Patienteakte bei Praxisübernahme

Patientenrechte, Arzthaftungsrecht, ärztliches Vergütungsrecht, Betäubungsmittelrecht, Apothekenrecht, Medikamentenversandrecht, Internet-Apotheke

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Jousen
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Patienteakte bei Praxisübernahme

Beitrag von Jousen »

Anbei eine Frage zu folgendem fiktiven Fall:

Patient A war bereits 2011 bei einem Dermatologen (B) in Behandlung.
2019 suchte erneut nach einem Arzt dieser Fachrichtung und vereinbarte bei einem ihm bisher unbekannten Arzt (C) einen Termin.
Erst vor Ort kam dem A die Praxis bekannt vor und es stellte sich heraus, dass es die gleiche Praxis ist wie 2011 - von einem neuen Arzt, ebenfalls Dermatologe, übernommen.
Alle Daten des A (wann er wegen was wie behandelt wurde) konnten von den Mitarbeiterinnen an der Rezeption problemlos aus dem PC abgerufen werden.

A stellt sich die Frage, inwieweit B die Daten ohne explizites Einverständnis des A an den C weitergeben durfte.

Über jeden Hinweis hierzu danke ich allen hier im Vorfeld.

khmlev
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Re: Patienteakte bei Praxisübernahme

Beitrag von khmlev »

Jousen hat geschrieben:
03.09.20, 00:09
A stellt sich die Frage, inwieweit B die Daten ohne explizites Einverständnis des A an den C weitergeben durfte.
Ohne Zustimmung des Patienten gar nicht. Wenn A keine Einverständniserklärung abgegeben hat, als er sich in der Praxis angemeldet hat, dürfte der Nachfolger auf die Akte/Daten des Vorgängers nicht zugreifen.

So sieht es zumindest die Berufsordnung der Ärztekammer Nordrhein in Düsseldorf vor.

EDIT: Die Akten/Daten des Praxisvorgängers sind zu separieren. Nachdem der Patient sein Einverständnis erklärt hat, kann der Praxisnachfolger die Patientenakte/-daten in seinen Bestand übernehmen.
Gruß
khmlev
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Jousen
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Re: Patienteakte bei Praxisübernahme

Beitrag von Jousen »

Die Dame am Empfang erklärte dem A, die Patienten der bisherigen Praxis würden nonverbal rein durch das Betreten der "neuen Praxis" ihr Einverständnis zur Übernahme der Daten geben.
Dem A erscheint das u.a. deshalb fragwürdig bzw. paradox, denn das würde voraussetzen, die Daten wurden zunächst vollständig aufgehoben.

Was könnte A konkret von dem neuen Arzt verlangen? A kann ja ohnehin nicht überprüfen, ob Daten tatsächlich gelöscht wurden, sollte der neue Arzt dies behaupten.
Wie verhält es sich mit der Aufbewahrungspflicht? Endet diese, wenn der "alte Arzt" zu praktizieren aufhört oder werden die Daten in der neuen Praxis bis zum Ende der (ich glaube 10 Jahres-) Frist aufbewahrt - ggf. in irgendeiner "verschlüsselten" Form oder "gesperrt" oder wie auch immer?

ExDevil67
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Re: Patienteakte bei Praxisübernahme

Beitrag von ExDevil67 »

Jousen hat geschrieben:
03.09.20, 22:01

Wie verhält es sich mit der Aufbewahrungspflicht? Endet diese, wenn der "alte Arzt" zu praktizieren aufhört oder werden die Daten in der neuen Praxis bis zum Ende der (ich glaube 10 Jahres-) Frist aufbewahrt - ggf. in irgendeiner "verschlüsselten" Form oder "gesperrt" oder wie auch immer?
Die Aufbewahrungsfristen für medizinische Unterlagen (das sind tlw auch >10 Jahre) sind unabhängig davon ob ihr "Ersteller" noch aktiv ist oder nicht einzuhalten. Sicher war in Zeiten der Papierakten in riesigen Schränken die Übergabe an den Nachfolger die einfachste und praktikabelste Variante. Wobei heute mit den digitalen Akten das natürlich auch theoretisch ein Dienstleister machen könnte. Wobei dann die spannende Frage wäre wie man sicherstellen will das die Daten auch noch 1 Tag vor Ablauf der Aufbewahrungsfrist lesbar sind.

khmlev
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Re: Patienteakte bei Praxisübernahme

Beitrag von khmlev »

Jousen hat geschrieben:
03.09.20, 22:01
Die Dame am Empfang erklärte dem A, die Patienten der bisherigen Praxis würden nonverbal rein durch das Betreten der "neuen Praxis" ihr Einverständnis zur Übernahme der Daten geben.
Das ist sicherlich nicht ausreichend.
Jousen hat geschrieben:
03.09.20, 22:01
denn das würde voraussetzen, die Daten wurden zunächst vollständig aufgehoben.
Das ist auch richtig.

Wie ich bereits schrieb, sind sowohl die Papierakten und die elektronische Akte/Daten des Praxisvorgängers zu separieren, also getrennt von den Akten und Daten des Praxisnachfolgers aufzubewahren. Sobald der Patient, regelmäßig schriftlich (allein schon zu Dokumentations- und Nachweiszwecken), sein Einverständnis zur Übernahme der Unterlagen des Praxisvorgängers zugestimmt hat, kann der Praxisnachfolger die Unterlagen seines Vorgängers in seinen Bestand übernehmen.
Wie dies konkret Praxisvorgänger und -nachfolger -unter Beachtung der Berufsordnung, des Patienten- und Datenschutzes- organisieren, bleibt ihnen überlassen.
Gruß
khmlev
- out of order -

Niemand2000
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Re: Patienteakte bei Praxisübernahme

Beitrag von Niemand2000 »

Da bin ich so frei und hänge mich mal bei diesem Thema an: Ein Freund von mir (PKV) war vor ein paar Jahren bei einem Neurologen in Behandlung (EEG) und bat mich für ihn mal zu fragen. 10 Jahre sind wohl noch nicht vorbei, aber die Hände würde ich dafür nicht ins Feuer legen. Er wollte bei diesem Arzt anrufen. Dort kam „kein Anschluss unter dieser Nummer“. Er fuhr dann auch mal bei der Praxis vorbei. Da wäre keine Praxis mehr. Jetzt würde er gerne wissen, was er machen könnte, um seine Unterlagen – zumindest Kopien – zu erhalten bzw. zu erfahren, wer die Unterlagen von ihm als Privatversicherten „aufgekauft“ hat. Wo könnte er nachfragen? https://www.laekh.de/, https://www.bvdnhessen.de/ https://www.kvhessen.de/ beim Orhopäden, der ihm mal an diesen Arzt überwiesen hatte oder gibt es noch weitere Stellen, wo er sich hinwenden könnte, um seine Unterlagen bzw. Antworten zu erhalten. Was wäre, wenn die 10 Jahren noch nicht erreicht wären? Was wäre, wenn die 10 Jahren bereits überschritten wären? Wie wäre die Rechtslage? Danke schon mal für die Antworten. Ich werde sie meinem Freund weiterleiten.

blackylein
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Re: Patienteakte bei Praxisübernahme

Beitrag von blackylein »

Niemand2000 hat geschrieben:
04.09.20, 15:35
Da bin ich so frei und hänge mich mal bei diesem Thema an: Ein Freund von mir (PKV) war vor ein paar Jahren bei einem Neurologen in Behandlung (EEG) und bat mich für ihn mal zu fragen. 10 Jahre sind wohl noch nicht vorbei, aber die Hände würde ich dafür nicht ins Feuer legen. Er wollte bei diesem Arzt anrufen. Dort kam „kein Anschluss unter dieser Nummer“. Er fuhr dann auch mal bei der Praxis vorbei. Da wäre keine Praxis mehr. Jetzt würde er gerne wissen, was er machen könnte, um seine Unterlagen – zumindest Kopien – zu erhalten bzw. zu erfahren, wer die Unterlagen von ihm als Privatversicherten „aufgekauft“ hat. Wo könnte er nachfragen? https://www.laekh.de/, https://www.bvdnhessen.de/ https://www.kvhessen.de/ beim Orhopäden, der ihm mal an diesen Arzt überwiesen hatte oder gibt es noch weitere Stellen, wo er sich hinwenden könnte, um seine Unterlagen bzw. Antworten zu erhalten. Was wäre, wenn die 10 Jahren noch nicht erreicht wären? Was wäre, wenn die 10 Jahren bereits überschritten wären? Wie wäre die Rechtslage? Danke schon mal für die Antworten. Ich werde sie meinem Freund weiterleiten.
Wenn eine Praxis keinen Nachfolger findet, gehen alle Patientenakten zur zuständigen Ärztekammer und werden dort solange eingelagert, bis die Aufbewahrungsfrist vorbei ist. Ob man von dort jedoch Kopien der Patientenakten bekommt, entzieht sich meines Wissens.

Niemand2000
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Re: Patienteakte bei Praxisübernahme

Beitrag von Niemand2000 »

blackylein hat geschrieben:
04.09.20, 16:43
Niemand2000 hat geschrieben:
04.09.20, 15:35
Da bin ich so frei und hänge mich mal bei diesem Thema an: Ein Freund von mir (PKV) war vor ein paar Jahren bei einem Neurologen in Behandlung (EEG) und bat mich für ihn mal zu fragen. 10 Jahre sind wohl noch nicht vorbei, aber die Hände würde ich dafür nicht ins Feuer legen. Er wollte bei diesem Arzt anrufen. Dort kam „kein Anschluss unter dieser Nummer“. Er fuhr dann auch mal bei der Praxis vorbei. Da wäre keine Praxis mehr. Jetzt würde er gerne wissen, was er machen könnte, um seine Unterlagen – zumindest Kopien – zu erhalten bzw. zu erfahren, wer die Unterlagen von ihm als Privatversicherten „aufgekauft“ hat. Wo könnte er nachfragen? https://www.laekh.de/, https://www.bvdnhessen.de/ https://www.kvhessen.de/ beim Orhopäden, der ihm mal an diesen Arzt überwiesen hatte oder gibt es noch weitere Stellen, wo er sich hinwenden könnte, um seine Unterlagen bzw. Antworten zu erhalten. Was wäre, wenn die 10 Jahren noch nicht erreicht wären? Was wäre, wenn die 10 Jahren bereits überschritten wären? Wie wäre die Rechtslage? Danke schon mal für die Antworten. Ich werde sie meinem Freund weiterleiten.
Wenn eine Praxis keinen Nachfolger findet, gehen alle Patientenakten zur zuständigen Ärztekammer und werden dort solange eingelagert, bis die Aufbewahrungsfrist vorbei ist. Ob man von dort jedoch Kopien der Patientenakten bekommt, entzieht sich meines Wissens.
Tausend Dank, das werde ich ihm mitteilen, ich hoffe mal für ihn, dass es noch keine 10 Jahre her ist, dass er bei diesem Arzt war und er Kopien bekommen kann.

Wobei es möglicherweise sogar einen Nachfolger geben könnte. Mein damaliger Orthopäde hat meine Unterlagen seiner Privatpraxis an einen anderen Orthopäden verkauft. Aus irgendeinem Grund wollte ich einen Termin bei der Privatpraxis haben. Nach vielen Telefonaten bekam ich heraus, welcher Arzt die Unterlagen erhalten hat. Ich fand das zum K..., nicht dass er die Unterlagen (ich vermute mal) verkauft hat, aber dass die Patienten nicht darüber informiert waren und sich dann auf große Suche begeben mussten.

Mein Hautarzt hat das besser geregelt, der hat immer noch den AB geschaltet, welche Praxis seine Patienten übernommen hat, weil er seine Praxis aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, aber 3 Jahre gebraucht hat, bis er eine größere Praxis fand, die bereit war, seinen Patientenstamm zu übernehmen.

H.Lelele
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Re: Patienteakte bei Praxisübernahme

Beitrag von H.Lelele »

Guten Tag,

ich würde einfach mal bei meiner PKV anfragen, ob dort noch die Rechnung vorliegt. Diese wurde ja vermutlich zur Erstattung eingereicht. Anhand der Behandlungsdaten kann man dann ja problemlos ersehen, wann die Behandlung genau gewesen ist.

In diesem Zusammenhang auch mal ein Tip für alle PKV-Versicherten:

Ein kleines Kombigerät mit Scanfunktion kostet heutzutage nur noch wenig Geld. Einfach lückenlos alle erhaltenen Rechnungen /Rezepte von Ärzten/Zahnärzten/Apotheken ect. chronologisch digital abheften, bevor man die Originale zur Erstattung an die PKV einreicht.

So kann man bei Bedarf (z.B. auch für Rentenangelegenheiten/Versorgungsamt) alle Behandlungen gut nachvollziehen. Ein Bekannter hat mich darauf hingewiesen, er hat einen Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung gestellt. Hier wurde er nach allen Behandlern, Krankenhausaufenthalten ect. gefragt, mit Hilfe der eingescannten Dolumente war die lückenlose Beantwortung kein Problem mehr.

Niemand2000
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Re: Patienteakte bei Praxisübernahme

Beitrag von Niemand2000 »

H.Lelele hat geschrieben:
06.09.20, 16:15
ich würde einfach mal bei meiner PKV anfragen, ob dort noch die Rechnung vorliegt. Diese wurde ja vermutlich zur Erstattung eingereicht. Anhand der Behandlungsdaten kann man dann ja problemlos ersehen, wann die Behandlung genau gewesen ist.
Vielen Dank, die Info werde ich meinem Freund weiterleiten

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