intersse daran, die Kosten der Reparatur gering zu halten. B möchte aber in eine Vertragswerkstatt, die teurer ist als andere mögliche Werkstätten.
Statt ausbeulen oder Spachteln und lackieren soll die ganze äußere Metallabdeckung ausgestauscht werden.

Da A von seiner Versicherung nicht vertreten wird, weiß er nun nicht, wie die Rechtslage aussieht. Kann er darauf bestehen, dass die Reparatur so günstig wie möglich abgeschlossen wird?


2. B will den Schaden über seine Teilkasko abrechnen. Wird diese nun A in Regress nehmen, wenn er nicht versichert ist?
A ist finanziell nicht in der Lage, die Kosten von 2.700€ (Kostenvoranschlag) zu zahlen.
Wie ist die Rechtslage?

Vielen Dank!

FelixSt
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Re: Haftpflicht zahlt nicht, was nun

Beitrag von FelixSt » 13.08.18, 18:09

Nein, dazu gab es erst kürzlich noch mal eine aktuelle Gerichtsentscheidung, der Schädiger hat ausdrücklich KEIN Mitspracherecht bei Werkstattwahl und Reparaturmethode. Dass er "vergessen" hat, sicherlich trotz Erinnerungen und Mahnungen, seinen Beitrag zu bezahlen, ist seine eigene Schuld, das muss nicht der Geschädigte ausbaden.

winterspaziergang
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Re: Haftpflicht zahlt nicht, was nun

Beitrag von winterspaziergang » 13.08.18, 19:27

blaufuss hat geschrieben:Hallo,

A hält ein paar Schafe, die ausbrachen und das Auto von B mit Beulen versehen.
A hat eine private Haftpflichtversicherung, die den Schaden eigentlich deckt, aber da A vergessen hat, die Prämie zu zahlen, weigert sie sich nun, den Schaden zu begleichen.
A ist mithin nicht mehr versichert
1. A hat nun ein Intersse daran, die Kosten der Reparatur gering zu halten. B möchte aber in eine Vertragswerkstatt, die teurer ist als andere mögliche Werkstätten.
Statt ausbeulen oder Spachteln und lackieren soll die ganze äußere Metallabdeckung ausgetauscht werden.
das soll wohl ein Witz von A sein?!
es B´s gutes Recht und A würde es im umgekehrten Fall sicher genauso handhaben.
Da A von seiner Versicherung nicht vertreten wird, weiß er nun nicht, wie die Rechtslage aussieht. Kann er darauf bestehen, dass die Reparatur so günstig wie möglich abgeschlossen wird?
nein, der Geschädigte muss nicht mit einem Ergebnis, das "möglichst günstig" ist und genauso aussieht vorlieb nehmen und daran würde eine Vertretung durch die Haftpflicht nichts ändern
2. B will den Schaden über seine Teilkasko abrechnen. Wird diese nun A in Regress nehmen, wenn er nicht versichert ist?
A ist finanziell nicht in der Lage, die Kosten von 2.700€ (Kostenvoranschlag) zu zahlen.
Wie ist die Rechtslage?
Dass A Schulden haben wird

gmmg
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Re: Haftpflicht zahlt nicht, was nun

Beitrag von gmmg » 13.08.18, 19:44

Der Geschädigte unterliegt der Schadensminderungspflicht.

Weiterhin ist zu prüfen, ob den Tierhalter überhaupt eine Pflichtverletzung vorzuwerfen ist, die eine Haftung begründet.
Zuletzt geändert von gmmg am 13.08.18, 20:24, insgesamt 1-mal geändert.

FelixSt
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Re: Haftpflicht zahlt nicht, was nun

Beitrag von FelixSt » 13.08.18, 19:58

Schadensminderungspflicht bedeutet:

Wenn mir jemand reinfährt, wobei an meinem Auto ein Reifen platzt und sich die Achse verbiegt, dann darf ich damit nicht noch weiterfahren und hinterher zusätzlich verlangen, dass der Schädiger die Schäden bezahlt, die ich durch das Fahren mit krummer Achse zusätzlich verursacht habe.

Schadensminderungspflicht heißt nicht:

Ich gehe zu einer Hinterhofwerkstatt, die alles notdürftig zusammenflickt, damit der arme Schädiger nicht so viel bezahlen muss.

Der Geschädigte hat Anspruch auf eine Reparatur, wie sie ein Gutachter für notwendig hält und wie sie den anerkannten Regeln der Technik entspricht, und nicht, wie es dem Schädiger gefällt.

FM
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Re: Haftpflicht zahlt nicht, was nun

Beitrag von FM » 13.08.18, 21:01

gmmg hat geschrieben: Weiterhin ist zu prüfen, ob den Tierhalter überhaupt eine Pflichtverletzung vorzuwerfen ist, die eine Haftung begründet.
Bei dem Sachverhalt:
A hält ein paar Schafe, die ausbrachen und das Auto von B mit Beulen versehen.
Ist das zunächst mal wahrscheinlich. Er deutet darauf hin, dass der Stall nicht ausreichend gesichert war. Denkbar sind natürlich auch andere Ursachen, etwa wenn ein Dritter die Einfriedung beschädigt hatte. Man könnte da jetzt einen Sachverständigen beauftragen, aber wenn der Tierhalter schon den Schaden nicht bezahlen kann, wird er sich den SV auch kaum leisten können.

Da aber der Schafhalter die Schafe offenbar privat und nicht im Rahmen eines Berufes hält (sonst hätte er kaum an die Privathaftpflichtversicherung gedacht), greift auch noch die verschuldensunabhängige Tierhalterhaftung. Oder eben diese Frage von einem Anwalt prüfen lassen, diesen vorher fragen was das kostet.

Im Falle dass die Haftung besteht ist die billigste Lösung, sie sofort anzuerkennen und auf die Einrede der Verjährung zu verzichten (um den Geschädigten nicht zu einem Gerichtsverfahren zu zwingen), eine sinnvolle Ratenzahlung (also nicht 10 Euro monatlich, sondern eher 200) und Verzinsung anzubieten und dann unbedingt einzuhalten.

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