Wolf durch Jagdgast erschossen

Recht rund ums Tier

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BeateN
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Wolf durch Jagdgast erschossen

Beitrag von BeateN »

Durch die Presse ging kürzlich ein Verfahren in dem ein Jagdgast auf einer Treibjagd einen Wolf, der unter besonderem Schutz steht, erschoss um angeblich einen Jagdhund zu schützen. Der Jäger wurde freigesprochen. Begründet wurde das Urteil, jedenfalls nach Aussagen des Anwaltes dieses Jägers, weil das Gericht das Eigentumsrecht höher bewertete als das Naturschutzrecht.

Wie verhält sich diese Bewertung nun in einem Fall in dem ein freilaufender Hund ein Reh jagd und der Jäger diesen Hund erschießt?

Das Reh ist herrenlos, befindet sich also in niemandes Besitz. Geschützt ist es durch das Naturschutzrecht, welches verbietet, dass Wildtiere gestört, gejagd (außer im Rahmen der Jagdausübungsberechtigung) oder gehetzt werden.
Der Hundebesitzer hat ein Eigentumsrecht an seinem Hund.

Wird nun das EIgentumsrecht höher bewertet als das Naturschutzrecht, so müsste dem Jäger doch zukünftig eine Strafe drohen, wenn er diesen jagenden Hund erschießt.
Der Hundebesitzer verstöße zwar gegen das Naturschutzrecht, aber der Jäger eben gegen das EIgentumsrecht.
FM
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Re: Wolf durch Jagdgast erschossen

Beitrag von FM »

Wenn man ein Urteil diskutieren will, muss man zumindest angeben: welches Gericht, Datum und Aktenzeichen. Sonst weiß niemand, was da wesentliche Gründe waren. Es kann auch niemand einschätzen, ob das die Einzelfallmeinung eines Richters war oder "herrschende Rechtsprechung".

Einen Grundsatz "Eigentum wichtiger als Naturschutz" dürfte es kaum geben, sonst dürfte jeder Landwirt Biber erschlagen, der Karpfenzüchter Fischadler abschießen und der Waldbesitzer Schwarzspechte beseitigen. Naturschutz ist eher eine der in Art. 14 GG erlaubten Schranken des Eigentumsrechts.
blackylein
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Re: Wolf durch Jagdgast erschossen

Beitrag von blackylein »

Es ist allgemein bekannt, dass Hunde im Wald an der Leine zu führen sind. Erst recht dann, wenn man weiß, dass sie in gewissen Situationen nicht abrufbar sind.
Hunde, die wildern, wurden schon immer geschossen.
Evariste
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Re: Wolf durch Jagdgast erschossen

Beitrag von Evariste »

Tagesschau.de:
Verurteilt wurde er vom Amtsgericht Potsdam trotzdem nicht - denn er konnte sich auf ein Notstandsrecht berufen. Nach Paragraf 228 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) hat man ein solches Notstandsrecht immer dann, wenn ein geschütztes Interesse bedroht wird. Und auch das Leben eines Jagdhundes ist ein solches Interesse. Allerdings muss auch der Tierschutz berücksichtigt werden. Und bei Wölfen handelt es sich nach dem EU-Recht um besonders geschützte Tiere. Das Gericht musste deshalb abwägen, was mehr zählt: Das Interesse des Jägers, die Hunde zu schützen, oder der Artenschutz des Wolfes. In diesem Fall gab es dem Leben der Hunde den Vorrang. Der DJV begrüßte das Urteil. Aus seiner Sicht braucht es dennoch eine gesetzliche Regelung. Es sei wichtig, "dass auch der Gesetzgeber klarstellt, dass das Eigentum am Hund das Interesse am Artenschutz überwiegt."
DIe Sache mit dem Eigentum und dem Artenschutz ist möglicherweise eher eine Interpretation.

Interessant auch, dass es nicht um einen einzigen Hund ging und dass man erst andere Mittel versucht hat:
... im Januar 2019 greift das wilde Tier bei einer Jagd in Brandenburg mehrere Hunde an. Ein niederländischer Jagdgast versucht noch, den Wolf mit Klatschen und einem Warnschuss zu vertreiben. Doch das Tier reagiert nicht. Aus Angst um die Hunde erschießt der Jäger den Wolf schließlich.
FM
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Re: Wolf durch Jagdgast erschossen

Beitrag von FM »

Es ist allgemein bekannt, dass Hunde im Wald an der Leine zu führen sind. Erst recht dann, wenn man weiß, dass sie in gewissen Situationen nicht abrufbar sind.
Hunde, die wildern, wurden schon immer geschossen.
Für Jagdhunde während einer Jagd gilt das sehr wahrscheinlich nicht. Möglicher Weise hat der Jäger aber den Wolf für einen wildernden Hund gehalten.
Evariste hat geschrieben: 26.06.21, 17:13 Tagesschau.de:
Verurteilt wurde er vom Amtsgericht Potsdam trotzdem nicht - denn er konnte sich auf ein Notstandsrecht berufen. Nach Paragraf 228 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) hat man ein solches Notstandsrecht immer dann, wenn ein geschütztes Interesse bedroht wird. Und auch das Leben eines Jagdhundes ist ein solches Interesse. Allerdings muss auch der Tierschutz berücksichtigt werden. Und bei Wölfen handelt es sich nach dem EU-Recht um besonders geschützte Tiere.
Diese Begründung wäre nicht Tierschutz sondern Artenschutz.

Und beim Artenschutz habe ich meine Zweifel, ob der Schutz des eigenen Eigentums (auch eigener Tiere) ausreicht. Denn dann dürfte eben der Karpfen- oder Forellenteichbesitzer auch geschützte Vogelarten wie z.B. Adler oder Störche töten, sobald sie in seinem Teich fischen wollen. Und auch beim Wolf darf meines Wissens (habe ich jetzt nicht recherchiert) der Schäfer den Wolf nur verjagen oder abhalten, aber nicht töten, soweit nur Schafe gefressen werden sollen, und nicht der Schäfer selbst.
Deputy
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Re: Wolf durch Jagdgast erschossen

Beitrag von Deputy »

Als Beispiel für Bayern. Die Jagdgesetze der anderen Bundesländer dürften ähnliche Regelungen enthalten.

Art. 42 Bayrisches Jagdgesetz - Aufgaben und Befugnisse der Jagdschutzberechtigten
(1) Die zur Ausübung des Jagdschutzes berechtigten Personen sind befugt,
1. ...
2. wildernde Hunde und Katzen zu töten. Hunde gelten als wildernd, wenn sie im Jagdrevier erkennbar dem Wild nachstellen und dieses gefährden können.


Gefährden können - können reicht aus. Das ist Teil des Jagdschutzes, der nach dem Bundesjagdgesetz durch die Ländern geregelt werden muss.
FM
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Re: Wolf durch Jagdgast erschossen

Beitrag von FM »

ER hat aber nicht den Hund sondern den Wolf erschossen.
Deputy
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Re: Wolf durch Jagdgast erschossen

Beitrag von Deputy »

Im vorliegenden Fall ja.

Die Frage im Eingangspost lautete aber
BeateN hat geschrieben: 26.06.21, 12:49 Wie verhält sich diese Bewertung nun in einem Fall in dem ein freilaufender Hund ein Reh jagd und der Jäger diesen Hund erschießt?
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