Welpenkauf beim Züchter in Frankreich

Recht rund ums Tier

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Vetty
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Beitrag von Vetty » 15.11.09, 09:27

Die Hunde aus dieser Zucht gewinnen auf Shows in der ganzen Welt. Ich hatte keinen Grund der Züchterin nicht zu vetrauen.
Ich habe die Zuchtstätte nicht gesehen. Der Geruch wäre mir dann aufgefallen.

Wir haben uns mit der Züchterin am Flughafen getroffen. Die Mutter des Hundes war auch dabei.
Der Hund war etwas ängstlich, es war aber auch alles.

Normalerweise wenn man so einen Hund im Ausland kauft, kommt er einfach als Fracht im Flieger. Weil man eben den Leuten vertraut.
Wenn man einen Hund in Kanada kauft, fliegt man nicht unbedingt hin.
Und schon gar nicht vor der Abgabe, um sicher zu gehen, dass es dort nicht nach Giardien stinkt.
Es ist eben ein absolutes no go, dass so etwas passiert.

hws
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Re: Welpenkauf beim Züchter in Frankreich

Beitrag von hws » 15.11.09, 09:58

Vetty hat geschrieben:Dann hat man die Züchterin doch überredet (Geld!).
War da jemand zu besitzgeil?
Bei den Nigeria-connections Emails (man kriegt nen Millionenanteil eines verwaisten Vermögens, wenn man am Transfer mitwirkt - man muss nur vorher ne kleine Bankgebühr bezahlen) wundere ich mich auch immer wieder, wie jemand drauf reinfallen kann.

hws

Aileen
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Beitrag von Aileen » 15.11.09, 10:16

Ob Hunde nun auf Shows gewinnen oder nicht, sagt für mich nichts über den Züchter oder den Gesundheitszustand der Welpen bzw. Zuchthunde aus.
Auf Shows werden Hunde nur nach ihrem Aussehen beurteilt, nicht mehr und nicht weniger.
Ich finde es ehr ein absolutes No-go, wenn man sich einen Hund wie aus dem Versandhauskatalog bestellt ohne sich die Zuchtstätte und die anderen Hunde selbst anzuschauen. Man möchte doch wissen, wie die Hunde dort gehalten werden.
Wenn man fremden Menschen blind vertraut, muß man auch damit rechnen, enttäuscht zu werden.
Und wie schon bereits geschrieben: Giardien sind heute keine Seltenheit und kommen auch in kleinen familiären Zuchtstätten mit nur 1 Zuchthündin vor.
In Amerika gibt es einen Impfstoff gegen Giardien. Den hätte man kaum entwickelt, wenn es sich dabei um eine seltene Erkrankung gehandelt hätte. Dieser Impfstoff hat in Deutschland aber noch keine Zulassung.

darkles
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Beitrag von darkles » 15.11.09, 21:28

um welche rasse handelt es sich eigentlic ??

Waschbärin
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Beitrag von Waschbärin » 16.11.09, 11:22

Ich denke dass man in diesem Fall auch bedenken sollte dass der Wechsel zum neune Besitzer und dann vor allem noch der Transport mittels Flugzeug etc. eine sehr grosse psychsiche Belastung für einen Junghund darstellen, die ihm auch ohne Giardienbefall auf den Magen schlagen kann. Meinen Erfahrungen nach hat ein 8- bis 9-wöchiger Welpe damit bedeutend weniger Probleme als ein älterer Welpe oder gar, wie in diesem Fall, Junghund. Hier kann ein Giardienbefall, der im vertrauten Umfeld keine Probleme bereitet hat, sich natürlich bemerkbar machen. Ich gehe auch davon aus dass der Käufer sich nicht nur 5 Minuten beim Züchter aufgehalten hat, sondern länger dort verweilt ist als er den Junghund abgeholt hat, und sich demzufolge dort schon etwas länger mit ihm und auch den anderen Hundes des Züchters beschäftigt hat. Da sollten ihm Unregelmässigkeite in bezug auf den Kotabsatz der Hunde eigentlich auffallen. So ein kleiner Hund "muss" ja öfters mal...

Von meinem letzten Wurf hatten zwei Welpen angeblich nach der Abgabe auch Giardien. Ein Welpe wurde allerdings rein auf Verdacht des Tierarztes 7 Tage lang mit Panacur zugedrönt (ohne Kotuntersuchung), beim zweiten Welpen erfolgte die Diagnostik erst Wochen nach der Abgabe. Ich habe daraufhin meine Althunde und zwei weitere Wlepen des Wurfes testen lassen (die Welpen sogar mehrfach), da ich weiß dass ein Giardienbefall vorliegen kann auch wenn keine Symptome auftreten. Die Proben meiner Hunde und der anderen Welpen waren in allen Fällen negativ. Ich schließe es trotzdem nicht aus dass die beiden anderen Welpen Giardien gehabt haben können, sie sind heute leider weit verbreitet und ich ziehe die meine Welpen nicht steril auf, sondern mit viel Kontakt zur Umwelt, anderen Hundehaltern, anderen Hunden etc.
Vetty hat geschrieben:
Wir haben gestern unser Vertrag übersetzt bekommen, dort steht, dass der Züchter sich verpflichtet die Welpen vor der Abgabe einem Tierarzt vorzustellen. Dies ist nicht erfolgt.
Die letzte Impfung (und wahrscheinlich auch Tierarztbesuch) waren am 20.08.09.
Und dass der Züchter garantiert, dass der Hund frei ist von Parvovirose, HD, Netzhautatrophie und einigen anderen Erkrankungen, die in dem Fall nicht relevant sind.
...
Es geht mir hier auch nicht um das Geld oder so, Medikamente kriege ich ja fast umsonst.
Die Tatsache, dass solche empfindlichen Hunde unter tierschutzwidrigen Umständen gezüchtet werden - das ärgert mich.[/
Also wenn ich jetzt mal Konsequenzen abwäge, die eine HD oder Netzhautatrophie für den Hund nach sich zieht, dann ist es mir doch bedeutend lieber der Züchter bietet eine Garantie in solchen Fällen an als für so lapidare Infektionen wie mit Spulwürmer, Kokzidien oder Giardien. Denn letzeres bekomme ich als Halter mit der richtigen Fütterung und medizinischen Behandlung schnell in den Griff, während eine HD oder Netzhautatrophie den Hund für mich als Arbeits- und/oder Zuchttier unweigerlich untauglich macht.

Ein Züchter steht immer im Zwiespalt zwischen einer möglichst keimarmen und medikamentenreichen Aufzucht seiner Welpen, damit diese bei der Abgabe möglichst symptom- und infektionsfrei sind, und einer guten Prägung auf Umweltreize, fremde Menschen, andere Hunde etc. Wenn dann noch der Aspekt der abwechslungsreichen Fütterung dazu kommt, wird es sehr schwierig für den Züchter bei der Abgabe möglichst klinisch reine Welpen an die Käufer abzugeben. Die Möglichkeit dass sich ein oder alle Welpen etwas eingefangen haben können besteht immer. Hinzu kommt der Stress für die Welpen durch den ungewohnten Transport, die neue Umgebung, die neuen Bezugspersonen etc. In der Fütterung wird auch nicht alles immer richtig gemacht von den neuen Haltern, wie ich im Fall der beiden Welpen, die angeblich Giardien hatten, beim letzten Wurf leidvoll erfahren musste. Ratschläge des Züchters zu diesem Thema, sogar schriftlich, sind leider nicht selten Schall und Rauch.

Was mich in diesem Fall hier wundert ist der letzte Satz des obigen Zitates: "Die Tatsache, dass solche empfindlichen Hunde unter tierschutzwidrigen Umständen gezüchtet werden - das ärgert mich".

Ein Giardienbefall an sich ist nicht tierschutzwidrig. Zumal ein Befall, vor allem bei Althunden, nicht selten symptomlos ist. Dass ein Hund ein sensibeles Wesen besitzt auch nicht (das betrifft ja teilweise komplette Rassen). Vor allem Junghunde haben da eh so manchmal so ihre Phasen wo man lieber nicht zu genau hinschaut. Zudem sind Welpen ud Junghudne anfällig für Infektionen, zeigen i.a.R. auch stärkere Symptome als erwachsene Hunde. Folglich muss diese Aussage noch auf weiteren Beobachtungen beim Züchter beruhen. Und dann frag ich mich halt wieder warum der Hund dann überhaupt gekauft wurde wenn die Zustände beim Züchter als "tieschutwidrig" bezeichnet werden.

Ich kann natürlich verstehen dass man einen Hund einer bestimmten Rasse unbedingt haben möchte. Dass man, wenn diese Rasse selten ist, auch eher Dinge in Bezug auf den Züchter toleriert als man es unter anderen Umständen tun würde. Nur muss man sich dann über die Konsequenzen seines Handelns von vorne herein klar sein und darf nicht alleine den Züchter für alle Probleme, die man dann anschließend mit dem Hund hat, verantwortlich machen. In solch einem Fall sollte man einen Hund nur dann kaufen wenn man sich sicher ist die Defizite des Hundes, die man bereits vor oder beim Kauf erkennen konnte, kompensieren zu können. Und man sollte wissen dass vor allem Wesensprobleme außerhalb des vertrauten Umfeldes eines Welpen/Junghundes nicht weniger werden, sondern mehr. Wenn ich z.B. denke dass ein Welpe mir nicht selbstbewust genug ist, ich mir aber zutraue diesen Mangel des Welpen durch meine Aufzucht und Sozialisierung ausgleichen zu können, würde ich dieses Manko des Welpen beim Kauf ansprechen und versuchen micht mit dem Züchter auf einen niedrigeren Kaufpreis zu einigen. Nicht aber den vollen Preis klaglos akzeptieren und dann später sagen "Eigentlich hat mich von vorne herein dieses oder jenes an dem Welpen gestört".

LG

die Waschbärin
Zuletzt geändert von Waschbärin am 16.11.09, 16:30, insgesamt 1-mal geändert.

Waschbärin
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Beitrag von Waschbärin » 16.11.09, 11:41

Vetty hat geschrieben:Die Hunde aus dieser Zucht gewinnen auf Shows in der ganzen Welt. Ich hatte keinen Grund der Züchterin nicht zu vetrauen.
Ich habe die Zuchtstätte nicht gesehen.
Oha, das habe ich jetzt erst gesehen... Steht es nicht in jedem Hundebuch für drei Euro fuffzisch dass Showergebnisse nicht das non plus ultra sein sollten beim Hundekauf??? Ich würde die Kriterien, die man beim Welpenkauf festlegen sollte, mal so rangieren:

- Wesen/Instinktverhalten der direkten Verwandten (Eltern/Großeltern/Geschwistern)
- Gesundheit der direkten Verwandten (Eltern/Großeltern/Geschwistern)
- Arbeitsveranlagungen der direkten Verwandten (Eltern/Großeltern/Geschwistern)
- Zustände in der Aufzuchtsstätte (Prägung auf Menschen, andere Hunde/Tiere, Fütterung etc.)

und dann mit viel Abstand:
- Exterieur (= Showergebnisse)

Natürlich gibt es Menschen denen Showergebnisse ihrer Hunde sehr wichtig sind. Und ein erfolgreicher Showhund ist eine Investition, der seinem Halter auch viel Geld einbringen kann (z.B. bei Rüden durch Deckakte oder durch den Verkauf eines Multi-Champions). ABER wie bei allem so gilt das auch beim Hundekauf: Da, wo ich viel verdienen kann (sei es Ruhm oder Geld), da habe ich auch ein bedeutend höheres Risiko. Sprich mein Welpe aus Multikulit-Championseltern kann später selbst ein Multikulit-Champion werden. Ich kann mit ihm aber auch sehr viel eher auf die Nase fallen, in bezug auf andere wichtige Aspekte, als bei einem Welpen aus einer Zuchtverpaarung, bei welcher der Züchter auf wichtigere Aspekte selektiert hat als auf Showergebnisse.
Vetty hat geschrieben: Wir haben uns mit der Züchterin am Flughafen getroffen. Die Mutter des Hundes war auch dabei.
Der Hund war etwas ängstlich, es war aber auch alles.

Normalerweise wenn man so einen Hund im Ausland kauft, kommt er einfach als Fracht im Flieger. Weil man eben den Leuten vertraut.
Wenn man einen Hund in Kanada kauft, fliegt man nicht unbedingt hin.
Das verstehe ich jetzt gar nicht. Es geht hier doch um einen Welpen aus Frankreich, nicht aus Übersee. Ich habe zwar auch schon Welpen via Flugzeug nach Übersee verkauft, hatte aber auch schon zweimal den Fall dass amerikanische Käufer ihren Welpen direkt abgeholt haben. Welpenkäufer aus Europa (Schweiz, Frankreich, Polen, Cypern) haben ihre Welpen immer persönlich bei mir abgeholt und zumindest einen halben Tag, teilweise bis vier Tage, bei mir verbracht um ihren Welpen auszusuchen bzw. abzuholen (einige waren trotz der großen Entfernung zweimal da). Ich als Züchter fahre doch mit meiner Hündin zum Teil auch ins Ausland zum Decken.

Ich habe übrigens eine sehr weit verbreitete Rasse, die auch im Ausland viel gezüchtet wird. Trotzdem nehmen meine Welpenkäufer teilweise wirklich weite Strecken auf sich, obwohl sie mit den von mir gezüchteten Hunden niemals einen Show-Champion an der Leine haben werden. Aber wer wirklich wichtige Kriterien beim Welpenkauf walten läßt, der fährt für einen gesunden und wesensfesten Durchschnittshund auch mal weit und an vielen Zuchtstätten vorbei, die so manchen Champion auf wichtigen Ausstellungen präsentiert haben.
Vetty hat geschrieben: Es ist eben ein absolutes no go, dass so etwas passiert.
Für mich wäre es ein absolutes no go, einen Welpen, den ich im europäischen Auland kaufe, nicht selbst beim Züchter abzuholen. Wenn ich mir diese Mühe nicht mache und mal ein oder zwei Tage dafür zusätzlich einplane, dann darf ich mich über anschließende Probleme nicht wundern.

LG

die Waschbärin

Chavah
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Beitrag von Chavah » 16.11.09, 14:37

Liebe Waschbärin,

ich finde Deinen Beitrag toll! Und er entspricht auch der Realität. Vetti will Tierärztin sein (oder hab ich da was falsch in Erinnerung), und dann so was?

Nun ja, ich hab dem dem Züchter meiner Hündin auch ähnliche Erfahrungen gemacht, wie Du sie wohl Deinen Interessenten bietest. Ich konnte beliebig lange die Hunde im Rudel beobachten, ebenso Mutter und Vater. Die Tiere (meine war 9 Monate alt, als sie sich für mich entschied) waren geimpft. Der Vertrag wurde erklärt, enthielt Verhandlungsspielraum. Ich bekam vorsichtshalber ein Mittel gegen irgend was (Darminfektion) mit (ist schon so lange her, weiss nicht mehr, was es genau war). Auch die Aufforderung, bei Auffälligkeiten jederzeit an zu rufen, ebenso eine Liste von erfahrenen Tierärzten in der Umgebung meines Wohnortes.

Eben ein seriöser, guter Züchter. Und husch, husch, Übergabe am Flughafen,das war da wirklich nicht, wäre nicht möglich gewesen. Meine Hündin hatte einen super Charakter, die Zucht ging in Richtung Gebrauchshund. Wir, die Hündin und ich haben gemeinsam die Kids aufgezogen. Als sie starb, konnte ich lediglich auf eine einzige Erkrankung zurück schauen, die neben Impfungen und anderen Routinegeschichten einen Tierarzt erforderlich machen.

So geht es auch! Aber es liegt eben auch an den Käufern. Wenn man am Flughafen, auf Autobahnparkplätzen ein Tier kauft, dann ist man einfach auch selbst dran schuld!

Chavah

Aileen
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Beitrag von Aileen » 16.11.09, 20:20

Sehe ich genau so und wohl jeder Züchter kennt diese Anfragen: Wann können Sie den Hund schicken?
Mache ich generell nicht, denn ich möchte die Interessenten erst einmal kennenlernen.
Passiert dann auch schon mal, daß einer ohne Hund wieder fahren muß, weil er als Käufer für einen Hund dieser Rasse nicht in Frage kommt.
Aber das soll jeder Züchter für sich entscheiden.
Egal wohin meine Hunde überall gegangen sind (USA, Mexiko,Kanada,Griechenland,Afrika,Spanien, Italien, Schweiz, Österreich usw. usw.), die Interessenten haben sie alle bei mir abholen müssen und sie müssen auch etwas Zeit mitbringen.
Ich möchte ja auch einige Dinge über die zukünftigen Welpeneltern erfahren und diese über mich und meine Hunde. Wichtig ist mir eine vernünftige Beratung der Interessenten vor und nach dem Kauf.
Wer seine Hunde kauft, wie im Supermarkt eine Tüte Chips, der braucht sich auch nicht wundern, wenn etwas schief läuft.
Allerdings sollte man sich selbst fragen, was man vielleicht falsch gemacht hat und nicht gleich auf den Züchter motzen.
Mir wäre ein Hund mit Giardien auch lieber, als einer mit einer unheilbaren Krankheit...

Beitragsschreiber

Beitrag von Beitragsschreiber » 16.11.09, 20:30

Ein wenig Objektivität könnte der Diskussion nicht schaden.

Dass letztlich der Käufer der Schlimme sein soll, wenn er beim Kauf nicht 100% professionell vorgegangen ist, ist schon schwer daneben.

Auch halte ich es für eine Verfehlung, die Kompetenzen einer Tierärztin in Frage zu stellen, weil sie sich beim Kauf nicht verhalten hat, wie es den Vorstellungen mancher Hundezüchter entspricht.
Dass man sich bei der Person des Verkäufers auf Tipps von Leuten verlässt, denen man vertraut, wird man wohl niemandem ernsthaft zum Vorwurf machen dürfen.


Aber... bloß nicht auf die Züchter motzen... die sind empfindlich.

Waschbärin
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Beitrag von Waschbärin » 16.11.09, 23:20

Hallo Beítragsschreiber,

letztendlich ist für mich an dieser Geschichte erschreckend dass ausgerechnet ein Tierarzt sich beim Welpenkauf so verhält wie man es Laien immer wieder predigt wie sie es nicht machen sollten. (Denn wenn ein Tierarzt diesbezüglich kein Profi ist, wer ist es dann?) D.h. sich bei der Auswahl des Züchters und der Elterntiere des zukünftigen Hausgenossen z.B. nicht von Show-Ergebnissen blenden lassen, denn sie sich so ziemlich das Unwichtigste überhaupt. Denn was nützt ein schöner Hund wenn er nicht gesund und wesensfest ist? Wobei "schön" ja auch noch relativ ist und Laien nicht selten die Schönheitschampions einer Rasse aufgrund ihrer Übertypisierung weniger attraktiv finden als die Durchschnittshunde. Oder dass man sich nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinderstube seines zukünftigen Hausgenossen genau anschaut, möglichst mehrmals, und dass man sich keinen Welpen an einer Autobahnraststätte etc. übergeben lässt. Wenn mir jemand im Dunkeln am Bahnhof eine echte Rolex verkauft, ist an der Sache ja auch eher etwas faul als wenn ich sie in einem Fachgeschäft kaufen.

Zur Vorstellung mancher Hundezüchter: Ich bin nicht nur (manchmal) Züchter, sondern habe auch schon so manchem Welpen gekauft (kenne also beide Seiten). Der Zeitaufwand, der einem Züchter durch Besuche und auch Telefonate mit den Welpeninteressenten und -käufern entsteht, ist enorm. Es gibt so manchen Züchter dem es gar nicht recht ist dass seine Welpenkäufer so viel Zeit von ihm einfordern. Bei denen würde ich als Käufer die Welpen stehen lassen! Denn wenn sie vor dem Verkauf nicht bereit sind sich Zeit zu nehmen für ihre Welpenkäufer, dann werden sie es nach dem Verkauf, wenn es Probleme geben sollte, auch nicht tun. Ebenso fordere ich als Züchter von meinen Welpenkäufern zumindest so viel Interesse, dass sie sich für meine Aufzuchtbedingungen interessieren und ihren Welpen selbst bei mir abholen. Ausnahmen bestätigen die Regel, z.B. wenn man sich kennt und sich gegenseitig vertraut. Das ist aber, wenn man sich vorher persönlich noch nie begenget ist, nicht der Fall.

Wenn man auf Ratschlag eines Dritten hin einen Hund kauft: Ist es die Schuld des Züchters wenn sich ein Käufer auf die Ratschläge der falschen Leute verlässt?

Ich mache das manchmal auch, dass ich mir für Bekannte Welpen oder auch erwachsene Hunde ansehe. Da geht es dann um die Entscheidung ob sich z.B. 1500 bis 2000 km Fahrt lohnen zwecks Ansicht eines Welpen/Hundes. Die Kaufentscheidung liegt dabei aber weiterhin beim Käufer, ich sortiere nur vorab die Hunde aus, die meiner Meinung nach aus irgend einem Grund nicht für den Interessenten in Frage kommen. Meine Antwort lauten "Den kannst Du Dir ansehen" oder "Da lohnt sich für Dich die weite Fahrt nicht". Ich würde nie sagen "Den kannst Du unbesehen kaufen". Dafür spielt doch das Bauchgefühl eine viel zu grosse Rolle. Ein Hund ist schliesslich kein Computer oder DVD-Player.

LG

dei Waschbärin

Chavah
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Beitrag von Chavah » 17.11.09, 08:12

Wenn ich überlege, wielange insbesondere "Frau" braucht, um sich ein schönes Kleid zu kaufen, und wie schnell mitunter ein Tier angeschafft wird ....

Doch, Beitragsschreiber, eine Tierärztin ist neben anderen Züchtern die Fachfrau schlechthin. Deshalb verstehe ich ja das absolut unprofessionelle Vorgehen nicht! Und zwar hinsichtlich der Umstände ingesamt. Ein Tier, das sie nicht kennt aus einer Zucht, die sie nicht kennt. Einen Vertrag, den sie nicht versteht.

Irgendwie klafft da für mich was ganz gewaltig.

Chavah

pOtH
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Beitrag von pOtH » 17.11.09, 09:44

Muss Beitragsschreiber vollkommen recht geben, in diesem Forum geht es um die rechtliche angelegenheit u. nicht um die Fehler die aus sicht der "erfahrenen Hundekäufer" gemacht wurden - soetwas kann man vielleicht auf hundund.de etc diskutieren, aber hier sollte es nur eine Nebenrolle spielen!
Egal ob Züchter, Tierärtzin od. was weiß ich wer, alle sind in diesem Augenblick gleich u. werden zum Kind beim Anblick der kl. Würmchen - es gibt nur sehr wenige die bei soetwas, umringt von x Paar gr. Hundeäuglein, realistich bleiben können.

-Bindet dem Papst eine nackt Frau auf den Bauch u. ihr werdet merken das er auch "nur" ein Mann ist-

Chavah
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Beitrag von Chavah » 17.11.09, 09:52

Im Prinzip hast Du recht. Nur ein Laie ist halt leicht zu überrumpeln. Bei einer "Fachfrau" würde auch ein Gericht fragen, was nun wirklich hinter der Sache steht, einach um die Verantwortlichkeit zu überprüfen. Und wenn einem Deal, einerlei welcher Art, die "Schlüpfrigkeit" für den Empfänger ins Gesicht geschrieben steht, dann wird das bei einer Urteilsfindung durchaus von Bedeutung sein.

Chavah

Beitragsschreiber

Beitrag von Beitragsschreiber » 17.11.09, 10:16

Waschbärin hat geschrieben:letztendlich ist für mich an dieser Geschichte erschreckend dass ausgerechnet ein Tierarzt sich beim Welpenkauf so verhält wie man es Laien immer wieder predigt wie sie es nicht machen sollten.
Ich glaube ja, dass die Hundezüchter ein bisschen in ihrer eigenen Welt leben.
Zum Glück gehen sie zum predigen noch nicht auf die Straße, so dass die Predigten an Laien wie mir Gott sei Dank vorbeigegangen sind.
Sie können auch einem Autokäufer predigen, wie er sein Auto zu kaufen hat. Für Mängel bleibt aber der Verkäufer verantwortlich, es sei denn, es liegt ein wirksamer Gewährleistungsausschluss vor. Man kann die Situation nicht umdrehen und behaupten, es sei vor allem Sache des Käufers, sich nicht verar.... zu lassen.
Chavah hat geschrieben:Bei einer "Fachfrau" würde auch ein Gericht fragen, was nun wirklich hinter der Sache steht, einach um die Verantwortlichkeit zu überprüfen
Aber keineswegs muss sich eine Fachfrau als Käuferin anders behandeln lassen als ein Laie - auf welcher Grundlage denn?
Eine Tierärztin ist genauso eine Käuferin wie eine Kfz-Mechanikerin.
Und soweit es um Gewährleistungsrecht geht, steht das Verhalten oder das Fachwissen der Käuferin überhaupt nicht zur Debatte. An der Pflichtenverteilung ändert sich gar nichts.
Waschbärin hat geschrieben:Wenn mir jemand im Dunkeln am Bahnhof eine echte Rolex verkauft, ist an der Sache ja auch eher etwas faul als wenn ich sie in einem Fachgeschäft kaufen.
Was für ein hanebüchener Vergleich.
Das Problem ist doch ersichtlich nicht gefälschte oder gestohlene Ware.
Im Übrigen wäre auch hier der Verkäufer in der Verantwortung, wenn er behauptet, eine echte Uhr zu verkaufen.
Waschbärin hat geschrieben:Ist es die Schuld des Züchters wenn sich ein Käufer auf die Ratschläge der falschen Leute verlässt?
:?:
Wollen Sie behaupten, es sei nicht der der Verantwortungsbereich des Züchters, wenn der Hund krank ist oder sonstige Mängel im Rechtssinne aufweist?
Chavah hat geschrieben:Doch, Beitragsschreiber, eine Tierärztin ist neben anderen Züchtern die Fachfrau schlechthin.
Aber doch nicht für Tierkäufe.
Die Tierärzte, die ich bisher kennengelernt habe, haben meist jedem empfohlen, Tiere aus dem Tierheim zu besorgen und keine Regeln für den Kauf beim Züchter "gepredigt".

Chavah
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Beitrag von Chavah » 17.11.09, 10:31

...aber die Bedingungen, unter denen ein Tier gekauft werden sollte, sind auch Tierärzten bekannt. Wird sogar an der Uni gelehrt, in der Ausbildung. Sie haben ständig damit zu tun, in der Praxis. Eben mit den "verzüchteten" Hunden. Sie wissen es. Und machen dann selbst so einen Fehler? Ich hab das Gefühl, dass wir gar nicht wirklich wissen, um was es geht. Alle hier nicht.

Nur, ein Richter würde sich schon er intensiv mit den Umständen befassen, unter denen das Tier erworben wurde, und die Position des Käufers überprüfen.

Chavah

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