Eignung zum Führen eines KFZ

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Etienne777
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Eignung zum Führen eines KFZ

Beitrag von Etienne777 » 18.01.19, 12:19

Eine Bekannte wandte sich heute ratsuchend an mich, aber in dieser Materie habe ich keine Erfahrungen und würde mich freuen, wenn hier jemand helfen könnte.

Die Bekannte leidet unter schwerer Migräne, die bekanntermaßen anfallsartig auftritt. Im Schnitt an zwei bis vier Wochentagen leidet sie darunter, an den übrigen Tagen geht es ihr normal. An den Anfallstagen verbringt sie die meiste Zeit im verdunkelten Zimmer oder im Bett, da das die Beschwerden etwas lindert. An solchen Tagen verläßt sie weder ihre Wohnung noch benutzt sie ihr Auto. Da sie bereits Rentnerin ist, besteht auch keine Veranlassung für sie, ausgerechnet an solchen Tagen Auto zu fahren. Gleichwohl lebt sie in einem abgelegenen Bauernhaus, das wegen der Wohnruhe einerseits gut für sie ist, aber eben auch erfordert, mit eigenem Fahrzeug mobil zu sein, um sich zu versorgen. Da sie in ihrer Zeitplanung frei ist, kann sie das an beschwerdefreien Tagen erledigen.

Im Zuge der Überprüfung ihrer Rente wegen Erwerbsminderung (wegen der Migräne) äußerte nun der Rentengutachter, daß ihre Eignung zum Führen eines KFZ zu bezweifeln sei, wenn sie so oft Migräne habe. Die Bekannte macht sich nun größte Sorgen, daß der Gutachter womöglich die Führerscheinstelle informiert und man ihr den Führerschein abnimmt.

Ich habe mir dazu einmal die Anlage 4 zur FeV angeschaut, dort ist Migräne als Krankheit nicht enthalten, allerdings steht in der Vorbemerkung, daß in der Anlage Erkrankungen nicht aufgenommen wurden, die seltener vorkommen oder nur kurzzeitig andauern (z. B. grippale Infekte, Heuschnupfen, Asthma oder auch Migräne). Nach der Auslegung des Gutachters könne Migräne den Führerschein kosten, wenn sie regelmäßig beeinträchtigt. Meiner Meinung nach ist das Ganze ein hinterhältiger Versuch, die Rentnerin über das Androhen eines möglichen FS-Entzugs dazu zu bringen, ihre Beschwerden milder oder unvollständig zu äußern und so die Rente nicht mehr leisten zu müssen.

Mal angenommen der Gutachter würde tatsächlich die Führerscheinstelle informieren, was hätte die Betroffene dann zu erwarten? Ich vermute eine Anordung sich einer Begutachtung zu unterziehen, nur was soll die bringen? Hätte sie am Begutachtungstag zufällig keine Migräne, wäre alles okay, hätte sie hingegen welche, wäre sie nicht fahrtüchtig. Aber das ist ja nicht anders als bei Heuschnupfen oder wenn man mal zu tief ins Glas geschaut hätte. Und wer müßte für die Kosten der angeordneten Begutachtung aufkommen und wie hoch sind die so etwa?
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Dieter_Meisenkaiser
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Re: Eignung zum Führen eines KFZ

Beitrag von Dieter_Meisenkaiser » 18.01.19, 12:24

Sie sagen doch selbst, dass die Beschwerden anfallartig auftreten. Ihre Bekannte kann somit ja gar nicht vorbeugen, in gefährliche Situationen zu kommen, weil es eben nicht reicht, bloß an Tagen nicht zu fahren, an denen man bereits vor Fahrtantritt einen Migräneschub hat.

windalf
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Re: Eignung zum Führen eines KFZ

Beitrag von windalf » 18.01.19, 12:25

Naja wenn das ganze "anfallartig" auftritt, dürfte jeder andere Autofahrer froh sein nicht gerade in der Nähe zu sein, wenn die Dame hinterm Steuer einen solchen Anfall bekommt...
aber eben auch erfordert, mit eigenem Fahrzeug mobil zu sein, um sich zu versorgen.
Wenn nicht direkt der plötzliche Tod eintritt, wird sich mittel bis langfristig doch eh das Problem ergeben, dass sich Alter und Zwang mit dem eigenem Fahrzeug mobil zu sein beißen. Da steuert man doch am besten jetzt noch gegen diese Rahmenbedingungen an, so lange das noch einfach(er) geht bevor es so spät ist, dass man auch einen Umzug nicht mehr auf die Reihe bekommt...
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Etienne777
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Re: Eignung zum Führen eines KFZ

Beitrag von Etienne777 » 18.01.19, 13:07

Würde der Gesetzgeber davon ausgehen, daß Migräne, Asthma und ähnliche nur vorübergehend bestehende Beeinträchtigungen grundsätzlich die Eignung in Frage stellen, hätte er diese sicherlich mit in die Anlage 4 aufgenommen. Sie müssen sich Migräne nicht als plötzlich eintretendes Ereignis vorstellen, das von jetzt auf gleich zu Auswirkungen führt, die die Fahrtauglichkeit berühren könnten. So wie mir die Bekannte das geschildert hat und ich es auch von Anderen kenne, merken sie schon Stunden bevor der eigentliche Zustand mit Kopfschmerz und Übelkeit anläuft, daß das im Anmarsch ist. Die Dame hat inzwischen seit über 40 Jahren eine Fahrerlaubnis und in der gesamten Zeit war sie auch migränekrank. Gleichwohl fuhr sie die gesamte Zeit ohne jedweden Unfall, nicht mal eine Beule hat sie in ihrem alten Golf III, eben weil sie sehr wohl fähig und bereit ist, verantwortungsvoll zu beurteilen wann sie fahrtüchtig ist und wann nicht. Da ist jeder kräftige Nieser am Steuer gefährlicher für die Teilnahme am Straßenverkehr, als ein sich über Stunden allmählich aufbauender Kopfschmerz, auf den man reagieren kann. Es ging mir hier aber um die Frage einer möglicherweise angeordneten Begutachtung und deren Kosten. :wink:
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windalf
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Re: Eignung zum Führen eines KFZ

Beitrag von windalf » 18.01.19, 13:56

Sie müssen sich Migräne nicht als plötzlich eintretendes Ereignis vorstellen
Ich weiß was Migräne ist aber wenn diese laut Sachverhalt auch noch "anfallartig auftritt" stelle ich (und auch anscheinend mein Vorposter) dies eben genau als das vor, was das Wort anfallartig impliziert. (als plötzlich auftretendes Ereignis)
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Re: Eignung zum Führen eines KFZ

Beitrag von Dieter_Meisenkaiser » 18.01.19, 14:18

Etienne777 weiß jetzt, wie Ralf Stegner sich gerade fühlen muss.

Etienne777
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Re: Eignung zum Führen eines KFZ

Beitrag von Etienne777 » 18.01.19, 16:48

Es ist umstritten, ob man Migräne überhaupt als Anfallsleiden einordnen sollte, oder nicht eher als akuten Schub einer chronischen Erkrankung.

Zwar kann niemand voraussagen, an welchem Tage die Migräne zuschlägt, aber daraus folgt nicht, daß man am Steuer des KFZ sitzt und schlagartig die Fahrtüchtigkeit abnimmt oder gar entfällt. Auf jeden Fall wäre die oder der Betroffene problemlos in der Lage, sein Fahrzeug ganz in Ruhe aus dem Verkehr zu nehmen. Das ist nicht vergleichbar mit epileptischen Anfällen, wo man tatsächlich unmittelbar außer Kontrolle gerät.

Was ist mit Ralf Stegner, hat der Migräne?
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Evariste
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Re: Eignung zum Führen eines KFZ

Beitrag von Evariste » 18.01.19, 18:59

Die Begutachtungsleitlinien finden sich hier:
https://www.bast.de/BASt_2017/DE/Verkeh ... linien.pdf

Migräne ist nicht ausdrücklich erwähnt, aber migränebedingte Schwindelanfälle auf Seite 62:
Während einer Attacke mit Migräne-Schwindel ist die Fahreignung nicht gegeben, bei Patienten mit Prodromi (also wenn sich die Attacken ankündigen) im Intervall jedoch in der Regel uneingeschränkt.
Sollte also tatsächlich die Führerscheinstelle deswegen in Aktion treten, müsste ein einfaches ärztliches Gutachten zu dem Thema ausreichen.

Etienne777
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Re: Eignung zum Führen eines KFZ

Beitrag von Etienne777 » 18.01.19, 22:12

Danke für die Begutachtungsrichtlinien, Evariste. Dort wird auch explizit unterschieden zwischen Migräne mit und ohne Prodromi ("Vorboten", die der Patient längere Zeit vor dem Start der Attacke verspürt, z. B. Kribbeligkeit, Veränderungen in Geruchs- und Geschmacksempfinden usw.).
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