Muss Straßenverkehrsamt Unfallflucht melden?

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Raid
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Muss Straßenverkehrsamt Unfallflucht melden?

Beitrag von Raid » 29.10.18, 17:41

Hallo in die Runde,

ich würde mich freuen, wenn mir einer etwas zu folgendem fiktiven Beispiel sagen könnte:

Person A wird von Person B in der Innenstadt als Fußgänger auf dem Bürgersteig umgefahren, weil Person B rangiert hat ohne zu gucken, was hinter dem Fahrzeug ist. Person A ist darauf hin zusammengesackt, da es einen Anstoß in Höhe der Hüfte gab, konnte sich aber wegen dem Adrenalin wieder aufraffen und wollte von Person B die Personalien, die Person B aber nicht herausgeben wollte und sich stattdessen aus dem Staub gemacht hat.

Nun hat Person A einige Schürfwunden und deftige Blutergüsse davon getragen, jedoch keine Strafanzeige erstattet, da Person A ihre Nerven aus gesundheitliche Gründen schonen muss und der ganze Umgang mit Polizei und ggf. Gericht zu sehr nervenaufreibend und damit kontraproduktiv für die Gesundheit wäre.

Nun möchte Person A jedoch für zivilrechtliche Maßnahmen eine Halterauskunft beim Straßenverkehrsamt und dort soll laut telefonischer Auskunft bei der Behörde im Detail geschildert werden, wie der Sachverhalt passiert ist, sonst bekommt man die Auskunft nicht.

Frage: Da Person B hier vermutlich neben der Körperverletzung auch eine 1A Unfallverflucht realisiert hat, welche ja ein Offizialdelikt ist, stelle ich mir jetzt die Frage, wie wahrscheinlich ist es, dass das zuständige Straßenverkehrsamt hier die Polizei über den Sachverhalt informiert?

ExDevil67
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Re: Muss Straßenverkehrsamt Unfallflucht melden?

Beitrag von ExDevil67 » 29.10.18, 18:51

Wenn A keine Anzeige erstattet um sich die Belastung eines Strafverfahrrens als Geschädigter zu ersparen, dann sollte man erst recht nicht versuchen isoliert zivilrechtlich gegen den Schädiger vorzugehen.
Der wird mit Sicherheit seine Versicherung vorschicken, und die hat Erfahrung damit das ganze so lange in die Länge zu ziehen mit immer neuen Gutachten usw bis A entnervt einem für die Versicherung günstigem Vergleich zustimmt.

Zumal im Zivilverfahren jeder das nachweisen muss was er zu seinen Gunsten behauptet. Mit einem Urteil aus einem Strafverfahren fällt A der Nachweis das B grundsätzlich zahlen muss deutlich leichter.

Raid
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Re: Muss Straßenverkehrsamt Unfallflucht melden?

Beitrag von Raid » 29.10.18, 19:11

Es geht in dem Falle bei Person A hier weniger um großartiges Schmerzensgeld, eben leider aus dem benannten Grund, dass es schwer werden würde und langwierig. Vielmehr reden wir hier "nur" über ca. 150 EUR Verdienstausfall zzgl. dann Anwaltskosten. Und ob jemand deshalb zu seiner Versicherung rennt, vielleicht schon aus Angst, man könnte ja hoch gestuft werden, dass ist so eine Sache. Es geht im Prinzip einfach nur darum, den wirtschaftlichen Schaden als Selbständiger auszugleichen, den Schaden am Mensch bekommt er quasi "geschenkt".

Aber um auf die eigentliche Fragestellung zurück zu kommen, ich könnte mir vorstellen, dass im Amt jemand sitzen könnte, der einen Gerechtigkeitssinn hat und der Meinung ist, dass solche Leute nicht in den Straßenverkehr gehören und den Vorgang dann an die Polizei weiterleitet. Nur hab ich beim vielen lesen eben noch nicht verstanden, ob das Thema Offizialdelikt nur gilt für Staatsanwälte, dass die es von Amtswegen verfolgen müssen oder ob auch quasi jeder Beamte der Kenntnis von einem Offizialdelikt hat dazu etwas einleiten muss.

FM
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Re: Muss Straßenverkehrsamt Unfallflucht melden?

Beitrag von FM » 29.10.18, 19:12

Sofern der Verletzte ärztliche Behandlung benötigte und/oder arbeitsunfähig wurde, werden seine Krankenkasse und/oder sein Arbeitgeber die Mitteilung der Unfallumstände verlangen, um ihre eigenen Ersatzforderungen geltend machen zu können. Die Krankenkasse sendet dazu einen Fragebogen wie diesen zu:
https://www.ikk-suedwest.de/wp-content/ ... ebogen.pdf

Ggf. können auch Arbeitgeber und/oder Krankenkasse die Strafanzeige dann erstatten.

Sollte aber gar keine ärztliche Behandlung nötig gewesen sein, kommt auch kaum ein Schadensersatzanspruch des Opfers wegen Personenschaden in Betracht. Hier geht es im Wesentlichen nur um Schmerzensgeld und Erwerbsminderung, die Behandlung selbst bezahlt ja die Krankenkasse. Bei einer nicht behandlungsbedürftigen und nicht ärztlich dokumentierten Verletzung ist beides sehr unwahrscheinlich. Sachschäden wurden nicht erwähnt.

FM
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Re: Muss Straßenverkehrsamt Unfallflucht melden?

Beitrag von FM » 29.10.18, 19:15

Ahso, ein Selbständiger. Und der hat nur 150 Euro Verdienstausfall? War er nur wenige Stunden arbeitsunfähig? Hat das ein Arzt festgestellt und falls ja, wer hat den Arzt bezahlt?

ExDevil67
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Re: Muss Straßenverkehrsamt Unfallflucht melden?

Beitrag von ExDevil67 » 29.10.18, 20:30

Raid hat geschrieben:Es geht in dem Falle bei Person A hier weniger um großartiges Schmerzensgeld, eben leider aus dem benannten Grund, dass es schwer werden würde und langwierig. Vielmehr reden wir hier "nur" über ca. 150 EUR Verdienstausfall zzgl. dann Anwaltskosten. Und ob jemand deshalb zu seiner Versicherung rennt, vielleicht schon aus Angst, man könnte ja hoch gestuft werden, dass ist so eine Sache.
Wenn bei mir jemand mit Anwalt ankommt und was von mir will, warum sollte ich mir nicht Schützenhilfe von meiner Versicherung holen? Alleim um sicher zu gehen das ich a) nicht unberechtige Forderungen zahle und b) das ganze nicht zu einem Fass ohne Boden werden kann.
Und mit der möglichen Hochstufung, darüber kann man hinterher wenn die Schadenshöhe feststeht in Ruhe mit der eigenen Versicherung reden ob es sich lohnt das aus eigener Tasche zu zahlen.

svffb
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Re: Muss Straßenverkehrsamt Unfallflucht melden?

Beitrag von svffb » 30.10.18, 08:47

Raid hat geschrieben:Frage: Da Person B hier vermutlich neben der Körperverletzung auch eine 1A Unfallverflucht realisiert hat, welche ja ein Offizialdelikt ist, stelle ich mir jetzt die Frage, wie wahrscheinlich ist es, dass das zuständige Straßenverkehrsamt hier die Polizei über den Sachverhalt informiert?
Ich schätze ganz schwer, dass es auf den Sachbearbeiter ankommt. Vermutlich wird die Zulassungsstelle da keine Welle machen, wohl eher die Führerscheinstelle.

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