Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Patientenrechte, Arzthaftungsrecht, ärztliches Vergütungsrecht, Betäubungsmittelrecht, Apothekenrecht, Medikamentenversandrecht, Internet-Apotheke

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CeWe
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Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von CeWe » 14.03.19, 22:39

Hallo,

ich arbeite als freier Autor und verfasse unter anderem Kurzgeschichten und Romane. Hierfür sind, je nach Inhalt, immer wieder auch Recherchen zu verschiedenen Themen und Hintergrundgespräche mit entsprechenden Fachleuten notwendig.

Für eine Erzählung, welche ich derzeit erarbeite, hat sich mir unter anderem eine medizinrechtliche Frage aufgetan, die für die Handlung ggf. entscheidend sein könnte. Ich hatte gehofft, dass die hier aktiven Mitglieder mir hierzu vielleicht ihre Überlegungen mitteilen könnten.

Ich will zunächst die Handlung innerhalb der Geschichte kurz umreissen:

Ein Mann hat einen Autounfall. Dabei beisst er sich aus versehen ein großes Stück der eigenen Zunge ab und wird ohnmächtig. Er wird in die Notfallchirurgie eingeliefert. Das abgebissene Stück Zunge ist nicht auffindbar. Dieses kann also nicht mehr wieder "angenäht (replantiert) werden. Die Unfallchirurgen nähen also nur den "Stumpf" der Zunge zu um die Blutung zu stoppen usw., unternehmen einige weitere lebenserhaltene Maßnahmen usw. und das wars. Der Patient verliert dabei also letztlich seine Zunge "für immer".

Nun habe ich mich ein wenig zu diesem Thema belesen und erfahren, dass es heute möglich ist, dass Zungen mit den Mitteln der plastischen Chirurgie wieder rekonstruiert werden, u.a. mit Gewebe aus anderen Körperregionen, das z.B. vom Unterarm entnommen wird um daraus eine neue Zunge oder Teile der Zunge nachzubilden. Das ganze nennt sich "Lappenrekonstruktion"

Nun meine konkrete Frage:

So wie ich es verstanden habe, kommt in der Unfallchirurgie, wenn Patienten bewusstlos eingeliefert werden, regelmäßig die "mutmaßliche Einwilligung" zum tragen, d.h. die Ärzte stützen sich darauf, dass der Patient (wenn keine Patientenverfügung vorliegt und kein Angehöriger oder dergleichen befragt werden kann) voraussichtlich operiert und damit gerettet / am Leben erhalten werden WILL, auch wenn er dies nicht persönlich mitteilen kann. Lebenserhaltende Maßnahmen sind also okay. Doch wie weitreichend ist diese Annahme? Welches Handeln ist hiervon gedeckt?

In dem oben beschriebenen Fall hätte der Arzt ja theoretisch die Optionen A) einfach NUR den übrig gebliebenen Stumpf der Zunge vernähen oder B) gleich einen Versuch einer Rekonstruktion der Zunge vornehmen, mithilfe der oben beschriebenen Lappenrekonstruktion.

Muss der Unfallchirurg bei dem einfachen Vernähen des Stumpfes aufhören? Oder muss er vielmehr sogar annehmen, dass kein Mensch nur mit einem Zungen-Stumpf leben möchte und müsste sofort mit der Rekonstruktion beginnen? Ist es überhaupt realistisch, dass in der Unfallchirurgie heute "nur" amputiert wird bzw. abgetrennte Gliedmaßen vernäht werden, oder gehört rekonstruktion/verpflanzung neuer Körperteile dort heute ganz selbstverständlich dazu?

Ich bin neugierig, wie der beschriebene Fall hier eingeschätzt wird.

Liebe Grüße und vorab Danke für jede Antwort

CeWe

deGier
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Re: Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von deGier » 15.03.19, 00:23

Eine Zungenrekonstruktion ist definitiv nicht mehr von einer GoA gedekt.
Und ob das tatsächlich medizinisch möglich ist, wage ich ohnehin zu bezweifeln.
Autoren sollten nicht bei anderen Autoren abschreiben.

CeWe
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Re: Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von CeWe » 15.03.19, 00:32

deGier hat geschrieben:Eine Zungenrekonstruktion ist definitiv nicht mehr von einer GoA gedekt.
Und ob das tatsächlich medizinisch möglich ist, wage ich ohnehin zu bezweifeln.
Autoren sollten nicht bei anderen Autoren abschreiben.
Hallo deGier,

zunächst einmal Danke für die Antwort. z.T. Rekonstruktion der Zunge siehe u.a. den folgenden Artikel: https://www.sciencedaily.com/releases/2 ... 072623.htm

Derartige Rekonstruktionen werden (wenn meine bisherigen Recherchen einigermaßen korrekt waren) z.B. in Fällen von Zungenkrebs durchgeführt, wenn dem Patienten vorher die Zunge aufgrund eines Tumors entnommen werden musste (sog. Glossektomie). Es ist also zumindest grundsätzlich möglich, wenn auch natürlich eine derart rekonstruierte Zunge in vielen Fällen sprechen, essen usw. weiterhin nur eingeschränkt ermöglicht.

Die Aussage mit dem Abschreiben will mir nicht ganz einleuchten. Noch habe ich ja nichts geschrieben und will mich ja wie erläutert zunächst zu dem Thema informieren.

Beste Grüße

CeWe

Dummerchen
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Re: Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von Dummerchen » 15.03.19, 05:44

Die ganzen rechtlichen Überlegungen kann man sich schenken, wenn man im Rahmen der Realität schreiben will.
Aufwendige plastische Rekonstruktionen sind keine Notfallmassnahmen. Um so was kümmert man sich, wenn der Patient überlebt hat und die akuten Verletzungen einigermassen abgeheilt sind.
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SusanneBerlin
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Re: Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von SusanneBerlin » 15.03.19, 07:28

Ein Mann hat einen Autounfall. Dabei beisst er sich aus versehen ein großes Stück der eigenen Zunge ab und wird ohnmächtig.
Eine Ohnmacht ist definitionsgemäß eine kurz andauernde Bewußtlosigkeit, die durch hochlagern der unteren Extremitäten behandelt wird, worauf der Patient meist zügigig wieder zu sich kommt. Man kann den Patienten fragen, sobald er wieder bei Bewußtsein ist, welche OP er möchte.
Grüße, Susanne

winterspaziergang
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Re: Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von winterspaziergang » 15.03.19, 08:04

CeWe hat geschrieben: So wie ich es verstanden habe, kommt in der Unfallchirurgie, wenn Patienten bewusstlos eingeliefert werden, regelmäßig die "mutmaßliche Einwilligung" zum tragen, d.h. die Ärzte stützen sich darauf, dass der Patient (wenn keine Patientenverfügung vorliegt und kein Angehöriger oder dergleichen befragt werden kann) voraussichtlich operiert und damit gerettet / am Leben erhalten werden WILL, auch wenn er dies nicht persönlich mitteilen kann. Lebenserhaltende Maßnahmen sind also okay. Doch wie weitreichend ist diese Annahme? Welches Handeln ist hiervon gedeckt?
Das wäre mir neu, dass eine "Patientenverfügung" für jede nur denkbare Notfall-OP gedacht ist und ein Mensch wirksam ausschließen kann, dass er direkt nach einem Unfall jeder Art, nicht behandelt wird, obwohl sein Leben mit einem kleinen Eingriff und ohne jede anschließende Einschränkung, gerettet werden könnte.

CeWe
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Re: Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von CeWe » 15.03.19, 09:03

SusanneBerlin hat geschrieben:
Ein Mann hat einen Autounfall. Dabei beisst er sich aus versehen ein großes Stück der eigenen Zunge ab und wird ohnmächtig.
Eine Ohnmacht ist definitionsgemäß eine kurz andauernde Bewußtlosigkeit, die durch hochlagern der unteren Extremitäten behandelt wird, worauf der Patient meist zügigig wieder zu sich kommt. Man kann den Patienten fragen, sobald er wieder bei Bewußtsein ist, welche OP er möchte.
Das wäre mir neu, dass eine "Patientenverfügung" für jede nur denkbare Notfall-OP gedacht ist und ein Mensch wirksam ausschließen kann, dass er direkt nach einem Unfall jeder Art, nicht behandelt wird, obwohl sein Leben mit einem kleinen Eingriff und ohne jede anschließende Einschränkung, gerettet werden könnte.
Hallo,

danke für die Antworten bzw. das kritische Hinterfragen. Ich bin mir bewusst, dass ich als doppelter Laie sowohl im Bereich Recht als auch im Bereich Medizin einiges sicher sehr ungenau formuliert habe und von einigen Begriffsdefinitionen abweiche...

zum Thema:

Danke für den Hinweis, dass eine Ohnmacht i.d.R. kurz ist. Aber wie würde es sich eben verhalten, wenn der Patient (aus welchen Gründen auch immer) eben nicht so schnell wieder zu Bewusstsein kommt? Würde man dann Ihrer/Eurer Einschätzung nach zunächst nur die reinen lebenserhaltenden Maßnahmen (ohne die Rekonstruktion) durchführen?
Die ganzen rechtlichen Überlegungen kann man sich schenken, wenn man im Rahmen der Realität schreiben will.
Aufwendige plastische Rekonstruktionen sind keine Notfallmassnahmen. Um so was kümmert man sich, wenn der Patient überlebt hat und die akuten Verletzungen einigermassen abgeheilt sind.
Vielen Dank! So ist auch meine (sicher sehr uninformierte) Einschätzung. Vielleicht ist der Sachverhalt nicht so uneindeutig, wie er mir anfangs vorkam. :wink:

Grüße

CeWe

FM
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Re: Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von FM » 15.03.19, 09:56

Die mutmaßliche Einwilligung taugt nur für sofort notwendige Maßnahmen. Wenn die Rekonstruktion der Zunge auch zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden kann, wartet man ab bis man den Patienten fragen kann.

Eine Zustimmung der Angehörigen reicht übrigens nur aus, wenn diese gesetzliche Vertreter mit entsprechender Zuständigkeit sind (sorgeberechtige Eltern, Betreuer mit diesem Aufgabenkreis) oder bevollmächtigt sind.

Townspector
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Re: Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von Townspector » 18.03.19, 10:01

winterspaziergang hat geschrieben:
CeWe hat geschrieben: So wie ich es verstanden habe, kommt in der Unfallchirurgie, wenn Patienten bewusstlos eingeliefert werden, regelmäßig die "mutmaßliche Einwilligung" zum tragen, d.h. die Ärzte stützen sich darauf, dass der Patient (wenn keine Patientenverfügung vorliegt und kein Angehöriger oder dergleichen befragt werden kann) voraussichtlich operiert und damit gerettet / am Leben erhalten werden WILL, auch wenn er dies nicht persönlich mitteilen kann. Lebenserhaltende Maßnahmen sind also okay. Doch wie weitreichend ist diese Annahme? Welches Handeln ist hiervon gedeckt?
Das wäre mir neu, dass eine "Patientenverfügung" für jede nur denkbare Notfall-OP gedacht ist und ein Mensch wirksam ausschließen kann, dass er direkt nach einem Unfall jeder Art, nicht behandelt wird, obwohl sein Leben mit einem kleinen Eingriff und ohne jede anschließende Einschränkung, gerettet werden könnte.
Selbstverständlich kann jemand für sich verfügen, dass keine lebenserhaltenden Maßnahmen an ihm durchgeführt werden dürfen.
Dies wäre dann auch bindend, vorausgesetzt die Verfügung ist hinsichtlich der Behandlungssituation hinreichend spezifisch formuliert.

BGH, Beschl. XII ZB 107/18 vom 14. November 2018:
"Die erforderliche Konkretisierung einer Patientenverfügung kann sich im Einzelfall bei einer weniger detaillierten Benennung bestimmter ärztlicher Maßnahmen durch die Bezugnahme auf ausreichend spezifizierte Krankheiten oder Behandlungssituationen ergeben. Ob in solchen Fällen eine hinreichend konkrete Patientenverfügung vorliegt, ist dann durch Auslegung der in der Verfügung enthaltenen Erklärungen zu ermitteln (im Anschluss an Senatsbeschluss BGHZ 214, 62 = FamRZ 2017, 748)."
Gedenksignatur - Gewidmet dem unbekannten Anwalt
In dankbarer Erinnerung an all jene namenlosen, stets laut angekündigten Rechtsvertreter,
die jedoch heldenhaft nie in meinem Dienstzimmer erschienen sind oder tapfer nichts von sich hören ließen.

winterspaziergang
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Re: Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von winterspaziergang » 18.03.19, 17:45

Townspector hat geschrieben:
winterspaziergang hat geschrieben:
CeWe hat geschrieben: So wie ich es verstanden habe, kommt in der Unfallchirurgie, wenn Patienten bewusstlos eingeliefert werden, regelmäßig die "mutmaßliche Einwilligung" zum tragen, d.h. die Ärzte stützen sich darauf, dass der Patient (wenn keine Patientenverfügung vorliegt und kein Angehöriger oder dergleichen befragt werden kann) voraussichtlich operiert und damit gerettet / am Leben erhalten werden WILL, auch wenn er dies nicht persönlich mitteilen kann. Lebenserhaltende Maßnahmen sind also okay. Doch wie weitreichend ist diese Annahme? Welches Handeln ist hiervon gedeckt?
Das wäre mir neu, dass eine "Patientenverfügung" für jede nur denkbare Notfall-OP gedacht ist und ein Mensch wirksam ausschließen kann, dass er direkt nach einem Unfall jeder Art, nicht behandelt wird, obwohl sein Leben mit einem kleinen Eingriff und ohne jede anschließende Einschränkung, gerettet werden könnte.
Selbstverständlich kann jemand für sich verfügen, dass keine lebenserhaltenden Maßnahmen an ihm durchgeführt werden dürfen.
Man kann verfügen, dass selbst die einfachsten Notfallmedizinischen Maßnahmen nicht durchgeführt werden?
Der Notarzt kommt an den Unfallort und muss den Verunfallten, der durch minimale Eingriffe zu retten wäre, sterben lassen?
Dies wäre dann auch bindend, vorausgesetzt die Verfügung ist hinsichtlich der Behandlungssituation hinreichend spezifisch formuliert.
und damit kann man o.g. Frage auch verneinen. Man wird kaum jede nur denkbare Situation der "Lebensrettung" aufschreiben können. Und selbst dann stellt sich die o.g. Frage.

ExDevil67
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Re: Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von ExDevil67 » 18.03.19, 19:26

winterspaziergang hat geschrieben:
Townspector hat geschrieben:
Selbstverständlich kann jemand für sich verfügen, dass keine lebenserhaltenden Maßnahmen an ihm durchgeführt werden dürfen.
Man kann verfügen, dass selbst die einfachsten Notfallmedizinischen Maßnahmen nicht durchgeführt werden?
Der Notarzt kommt an den Unfallort und muss den Verunfallten, der durch minimale Eingriffe zu retten wäre, sterben lassen?
Eher nicht. Der Notarzt vor Ort wird alles ihm mögliche tun um den Patienten zu retten. Selbst wenn ihm eine Patientenverfügung unter die Nase gerieben wird, wird er nicht abbrechen. Schlicht weil dem Rettungsdienst vor Ort die Möglichkeit fehlt zu überprüfen wer ihm da die Patientenverfügung vor die Nase hält und ob die echt ist.
CeWe hat geschrieben:
Danke für den Hinweis, dass eine Ohnmacht i.d.R. kurz ist. Aber wie würde es sich eben verhalten, wenn der Patient (aus welchen Gründen auch immer) eben nicht so schnell wieder zu Bewusstsein kommt? Würde man dann Ihrer/Eurer Einschätzung nach zunächst nur die reinen lebenserhaltenden Maßnahmen (ohne die Rekonstruktion) durchführen?
Die ganzen rechtlichen Überlegungen kann man sich schenken, wenn man im Rahmen der Realität schreiben will.
Aufwendige plastische Rekonstruktionen sind keine Notfallmassnahmen. Um so was kümmert man sich, wenn der Patient überlebt hat und die akuten Verletzungen einigermassen abgeheilt sind.
Vielen Dank! So ist auch meine (sicher sehr uninformierte) Einschätzung. Vielleicht ist der Sachverhalt nicht so uneindeutig, wie er mir anfangs vorkam. :wink:
Was auch nachvollziehbar ist, wenn man etwas Hintergrundwissen hat. Jegliche rekonstruktiven OPs sind keine Sache von wenigen Minuten, sondern eher von Stunden. Da die nötige Narkose auch für den Körper eine Belastung ist, wird man die Zusatzbelastung der Narkose so kurz wie nötig halten. Wird ja schon einen Grund haben warum der Patient bewusstlos in der Klinik angekommen ist.
Da wird dann geschaut was muss sofort gemacht werden, was kann warten. Da kann es durchaus vorkommen das man drei oder vier mal auf dem OP-TIsch landet bevor alle Verletzungen endgültig versorgt sind.

winterspaziergang
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Re: Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von winterspaziergang » 20.03.19, 15:36

ExDevil67 hat geschrieben:
winterspaziergang hat geschrieben:
Townspector hat geschrieben:
Selbstverständlich kann jemand für sich verfügen, dass keine lebenserhaltenden Maßnahmen an ihm durchgeführt werden dürfen.
Man kann verfügen, dass selbst die einfachsten Notfallmedizinischen Maßnahmen nicht durchgeführt werden?
Der Notarzt kommt an den Unfallort und muss den Verunfallten, der durch minimale Eingriffe zu retten wäre, sterben lassen?
Eher nicht. Der Notarzt vor Ort wird alles ihm mögliche tun um den Patienten zu retten. Selbst wenn ihm eine Patientenverfügung unter die Nase gerieben wird, wird er nicht abbrechen. Schlicht weil dem Rettungsdienst vor Ort die Möglichkeit fehlt zu überprüfen wer ihm da die Patientenverfügung vor die Nase hält und ob die echt ist.
eben- echt und rechtswirksam, so wie sie geschrieben ist. Und darum ging es bereits im ersten Beitrag dazu

Celestro
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Re: Mutmaßliche Einwilligung in der Notfallchirurgie

Beitrag von Celestro » 20.03.19, 16:17

CeWe hat geschrieben: Derartige Rekonstruktionen werden (wenn meine bisherigen Recherchen einigermaßen korrekt waren) z.B. in Fällen von Zungenkrebs durchgeführt, wenn dem Patienten vorher die Zunge aufgrund eines Tumors entnommen werden musste (sog. Glossektomie).
1.) "wenn dem Patienten VORHER die Zunge..." klingt nicht nach "wurde zeitgleich gemacht".

2.) denke ich mal nicht, daß in der Notfallambulanz die Teams jederzeit darauf ausgerichtet sind, eine derartige Rekonstruktion "mal eben so" durchzuführen.

3.) eine solche Rekonstruktion dauert sicher seine Zeit. Bei größeren Eingriffen sieht man zu, daß der Patient dafür nüchtern ist. Man kennt seine Medikamentenunverträglichkeiten etc. etc. etc. .... tut also alles mögliche, um das Risiko bei der OP zu minimieren. Das würde im oben genannten Fall aber gerade nicht funktionieren.

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