Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

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ktown
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Re: Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

Beitrag von ktown » 07.11.18, 11:48

was_guckst_du hat geschrieben:...einfach mal formell beitreten und dann austreten...
:shock: ohne Taufschein. :shock: Wie soll das gehen?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Evariste
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Re: Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

Beitrag von Evariste » 07.11.18, 13:18

Erwachsene werden auch nicht einfach mal eben getauft, es gibt spezielle Seminare, wo sie auf die Taufe vorbereitet werden. Und eine Taufe, nur damit man hinterher gleich wieder austreten kann, ist sowieso nicht ernst gemeint, das würde jeder Geistliche ablehnen.

windalf
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Re: Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

Beitrag von windalf » 07.11.18, 13:19

Man kann auch ohne Taufe Mitglied einer Religionsgemeinschaft sein. Das verlangen nicht alle. Ich glaube zum Beispiel bei dem Baptisten ist es auch ohne möglich. Was passiert, wenn man zum Beispiel dort einfach Eintritt? Hat man dann mehrere Religionen oder erlischt dann die Alte?
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

ktown
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Re: Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

Beitrag von ktown » 07.11.18, 13:28

windalf hat geschrieben:Was passiert, wenn man zum Beispiel dort einfach Eintritt? Hat man dann mehrere Religionen oder erlischt dann die Alte?
Sie wollen doch den Amtsschimmel nicht noch mehr in die Bredouille bringen. :lachen:
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windalf
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Re: Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

Beitrag von windalf » 07.11.18, 13:30

ktown hat geschrieben:
windalf hat geschrieben:Was passiert, wenn man zum Beispiel dort einfach Eintritt? Hat man dann mehrere Religionen oder erlischt dann die Alte?
Sie wollen doch den Amtsschimmel nicht noch mehr in die Bredouille bringen. :lachen:
Nein ich wollte nur einen Patch für deine Idee anregen die direkt als "unmöglich" abgetan wurde
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Evariste
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Re: Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

Beitrag von Evariste » 07.11.18, 14:17

windalf hat geschrieben: Ich glaube zum Beispiel bei dem Baptisten ist es auch ohne möglich.
Ich glaube, das ist ein Missverständnis. Als Ungetaufter kann man auch bei den Baptisten nicht Mitglied sein. Sondern es geht um den Sonderfall, dass jemand, der bisher in einer anderen Kirche war und nun zu den Baptisten übertreten will, als Säugling getauft wurde. Die Baptisten erkennen die Säuglingstaufe eigentlich nicht an, machen aber für solche Fälle eine Ausnahme und verlangen keine erneute Taufe. Es gibt Kirchen, die das anders sehen, deswegen gibt es auch den Begriff "Wiedertäufer".
windalf hat geschrieben: Hat man dann mehrere Religionen oder erlischt dann die Alte?
Hierzu finde ich in der Kathpedia (was es nicht alles gibt...):
Der Übertritt eines Katholiken zu einer anderen christlichen Konfession oder religiösen Gemeinschaft wird als Kirchenabfall (Apostasie oder Häresie, cc. 1364. 751) gewertet. Dadurch wird seine Kirchenzugehörigkeit nicht ganz aufgehoben, aber seine Rechtsstellung in der Katholischen Kirche eingeschränkt (cc. 1331. 1336). Ein Kirchenaustritt ist nach katholischem Kirchenrecht nicht vorgesehen. "In einigen (deutschen) Bundesländern akzeptiert der Staat den Übertritt von einer Religionsgemeinschaft in eine andere. Das bedeutet, zwei Religionsgemeinschaften können vereinbaren, dass man nicht erst aus der einen austreten muss, um in die andere einzutreten. Solche Vereinbarungen wurden zum Teil zwischen verschiedenen evangelischen Kirchen getroffen. Hingegen hat die katholische Kirche solche Vereinbarungen nicht abgeschlossen. Wer also bislang einer anderen Religionsgemeinschaft angehört und katholisch werden möchte, muss zunächst einmal aus seiner bisherigen Religionsgemeinschaft austreten." [und umgekehrt wohl auch...]

Klaus4711
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Re: Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

Beitrag von Klaus4711 » 08.11.18, 08:11

Für den Kirchenaustritt ist doch gar keine Taufbescheinigung notwendig.

Er reicht der Personalausweiss und das wissen, aus welcher Kirche man austreten will.

Siehe auch: http://www.ag-koeln.nrw.de/aufgaben/abt ... /index.php

Nichtmal den Ort der Taufe muss man wissen, das ist optional.

Und man kann es ab 14 selbst erledigen :)

Die Bescheinigung über den Austritt bekommt man sofort, das Finanzamt wird informiert. Die Kirche auch... und die wird vermutlich den Wisch wegwerfen, wenn sie den Betroffenen gar nicht als Mitglied findet.

Irgendwie eine witzige Regelung wenn man mal darüber nachdenkt.

ktown
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Re: Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

Beitrag von ktown » 08.11.18, 08:22

Klaus4711 hat geschrieben:Für den Kirchenaustritt ist doch gar keine Taufbescheinigung notwendig.
hat das jemand behauptet?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Klaus4711
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Re: Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

Beitrag von Klaus4711 » 08.11.18, 08:48

ktown hat geschrieben:
Klaus4711 hat geschrieben:Für den Kirchenaustritt ist doch gar keine Taufbescheinigung notwendig.
hat das jemand behauptet?
Nein. Aber mir ist der Eindruck entstanden.

Es gab allerdings die Aussage:
Wie soll es gelingen aus einer Kirche auszutreten, in der man gar nicht Mitglied ist? Ich befürchte, ein solches Ansinnen würde erfolglos bleiben.
Da der Austritt beim Amtsgericht erfolgt, die gar nicht wirklich wissen können ob jemand Mitglied in einer Kirche ist, kann man auch aus Kirchen austreten in denen man nie Mitglied war. (Ich weiss nicht, ob das Amtgericht ins Melderegister schaut... aber wenn doch, steht dort ja die irtümliche Mitgliedschaft drin, aus der man austreten will).

In diesem Fall erreicht man doch was man wollte: für den Staat ist man ausgetreten. Und darum geht es doch hier.

Cicero
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Re: Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

Beitrag von Cicero » 08.11.18, 21:10

El_Buho hat geschrieben:Danke für die schnelle Antwort.

Ich wurde in Kasachstan geboren und in meiner übersetzten Geburtsurkunde steht kein Vermerk über eine Religionszugehörigkeit, lediglich im Familienbuch steht bei meinen Eltern, dass diese keiner Religion angehören.

Und beim örtlichen Pfarramt wird mir keine Bescheinigung ausgestellt, dass ich Nichtmitglied bin. Lediglich die Mitglieder können eine bekommen.
Dann einfach schriftlich eine Bestätigung anfordern, dass Sie dort Mitglied sind. Dann wird man Ihnen ja antworten, dass das nicht gehe, da Sie ja kein Mitglied sind.

El_Buho
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Re: Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

Beitrag von El_Buho » 27.02.19, 21:39

Vielen Dank für die zahlreichen Antworten, es hat mir auf jeden Fall weitergeholfen!

Um ein Update zu geben und evt. den einen oder anderen Hilfesuchenden mit einem ähnlichem Problem zu helfen: Ich habe einen Antrag beim Bürgeramt gestellt und darum gebeten den Eintrag über meine Konfession im Melderegister zu berichtigen.

Hier ein Auszug:


"Hiermit beantrage ich eine Korrektur über den Eintrag meiner Konfession von 'Evangelisch' auf 'Konfessionslos bzw. Ohne Bekenntnis' da weder ich noch meine Familie getauft sind und auch sonst keiner Religion beigetreten ist. Durch ein Missverständnis seitens meines Vaters bei der Anmeldung im Bürgeramt in [Ort] am 19.09.2004 wurde mir fälschlicherweise 'Evangelisch' als Konfession eingetragen, was ich zum damaligen Zeitpunkt nicht gewusst hatte, da ich minderjährig war.
Ein Austritt aus der evangelischen Kirchengemeinschaft steht vollkommen außer Frage da die Angaben meines Vaters bei der Behörde in [Ort] 2004 keinen konstitutiven Kirchenbeitritt meinerseits darstellen und deswegen kann ich materiell-rechtlich betrachtet nicht austreten. Und nach dem Art. 10 (1) aus dem Bayerischem Meldegesetz hat die Meldebehörde Betroffenen auf Antrag unvollständige oder unrichtige Daten auszubessern.
Daher bitte ich Sie den Eintrag bei der Konfession von 'Evangelisch' zu 'Konfessionslos' bzw. 'Ohne Bekenntnis' zu ändern.

Entsprechende Nachweise, dass weder ich noch meine Eltern keiner Religion angehören, können Sie dem Eintrag aus dem Familienbuch entnehmen und dem Eintrag aus dem Melderegister bevor ich 2004 nach [Ort] gezogen bin."


Das Ergebnis: Es hat funktioniert und ich bin nicht mehr in den Fängen der Kirche!! : D

winterspaziergang
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Re: Vater hat mir Religion eintragen lassen beim Bürgeramt

Beitrag von winterspaziergang » 27.02.19, 22:47

El_Buho hat geschrieben:Mein Vater hatte beim Anmelden im Bürgeramt vor ungf. 14 Jahren eine Religion bei uns (Er, meine ältere Schwester und mir) eintragen lassen wegen einem Missverständnis obwohl keiner bei uns in der Familie getauft ist oder sonst mit Religion irgendwas zu tun hat.
Und ich habe das natürlich erst kürzlich herausgefunden
El_Buho hat geschrieben:V
Das Ergebnis: Es hat funktioniert und ich bin nicht mehr in den Fängen der Kirche!! : D
:roll: :roll: :roll: komische Definition von "Fängen":
Jemand anders meldet fälschlich an, man hat nie was damit zu tun, findet es "kürzlich" raus und kann den Eintrag auch unkompliziert abändern.
Aber gegen irgendwas treten, von dem man so ziemlich gar keine Ahnung hat, scheint bei dem Thema ja "in" zu sein

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