Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Recht rund ums Tier

Moderator: FDR-Team

daemon
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 103
Registriert: 27.12.05, 19:04
Wohnort: Berlin

Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von daemon » 03.03.12, 15:54

Hallo,

an vielen türkischen Lebensmittelläden sind mir Schriftzüge aufgefallen, die 'helal Et' (=erlaubtes Fleisch) bewerben, also Fleisch von Tieren, welche nach islamischen Ritual geschächtet wurden. Ein entsprechender Hinweis in deutscher Sprache ist nie erkennbar.
Das wirft bei mir zwei Fragen auf:
  • 1. Ist dies ein Verstoß gegen irgendeine Kennzeichnungspflicht? Dort kaufen schließlich auch Nichtmoslems ein, die des türkischen nicht mächtig sind und die praktizierten Schlachtverfahren nicht unbedingt gutheißen, bei einer Kennzeichnung also vielleicht vom Kauf absehen würden.
    2. Inwiefern stellt ein Verkauf von 'helal' Fleisch an Nichtmohamedaner sogar eine Handlung dar, die vermeidbare Qualen von Wirbeltieren fördert, also sowas wie ein Beihilfetatbestand? Schließlich hatte das BVerfG bei der Erteilung der Ausnahmegenehmigung nicht die Versorgung empathiefreier Tierhasser im Fokus, die keinen religiös begründeten Zwängen unterliegen.
Tierschutzgesetz § 4a:
  • (1) Ein warmblütiges Tier darf nur geschlachtet werden, wenn es vor Beginn des Blutentzugs betäubt worden ist.
    (2) Abweichend von Absatz 1 bedarf es keiner Betäubung, wenn
    ...
    2. die zuständige Behörde eine Ausnahmegenehmigung für ein Schlachten ohne Betäubung (Schächten) erteilt hat; sie darf die Ausnahmegenehmigung nur insoweit erteilen, als es erforderlich ist, den Bedürfnissen von Angehörigen bestimmter Religionsgemeinschaften im Geltungsbereich dieses Gesetzes zu entsprechen, denen zwingende Vorschriften ihrer Religionsgemeinschaft das Schächten vorschreiben oder den Genuss von Fleisch nicht geschächteter Tiere untersagen ...

Waschbärin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1577
Registriert: 28.02.05, 14:37

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von Waschbärin » 04.03.12, 19:21

Zu 1) Das sollte man eigentlich wissen, daß in türkischen Geschäften auf die Ernährungsgewohnheiten türkischer Mitbürger eingegangen wird (wozu natürlich auch religiöse Ernähungsregeln gelten).

Zu 2) Es geht um's Schlachten, nicht um's Verzehren. Geschlachtet werden diese Tiere für den Verkauf in entsprechenden Geschäften und Restaurants, deren Kundschaft u.a. bzw. sogar überwiegend aus Moslems besteht. Trotzdem besteht kein Verbot für Nichtmoslems in solchen Geschäften zu kaufen bzw. in solchen Restaurants zu essen. Man muß also nicht seine Religionszugehörigkeit an der Kasse nachweisen.

karli
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 7221
Registriert: 19.05.06, 10:10

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von karli » 04.03.12, 20:01

daemon hat geschrieben:Ein entsprechender Hinweis in deutscher Sprache ist nie erkennbar.
Das ist nicht notwendig, denn das Fleich muß sowieso den nationalen Lebensmittelvorschriften entsprechen.
Es müsste sich ja dennoch um Fleisch handeln, das für den menschlichen Verzehr geeignet ist.
daemon hat geschrieben: Ist dies ein Verstoß gegen irgendeine Kennzeichnungspflicht?
Weder die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung noch die Tier-LMHV schreiben das vor.
daemon hat geschrieben:Dort kaufen schließlich auch Nichtmoslems ein, die des türkischen nicht mächtig sind und die praktizierten Schlachtverfahren nicht unbedingt gutheißen, bei einer Kennzeichnung also vielleicht vom Kauf absehen würden.
Würden diese Nichtmoslems auch einen Vertrag unterschreiben, der in türkischer Sprache verfasst ist und den sie nicht lesen können?
daemon hat geschrieben:Inwiefern stellt ein Verkauf von 'helal' Fleisch an Nichtmohamedaner sogar eine Handlung dar, die vermeidbare Qualen von Wirbeltieren fördert, also sowas wie ein Beihilfetatbestand?
Lediglich das Schlachten ist laut Tierschutzgesetz reglementiert.
Um Schächten zu dürfen bedarf es einer Sondergenehmigung, kaufen und verzehren darf Jeder.

Ansonsten halte ich die Menge des, an Unwissende, verkauften Fleisches für zu gering, daß es dafür einer gesetzlichen Regelung bedarf.
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
Achtung: Meine Beiträge können Meinungsäusserungen, Denkanstösse, sowie Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.

daemon
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 103
Registriert: 27.12.05, 19:04
Wohnort: Berlin

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von daemon » 05.03.12, 08:28

karli hat geschrieben: Um Schächten zu dürfen bedarf es einer Sondergenehmigung, kaufen und verzehren darf Jeder.
Genau darin sehe ich das Problem. Laut Bundesverfassungsgerichturteil und Tierschutzgesetz darf diese Ausnahmegenehmigung eben nur für einen streng begenzten Sonderfall erteilt werden, nämlich:
als es erforderlich ist, den Bedürfnissen von Angehörigen bestimmter Religionsgemeinschaften im Geltungsbereich dieses Gesetzes zu entsprechen, denen zwingende Vorschriften ihrer Religionsgemeinschaft das Schächten vorschreiben oder den Genuss von Fleisch nicht geschächteter Tiere untersagen ..
und eben gerade nicht zum Verkauf an jedermann!

Ronny1958
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 20562
Registriert: 19.08.05, 13:20
Wohnort: Zwischen Flensburg und Sonthofen

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von Ronny1958 » 05.03.12, 09:11

Angesichts der unmenschlichen Zustände in unseren nichtschächtenden Schlachtfabriken halte ich diese Diskussion gelinde gesagt für pharisäerhaft.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

Redfox

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von Redfox » 05.03.12, 09:39

Ronny1958 hat geschrieben:Angesichts der unmenschlichen Zustände in unseren nichtschächtenden Schlachtfabriken halte ich diese Diskussion gelinde gesagt für pharisäerhaft.
Welche Bedeutung hat überhaupt die Diskussion irgendeiner Rechtsfrage im Angesicht der Tatsache, das Jesus Christus für uns alle am Kreuz gestorben ist?

Waschbärin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1577
Registriert: 28.02.05, 14:37

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von Waschbärin » 05.03.12, 10:06

@daemon: Wenn Du jetzt eine Debatte auslöst darüber, ob Christen der Zutritt zu türkischen Geschäften und Restaurants/Dönerbuden aufgrund des TSchG untersagt werden sollte, dann landen wir ziemlich schnell in einer Debatte über Diskriminierung und Integration... :ostern:

Nochmal: Es geht um's Schlachten, nicht um's Verkaufen! Ist der Abnehmer ein Moslem, dann darf der Metzger mit entsprechender Genehmigung ohne vorherigen Bolzenschuß oder Stromschlag das Tier ausbluten lassen. Auch wenn dieser Moslem anschließend seine christlichen Nachbarn zum Mittagessen einlädt.

Im übrigen ist es mir als Tierliebhaber und Trotzdemfleischesser lieber, ein kundiger Metzger führt mit einem dafür geeigneten (= sauscharfen) Messer den betreffenden Schnitt ohne Betäubung durch als daß Hühner bei vollem Bewustsein an den Füßen in eine Schiene geklemmt werden, wo sie dann kopfüber erst durch ein Stromwasserbad laufen und anschließend durch ein automatisches Messer. Denn leider sind Hühner dämlich und ziehen nicht selten ihren Kopf aus dem Wasser, so daß sie dann flatternd und bei vollem Bewustsein ins automatische Messer laufen. Hingegen kann das verächtete Schächten sehr schnell, ruhig und für das Tier ohne Panik ablaufen. Wer beides schon gesehen hat wird bei der Wahl zwischen Döner und Chicken Mc Dingsbums keine moralischen Gewissensbisse haben, wenn er die frittierten Antibiotikateilchen links liegen läßt.

Redfox

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von Redfox » 05.03.12, 10:16

Waschbärin hat geschrieben:@daemon: Wenn Du jetzt eine Debatte auslöst darüber, ob Christen der Zutritt zu türkischen Geschäften und Restaurants/Dönerbuden aufgrund des TSchG untersagt werden sollte, dann landen wir ziemlich schnell in einer Debatte über Diskriminierung und Integration... :ostern:
Deren - so es denn überhaupt eine ist - Ursache dann aber wohl in der Rechtsprechung des BVerfG und der Regelung des TierSchG durch den Gesetzgeber zu suchen ist.

Offensichtlich mag der Gesetzgeber - aus welchem Grund auch immer - das Schächten nicht allgemein zulassen, sondern nur unter bestimmten Bedinungen. Und an diese Bedingungen muss sich der Bürger m.E. schon halten, sonst können wir Gesetze allgemein zu unverbindlichen Ratschlägen erklären.

daemon
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 103
Registriert: 27.12.05, 19:04
Wohnort: Berlin

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von daemon » 05.03.12, 10:32

Ronny1958 hat geschrieben:Angesichts der unmenschlichen Zustände in unseren nichtschächtenden Schlachtfabriken halte ich diese Diskussion gelinde gesagt für pharisäerhaft.
Auch in diesem Fall stellt sich natürlich die Frage nach der Rechtslage, bzw. deren Umsetzung/ Konrolle. Die von Dir beklagten unmenschlichen Zustände entsprechen imho nicht dem Tierschutzgesetz. Das Hauptprobem hier ist die wirtschaftliche Abhängigkeit der Kontrolleure (Tierärzte) von den zu kontollierenden Betrieben.
Die Vorhaltung des Pharisäertums trifft mich insofern nicht, als ich für meinen Teil seit Jahren vollständig vom Kauf von Fleischprodukten absehe. Aber das sollte hier nicht Thema sein.
Mich stört, daß eine religiös begründete Ausnahmegenehmigung zu einer flächendeckenden Verbreitung eines eigentlich verbotenen Verfahrens führt, das mit der Begründung der Ausnahmegenehmigung nichts mehr zu tun hat.

Nur weil die Christenmenschen sonntagmorgens ihre Glocken läuten dürfen, darf mein Nachbar nicht am selben Tag vor dem Haus die Einstellungen seines Vergasers optimieren.
Waschbärin hat geschrieben:@daemon: Wenn Du jetzt eine Debatte auslöst darüber, ob Christen der Zutritt zu türkischen Geschäften und Restaurants/Dönerbuden aufgrund des TSchG untersagt werden sollte, dann landen wir ziemlich schnell in einer Debatte über Diskriminierung und Integration...
Liegt mir fern. Wie das Problem zu lösen ist, weiß ich auch nicht. In anderen Zusammenhängen schaffen wir es aber auch, speziellen Kundenkreisen exklusiven Zugriff auf für die Allgemeinheit verbotene Waren zu verschaffen, bspw. verschiedene Medikamente nur auf Rezept, Tabakwaren, Alkohol, Spiele, Filme erst ab einer Altersgrenze. Werden Deiner Meinung nach in diesen fällen die anderen Kunden ebenfalls diskriminiert/ desintegriert?

Edit:
Waschbärin hat geschrieben: Im übrigen ist es mir als Tierliebhaber und Trotzdemfleischesser lieber, ein kundiger Metzger führt mit einem dafür geeigneten (= sauscharfen) Messer den betreffenden Schnitt ohne Betäubung durch als daß Hühner ... bei vollem Bewustsein ins automatische Messer laufen. Hingegen kann das verächtete Schächten sehr schnell, ruhig und für das Tier ohne Panik ablaufen. Wer beides schon gesehen hat wird bei der Wahl zwischen Döner und Chicken Mc Dingsbums keine moralischen Gewissensbisse haben, wenn er die frittierten Antibiotikateilchen links liegen läßt.
Noch zu zeigen wäre: Tertium non datur.
Und dagegen führe ich an: Neuland. Die in diesem Verband zusammengeschlosenen Metzgereien achten auf Tierschutz ohne zu schächten!

Wenn Du also ohne rechtfertigenden 'religiösen Notstand' Fleisch von geschächteten Tieren kaufst, halte ich die Selbstbeweihräucherung als Tierliebhaberin für wenig überzeugend.

karli
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 7221
Registriert: 19.05.06, 10:10

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von karli » 05.03.12, 11:05

daemon hat geschrieben:Dort kaufen schließlich auch Nichtmoslems ein, die des türkischen nicht mächtig sind und die praktizierten Schlachtverfahren nicht unbedingt gutheißen, bei einer Kennzeichnung also vielleicht vom Kauf absehen würden.
Wurde dir dort schon einmal geschächtetes Fleisch verkauft?

Meiner Ansicht nach dürfte der Händler geschächtetes Fleisch nur an Moslems verkaufen.
Davon ist meines Wissens auch die Erteilung und aufrechterhaltung einer Schächterlaubnis abhängig.
Beispielhaft habe ich im Netz die Regelung gefunden, die offenbar in Baden-Württemberg praktiziert wird.
Dir Regelung für Baden-Württemberg hat geschrieben:Sicherstellung der Absatzwege
Das durch Schächten gewonnene Fleisch darf nur an Angehörige der in der Genehmigung
genannten Religionsgemeinschaft abgegeben werden. Im Antrag sind ggf. Angaben des
Antragstellers über Vertriebswege erforderlich, über die geschächtetes Fleisch vermarktet
werden soll.

Bei Verstößen ist die Ausnahmegenehmigung unbeschadet einer Prüfung im
Einzelfall zu widerrufen.

Erfolgt eine Abgabe z.B. an Verarbeitungsbetriebe und Großküchen (z.B. Kantinen von
Moscheen), hat der Genehmigungsinhaber die ordnungsgemäße Verwendung des gewonnenen
Fleisches sicherzustellen. Dies kann insbesondere durch vertragliche Vereinbarungen
mit den Verarbeitungsbetrieben und Großküchen geschehen. Gegebenenfalls ist mit
dem Genehmigungsinhaber eine besondere Kennzeichnung des Fleisches geschächteter
Tiere zu vereinbaren (schriftliche Hinweise, Etikettierung etc.). Es wird darauf hingewiesen,
dass eine solche Kennzeichnung bei Rindfleisch nur im Rahmen eines genehmigten Etikettierungssystems
möglich ist. Entsprechende Anträge auf Erteilung einer Genehmigung sind
an die Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft zu richten.
Der Genehmigungsinhaber hat auf Verlangen gegenüber der zuständigen Behörde den
Verbleib des Fleisches durch entsprechende Belege nachzuweisen.
Allerdings könnte es durchaus sein, daß das in anderen Bundesländern anders gehandhabt wird oder, daß eine aktuelle Rechtssprechung das anders beurteilt.
daemon hat geschrieben:Wie das Problem zu lösen ist, weiß ich auch nicht.
Ich würde einfach mal bei der Behörde nachfragen, die für Tierschutz und/oder Lebensmittelüberwachung zuständig ist.
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
Achtung: Meine Beiträge können Meinungsäusserungen, Denkanstösse, sowie Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.

Waschbärin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1577
Registriert: 28.02.05, 14:37

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von Waschbärin » 05.03.12, 11:14

daemon hat geschrieben: Mich stört, daß eine religiös begründete Ausnahmegenehmigung zu einer flächendeckenden Verbreitung eines eigentlich verbotenen Verfahrens führt, das mit der Begründung der Ausnahmegenehmigung nichts mehr zu tun hat.
Diese Ausage halte ich für maßlos übertrieben. Wann immer ich in türkischen Geschäften/Supermärkten einkaufe, sehe ich dort in erster Linie Kunden aus eben diesen Kulturkreisen. Und der Rest beschränkt sich bei seinem Einkauf eher auf das meist sehr gute Obst- und Gemüseangebot sowie Fladenbrot, Schafkäse, Gewürze und Olivenöl. Christlichen Massenandrang vor der Fleischtheke habe ich dort noch nie erlebt, ganz im Gegenteil! Ich vermute daß die "rustikale" Einrichtung der durchschnittlichen türkischen Fleischtheke das Auge des edelstahl- und SB-verwöhnten Kunden eher abschreckt, auch der Umstand sich mit einer meist nicht sehr gut deutsch sprechenden Verkäuferin direkt auseinander setzen zu müssen. Ich denke wirklich nicht daß es sich hier um ein Massenproblem handelt.

"Mein" Metzger schlachtet auch für moslemsiche Kunden. Die geschlachteten Tiere werden im Ganzen von moslemischen Großfamilien, Geschäftsinhabern und Gastwirten erworben. Da ist alles vorbestellt und wird nur an genau diesen Kundenkreis abgegeben (was auch entsprechend protokolliert wird).

Zudem: Wenn ich meine Arbeitskollegen zum Grillfest einlade, dann besorge ich selbstverständlich für die Moslems unter ihnen entsprechendes Grillgut, so wie ich für die Vegetarier ja auch Tofu oder Gemüse anbiete. Und wenn ich mit einem moslemischen Lebensgefährten zusammen leben würde, dann würde ich für den natürlich mit einkaufen. Soll man sich für solche Fälle vor jedem Einkauf eine Ausnahmegenehmigung bei der entsprechenden Behörde ausstellen lassen???

daemon
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 103
Registriert: 27.12.05, 19:04
Wohnort: Berlin

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von daemon » 05.03.12, 12:08

karli hat geschrieben:Wurde dir dort schon einmal geschächtetes Fleisch verkauft?
Hab's mangels Bedarfs nicht versucht. Werde aber das nächste mal, wenn ich in Kreuzberg bin nachfragen, wie die Verkaufspraxis funktioniert.
karli hat geschrieben:Meiner Ansicht nach dürfte der Händler geschächtetes Fleisch nur an Moslems verkaufen.
Davon ist meines Wissens auch die Erteilung und aufrechterhaltung einer Schächterlaubnis abhängig.
Genau das würde auch meinen Erwartungen an ein rechtskonformes Verfahren entsprechen
karli hat geschrieben:Ich würde einfach mal bei der Behörde nachfragen, die für Tierschutz und/oder Lebensmittelüberwachung zuständig ist.
Gute Idee. Danke.
Waschbärin hat geschrieben:Christlichen Massenandrang vor der Fleischtheke habe ich dort noch nie erlebt, ...
Es gibt auch türkische Atheisten, Christen, ... denen man ihre religöse Überzeugung nicht an der Nasenspitze ansieht. Und schon gar nicht ist jeder abendländisch aussehende Zeitgenosse ein Christ!
Waschbärin hat geschrieben:"Mein" Metzger schlachtet auch für moslemsiche Kunden. Die geschlachteten Tiere werden im Ganzen von moslemischen Großfamilien, Geschäftsinhabern und Gastwirten erworben. Da ist alles vorbestellt und wird nur an genau diesen Kundenkreis abgegeben (was auch entsprechend protokolliert wird).
Und für die ungläubige Kundschaft schlachtet er mit Betäubung? Bist Du sicher?
Waschbärin hat geschrieben:Zudem: Wenn ich meine Arbeitskollegen zum Grillfest einlade, dann besorge ich selbstverständlich für die Moslems unter ihnen entsprechendes Grillgut, so wie ich für die Vegetarier ja auch Tofu oder Gemüse anbiete.
Die Herstellung von Tofu unterliegt nicht dem Tierschutzgesetz!
Waschbärin hat geschrieben:Soll man sich für solche Fälle vor jedem Einkauf eine Ausnahmegenehmigung bei der entsprechenden Behörde ausstellen lassen???
Die Ware unterliegt einer Handelsbeschränkung. Du fragst ja auch nicht:
Soll man sich für den Bezug verschreibungspflichtiger Medikamente jedesmal vom zuständigen Medizinmann ein Rezept ausstellen lassen?
Und genau diese Gleichgültigkeit im Umgang mit dem Tierschutz halte ich für verwerflich, liebe 'Tierliebhaberin'!

Waschbärin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1577
Registriert: 28.02.05, 14:37

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von Waschbärin » 05.03.12, 13:25

daemon hat geschrieben:
Waschbärin hat geschrieben:"Mein" Metzger schlachtet auch für moslemsiche Kunden. Die geschlachteten Tiere werden im Ganzen von moslemischen Großfamilien, Geschäftsinhabern und Gastwirten erworben. Da ist alles vorbestellt und wird nur an genau diesen Kundenkreis abgegeben (was auch entsprechend protokolliert wird).
Und für die ungläubige Kundschaft schlachtet er mit Betäubung? Bist Du sicher?
Ja, bin ich! Weil ich oft genug dabei anwesend war. Normalerweise wird dort mittels Bolzenschuß betäubt, egal ob Rind, Schaf oder Schwein. Schafe für muslemische Kunden werden mittels Strom betäubt.
daemon hat geschrieben:
Waschbärin hat geschrieben:Zudem: Wenn ich meine Arbeitskollegen zum Grillfest einlade, dann besorge ich selbstverständlich für die Moslems unter ihnen entsprechendes Grillgut, so wie ich für die Vegetarier ja auch Tofu oder Gemüse anbiete.
Die Herstellung von Tofu unterliegt nicht dem Tierschutzgesetz!
Und was sollte jetzt diese Bemerkung? Wenn ich Menschen zum Essen einlade, die aus welchem Grund auch immer nur dieses oder jenes essen (dürfen), dann bedeutet daß das ich dieses oder jenes auch für sie besorge! D.h. dem Vegetarier sein Tofuwürstchen wie dem gläubigen Moslem oder Juden sein Rindswürstchen oder Lammkottelet vom entsprechenden Metzger.
daemon hat geschrieben:Soll man sich für den Bezug verschreibungspflichtiger Medikamente jedesmal vom zuständigen Medizinmann ein Rezept ausstellen lassen?
Na das nenne ich mal einen realistischen Vergleich! :lachen:
daemon hat geschrieben:Und genau diese Gleichgültigkeit im Umgang mit dem Tierschutz halte ich für verwerflich, liebe 'Tierliebhaberin'!
Im Gegensatz zu Dir halte ich dieses Problem nicht für flächendeckend, sondern für ein sehr untergeordnetes Problem. Und im Sinne des Tierschutzes wäre es mir lieber, es würden mehr Menschen "beim Türken" Lammfleisch aus koscherer Schlachtung (und naturbedingt meist aus Weidehaltung) kaufen (bei der die Tiere übrigens mittels Elektroschock betäubt werden dürfen!), als daß sie Chicken Mc Dingsbums verzehren aus antibiotikaverseuchter Massentierhaltung (wo die Tiere durch Maschinen getötet werden und das nicht immer 100%ig funktioniert).

Im übrigen sollte man immer beachten in wie weit die Umsetzung von Gesetzen in der Praxis funktionieren kann. Man kann Nichtmoslems und Nichtjunden nicht vollständig vom Kauf koscheren Fleisches ausschließen. Denn man kauft ja immer auch für Familienangehörige, Freunde etc. mit ein.

karli
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 7221
Registriert: 19.05.06, 10:10

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von karli » 05.03.12, 14:10

Waschbärin hat geschrieben:Im Gegensatz zu Dir halte ich dieses Problem nicht für flächendeckend, sondern für ein sehr untergeordnetes Problem.
Seh ich auch so.
Höchstwahrscheinlich handelt es sich um Mengen, die nicht der Rede wert sind.
Waschbärin hat geschrieben:Im übrigen sollte man immer beachten in wie weit die Umsetzung von Gesetzen in der Praxis funktionieren kann.
So wie bei allen Vorschriften, die einer Kontrolle bedürfen wird es auch hier immer wieder mal zu einer Nichtbeachtung der Vorschriften kommen, ob vorsätzlich oder aus unwissenheit.

Wir verbieten auch nicht das Autofahren, weil manche Zeitgenossen verkehrswidrig auf dem Gehweg parken.

Wenn man sowas verhindern möchte, muß man halt besser Kontrollieren und den dafür erforderlichen Aufwand bezahlen. Im Rahmen der Verhältnismässigkeit, hat daran wahrscheinlich niemand Interesse.
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
Achtung: Meine Beiträge können Meinungsäusserungen, Denkanstösse, sowie Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.

Karsten
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 13341
Registriert: 12.11.04, 19:58
Wohnort: München
Kontaktdaten:

Re: Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere an Ungläubige

Beitrag von Karsten » 05.03.12, 14:19

Waschbärin hat geschrieben:Im übrigen sollte man immer beachten in wie weit die Umsetzung von Gesetzen in der Praxis funktionieren kann. Man kann Nichtmoslems und Nichtjunden nicht vollständig vom Kauf koscheren Fleisches ausschließen. Denn man kauft ja immer auch für Familienangehörige, Freunde etc. mit ein.
Du redest mit vielen Worten an der Sache vorbei.
Es ist nun mal ein Fakt, dass unser Gesetzgeber das Schächten nicht für eine tierschutzgerechte Art des Schlachtens hält. Punkt.
Deshalb ist das auch nur mit Sondergenehmigung erlaubt und das Fleisch hat nur an bestimmte Leute abgegeben zu werden. Nochmal Punkt.

Wenn es wirklich so ist, dass selbst eine Abgabekontrolle nicht sicherstellt, dass nur diese Personen dieses Fleisch essen, dann kann das nur bedeuten, dass eben nicht nur die Abgabe, sondern auch der Verzehr zu kontrollieren ist. Es wären also entsprechende Kantinen einzurichten, die sicherstellen, dass nur Gäste mit einem 'Rezept' (wohl dann vom Mullah oder Rabbi) dort Einlass finden. Sooo abwegig ist das nicht.
[size=75]Es heißt Frist, nicht Frits, auch nicht First, sondern Frist, Frist, Frist, Frist, Frsit... Ich lern's nicht mehr.[/size]

Antworten