Fristen für private Krankenversicherung

Patientenrechte, Arzthaftungsrecht, ärztliches Vergütungsrecht, Betäubungsmittelrecht, Apothekenrecht, Medikamentenversandrecht, Internet-Apotheke

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picolinolinchen
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Fristen für private Krankenversicherung

Beitrag von picolinolinchen »

Hallooo!

Folgender Sachverhalt: Ich bin (noch) Studierende und über meinen Papa (Beamter) privat krankenversichert. Seit Januar 2020 wollen wir für mich so Zahnkorrekturschienen haben, weil ein Zahn schief ist und einen anderen - ausgerechnet der obere Schneidezahn - total beschädigt. Mein Zahnarzt hat das passend ausgedrückt: "wie bei einem Biber nutzt der vorstehende Zahn den Schneidezahn ab, nur dass die Zähne bei Ihnen nicht nachwachsen.". Es ist also keine Schönheitskorrektur, sondern medizinisch notwendig. Kostenvoranschlag nach GOZ-Nr. 0040 ist eingereicht. Die PKV will aber seit Januar andauernd irgendwelche minimalen Änderungen, Umformulierungen, weitere Modelle etc. Es kommt mir sehr so vor, als wollen sie mich hinhalten, weil ich nur noch bis 31.07.2020 immatrikuliert bin. Am 28.04.2020 (nach also über 3 Monaten hin-und-her mit PKV und einem Gutachter) habe ich also endlich das Feedback von Gutachter und PKV bekommen. Er wollte noch einmal weitere Zahnmodelle und ein paar weitere schriftliche Ausführungen. Am 27.05.2020 hat dann ein Mitarbeiter der PKV die fehlenden Modelle und Ausführungen entgegengenommen, was ich aus der (Wortsperre: Firmenname) Sendungsverfolgung mit elektronischem Zustellnachweis weiß. Seitdem habe ich von der PKV nichts mehr gehört.

Ich habe nun ein wenig selbst recherchiert und gefunden, dass nach §192 (8) VVG darf der Versicherte nach spätestens 4 Wochen ohne Rückmeldung den Antrag "bis zum Beweis des Gegenteils durch den Versicherer vermute[n], dass die beabsichtigte medizinische Heilbehandlung notwendig ist.". Frage 1 ist nun also: kann man das so verstehen, dass man die Behandlung einfach beginnen kann?

Frage 2 ergibt sich aus der zunehmend davonlaufenden Zeit: muss der Behandlungszeitraum vollständig im Versicherungszeitraum liegen? Bin wie gesagt nur noch eine Woche immatrikuliert. Laut meinem Zahnarzt muss nur die Rechnungsstellung im Versicherungszeitraum liegen...

Vielen lieben Dank im voraus für alle Antworten!

ktown
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Re: Fristen für private Krankenversicherung

Beitrag von ktown »

Liebes FDR-Mitglied,

wie Sie sicher in unserer Juriquette (=Forenregeln) gelesen haben, darf hier keine individuelle Rechtsberatung in einem konkreten Fall erfolgen. Sie helfen dem Forum und erleichtern dem Moderatoren-Team die Arbeit, wenn Sie eine Fragestellung zur allgemeinen Rechtslage herausarbeiten, die für Sie von Relevanz ist.

Weitere Konkretisierungen zur unseren Forenregeln finden sich neben der Juriquette in der Moderationsleitline oder in dem Beitrag "Was ist erlaubt"?

Fragen dazu können Sie jederzeit im Forum für Mitgliederinformation u. Support stellen.

Wenn sie eine individuelle Beratung wünschen, dann hilft ihnen diese Seite.

picolinolinchen
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Re: Fristen für private Krankenversicherung

Beitrag von picolinolinchen »

Ich verstehe nicht, wie ich die Fragestellungen noch allgemeiner formulieren soll. Mit Frage 1 bitte ich lediglich, § 192 (8) VVG kurz zu erläutern, weil ich insbesondere Satz 3 und 4 nicht verstehe (der zitierte Teil) - oder ist das schon individuelle Rechtsberatung. Frage 2 ist ehrlicherweise völlig unabghängig von meinen persönlichen Umständen... Falls jemand da einen passenden Hinweis zu irgendeinem Gesetzestext hätte, der das Thema Behandlungszeitraum und Versicherungszeitraum behandelt, dann wäre ich überaus dankbar :-)

Evariste
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Re: Fristen für private Krankenversicherung

Beitrag von Evariste »

2 Kommentare:
picolinolinchen hat geschrieben:
24.07.20, 10:02

Ich habe nun ein wenig selbst recherchiert und gefunden, dass nach §192 (8) VVG darf der Versicherte nach spätestens 4 Wochen ohne Rückmeldung den Antrag "bis zum Beweis des Gegenteils durch den Versicherer vermute[n], dass die beabsichtigte medizinische Heilbehandlung notwendig ist.".
Das steht da aber nicht, nicht "der Versicherte darf vermuten", sondern "es wird vermutet", und zwar "bis zum Beweis des Gegenteils durch den Versicherer". Das ist eine Regelung zur Beweislast, die im Falle eines Rechtstreits greift. In so einem Fall muss nicht mehr der Versicherte beweisen, dass eine medizinische Notwendigkeit vorlag (wie im Normalfall - wer Geld will, muss beweisen, dass er darauf einen Anspruch hat), sondern die Versicherung. Das bedeutet aber nicht, dass die Versicherung dann automatisch zahlt, erstens muss man sie verklagen und zweitens kann es dann immer noch sein, dass sie den Gegenbeweis antritt.
Frage 2 ergibt sich aus der zunehmend davonlaufenden Zeit: muss der Behandlungszeitraum vollständig im Versicherungszeitraum liegen? Bin wie gesagt nur noch eine Woche immatrikuliert. Laut meinem Zahnarzt muss nur die Rechnungsstellung im Versicherungszeitraum liegen...
Wenn das so wäre, dann wäre der Manipulation ja Tür und Tor geöffnet. Und umgekehrt hätte man dann ein Problem, wenn man während des Versicherungszeitraums behandelt wird, der Arzt die Rechnung aber erst später stellt. Nein, es kommt auf den Zeitpunkt der Behandlung an.

Niemand2000
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Re: Fristen für private Krankenversicherung

Beitrag von Niemand2000 »

picolinolinchen hat geschrieben:
24.07.20, 12:07
Ich verstehe nicht, wie ich die Fragestellungen noch allgemeiner formulieren soll.
Wie wäre es mit die Studierende S ist bei ihrem Vater V (V) privat krankenversichert etc. Wie wäre hier die Rechtlage?

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