Mediation immer ein geeignetes Verfahren?

besser und schneller außergerichtlich Streit beenden durch Mediation

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REKD
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Mediation immer ein geeignetes Verfahren?

Beitrag von REKD » 05.02.11, 22:05

Mediation als ein geeignetes Verfahren zur Regelung von sog. Konflikten u.a. in Familie, Partnerschaft, Schule, Politik, Nachbarschaft, am Arbeitsplatz und Umwelt sowie innerhalb von Wirtschaftsunternehmen bzw. Organisationen, sehe ich durchaus als eine erfolgversprechende Möglichkeit zur Vermittlung zwischen den streitenden Parteien bei derartiger unterschiedlicher Interessenlage.

Nicht ersichtlich ist für mich, ob bspw. der folgende fiktive Sachverhalt mediationsgeeignet sein könnte, nehmen wir einmal an, nach erfolgter Leistung, wegen Ablehnung der Bezahlung, denkbar wäre hier anlässlich Bestreitens einer Auftragserteilung und ggf. überdies dennoch Einbehalt der erhaltenen Lieferung, wäre ansonsten Klage auf Zahlung gebotenen? Ich sehe hier z.Z. kein effizientes Instrument, da es sich m.E. nicht um einen typischen Fall einer Konfliktbearbeitung handelt, sondern die Ausgangssituation der Streitigkeit nur ein „Entweder-Oder“ zulässt. Es erschließt sich mir hier keine alternative Konfliktlösungsmethode, entweder wurde ein Auftrag erteilt, dann besteht Leistungspflicht, oder es wurde kein Auftrag erteilt, dann besteht ein Anspruch aus bereicherungsrechtlicher Sicht auf Herausgabe, auch der gezogenen Nutzung, mithin würde Mediation zu einem von keiner Partei gewollten Kompromiss führen.

Bin gespannt auf Eure Meinung!
LG und vielen Dank!

Eckart
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Re: Mediation immer ein geeignetes Verfahren?

Beitrag von Eckart » 04.03.11, 21:00

Ich denke auch, dass Mediation nicht zu allen Fällen passt. Nehmen wir Deinen Fall. Unterstellen wir, der Auftrag war erteilt, fehlerfrei ausgeführt, der Auftraggeber zahlt nicht. Jetzt muss man natürlich noch eine weitere voraussetzung machen die mit der Frage zusammenhängt, warum er nicht zahlt. Nehmen wir an er zahlt nicht, weil er kein Geld hat.
Das schließt eine Mediation nicht aus. Vielleicht kann er eine Gegenleistung in der Höhe des zu zahlenden Betrages erbringen, vielleicht schieben sie die Zahlung hinaus, man kann sich verschiedenes Denken.
Szenario 2. Er zahlt nicht, weil er den anderen einfach reinlegen will und vielleicht damit rechnet, dass der keinen Prozess riskiert etwa wegen den Kosten und der Unsicherheit der Vollstreckung. Das schließt eine Mediation aus, denn warum sollte der Schuldner in der Mediation seine Strategie ändern.
Fazit: Eine Mediation passt immer, wo es um wechseseitig legitime Interessen geht, sonst nicht. Warum? Weil der Mediation ein positives Menschenbild zugrunde liegt.
So ungefähr stelle ich mir das vor.

Zafilutsche
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Re: Mediation immer ein geeignetes Verfahren?

Beitrag von Zafilutsche » 01.10.14, 09:12

Auch wenn ich diesen Thread aus der Versenkung geholt haben sollte, würde ich gerne an dieser Stelle noch meinen Senf dazu geben wollen.

Bei dem Szenario 2 existiert offenbar ein Ziel:
... weil er den anderen einfach reinlegen will
Das Bedeutet: Funktionierte der Weg 1 nicht kommt vermutlich Weg 2 und danach Weg 3 vielleicht solange bis ein Erfolgserlebnis sich eingestellt hat.
Also die Mediation versucht nach meinem Verständnis einen "Kernkonflikt" zu identifizieren um hier Lösungsansätze zu bieten. Ob diese Lösungsansätze
Erfolgsaussichten haben- hängt vom Leidensdruck und Motivation ab.

Marie-Luise
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Re: Mediation immer ein geeignetes Verfahren?

Beitrag von Marie-Luise » 06.10.15, 09:26

Guten Morgen,

auch ich habe das Thema nunmehr nach langer Zeit hervorgeholt.

Nein, Mediation ist nicht immer ein geeignetes Verfahren.
In dem Zusammenhang möchte ich die Aufmerksamkeit auch auf sogenannte Güterichter richten:
Die Installation von z. B. Güterichtern bietet keinerlei Sicherheit, dass diese eine spezifische Mediator-Ausbildung haben.

Zudem sind Güterichter nicht weisungsbefugt.
Die durch die Forenmitglieder bereits dargelegte Gefahr, dass jemand, der nicht zahlen will, sich über einen ungebührend langen Zeitraum eben dieser Zahlung entziehen kann, ist einfach zu groß.

Die Presse-Verlautbarungen über angeblich messbare Erfolge durch güterichterliche Entscheidungen dienen offenbar dem eigenen Ego, denn der Darstellung objektivierbarer Sachstände.

Obacht auch diesbezüglich:
(aus www.mediation-aktuell.de/news)

>> Was geschieht mit dem gerichtlichen Verfahren?
Für die Dauer der Mediation durch den Güterichter ruht das gerichtliche Verfahren; Fristen laufen nicht; es finden keine streitigen Gerichtstermine statt; Urteile oder andere streitige Entscheidungen werden nicht gefällt – der Prozess wird also gleichsam angehalten. Wenn die Mediation durch den Güterichter nicht zu einem abschließenden Ergebnis führt, wird der Prozess streitig fortgesetzt>>

Meines Wissens wird der Prozess jedoch nur dann streitig fortgesetzt, wenn entsprechender Antrag/Anträge gestellt wurde(n).

Freundliche Grüße
Marie-Luise

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