Durch welchen Verwaltungsakt ist man Kirchenmitglied?

Moderator: FDR-Team

Mary-Anne
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Durch welchen Verwaltungsakt ist man Kirchenmitglied?

Beitrag von Mary-Anne »

Guten Abend,

ich bin nicht sicher, ob meine Frage hier im "Verwaltungsrecht" richtig aufgehoben ist....

Gerne möchte ich erfahren, durch welchen "Akt" man Mitglied einer Kirche wird:

- durch die Taufe?
- oder erst durch die Konfirmation / Kommunion?
- oder einfach nur durch die Tatsache, dass die Eltern einer Konfession angehören?

Beispiel:
Kind wurde getauft, aber nicht konfirmiert etc. Die Eltern treten später aus der Kirche aus.

Frage: Ist das Kind jetzt noch Mitglied? Muss es gesondert aus der Kirche austreten, wenn es volljährig ist?

Über Antworten würde ich mich sehr freuen. Danke.
Liebe Grüße
Mary-Anne

Ronny1958
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Beitrag von Ronny1958 »

Hallo,

ist keine Frage des staatlichen Verwaltungsrechts, sondern der des jeweiligen Rechts der Körperschaft, deren Glauben man angenommen hat.

Juden werden Juden wenn die Mutter eine Jüdin ist, und zwar bereits durch die Geburt. Ausserdem kann man als Erwachsener beitreten.

Muslime sind Muslime wenn der Vater einer ist. Ausserdem kann man durch Erklärung Muslim werden. Kein förmlicher Rechtsakt erforderlich.

Bei den Christen gibt es sehr zahlreiche kircheninterne Beitritts- und Austrittsregelungen.

Ich will es mal dort erläutern wo ich es noch selbst durch eigenes Erleben weiß:

Ich wurde evangelischer Christ, weil meine Eltern mich taufen ließen. Ich mußte als Volljähriger dann durch eine Erklärung beim Amtsgericht aus der Kirche austreten (selbst der Austritt ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt).

Ich habe von Glaubensrichtungen bei Christen gehört, in denen erst der Volljährige getauft wird, ich weiß aber nicht, ob er dann als Kind überhaupt der Glaubensgemeinschaft angehörte....
Frage: Ist das Kind jetzt noch Mitglied? Muss es gesondert aus der Kirche austreten, wenn es volljährig ist?
Hört sich nach evangelischer Kirche an?

Grüße
Ronny ;)
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

Mary-Anne
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Beitrag von Mary-Anne »

Sorry, bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass das je nach Konfession unterschiedlich gehandhabt wird.
Hört sich nach evangelischer Kirche an?
ja!
Ich wurde evangelischer Christ, weil meine Eltern mich taufen ließen. Ich mußte als Volljähriger dann durch eine Erklärung beim Amtsgericht aus der Kirche austreten
Aha, man wird also schon durch die Taufe Mitglied. Welchen Sinn macht dann überhaupt noch die Konfirmation? Ich dachte, erst dadurch entscheidet sich der Jugendliche für die Kirche?

Kann man schon vor der Volljährigkeit des Kindes die Taufe widerrufen bzw. für das Kind austreten?

PS Als mein Mann und ich ausgetreten sind, hat uns keiner darauf hingewiesen, dass die Kinder dadurch nicht "automatisch" mit austreten.
Liebe Grüße
Mary-Anne

Karsten
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Beitrag von Karsten »

Soweit mir bekannt, können die Eltern für ihr Kind den Beitritt - das passiert ja durch die Taufe - aber auch jederzeit den Austritt erklären. Zwischen dem zwölften und dem vierzehnten Lebensjahr braucht es dafür aber die Zustimmung des Kindes. Ab 14 entscheidet das Kind selbst. - So hab' ich das noch in Erinnerung (als ungetauftes Heidenkind :wink: ).

dangermouse
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Beitrag von dangermouse »

Soweit mir bekannt, können die Eltern für ihr Kind den Beitritt - das passiert ja durch die Taufe - aber auch jederzeit den Austritt erklären. Zwischen dem zwölften und dem vierzehnten Lebensjahr braucht es dafür aber die Zustimmung des Kindes. Ab 14 entscheidet das Kind selbst. - So hab' ich das noch in Erinnerung
Mit 14 bin ich auf das Rathaus und habe gesagt das ich aus der Kirche austreten möchte. ( Meine Mutter war dabei). Nach 10 Minuten war das ganze gelaufen. Hat mich 25 DM gekostet.

Roni
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Beitrag von Roni »

hallo

hier ein link dazu :

http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenaustritt

Gruß roni

Mary-Anne
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Beitrag von Mary-Anne »

Danke!
Liebe Grüße
Mary-Anne

Old Piper
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Beitrag von Old Piper »

Der 'Mitgliedsstatus' bei den Evangolen ändert sich durch die Konfirmation rein steuerrechtlich (um die Kirchensteuer geht's ja wohl in erster Linie?) nicht.

Mit der Konfirmation bekommt das Kind Gelegenheit, das 'Taufversprechen', das seine Eltern irgendwann mal an seiner Stelle gegeben haben, selbst zu 'erneuern'. Außerdem kann man nur als Konfirmierter selbst Pate für einen Täufling werden und irgendwelche Kirchenämter bekleiden (Gemeindekirchenrat o.ä.). Der 'Mitgliedsstatus' ändert sich also rein kirchenintern.
MfG
Old Piper
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Behörden- und Gerichtsentscheidungen sind zwar oft recht mäßig, aber meistens rechtmäßig.

lissy

Beitrag von lissy »

Durch die Eintragung in das Taufregister.

Mary-Anne
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Beitrag von Mary-Anne »

um die Kirchensteuer geht's ja wohl in erster Linie?
Es geht nicht immer nur ums Geld. :wink:
Manchmal geht es auch ums Prinzip :D
Liebe Grüße
Mary-Anne

Mary-Anne
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Beitrag von Mary-Anne »

Bitte um Abklärung des folgenden fiktiven Falles:

Jugendlicher, 14 Jahre alt, möchte aus der Kirche austreten. Die Eltern sind jedoch dagegen.

Frage: Sind die Eltern verpflichtet, die Gebühr des Kirchenaustrittes zu bezahlen?

Wenn nein, dann Folgefrage: Würde denn die Austrittsgebühr den Rahmen des Taschengeldparagrafen sprengen?
Ab 14 Jahren liegt die Entscheidung alleine beim Austretenden, siehe Religionsmündigkeit.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenaus ... 3.A4hrigen
Liebe Grüße
Mary-Anne

Ronny1958
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Beitrag von Ronny1958 »

Frage: Sind die Eltern verpflichtet, die Gebühr des Kirchenaustrittes zu bezahlen?
Nö, warum sollten sie?
Wenn nein, dann Folgefrage: Würde denn die Austrittsgebühr den Rahmen des Taschengeldparagrafen sprengen?
Gegenfrag:

Wie hoch ist die Gebühr, wie hoch das Taschengeld?

M.E. sollte der jugendliche Prinzipienreiter die Kosten selbst ansparen ;)
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Mary-Anne
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Beitrag von Mary-Anne »

Nö, warum sollten sie?
Weil per Gesetz Kindern ab 14 eindeutig das Recht eingeräumt wurde, selber über einen Kirchenaustritt zu entscheiden und weil Eltern unterhaltsverpflichtet sind, also für die Kosten des Kindes eintreten müssen.
Wie hoch ist die Gebühr, wie hoch das Taschengeld?
Die Austrittsgebühr beträgt 50 Euro, das Taschengeld beträgt 25 Euro.
Liebe Grüße
Mary-Anne

Old Piper
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Beitrag von Old Piper »

Mary-Anne hat geschrieben:... weil Eltern unterhaltsverpflichtet sind, also für die Kosten des Kindes eintreten müssen.
Derartige Ausgaben gehören sicherlich nicht zum Unterhalt. Offenbar ist es an der Zeit, dass das Kind lernt, dass es manchmal unbequem (hier: teuer) sein kann, nach Prinzipien zu leben.
MfG
Old Piper
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Ronny1958
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Beitrag von Ronny1958 »

Old Piper hat geschrieben:
Mary-Anne hat geschrieben:... weil Eltern unterhaltsverpflichtet sind, also für die Kosten des Kindes eintreten müssen.
Derartige Ausgaben gehören sicherlich nicht zum Unterhalt. Offenbar ist es an der Zeit, dass das Kind lernt, dass es manchmal unbequem (hier: teuer) sein kann, nach Prinzipien zu leben.
Jupp,

wäre es meiner würde ich sagen:

Spar Dir das Geld zusammen, geh zur Oma usw......
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