Herzschrittmacher - Schriftliche Einwilligung benötigt?

Patientenrechte, Arzthaftungsrecht, ärztliches Vergütungsrecht, Betäubungsmittelrecht, Apothekenrecht, Medikamentenversandrecht, Internet-Apotheke

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Aros33
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Herzschrittmacher - Schriftliche Einwilligung benötigt?

Beitrag von Aros33 »

Nehmen wir an eine 80 Jahre alte Person wird mit Diversen Krankheitserscheinungen (u. a. Schwindel, Müdigkeit) in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte stellen einen ultra niedrigen Pulsschlag fest und wundern sich darüber, daß der Patient überhaupt noch lebt. Sie schlagen nun vor, auf der Stelle einen Herzschrittmacher einzusetzen, weil sonst mit dem Tod der Person in wenigen Stunden oder Tagen zu rechnen ist. Sie möchten dies jedoch nicht ohne die schriftliche Einverständnis des Patienten tuen. Da die Person nicht unterschreibt, wird der Herzschrittmacher nicht eingesetzt. Die 80 Jahre alte Person hat aus unerklärlichen Gründen seit längerem schon schreckliche Depressionen, sagt den Ärzten, daß sie nicht mehr leben möchte und verweigert die Zustimmung deshalb.

Nun besucht die Tocher des Patienten die Klinik, welche bei den Ärzten ein gutes Allgemeinbild hinterlässt. Die Ärzte wissen nicht, daß die Tocher eigentlich nie so richtig weiss, was sie will, schon mehrfach in Psychatricher Behandlung war, und regelmäßig Entscheidungen trifft, ohne groß darüber nachzudenken, und die sie meistens hinterher grundsätzlich Bereut. Sie fragen die Tocher, ob sie den Rat des Patienten befolgen sollen, und ob sie hinterher bei einem Herzstillstand einfach nicht Reanimieren sollen oder ob sie den Herzschrittmacher nun nicht einsetzen sollen.
Die Tocher sagt, daß sie nicht mit ansehen kann, wie der Patient leidet und daß sie ihn nicht reanimieren sollen und keinen Herzschrittmacher einsetzen sollen. Was sie nicht sagt, ist, daß sie den Patienten sehr mag und vielleicht sehr traurig wäre, wenn der Patient stirbt.

3 Tage später teilen die Ärzte der Tocher mit, daß sie den Patient erst 1 Tag unter Narkose gesetzt haben, damit er besser Schlafen kann und dann den Herzschrittmacher trotzdem eingesetzt haben. Der Patient hat die Operation überstanden. Da er nun keinen zu niedrigen Puls mehr hat, ist scheinbar auch die schlechte Laune weg. Der Patient konnte gerettet werden und möchte nun nicht mehr sterben.

Frage jetzt:
Benötigt das Einsetzen eines Herzschrittmachers überhaupt eine Einwilligung durch den Patienten?
Wann müssen Ärzte vom Patient für eine Behandlung eine Unterschrift verlangen und wann dürfen Sie einfach so Operieren?
Wenn man einen Herzschrittmacher einfach so einsetzen darf, warum haben die Ärzte dann überhaupt eine schriftliche Einwilligung verlangt? Sichert in so einem Fall eine Einwilligung den Ärzten zusätzliche Rechte, oder macht das keinen Unterschied? Wären die Ärzte vielleicht sogar verpflichtet gewesen, den Herzschrittmacher auf jeden Fall einzusetzen, um das Leben des Patienten zu retten?

Sichert das Behandeln eines Patienten, der 1 Tag unter Narkose gesetzt wurde, den Ärzten zusätzliche Rechte beim Durchführen einer Operation ohne Einwilligung? Also könnte ein Arzt sozusagen einen Patient einfach 1-2 Tage unter Narkose setzen, damit er dann eine Entscheidung treffen kann, die er sonst hätte nicht treffen können?

Baden1957
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Re: Herzschrittmacher - Schriftliche Einwilligung benötigt?

Beitrag von Baden1957 »

Aros33 hat geschrieben:- Vollzitat entfernt -

Hallo,

die Ärze haben Leben zu retten und wenn keine schriftliche Patientenverfügung vorliegt, welche es den Ärzten untersagt, lebensverlängernde Maßnahmen vorzunehmen, wird alles getan, um das Leben der Patienten zu verlängern.
Bei dem Einsetzen des Herzschrittmachers wird nicht mehr verfahren wie vor 20 Jahren, der Herzschrittmacher wird unter die Haut eingesetzt und wieder zugenäht (meine verkürzte Wiedergabe der "OP").

Da nicht bekannt ist, was eigentlich tatsächlich geschehen ist, sind weitere Antworten spekulativ, insbesondere, was wäre wann, und was dürften Ärze wann.

lG
Zuletzt geändert von Dipl.-Sozialarbeiter am 25.04.15, 19:16, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vollzitat entfernt - da unnötig -
Hinweise erfolgen ausschließlich aufgrund eines vorgetragenen Sachverhaltes und nicht aufgrund von Vermutungen; je detaillierter der Sachverhalt ist, desto zutreffender können die Hinweise sein.

SusanneBerlin
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Re: Herzschrittmacher - Schriftliche Einwilligung benötigt?

Beitrag von SusanneBerlin »

Sichert das Behandeln eines Patienten, der 1 Tag unter Narkose gesetzt wurde, den Ärzten zusätzliche Rechte beim Durchführen einer Operation ohne Einwilligung?
Woher wissen Sie, dass keine Einwilligung bestand?
Wenn ein Patient nicht ansprechbar ist oder die Willensbildung krankheitsbedingt getrübt ist (hier im Beispiel: Schwindel, Erschöpfung, Depressionen) und weder eine Patientenverfügung, noch eine Vorsorgevollmacht vorliegt, sich auch keine bevollmächtigte Person im Krankenhaus meldet, können 48 Stunden ausgereicht haben, um einen rechtlichen Betreuer einzusetzen, der anstelle des Patienten rechtswirksam in die Operation einwilligt.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Herzschrittmacher - Schriftliche Einwilligung benötigt?

Beitrag von matthias. »

Wann müssen Ärzte vom Patient für eine Behandlung eine Unterschrift verlangen und wann dürfen Sie einfach so Operieren?
Der Patient war ja wohl bei Bewusstsein. Also kann man nicht so einfach eine OP bei ihm durchführen. Vor jeder OP muss ein Patient ja auch über die Folgen beraten werden usw usw..
Ausser er wäre nicht bei Bewusstsein, dann müssen die Ärzte ihn natürlich retten. Dazu sind sie verpflichtet.

Nun hat der Patient gesagt er will keine OP. Dann bekommt er auch keine.

Dann traten wohl wieder lebensbedrohende Zustände auf und der Patient war wohl nicht mehr ansprechbar und dann wurde er halt gerettet.

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