Ärger mit Haftpflichtversicherung des Schädigers

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lenicoletta
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Ärger mit Haftpflichtversicherung des Schädigers

Beitrag von lenicoletta » 23.02.19, 23:09

Hallo liebe Freunde des Forums,

Person A hat folgendes Problem: Ein Gast hat in der Wohnung von Person A die Duschabtrennung beschädigt. Die Privathaftpflichtversicherung des Gastes bewilligt nur eine Schadenssumme von 150,00 €. Es soll der Zeitwert der Dusche ersetzt werden. Die Versicherung zielt somit auf Abzug Alters- und Abnutzungsgrad ab. Person A würde sich auch mit einer intakten gebrauchten Dusche zufrieden geben, jedoch existiert keinen Markt für gebrauchte Duschkabinen. Zudem stellte der Handwerker fest, dass die beschädigt Duschkabine aufgrund der baul. Gegebenheiten des Badezimmers keiner Standardnorm entspricht. Ersatzteile sind daher schwer bzw. gar nicht zu beschaffen, ebenso ist die Marke unbekannt, so dass eine Instandsetzung der alten Duschkabine nicht möglich ist. Person A fragt sich somit, ob der Abzug für Abnutzung in diesem Fall überhaupt greift?

Darüber hinaus lehnt die Versicherung den Kostenvoranschlag des Handwerkers ab mit der Begründung, dass hier die gesamte Duschabtrennung ausgetauscht werden müsste und wie bereits oben genannt nur der Zeitwert einer Sache erstattungspflichtig ist. Die Versicherung beruft sich auf den Paragraph 249 BGB: Die Ersatzleistung des Schädigers soll wertmäßig den Zustand wiederherstellen, der unmittelbar vor dem Eintritt des Schadens bestanden hat, ohne dass eine Besserstellung des Geschädigten entsteht.
Von einer Besserstellung kann hier jedoch nicht die Rede sein. Im Gegenteil, da es keinen Markt für gebrauchte Duschkabinen gibt, kommt Person A für die Wiederbeschaffung einer gleichwertigen, intakten Duschkabine mit 150 € nicht hin. Selbst wenn Person A eine gebrauchte Duschkabine mit zufällig der gleichen außergewöhnl. Größe geschenkt bekomme würde, kann mit 150 € auch weiterhin keinen Handwerker bezahlt werden, um den alten Zustand wieder herzustellen. Person A ist im Grunde sogar noch schlechter gestellt. Ist diese Einschätzung richtig?

Person A hat gelesen, dass im Schadensrecht der Grundsatz der Naturalrestitution gilt. Dieser Grundsatz besagt, dass ein Schädiger vollumfänglich den Zustand wiederherzustellen hat, der vor Eintritt des schädigenden Ereignisses bestanden hat (das Duschen war für Person A vor dem Ereignis ja einwandfrei möglich). Insbesondere braucht der Geschädigte sich mit Wertersatz in Geld nicht zufrieden zu geben, sondern kann Schadensersatz in Natur fordern, z.B. die Reparatur der beschädigten Sache. Steht Person A laut diesem Grundsatz die Übernahme der Handwerksleistungen nun doch zu oder nicht und ist die Ablehnung seitens der Versicherung rechtens?

Person A ist am Verzweifeln, da sie als Studentin nur über wenig finanziellen Mittel verfügt. Sie kann nun weder die Dusche benutzen noch sie reparieren lassen. Selbsteinbau ist ebenso nicht möglich, da Person A handwerklich ungeschickt ist und überhaupt keine Ahnung hat, wie das geht! Zu klagen traut sie sich nicht. Wie stehen die Erfolgschancen bei einer Klage? Gibt es Urteile, Paragraphen oder eigene Erfahrungen etc.? Wie ist die Rechtslage?

Schon einmal vielen Dank für hilfreiche Antworten.

hambre
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Re: Ärger mit Haftpflichtversicherung des Schädigers

Beitrag von hambre » 23.02.19, 23:28

Es ist richtig, dass in solchen Fällen nur Anspruch auf den Zeitwert besteht. Ob dabei der Ansatz von 150€ korrekt ist, ist wiederum eine andere Frage.

lenicoletta
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Re: Ärger mit Haftpflichtversicherung des Schädigers

Beitrag von lenicoletta » 24.02.19, 16:24

Ok, alles klar, vielen Dank für die schnelle Antwort! Da habe ich wohl Pech gehabt, wenn eine kostengünstige Beschaffung nicht möglich ist. Allerdings steht weiterhin die Übernahme der Handwerkerkosten im Raum. Wohl gemerkt, ich will keine neue Dusche, sehr wohl aber die Herstellung des alten Zustandes! Da vielleicht eine Ahnung? Eine Duschkabine selbst einbauen kann ich nicht bzw. habe ich noch nie gemacht.

Danke.

Jutta
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Re: Ärger mit Haftpflichtversicherung des Schädigers

Beitrag von Jutta » 24.02.19, 17:02

Das ist ein übliches Problem, mit dem Vermieter oft kämpfen, wenn der Mieter etwas beschädigt und nachher wird nur der Zeitwert erstattet, obwohl das Teil vor der Beschädigung so beschaffen war, dass es noch lange genutzt hätte werden können.
Aber Tatsache ist, dass der Geschädigte nachher nicht besser gestellt werden darf als zuvor. D.h. wenn Reparatur oder Beschaffung eines Alt-Teils nicht möglich ist, erfolgt Neu-Einbau und dann Abzug Neu für Alt.

Wem gehört denn die Duschabtrennung? Person A? oder ist Person A Mieter und die Duschabtrennung gehört eigentlich dem Vermieter?

Im zweiten Fall könnte man dem Vermieter den Ärger aufdrücken.

In jedem Fall würde ich der Versicherung den Kostenvoranschlag eines Handwerk-Betriebes zukommen lassen und den Zeitwert nach der für A günstigsten Quelle, die Online zu finden ist, bewerten und den errechneten Betrag verlangen und im Ablehnungsfall mit Anwalt drohen. Meiner Meinung nach gehören hier auch die Handwerkerkosten in die Berechnung, aber eben auch nur zeitanteilig.
Vielleicht hilft es 8)
Gruß
Jutta

Etienne777
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Re: Ärger mit Haftpflichtversicherung des Schädigers

Beitrag von Etienne777 » 24.02.19, 22:13

Sollte A in der Wohnung nur Mieterin sein, dann sollte sie den Defekt dem Vermieter anzeigen und diesen zur Mangelbeseitigung auffordern. Der Vermieter kann dann seinerseits versuchen, Rückgriff auf den Schadensverursacher respektive dessen Versicherung zu nehmen. Das wäre die für A bequemste Lösung und überdies ohne prozessuales Kostenrisiko.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

lenicoletta
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Re: Ärger mit Haftpflichtversicherung des Schädigers

Beitrag von lenicoletta » 25.02.19, 13:59

Person A ist tatsächlich nur Mieterin und hat bereits umgehend den Schaden dem Vermieter gemeldet. Sie war auch der Ansicht, dass die Duschabtrennung dem Vermieter gehört. Allerdings fühlt sich der Vermieter dafür nicht verantwortlich. Er meint, er kann sich nur noch an einen Duschvorhang erinnern, die Duschabtrennung hat wohl der Vormieter eingebaut. Vielleicht eine Ausrede, jedoch kann Person A dies nicht nachweisen, ein Entgegenkommen vom Vermieter ist jedenfalls nicht zu erwarten.

Person A hat zwar wenig Hoffnung, aber sie wird jetzt versuchen, zumindest die Übernahme der Handwerkerkosten bei der Versicherung erneut geltend zu machen und sich auf die Naturalrestitution berufen. Klagen wird sie nicht, da sie kein Geld hat und ihre Chancen gegen Null einschätzt, dennoch danke für die Antworten!

hambre
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Re: Ärger mit Haftpflichtversicherung des Schädigers

Beitrag von hambre » 25.02.19, 17:39

Er meint, er kann sich nur noch an einen Duschvorhang erinnern, die Duschabtrennung hat wohl der Vormieter eingebaut.
Selbst wenn das stimmt, dann hat der Vermieter Pech gehabt. Da die Duschkabine beim Einzug eingebaut war und es für den Mieter keinen Hinweis darauf gab, dass sie nicht zur Mietsache gehört, gilt sie jetzt als mitgemietet. Somit hat der Vermieter für die Instandsetzung zu sorgen auch wenn ihm das nicht gefällt.
ein Entgegenkommen vom Vermieter ist jedenfalls nicht zu erwarten.
Da gibt es für den Mieter doch Mittel und Wege, seine Ansprüche durchzusetzen.

WHKD2000
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Re: Ärger mit Haftpflichtversicherung des Schädigers

Beitrag von WHKD2000 » 25.02.19, 18:41

Etienne777 hat geschrieben:Sollte A in der Wohnung nur Mieterin sein, dann sollte sie den Defekt dem Vermieter anzeigen und diesen zur Mangelbeseitigung auffordern. Der Vermieter kann dann seinerseits versuchen, Rückgriff auf den Schadensverursacher respektive dessen Versicherung zu nehmen. Das wäre die für A bequemste Lösung und überdies ohne prozessuales Kostenrisiko.

:roll: :roll:
A haftet für die von ihrem Gast verursachte Beschädigung vollumfänglich.Warum sollte der VM den Schädiger selbst in Regress nehmen?
Zeitaufwand,Ärger mit der Haftpflicht des Schädigers?
Wozu?
Würde ich nicht machen.

hambre
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Re: Ärger mit Haftpflichtversicherung des Schädigers

Beitrag von hambre » 25.02.19, 23:39

Warum sollte der VM den Schädiger selbst in Regress nehmen?
Es ist doch völlig egal, wen der Vermieter in Regress nimmt.

Wenn der Vermieter A in Regress nimmt, dann kann A diese Forderung an seinen Gast weiter leiten. Gegenüber der Situation, dass der Vermieter direkt vom Gast Regress fordert ergibt sich im Ergebnis kein Unterschied.

A muss gegenüber seinem Vermieter auch nicht in größerem Umfang haften als sein Gast ihm gegenüber.

winterspaziergang
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Re: Ärger mit Haftpflichtversicherung des Schädigers

Beitrag von winterspaziergang » 26.02.19, 07:09

lenicoletta hat geschrieben: Person A ist am Verzweifeln, da sie als Studentin nur über wenig finanziellen Mittel verfügt. Sie kann nun weder die Dusche benutzen noch sie reparieren lassen. Selbsteinbau ist ebenso nicht möglich, da Person A handwerklich ungeschickt ist und überhaupt keine Ahnung hat, wie das geht!
Fernab der Rechtslage nur eine Überlegung zur Verzweiflung der Studentin:
lenicoletta hat geschrieben:Er meint, er kann sich nur noch an einen Duschvorhang erinnern, die Duschabtrennung hat wohl der Vormieter eingebaut.
Wenn die Studentin duschen möchte und bis alles geklärt wäre, spricht was dagegen, einen Duschvorhang (Duschstangen gibts auch in der Form ohne bohren zu müssen) einzusetzen?

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