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recht.de • Thema anzeigen - Mahnung nach überhöhter Therapie-Rechnung
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BeitragVerfasst: 15.01.18, 14:40 
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Frau M ist in einem Beihilfetarif privat krankenversichert und erhält von einem Arzt eine Verordnung über Physiotherapie mit Hausbesuchen. Zufällig befindet sich eine physiotherapeutische Praxis gleich im Nebenhaus; während der nächsten Wochen kommt von dort zweimal wöchentlich eine Therapeutin zu Frau M herüber und führt die Behandlung durch. Besondere Geräte, etc., sind dazu nicht erforderlich. Mehrere Monate nach Abschluss der Therapie erhält Frau M von der Praxis eine Rechnung. Darin wird für die Hausbesuche eine Pauschale in Rechnung gestellt, die in etwa das vierfache des Satzes beträgt, den gesetzliche Krankenversicherungen hierfür bezahlen und den auch die Beihilfestelle zugrunde legt und erstattet.

Frau M teilt der Praxis schiftlich mit, dass sie die Kosten für die Hausbesuche für deutlich überhöht hält und die Rechnung deshalb so nicht akzeptiert. Sie erwähnt den Höchstsatz, den die Beihilfestelle hierfür akzeptiert, verweist auf den Umstand, dass sich die Praxis im Nebenhaus befindet und bittet um Korrektur der Rechnung, weil sie sonst einen Teil der Kosten - es geht um einen gerade noch dreistelligen Betrag - aus eigener Tasche zahlen muss. Die Praxis reagiert auf Frau Ms Schreiben in keiner Weise; schließlich überweist Frau M die Rechnung innerhalb des Zahlungsziels und kürzt dabei die Hausbesuchspauschale auf den beihilfefähigen Höchstbetrag - das hatte sie der Praxis in ihrem Schreiben bereits angekündigt.

Kurze Zeit später erhält Frau M von der Praxis eine Mahnung mit Fristsetzung über den von ihr gekürzten Differenzbetrag zuzüglich Mahngebühr. Für den Fall, dass sie nicht zahlt, werden ihr Rechtsmittel angedroht. Eine inhaltliche Reaktion auf das Schreiben von Frau M, mit dem sie die Rechnung reklamiert hatte, erfolgt auch jetzt nicht. Frau M kann auch nicht nachvollziehen, ob ihr die Praxis die Gebühren für die Hausbesuche vorher mitgeteilt hatte, denn von der Kostenübernahmevereinbarung, die ihr im Übrigen erst einige Zeit nach Beginn der Therapie zur Unterschrift vorgelegt wurde, hat sie keine Kopie erhalten.

Ist die Praxis berechtigt, bei einem Besuch im Nachbarhaus eine Kostenpauschale zu erheben, die um mehr als das Vierfache über dem von den gesetzlichen Kassen und der Beihilfestelle akzeptierten Höchstbetrag für Hausbesuche liegt? Kann sie Frau M rechtswirksam über den Differenzbetrag mahnen, ohne vorher auf deren Reklamation der Rechnung einzugehen?

Gruß, Andreas


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BeitragVerfasst: 15.01.18, 15:21 
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Die Hausbesuchspauschale, die die Beihilfe erstattet beträgt seit 2009 (oder länger) 9,20 €.

Die Hausbesuchspauschale der Kassen liegt zwischen und 10,63 (RVO) und 11,82 (VDEK) [Stand Mitte 2017].

Meist wird die VDEK-Vergütung zu Grunde gelegt. Ein Satz bis zum 2,3-fachen des VDEK-Satzes darf ohne besondere Begründung verlangt werden.

Die Beihilfe ist eigentlich nichts anderes als der AG-Anteil der bei gesetzlich Versicherten automatisch eingezogen wird.

Beihilfeberechtigten bleibt es überlassen, ob sie ihre Versicherung so wählen, dass sie "nur" die Beihilfe in Anspruch nehmen oder eine weiter private Vesicherung wählen (das wäre in der gesetzlichen der AN-Anteil der Versicherung). Je nach gewähltem Modell wird dann aber auch mehr als der Beihilfesatz abgedeckt. Das muss der Versicherte mit seiner(n) Versicherung(en) klären

Allerdings ist das Problem ein anderes. Der Patient schließt einen Behandlungsvertrag mit der Praxis. Und an diesem muss er sich halten. Normalerweise bekommt er auch einen Durchschlag ausgehändigt, eben um diese Problematik erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Die Hausbesuchspauschale fällt unabhängig vom Weg an, allein aus dem Grund, dass der Therapeut die Praxis verlässt (und auch für den Sprung über die Straße länger braucht als mal nur in die Nebenkabine zum nächsten Patienten zu gehen). Wenn der Therapeut das Auto nehmen muss darf er sogar noch ein Wegegeld in Höhe von 30ct/km verlangen.


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BeitragVerfasst: 09.02.18, 15:08 
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Hallo!

Somit ist das Ergebniss: Die Rechnung ist nicht überhöht.

Ganz allgemein mach die Verwendung von Pauschalen hier absolut Sinn - auch wenn sich der Patient im Nebenhaus dadurch benachteiligt fühlt:

Die einzige Alternative wäre es nach Zeit abzurechnen. Das wäre von Handling her ein Alptraum, da zwar die Entfernung von Praxis zu Patient gleich bleibt, die benötigte Zeit aber durchaus stark variieren kann.
Zudem ist es im Sinne des Solidarprinzips wenn "Bauer Meier" nicht ein vielfaches an Kosten tragen muß, nur weil sein Hof halt recht weit vom nächsten Therapeuten weg ist.

... von den Diskussionen vonwegen "Für die Strecke braucht man doch nie im Leben Zeit xxxxx - ich bin da viel schneller" will ich gar nicht reden.


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BeitragVerfasst: 09.02.18, 16:34 
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avoelp hat geschrieben:
... Kann sie Frau M rechtswirksam über den Differenzbetrag mahnen, ohne vorher auf deren Reklamation der Rechnung einzugehen?

Gruß, Andreas



Wie ist das denn mit § 630c BGB?

Zitat:
(3) 1Weiß der Behandelnde, dass eine vollständige Übernahme der Behandlungskosten durch einen Dritten nicht gesichert ist oder ergeben sich nach den Umständen hierfür hinreichende Anhaltspunkte, muss er den Patienten vor Beginn der Behandlung über die voraussichtlichen Kosten der Behandlung in Textform informieren. 2Weitergehende Formanforderungen aus anderen Vorschriften bleiben unberührt.


Verstößt der Behandler gegen diese Pflicht, braucht der Patient im Ergebnis die Kosten die nicht übernommen werden auch nicht zu bezahlen.


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BeitragVerfasst: 09.02.18, 17:06 
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@ freemont:

Glaubst du wirklich das jeder Therapeut die 3675 verschiedenen Tarife der PKV kennt?

Es ist allgemein bekannt, dass die Beihilfe das ist, was sie auch aussagt. Eben eine Beihilfe. Darauf werden auch alle Beihilfeberechtigten von ihrem Dienstherren hingewiesen. Und die meisten Patienten unterschreiben einen Behandlungsvertrag. In allen, die ich kenne, wird der Patient (meist sogar fett gedruckt) darauf hingwiesen, dass der Betrag auch dann fällig ist ,wenn die Versicherung nicht alles übernimmt und/oder das der Patient seinen Versicherungsvertrag vor Beginn darauf prüfen soll, in welche Höhe die Leistungen übernommen werden. Allerdings frag ich mich ab und an wirklich, warum die Patienten bei Ärzten nicht meckern, die locker mal den 3,3 fachen Satz abrechnen

Es bleibt ihnen überlassen sich damit zufrieden zu geben oder eben noch über eine andere Versicherung auszustocken. Das wäre so, als wenn die gesetzlich Versicherten entscheiden dürften, dass ihnen eine Abdeckung im Rahmen des AG-Anteils reicht ;-)

Übrigens wurde schon 2003 und 2008 vom zuständigen Mininsterium festgestellt, dass die Beihilfesätze nicht kostendeckend sind. Anstatt dann imerm auf die Therapeuten zu schimpfen sollten die Beihilfeberechtigten vielleicht mal dafür kämpfen, dass diese Sätze angenommen werden. Sonst werden sie in den nächsten Jahren evtl. feststellen müssen, dass sie nicht mehr als Patienten angenommen werden können, da sie wirtschaftlich nicht mehr tragbar sind (wenn nur der Beihilfesatz verlangt werden soll)


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BeitragVerfasst: 09.02.18, 17:30 
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ratlose mama hat geschrieben:
@ freemont:

Glaubst du wirklich das jeder Therapeut die 3675 verschiedenen Tarife der PKV kennt?

Es ist allgemein bekannt, dass die Beihilfe das ist, was sie auch aussagt. Eben eine Beihilfe. Darauf werden auch alle Beihilfeberechtigten von ihrem Dienstherren hingewiesen. Und die meisten Patienten unterschreiben einen Behandlungsvertrag. In allen, die ich kenne, wird der Patient (meist sogar fett gedruckt) darauf hingwiesen, dass der Betrag auch dann fällig ist ,wenn die Versicherung nicht alles übernimmt und/oder das der Patient seinen Versicherungsvertrag vor Beginn darauf prüfen soll, in welche Höhe die Leistungen übernommen werden. Allerdings frag ich mich ab und an wirklich, warum die Patienten bei Ärzten nicht meckern, die locker mal den 3,3 fachen Satz abrechnen

Es bleibt ihnen überlassen sich damit zufrieden zu geben oder eben noch über eine andere Versicherung auszustocken. Das wäre so, als wenn die gesetzlich Versicherten entscheiden dürften, dass ihnen eine Abdeckung im Rahmen des AG-Anteils reicht ;-)

Übrigens wurde schon 2003 und 2008 vom zuständigen Mininsterium festgestellt, dass die Beihilfesätze nicht kostendeckend sind. Anstatt dann imerm auf die Therapeuten zu schimpfen sollten die Beihilfeberechtigten vielleicht mal dafür kämpfen, dass diese Sätze angenommen werden. Sonst werden sie in den nächsten Jahren evtl. feststellen müssen, dass sie nicht mehr als Patienten angenommen werden können, da sie wirtschaftlich nicht mehr tragbar sind (wenn nur der Beihilfesatz verlangt werden soll)


Meine Versicherung und die Beihilfe übernehmen den 2,3fachen Satz völlig problemlos. Der 2,3fache Satz dürfte auch allen Anbietern im Gesundheitswesen bekannt sein.

Den 3,5 (nicht 3,3)-fachen Satz wollte bei mir noch niemand abrechnen. § 630c sagt ja ziemlich deutlich, in welcher Form der Patient auf das Kostenrisiko hingewiesen werden muss:

Zitat:
... muss er den Patienten vor Beginn der Behandlung über die voraussichtlichen Kosten der Behandlung in Textform informieren.


Ist es denn nicht so, dass die privat Versicherten den Laden am laufen halten, d.h. ohne sie könnten Praxen gar nicht am Leben erhalten werden? Dass der Behilfesatz "wirtschaftlich nicht tragbar" sein soll, wäre mir ganz neu. Ist es nicht so, dass die Behandlung der GKV-Versicherten u.U. ein Zuschussgeschäft ist?


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BeitragVerfasst: 09.02.18, 19:08 
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Für Physiotherapie besteht keine Versicherungspflicht in der PKV, nur für ambulante und stationäre Behandlung. Wie der Patient versichert ist, muss der Therapeut nicht wissen.

Wie hoch die vereinbarte Gebühr ist, ergibt sich aus dem Vertrag. Da sollte man sich schon gleich bei Unterzeichnung eine Kopie geben lassen. Notfalls muss eben der Leistungserbringer den Vertrag im Rahmen des Gerichtsverfahrens vorlegen.

Sollte kein Preis vereinbart sein und auch keine Gebührenordnung existieren, gilt im Zweifel der ortsübliche (aber eben der für Privatpatienten), die Beihilfeleistung ist da nicht unbedingt der Maßstab.


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BeitragVerfasst: 09.02.18, 19:53 
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FM hat geschrieben:
Für Physiotherapie besteht keine Versicherungspflicht in der PKV, nur für ambulante und stationäre Behandlung. Wie der Patient versichert ist, muss der Therapeut nicht wissen.

Wie hoch die vereinbarte Gebühr ist, ergibt sich aus dem Vertrag. Da sollte man sich schon gleich bei Unterzeichnung eine Kopie geben lassen. Notfalls muss eben der Leistungserbringer den Vertrag im Rahmen des Gerichtsverfahrens vorlegen.

Sollte kein Preis vereinbart sein und auch keine Gebührenordnung existieren, gilt im Zweifel der ortsübliche (aber eben der für Privatpatienten), die Beihilfeleistung ist da nicht unbedingt der Maßstab.


Also meiner Erfahrung nach sind die meisten Privatpatienten die beihilfeberechtigten Landesbediensteten. Ausser in Bonn und Berlin, da kommt der Bundesanteil dazu.

Die Dienstleister wissen regelmäßig sehr genau, was die Beihilfe regional übernimmt und was nicht. Und müssen dementsprechend den Patienten darauf hinweisen, dass und wieviel er selbst zahlen muss.

Das folgt - genau genommen - bereits als vertraglche Nebenpflicht aus dem Behandlungsvertrag. Auch wenn das in der Praxis regelmäßig schlicht ignoriert und völlige Ahnungslosigkeit über die Kostenfolgen für den Patienten geheuchelt wird.


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BeitragVerfasst: 09.02.18, 22:18 
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freemont hat geschrieben:
Die Dienstleister wissen regelmäßig sehr genau, was die Beihilfe regional übernimmt und was nicht. Und müssen dementsprechend den Patienten darauf hinweisen, dass und wieviel er selbst zahlen muss.
.


Nochmal. Die Beihilfe ist nunmal keine Vollversicherung.

Sie stellt übertragen eigentlich den AG-Anteil dar. Nur dürfen sich Beihilfeberechtigte aussuchen, ob ihnen diese Versicherung reicht oder ob sie eine weitere abschließen, die dann eben auch mehr übernimmt.

Die Beihilfesätze sind einheitlich und seit 2001 nicht mehr erhöht oder angepasst worden. Man schließt einen Behandlungsvertrag mit dem Patienten und nicht mit der Beihilfe. Ob der Patient eben "nur" die Beihilfevesicherung hat oder noch zusätzlich über eine weitere Versicherung abgesichert ist muss niemand erfragen. Es reicht, wenn bei Abschluß des Behandlungsvertrags der Patient schriftlich aufgeklärt wird. Und das steht ganz klar (und oft sogar fett gedruckt) in den Veträgen. Wenn der Patient diese nicht liest oder sich bei seiner Versicherung nicht erkundigt ist das sicher nicht die Verfehlung des Therapeuten. Dieser muss auch nicht den gesamten Vertrag vorlesen. Wenn er das täte, dann wäre damit die erste Therapiestunde schon "abgearbeitet".

Mir ist durchaus bekannt, dass die Beihilfe sehr oft damit argumentiert, dass die Therapeuten nicht mehr als diesen Satz verlangen dürfen. Das ist aber falsch. Es gibt eine GebüTh, die festlegt, dass bis zum 2,3-fachen Satz der VDAK-Sätze ohne Begründung abgerechent werden darf. Das die Beihilfe eben nur einen Teil davon erstattet ist eine andere Sache. Aber niemand ist gezwungen einen Behandlungsvertrag abzuschließen, der einem zu teuer ist. Auf der anderen Seite muss auch die Praxis niemanden behandeln, der einen geringern Preis zahlen will. Behandeln müssen sie im Rahmen der Verträge nur Kassenpatienten. Alles andere dürfen sie sich aussuchen ;-)


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BeitragVerfasst: 09.02.18, 23:09 
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ratlose mama hat geschrieben:
freemont hat geschrieben:
Die Dienstleister wissen regelmäßig sehr genau, was die Beihilfe regional übernimmt und was nicht. Und müssen dementsprechend den Patienten darauf hinweisen, dass und wieviel er selbst zahlen muss.
.


Nochmal. Die Beihilfe ist nunmal keine Vollversicherung.
...


???

Sie sprechen in Rätseln. Sie wissen, dass die Beihilfe generell bei aktiven Bediensteten nur 50% der Kosten trägt, bei Pensionären 70%. Generell.

Die Deckungslücke wird durch eine private KV abgesichert. Die zahlt dann 50% (bzw. 30%) der Kosten. Der Beihilfeempfänger rechnet sowohl mit der Beihilfe seines Dienstherren, als auch mit seiner priv KV ab. 50 (70) + 50 (30) = 100

Es geht hier nicht um die Frage was ist, wenn ein Beihilfeempfänger keine privKV hat. Ich weiss nicht, ob es das überhaupt gibt. Ich kenne Keinen. Aber theoretisch würde er dann auf 50% der Kosten sitzen bleiben.

Es geht hier um die Frage was ist, wenn der Beihilfeempfänger zu 100% (50% + 50%) abgesichert ist und dennoch auf den in Rechnung gestellten Kosten sitzen bleibt, weil Beihilfe und pivKV abwinken.

Ohne, dass er bei Abschluss des Behandlungsvertrages darauf hingewiesen wurde. Obwohl der Dienstleister ganz genau wusste oder damit gerechnet hat, dass keine Kostenerstattung erfolgen wird.

Zitat:
Auf der anderen Seite muss auch die Praxis niemanden behandeln, der einen geringern Preis zahlen will. Behandeln müssen sie im Rahmen der Verträge nur Kassenpatienten. Alles andere dürfen sie sich aussuchen ;-)


Das ist natürlich richtig. Aber das höre ich jetzt tatächlich zum allerersten mal, dass Jemand keine Privatpatienten behandeln möchte. ich kenne eigentlich bloß Praxen, die umgekehrt ausschliesslich Privatpatienten annehemen und Kassenpatienten abweisen.


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BeitragVerfasst: 10.02.18, 00:00 
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freemont hat geschrieben:

Die Deckungslücke wird durch eine private KV abgesichert. Die zahlt dann 50% (bzw. 30%) der Kosten. Der Beihilfeempfänger rechnet sowohl mit der Beihilfe seines Dienstherren, als auch mit seiner priv KV ab. 50 (70) + 50 (30) = 100

Es geht hier nicht um die Frage was ist, wenn ein Beihilfeempfänger keine privKV hat. Ich weiss nicht, ob es das überhaupt gibt. Ich kenne Keinen. Aber theoretisch würde er dann auf 50% der Kosten sitzen bleiben.


Ich schon. Bei uns gibt es da anscheinden einige. Warum auch immer. Und dann kommt es eben genau zu dem Problem. KG wird mit 23 € im Behandlungsvertrag abschlossen. Nach erfolgter Behandlung kommt dann er Patient mit der Rechnung wieder. Der Betrag ist falsch. Die Beihilfe sagt, sie dürfen maximal 19.50 € verlangen, denn mehr bezahlt die Beihilfe nicht. Und der Patient müsse dann die 3,50 € aus eigener Tasche bezahlen. Und bei uns wurden schon ensprechende Schreiben der Beihilfe vorgelegt, dass sie die 19,50 € erstatten, aber keinen Cent mehr.

Zitat:
Es geht hier um die Frage was ist, wenn der Beihilfeempfänger zu 100% (50% + 50%) abgesichert ist und dennoch auf den in Rechnung gestellten Kosten sitzen bleibt, weil Beihilfe und pivKV abwinken.

Ohne, dass er bei Abschluss des Behandlungsvertrages darauf hingewiesen wurde. Obwohl der Dienstleister ganz genau wusste oder damit gerechnet hat, dass keine Kostenerstattung erfolgen wird.


Ist nur die Frage, ob er tatsächlich nicht darauf hingewiese wurde oder einfach nur blind unterschrieben hat

Zitat:
Auf der anderen Seite muss auch die Praxis niemanden behandeln, der einen geringern Preis zahlen will. Behandeln müssen sie im Rahmen der Verträge nur Kassenpatienten. Alles andere dürfen sie sich aussuchen ;-)


Zitat:
Das ist natürlich richtig. Aber das höre ich jetzt tatächlich zum allerersten mal, dass Jemand keine Privatpatienten behandeln möchte. ich kenne eigentlich bloß Praxen, die umgekehrt ausschliesslich Privatpatienten annehemen und Kassenpatienten abweisen.


Natürlich werden bei uns auch Privatpatienten behandelt. Aber ehrlich gesagt sind uns (trotz aller Abrechnungsprobleme) die Kassenpatienten lieber. Da ist das Geld innerhalb von max. 3 Wochen auf dem Konto. Bei vielen Privatpatienten warten wir Minimum 4 Wochen ("ich sammle erstmal ein paar Rechnungen bevor ich sie einreiche", "ich zahle erst, wenn ich die Erstattung meiner Versicherung bekommen habe", ich reiche grundsätzlich erst alles am Ende des Quartals ein", "sie können ja sicher noch ein wenig warten, ich musste grade erst so viele Arztrechnungen vorstrecken")

Und wir sind es auch leid immer wieder wegen der Preise zu diskutieren. Kassenpatienten zahlen zu 98% ohne zu Murren den Eigenanteil von 10 € + 1% der Behandlungsvergütung, Privatpatienten diskutieren zu 80 %, das sie weniger zahlen wollen, das sie nicht bereit sind selbst etwa dazuzuzahlen, sondern nur das zahlen wollen ,was sie auch wieder erstattet bekommen u.s.w.


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BeitragVerfasst: 10.02.18, 00:09 
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ratlose mama hat geschrieben:
...
Ich schon. Bei uns gibt es da anscheinden einige. Warum auch immer. Und dann kommt es eben genau zu dem Problem. KG wird mit 23 € im Behandlungsvertrag abschlossen. Nach erfolgter Behandlung kommt dann er Patient mit der Rechnung wieder. Der Betrag ist falsch. Die Beihilfe sagt, sie dürfen maximal 19.50 € verlangen, denn mehr bezahlt die Beihilfe nicht. Und der Patient müsse dann die 3,50 € aus eigener Tasche bezahlen. Und bei uns wurden schon ensprechende Schreiben der Beihilfe vorgelegt, dass sie die 19,50 € erstatten, aber keinen Cent mehr.
...


Verstehe ich nicht, mit "Beihilfe" i.S. des öffentlichen Dienstrechts hat das nichts zu tun.

Jedenfalls besteht positive Kenntnis i.S. des § 630c III, dass die Kosten nur z.T. erstattet werden. Wenn kein Hinweis an den Patienten in Textform erfolgt, darf der überschiessende Betrag nicht abgerechnet werden.


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BeitragVerfasst: 10.02.18, 00:42 
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freemont hat geschrieben:
Jedenfalls besteht positive Kenntnis i.S. des § 630c III, dass die Kosten nur z.T. erstattet werden. Wenn kein Hinweis an den Patienten in Textform erfolgt, darf der überschiessende Betrag nicht abgerechnet werden.



Nein, eben nicht. Der Therapeut weiß vielleicht, was die Beihilfe im jeweiligen Land erstattet. Aber er weiß in aller Regel nicht, welche ergänzende PKV der Patient hat. Er muss eine haben, ja. Aber diese muss nicht unbedingt Physiotherapie erstatten, falls sie es macht können die Bedingungen dafür sehr verschieden sein, es kann eine Selbstbeteiligung zutreffen oder auch nicht. Selbst bei ein und dem selben Versicherer kann es viele verschiedene Verträge geben.

So richtig anwendbar ist der § 630c Abs. 3 eigentlich nur bei GKV, freier Heilfürsorge oder gesetzl. UV. Bei PKV kann nur der Versicherte selbst oder sein Versicherer wissen, was vereinbart ist. Es steht dem PKV-Versichertem ja frei, vorher nach den Kosten zu fragen und dann seine Versicherung zu fragen, ob diese übernommen werden.

Dennoch darf der Therapeut nicht nach Belieben Kosten festsetzen, sondern nur nach Vertrag oder nach
https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__612.html


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BeitragVerfasst: 10.02.18, 00:54 
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FM hat geschrieben:

Nein, eben nicht. Der Therapeut weiß vielleicht, was die Beihilfe im jeweiligen Land erstattet. Aber er weiß in aller Regel nicht, welche ergänzende PKV der Patient hat.
...



Ach so ist das.

Das ist ja die Regel, die "geprellten" Patienten beschweren sich:

Zitat:
Der Betrag ist falsch. Die Beihilfe sagt, sie dürfen maximal 19.50 € verlangen, denn mehr bezahlt die Beihilfe nicht. Und der Patient müsse dann die 3,50 € aus eigener Tasche bezahlen. Und bei uns wurden schon ensprechende Schreiben der Beihilfe vorgelegt, dass sie die 19,50 € erstatten, aber keinen Cent mehr.

Jetzt kann man natürlich so tun, als ob man das nicht weiss, nie gehört, das muss mir erst einmal bewiesen werden usw. usf.

Oft geht es da nicht nur um 3.50 EUR. Das können satte Beträge sein, die richtig weh tun.

Das muss wohl Jeder für sich entscheiden, ob er diese Gewinnoptimierung auf Kosten des Patienten billigt. Positive Kenntnis ist i.Ü. nicht erforderlich:

Zitat:
Weiß der Behandelnde, dass eine vollständige Übernahme ... nicht gesichert ist oder ergeben sich nach den Umständen hierfür hinreichende Anhaltspunkte, muss er den Patienten ... in Textform informieren


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