Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Perso

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FM
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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von FM » 01.05.19, 21:34

Gerade Engländer, Schotten, Amerikaner etc. gehen gerne davon aus, auch alle anderen müssten Englisch selbstverständlich verstehen. Gerade bei rechtlich relevanten Texten ist da eine gewisse Vorsicht seitens der Behörden verständlich, nur wenige Deutsche, Italiener oder Franzosen beherrschen Englisch auf Übersetzer-Niveau. Das wird vielleicht deutlich wenn der (gebürtige) Schotte sich vorstellt, jemand würde eine deutschspachige Urkunde bei einer Behörde in Schottland vorlegen. Vielleicht hat der schottische Beamte tatsächlich kein Problem damit. Falls aber doch, kann er damit eben nichts anfangen.

Dass der Nachname bezweifelt wird, bleibt dennoch verwunderlich. Es muss ja ein Eintrag im Melderegister existieren, der anders als ein Personalausweis oder Reisepass nicht einfach ungültig wird. Oder hat die Dame vielleicht in Schottland geheiratet nachdem sie schon in Deutschland gemeldet war und dies nie dem Meldeamt mitgeteilt?

tomtom78
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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von tomtom78 » 01.05.19, 21:54

FM hat geschrieben:Gerade Engländer, Schotten, Amerikaner etc. gehen gerne davon aus, auch alle anderen müssten Englisch selbstverständlich verstehen.
Aus Laiensicht steht da schlicht und ergreifend nichts Übersetzungswürdiges drin. Wenn ich "Behörde" wäre, fände ich die Einbürgerungsurkunde viel interessanter. Zumal diese in Deutsch vorliegt.
Oder hat die Dame vielleicht in Schottland geheiratet nachdem sie schon in Deutschland gemeldet war und dies nie dem Meldeamt mitgeteilt?
Nichts dergleichen. In Schottland geheiratet, danach nach Deutschland, Einbürgerung und seitdem in Deutschland ansässig.

Mich würde interessieren, ob Ämter dies unterschiedlich handhaben (können), ob es regionale Unterschiede gibt, ob es einfach Gutdünken des Sachbearbeiters ist und ob es irgendeine übergeordnete Stelle gibt, bei der man sich erkundigen könnte?

Evariste
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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von Evariste » 01.05.19, 22:32

tomtom78 hat geschrieben: Mich würde interessieren, ob Ämter dies unterschiedlich handhaben (können), ob es regionale Unterschiede gibt, ob es einfach Gutdünken des Sachbearbeiters ist und ob es irgendeine übergeordnete Stelle gibt, bei der man sich erkundigen könnte?
Der Vorgesetzte des Sachbearbeiters? Hat bei uns schon ein paar Mal geholfen.

winterspaziergang
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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von winterspaziergang » 02.05.19, 07:01

tomtom78 hat geschrieben:
FM hat geschrieben:Es wäre aber schon gut vorstellbar, dass eine seit ca. 40 Jahren in Deutschland lebend Person mit deutscher Staatsangehörigkeit auch andere geeignte Unterlagen in deutscher Sprache hat.
Ja z. B. eine Einbürgerungsurkunde. Wird aber nicht akzeptiert und die Betroffene versteht die Welt nicht und hat schlaflose Nächte.
Man sollte in solchen Fällen die übergeordnete Dienststelle kontaktieren.
Es wäre nicht das erste Mal, dass ein/e Sachbearbeiter/in vor Ort Gesetzestexte oder eher ihm/ihr bekannte Teile davon aufsagt und sich außerstande sieht, die Info des Einzelfalls zu lesen bzw. anzunehmen und alles logisch zu verknüpfen. Etwa um festzustellen, dass es im vorliegenden Fall obsolet wäre, die Heiratsurkunde zu diesem Zweck zu übersetzen, nachdem die Dame doch bereits das sehr aufwändige Einbürgerungsprocedere durch hat.
Zuweilen kann er/sie es, darf es aber nicht entscheiden, der Vorgesetzte aber schon.

ktown
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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von ktown » 02.05.19, 07:06

winterspaziergang hat geschrieben:Zuweilen kann er/sie es, darf es aber nicht entscheiden, der Vorgesetzte aber schon.
Zuweilen sind die Kollegen aber auch einfach entscheidungsunfreudig, weil sie keine Verantwortung übernehmen wollen (aus welchen Gründen auch immer). :wink:
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winterspaziergang
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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von winterspaziergang » 02.05.19, 09:47

ktown hat geschrieben:
winterspaziergang hat geschrieben:Zuweilen kann er/sie es, darf es aber nicht entscheiden, der Vorgesetzte aber schon.
Zuweilen sind die Kollegen aber auch einfach entscheidungsunfreudig, weil sie keine Verantwortung übernehmen wollen (aus welchen Gründen auch immer). :wink:
oder weil es einfacher ist, einen Text abzuspulen, den man auswendig gelernt hat, auch wenn er auf den vorliegenden Fall gar nicht passt oder unter Würdigung aller Umstände nicht anzuwenden wäre

winterspaziergang
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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von winterspaziergang » 02.05.19, 09:56

FM hat geschrieben:Gerade Engländer, Schotten, Amerikaner etc. gehen gerne davon aus, auch alle anderen müssten Englisch selbstverständlich verstehen.

wir reden hier nicht von "allen anderen" oder dem Kioskbesitzer an der Ecke, sondern von einem Behördenmitarbeiter, der eine berufliche bestimmte Laufbahn absolviert haben muss und wir reden auch nicht von irgendeiner Sprache, sondern von englisch
Gerade bei rechtlich relevanten Texten ist da eine gewisse Vorsicht seitens der Behörden verständlich, nur wenige Deutsche, Italiener oder Franzosen beherrschen Englisch auf Übersetzer-Niveau.
"Mädchenname" oder auch die paar Daten der Heiratsurkunde dürften nicht unter "rechtlich relevanter Text" laufen, für die man zuvor ein Hochschulstudium absolvieren müsste
Das wird vielleicht deutlich wenn der (gebürtige) Schotte sich vorstellt, jemand würde eine deutschspachige Urkunde bei einer Behörde in Schottland vorlegen. Vielleicht hat der schottische Beamte tatsächlich kein Problem damit. Falls aber doch, kann er damit eben nichts anfangen.
Äpfel mit Birnen, da es in Schottland und anderswo wohl kaum üblich ist, ab Klasse 5 als Fremdsprache Deutsch zu lernen
Dass der Nachname bezweifelt wird, bleibt dennoch verwunderlich. Es muss ja ein Eintrag im Melderegister existieren, der anders als ein Personalausweis oder Reisepass nicht einfach ungültig wird. Oder hat die Dame vielleicht in Schottland geheiratet nachdem sie schon in Deutschland gemeldet war und dies nie dem Meldeamt mitgeteilt?
[/quote]
Man darf hier stark davon ausgehen, der/die bearbeitende Mitarbeiter/in schlicht nicht weiter nachgedacht hat

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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von zimtrecht » 02.05.19, 12:51

tomtom78 hat geschrieben:Hm also die Einbürgerungsurkunde liegt im deutschesten Deutsch vor.
Und warum wurde dann eine schottische Heiratsurkunde vorgelegt? Ist die Heiratsurkunde nun "notwendig" oder nicht? Was machen die mit Unverheirateten?

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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von hawethie » 02.05.19, 13:44

sondern von einem Behördenmitarbeiter, der eine berufliche bestimmte Laufbahn absolviert haben muss und wir reden auch nicht von irgendeiner Sprache, sondern von englisch
stimmt - meinereiner gehört zu denen, die "sogar" ein Diplom haben. Aber der letzte Englischunterricht ist mehr als 40 Jahre her - das, was noch da ist, reicht, um nach der Uhrzeit zu fragen - aber schon bei einfachen Wegbeschreibungen haperts. Geschweige denn, dass Behördensprache Bestandteil des Englischunterrichtes ist.
Nichts desto trotz:
Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG)
§ 23 Amtssprache
(1) Die Amtssprache ist deutsch.
(2) Werden bei einer Behörde in einer fremden Sprache Anträge gestellt oder Eingaben, Belege, Urkunden oder sonstige Dokumente vorgelegt, soll die Behörde unverzüglich die Vorlage einer Übersetzung verlangen. In begründeten Fällen kann die Vorlage einer beglaubigten oder von einem öffentlich bestellten oder beeidigten Dolmetscher oder Übersetzer angefertigten Übersetzung verlangt werden. Wird die verlangte Übersetzung nicht unverzüglich vorgelegt, so kann die Behörde auf Kosten des Beteiligten selbst eine Übersetzung beschaffen. Hat die Behörde Dolmetscher oder Übersetzer herangezogen, erhalten diese in entsprechender Anwendung des Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetzes eine Vergütung.
(3) Soll durch eine Anzeige, einen Antrag oder die Abgabe einer Willenserklärung eine Frist in Lauf gesetzt werden, innerhalb deren die Behörde in einer bestimmten Weise tätig werden muss, und gehen diese in einer fremden Sprache ein, so beginnt der Lauf der Frist erst mit dem Zeitpunkt, in dem der Behörde eine Übersetzung vorliegt.
(4) Soll durch eine Anzeige, einen Antrag oder eine Willenserklärung, die in fremder Sprache eingehen, zugunsten eines Beteiligten eine Frist gegenüber der Behörde gewahrt, ein öffentlich-rechtlicher Anspruch geltend gemacht oder eine Leistung begehrt werden, so gelten die Anzeige, der Antrag oder die Willenserklärung als zum Zeitpunkt des Eingangs bei der Behörde abgegeben, wenn auf Verlangen der Behörde innerhalb einer von dieser zu setzenden angemessenen Frist eine Übersetzung vorgelegt wird. Andernfalls ist der Zeitpunkt des Eingangs der Übersetzung maßgebend, soweit sich nicht aus zwischenstaatlichen Vereinbarungen etwas anderes ergibt. Auf diese Rechtsfolge ist bei der Fristsetzung hinzuweisen.
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von winterspaziergang » 02.05.19, 19:01

hawethie hat geschrieben: Nichts desto trotz:
Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG)
wobei immer noch unklar bleibt, wieso man bei einer 85jährigen, die seit 40 Jahren eingebürgert ist, eine übersetzte Heiratsurkunde Zwecks Ausstellung eines neuen Personalausweises benötigt. Daher der Rat, die vorgesetzte Stelle einzuschalten, denn da hat jemand -egal wie gut die Englischkenntnisse sind- m.E. nicht nachgedacht.

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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von ktown » 02.05.19, 19:22

Vielleicht war es hier. :lachen:
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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von tomtom78 » 05.05.19, 18:16

zimtrecht hat geschrieben:
tomtom78 hat geschrieben:Hm also die Einbürgerungsurkunde liegt im deutschesten Deutsch vor.
Und warum wurde dann eine schottische Heiratsurkunde vorgelegt?
Weil die Behörde dies verlangt hat und die Einbürgerungsurkunde nicht akzeptiert.
zimtrecht hat geschrieben:Ist die Heiratsurkunde nun "notwendig" oder nicht?
Das wüsste ich ja auch gern. Es scheint auf Ermessen hinauszulaufen.
zimtrecht hat geschrieben:Was machen die mit Unverheirateten?
Habe ich mich auch gefragt. Die Sachbearbeiterin war unwillens, Fragen zu beantworten.

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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von tomtom78 » 05.05.19, 18:26

ktown hat geschrieben:Vielleicht war es hier. :lachen:
Danke für den Link, also kommt dieser Heiratsurkundenkram nicht nur mir wie eine Posse vor. Aber immerhin, es gibt vom dortigen Amt so etwas wie eine Erklärung, nämlich dass es der "aktuellsten" Urkunde bedarf. Das wäre in unserem Fall tatsächlich die Einbürgerungsurkunde und nicht die Heiratsurkunde. Ich hasse sowas aber ich werde wohl tatsächlich nach dem Vorgesetzten verlangen müssen :cry: . Nur was tun, wenn der ebenso uneinsichtig ist wie die Sachbearbeiterin...

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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von ktown » 05.05.19, 18:48

Na zumindestens sollte er endlich mal die rechtliche Grundlage zitieren können.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Behörde verlangt Übersetzung von Heiratsurkunde für Pers

Beitrag von FM » 05.05.19, 21:57

hawethie hat geschrieben:Trotzdem gilt immer noch, dass man in Deutschen Ämter nur Unterlagen in Deutscher Sprache annimmt.
Steht auch schon weiter oben: "Amtssprache ist Deutsch" - steht so im Gesetz - und da steht mW auch, dass man Unterlagen in fremder Sprache übersetzen lassen muss, die Behörde ist dazu nicht verpflichtet.
Im Verwaltungsverfahrensrecht steht das so, ja. Aber es gibt höherrangige EU-Regelungen und zwischenstaatliche Verträge. Im Sozialrecht genügt z.B. die Vorlage von Urkunden in einer Amtsspache der EU (wenn es ein EU-Fall ist, bei Franzosen also auf Französisch ja, bei Kanadiern nein bzw. nur falls es auch mit Kanada einen entsprechenden Vertrag gibt). Ob das auch im Familien-, Personenstands- und Personalausweisrecht gilt, müsste man eben nachsehen. Noch ist Schottland ja in der EU.

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