Lebenserhaltende Massnahmen abschalten wegen Geld

Patientenrechte, Arzthaftungsrecht, ärztliches Vergütungsrecht, Betäubungsmittelrecht, Apothekenrecht, Medikamentenversandrecht, Internet-Apotheke

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teilhalt
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Lebenserhaltende Massnahmen abschalten wegen Geld

Beitrag von teilhalt » 15.05.19, 23:59

Hallo zusammen,

es kam mir eine Geschichte zu Ohren, die ich so nicht ganz glauben kann. Eine Patientin aus Russland bekommt ein Kind mit einer seltenen Missbildung am Herzen. Nachdem eine Behandlung in Ru nicht möglich war, weil dort die entsprechenden Kentnisse fehlten, fuhr die Patientin zur Entbindung und weiteren Behandlung in eine Klinik nach Berlin.

Die Entbindung sowie weitere Operationen am Baby wurden durch die Patientin bezahlt und in Berlin durchgeführt. Das Baby hat weitere Intensivmedizinische Betreuung gebraucht und verbrachte einige Tage auf der Intensivstation wo es weiter überwacht und auch ein eine (oder mehrere) Lebenserhaltende Maschinen angeschlossen war.

Pro Tag wurden Kosten iHv ca. 1000 Euro genannt und von der Patientin auch beglichen. Geld ist bei den wenigsten Menschen endlos vorhanden und der Tag kam als keins mehr da war. Der Patientin wurde gesagt die Maschinen müssen nun abgestellt werden was dann auch umgehend durchgeführt wurde worauf das Baby dann verstarb.

Kann sowas sein? Gibt es keine Regelungen bezüglich Leben retten und erhalten? Oder bin ich hier einem Hoax aufgesessen?

Freue mich über euren Input.

Schöne Grüße
TH

ktown
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Re: Lebenserhaltende Massnahmen abschalten wegen Geld

Beitrag von ktown » 16.05.19, 06:21

Ich glaube sie haben zuviel US-Serien gesehen. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

winterspaziergang
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Re: Lebenserhaltende Massnahmen abschalten wegen Geld

Beitrag von winterspaziergang » 16.05.19, 07:24

teilhalt hat geschrieben:
Kann sowas sein?
nein
Gibt es keine Regelungen bezüglich Leben retten und erhalten?
ja, alles, was leben kann, wird um jeden Preis am Leben gehalten. Und hierzulande springen Sozialkassen und die Solidargemeinschaft in jedem Fall und für alles ein.
Oder bin ich hier einem Hoax aufgesessen?
sieht so aus :wink:

Jurinator
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Re: Lebenserhaltende Massnahmen abschalten wegen Geld

Beitrag von Jurinator » 23.08.19, 13:29

"Der Patientin wurde gesagt die Maschinen müssen nun abgestellt werden"
Aus der gesamten Schilderung ergibt sich natürlich nicht zwingend, dass wg. Ende der Bezahlung abgestellt wurde. Aber wenn ich das so interpretiere:

Es ist keineswegs so, dass Menschen weil sie sich für ein Medizinstudium entscheiden und das dann studieren, dadurch Heilige werden.
Es ist abwegig und abseits jeglicher Lebensrealität, dass Jeder solange am Leben erhalten wird wie das nach der Theorie ärztliche Kunst und der Stand der Medizin an sich möglich machen würden. Vielmehr wird man da eher abschalten "wo es sich nicht lohnt" und vor Allem wo keine Hinterbliebenen sind die "dumme Fragen" stellen könnten.
Die Riesenzahl unnötiger Operationen in Deutschland zeigt ja, dass -da also auch vor gefährlichen Körperverletzungen keinesfalls zurückgeschreckt wird- man sich keine Illusionen machen soll, was sich in Kliniken abspielt.

Das einzig Unrealistische an der Schilderung ist, dass man es natürlich Nie Irgendjemandem sagen würde, dass man wg. Ausbleiben der Bezahlung abschaltet-dieser Teil wäre dann in der Tat "US-Serie" - von seltensten Extremfällen mal abgesehen.

SusanneBerlin
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Re: Lebenserhaltende Massnahmen abschalten wegen Geld

Beitrag von SusanneBerlin » 23.08.19, 13:39

Wieso fragen Sie überhaupt, ob die im Eingangsbeitrag geschilderte Geschichte wahr sein kann? Sie lassen sich doch eh nicht von Ihrer Meinung abbringen, trotz zweier Nein-Antworten.

Bleiben Sie doch ruhig bei Ihrer Meinung. Mir und möglicherweise noch vielen anderen, ist es schnurz was Sie glauben oder für möglich halten. Schönes Wochenende.
Grüße, Susanne

Evariste
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Re: Lebenserhaltende Massnahmen abschalten wegen Geld

Beitrag von Evariste » 23.08.19, 13:59

SusanneBerlin hat geschrieben:
23.08.19, 13:39
Wieso fragen Sie überhaupt, ob die im Eingangsbeitrag geschilderte Geschichte wahr sein kann? Sie lassen sich doch eh nicht von Ihrer Meinung abbringen, trotz zweier Nein-Antworten.

Bleiben Sie doch ruhig bei Ihrer Meinung. Mir und möglicherweise noch vielen anderen, ist es schnurz was Sie glauben oder für möglich halten. Schönes Wochenende.
???

Der TE hat doch noch gar nicht geantwortet.

Evariste
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Re: Lebenserhaltende Massnahmen abschalten wegen Geld

Beitrag von Evariste » 23.08.19, 14:24

Um die etwas pauschalen Aussagen "sowas gibt es nicht" zu unterfüttern, hier der Verweis auf ein BGH-Urteil:

BGH 2 StR 454/09 - Urteil vom 25. Juni 2010 (LG Fulda)

Da wurde ein Arzt für das Beenden lebenserhaltender Maßnahmen wegen versuchten Totschlags verurteilt, der BGH hat ihn dann freigesprochen, weil Rechtfertigungsgründe vorlagen:
Sterbehilfe durch Unterlassen, Begrenzen oder Beenden einer begonnenen medizinischen Behandlung (Behandlungsabbruch) ist gerechtfertigt, wenn dies dem tatsächlichen oder mutmaßlichen Patientenwillen entspricht (§ 1901a BGB) und dazu dient, einem ohne Behandlung zum Tode führenden Krankheitsprozess seinen Lauf zu lassen. (BGHSt)
Das bedeutet im Umkehrschluss, wenn keine Rechtfertigungsgründe vorliegen, ist das Abstellen der Maschine nach deutschem Recht eine Straftat.

(Übrigens, auch in den USA darf eine Klinik m. W. nicht einfach die Beatmung einstellen, weil die Bezahlung in Frage steht.)

Was allerdings geht, ist die Nichterteilung eines Visums zur Behandlung in D, wenn nicht ausreichende Mittel nachgewiesen werden. Man hat auch keinen Anspruch gegen die Klinik auf Maßnahmen, die nicht der Behandlung des unmittelbaren Notfalls dienen.

Jurinator
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Re: Lebenserhaltende Massnahmen abschalten wegen Geld

Beitrag von Jurinator » 23.08.19, 14:53

teilhalt hat geschrieben:
15.05.19, 23:59
…...Kann sowas sein? Gibt es keine Regelungen bezüglich Leben retten und erhalten?...
Das sind zwei verschiedene Fragen. Jemand wird niedergestochen. Kann sowas sein? Ja. Gibt es keine Regelungen bezüglich leben Retten und erhalten? [Bzw. für mein Beispiel: Regelungen die das verbieten?] Doch, das ist eine Straftat. Trotzdem werden leider Menschen niedergestochen.
winterspaziergang hat geschrieben:
16.05.19, 07:24
...ja, alles, was leben kann, wird um jeden Preis am Leben gehalten...
Wie gesagt, ein Medizinstudium erzeugt keine Heiligen. Aber nur so wäre Ihre Behauptung zu erklären.
winterspaziergang hat geschrieben:
16.05.19, 07:24
….Und hierzulande springen Sozialkassen und die Solidargemeinschaft in jedem Fall und für alles ein....
Aber angeblich nicht immer und bis in alle Ewigkeit kostendeckend. Ausserdem gibt es womöglich eine lukrativere Alternative, das Bett zu belegen, also mit einem anderen Menschen.

Evariste zitierte:
Sterbehilfe durch Unterlassen, Begrenzen oder Beenden einer begonnenen medizinischen Behandlung (Behandlungsabbruch) ist gerechtfertigt, wenn dies dem tatsächlichen oder mutmaßlichen Patientenwillen entspricht (§ 1901a BGB) und dazu dient, einem ohne Behandlung zum Tode führenden Krankheitsprozess seinen Lauf zu lassen. (BGHSt)
Sterbehilfe entsprechend dem (mutmasslichen) Patientenwillen ist ebenfalls eine ganz andere Frage als die Fragen im Startbeitrag.
Evariste hat geschrieben:
23.08.19, 14:24
Das bedeutet im Umkehrschluss, wenn keine Rechtfertigungsgründe vorliegen, ist das Abstellen der Maschine nach deutschem Recht eine Straftat...
Das sind wir bei Teil 1 meiner Antwort in genau diesem Posting.

Evariste
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Re: Lebenserhaltende Massnahmen abschalten wegen Geld

Beitrag von Evariste » 23.08.19, 15:51

Jurinator hat geschrieben:
23.08.19, 14:53
teilhalt hat geschrieben:
15.05.19, 23:59
…...Kann sowas sein? Gibt es keine Regelungen bezüglich Leben retten und erhalten?...
Das sind zwei verschiedene Fragen. Jemand wird niedergestochen. Kann sowas sein? Ja. Gibt es keine Regelungen bezüglich leben Retten und erhalten? [Bzw. für mein Beispiel: Regelungen die das verbieten?] Doch, das ist eine Straftat. Trotzdem werden leider Menschen niedergestochen.
Nur dass - wenn ein Mensch niedergestochen wird - sofort die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Dass sich das Klinikpersonal der Gefahr einer möglichen Strafverfolgung in einem doch recht eindeutigen Fall aussetzt, um den Profit des eigenen Arbeitgebers erhöhen, klingt sehr unwahrscheinlich.

Gaia
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Re: Lebenserhaltende Massnahmen abschalten wegen Geld

Beitrag von Gaia » 23.08.19, 16:25

teilhalt hat geschrieben:
15.05.19, 23:59
es kam mir eine Geschichte zu Ohren
Durch oder von wem oder was? 'Russia Today'?
Jurinator hat geschrieben:
23.08.19, 13:29
Es ist abwegig und abseits jeglicher Lebensrealität, dass Jeder solange am Leben erhalten wird wie das nach der Theorie ärztliche Kunst und der Stand der Medizin an sich möglich machen würden. Vielmehr wird man da eher abschalten "wo es sich nicht lohnt" und vor Allem wo keine Hinterbliebenen sind die "dumme Fragen" stellen könnten.
Interessante These. Gibt es da irgendwo irgendwelche Quellen, die die stützen?
Die Riesenzahl unnötiger Operationen in Deutschland zeigt ja, dass -da also auch vor gefährlichen Körperverletzungen keinesfalls zurückgeschreckt wird- man sich keine Illusionen machen soll, was sich in Kliniken abspielt.
Ich bin beeindruckt. In einem Satz drei Themenbereiche miteinander vermischen, die grundsätzlich völlig unabhängig von einander sind, und dabei dann gleich noch jede Menge Straftaten unterstellen - das muß man erstmal hinkriegen.
Das einzig Unrealistische an der Schilderung ist, dass man es natürlich Nie Irgendjemandem sagen würde, dass man wg. Ausbleiben der Bezahlung abschaltet
Genau. Deshalb weiß man ja auch genau,[/quote]Es ist abwegig und abseits jeglicher Lebensrealität, dass Jeder solange am Leben erhalten wird wie das nach der Theorie ärztliche Kunst und der Stand der Medizin an sich möglich machen würden. Vielmehr wird man da eher abschalten "wo es sich nicht lohnt" und vor Allem wo keine Hinterbliebenen sind die "dumme Fragen" stellen könnten.[/quote]
SusanneBerlin hat geschrieben:
23.08.19, 13:39
(...)
Ich bin beeindruckt. Man findet wirklich selten schon gleich zu Beginn eines Threads so inhaltlich wertvolle und auf das Thema bzw. die Fragen des TE eingehende Texte.

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