Sexuelle Belästigung in den Streitkräften

Moderator: FDR-Team

Antworten
Kläusschen
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 8
Registriert: 01.09.09, 16:47

Sexuelle Belästigung in den Streitkräften

Beitrag von Kläusschen » 23.09.09, 22:50

Guten Abend,

ich habe ein paar Fragen zu nachfolgendem "FIKTIVEN" Sachverhalt:

Zwei männliche Soldaten (Mannschaftsoldaten der Bravo Kompanie) hören in einem offen geführten Gespräch innerhalb der militärischen Liegenschaft, wie ein Stabsoffizier (im Dienstgrad Major) / KpChef der Charly Kompanie(1) zu seinen Offizieren (im Dienstgrad Oberleutnant) / Zugführer (2) und (3) sagt:" Der weibliche Soldat XYZ / Rekrut mit den vielen Vornamen, die können wir erst einmal richtig durch****** wenn Sie kommt."

Die beiden Mannschaftssoldaten meldeten dies dem weiblichen Soldaten XYZ (zur Zeit in der Bravo Kompanie tätig) der zu einem fiktiven Zeitpunkt, nehmen wir mal den 01.11. in die neue Stammeinheit versetzt wird und somit als neuen Vorgesetzten den Herrn Stabsoffizier (1) sowie evtl. einen der Herrn Offiziere (1) und (2) in der Funktion als Zugführer bekommt.

Was wäre der klügste und "sinnvollste" Lösungsansatz, der Aussicht auf Erfolg hat?

- Meldung?
- Beschwerde an den nh DV (im Dienstgrad eines Oberst)?
- Weitergabe an die Gleichstellungsbeauftragte (im Dienstgrad eines Stabsunteroffiziers)
- Weitergabe an den Wehrbeauftragten?
- Vermittlungsgespräch mit dem Stabsoffizier?
- Andere Lösungsvorschläge?
- Da es sich bei diesem Sachverhalt, nur um verbale sexuelle Belästigung handelt, gehe ich nicht davon aus das dieser SV strafrechtlich verfolgt wird oder?

Im vorraus schon vielen Dank.

Ronny1958
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 20562
Registriert: 19.08.05, 13:20
Wohnort: Zwischen Flensburg und Sonthofen

Beitrag von Ronny1958 » 24.09.09, 06:53

Sorry, aber wer wird denn verbal belästigt?
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

spraadhans
FDR-Moderator
Beiträge: 11239
Registriert: 26.11.05, 23:24

Beitrag von spraadhans » 24.09.09, 07:23

Strafrechtlich relevant dürfte das nicht sein.

In Ordnung ist das auf dieser Führungsebene aber weiß Gott nicht und die beiden Mannschaftssoldaten sollten das weitere Vorgehen nach ihrem Gefühl und Gewissen abwägen:

Ein persönliches Gespräch mit den betroffenen Offizieren halte ich für wenig aussichtsreich, das Gespräch mit dem Kommandeur (?) könnte da schon hilfreicher sein.
Dessen Aufgabe ist es dann, auf seine Soldaten entsprechend einzuwirken und diese im Auge zu behalten.
Die Information der Gleichstellungsbeauftragten schadet sicherlich auch nicht.

Erst wenn dies alles fruchtlos bleibt, würde ich den Weg zum Wehrbeauftragten gehen.

Ich hatte noch vor der großen Öffnung der Bw für Frauen zwei Jahre das Vergnügen in einer Grundausbildungseinheit im Sanitätsdienst und wir haben z.T. auch viel geschimpft über die weiblichen Mitsoldaten aber die o.g. Äußerungen gehen deutlich zu weit.

Kläusschen
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 8
Registriert: 01.09.09, 16:47

Beitrag von Kläusschen » 24.09.09, 15:08

Zu Ronny1958

der weibliche Soldat XYZ, zwar nicht in ihrem Beisein...aber trotzdem.

ZDv 14 / 3

Umgang mit Sexualität in der Bundeswehr

II. Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Das Beschäftigtenschutzgesetz schützt ausdrücklich auch Soldatinnen und Soldaten der
Bundeswehr vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Die Bestimmungen dieses
Gesetzes sind – gegebenenfalls mit den Mitteln des Dienst- und Disziplinarrechts -
durchzusetzen. Als sexuelle Belästigung im Sinne dieses Gesetzes gilt jedes vorsätzliche,
sexuell bestimmte Verhalten, das die Würde anderer verletzt. Neben den unter Strafe
gestellten Verhaltensweisen (siehe Abschnitt V) gehören dazu sonstige sexuelle
Handlungen und Aufforderungen zur sexuellen Betätigung, sexuell bestimmte körper-
liche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie das Zeigen und sichtbare
Anbringen pornographischer Darstellungen, die von Betroffenen erkennbar abgelehnt
werden. In diesem Sinne ist jede Form von Obszönität im dienstlichen Umgang
pflichtwidrig
. Dies gilt selbst dann, wenn Ausdrucksweisen oder Gesten mit sexuellem
Bezug nur scherzhaft gemeint sind.

FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 16819
Registriert: 05.12.04, 16:06

Beitrag von FM » 24.09.09, 15:23

Kläusschen hat geschrieben: Das Beschäftigtenschutzgesetz schützt ausdrücklich auch Soldatinnen und Soldaten der
Bundeswehr
Wäre kein guter Schutz, da es seit 3 Jahren außer Kraft ist.

Jetzt: Gesetz über die Gleichbehandlung von Soldatinnen und Soldaten (SoldGG).

Kläusschen
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 8
Registriert: 01.09.09, 16:47

Beitrag von Kläusschen » 24.09.09, 16:40

Gesetz zum Schutz der Beschäftigten vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Das ist außer Kraft?

Wusste ich gar nicht, vor allem wenn ich bedenke wo ich den Text herhabe...

Dipl.-Sozialarbeiter
FDR-Moderator
Beiträge: 19404
Registriert: 09.12.06, 17:23

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 24.09.09, 16:48

Kläusschen hat geschrieben:...
Das ist außer Kraft?
...
Dies ist jetzt (z.B. im Zivilbereich) im AGG geregelt - siehe auch Wiki. ;-)

thardos
FDR-Mitglied
Beiträge: 90
Registriert: 01.12.07, 00:03

Beitrag von thardos » 05.10.09, 23:03

An deiner Stelle hätte ich das dem weiblichen Soldaten nicht mitgeteilt sondern wäre einfach zum KpChef der anderen Kompanie gegangen und hätte um ein klärendes Gespräch gebeten. Da er nicht dein Disziplinarvorgesetzter ist hätte ich da auch gar keine Bedenken wegen Konsequenzen oder so gehabt. Entweder er sieht die Sache wie du und räumt dir gegenüber ein, dass er einen Fehler gemacht hat, dann würde ich die Sache auf sich beruhen lassen, und wenn nicht machst du ne Meldung an deinen eigenen KpChef bzw. den Kommandeur. Auf diesem Weg kannste jedenfalls nichts falsch machen und es macht bestimmt auch keinen schlechten Eindruck wenn du als Mannschaftssoldat dich da entsprechend einmischst. Dumm wird es nur, wenn der weibliche Soldat oder andere rumerzählen, was du denen weitergesagt hast, und es dann über zehn Ecken beim KpChef landet. Dann könnte denke ich ungemütlich werden.

Unabhängig davon, denke ich das der KpChef vermutlich (leider) durchaus recht hat in dem was er gesagt hat, aber sowas sollte man sich denken und nicht öffentlich rumposaunen.

Antworten