Hundesitter, Haftung bei Beisserei zwischen betreuten Hunden

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moldipoldi
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Hundesitter, Haftung bei Beisserei zwischen betreuten Hunden

Beitrag von moldipoldi » 24.12.13, 14:34

Ich bin Hundesitter und hüte werktags auf meinem Hundeplatz bis zu 10 Hunde.
Mit meinen Kunden den Hundehaltern schließe ich einen Hundebetreuungsvertrag, dieser wird von meinen Kunden zur Kenntnis genommen und unterschrieben und an mich gegeben. Die Vertragsvereinbarungen bzw. meine AGB besagen zu dem Punkt Haftung:

„Haftung

1. Der Hundehalter/ Eigentümer versichert, dass für sein(e) zu betreuender/betreuenden Hund(e) eine Hundehaftpflichtversicherung besteht. Während des Betreuungszeitraums haftet der Hundehalter/Eigentümer weiterhin als Tierhalter gemäß § 833 BGB (Haftung des Tierhalters) verschuldensunabhängig für Schäden, die der/die von ihm in Betreuung gegebene(n) Hund(e) an Personen, Sachen und Vermögen Dritter oder der Hundebetreuung verursacht. Der Hundehalter/Eigentümer stellt bereits jetzt den Hundesitter von sämtlichen Ansprüchen Dritter aus § 834 BGB (Haftung des Tieraufsehers) frei. Der Hundesitter und deren Mitarbeiter übernehmen keinerlei Haftung für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden, die durch den/die jeweiligen zu betreuenden Hund(e) verursacht werden.

2. Für Schäden, die der/die betreute/betreuten Hund(e) in der Betreuungszeit erleiden kann/können, ist die Haftung von dem Hundesitter auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt. Die Haftung für ein etwaiges Entlaufen sowie ein zu Schaden kommen des/der von dem Hundesitter betreuten Hundes(e) ist ausgeschlossen.

3. Der Hundehalter/Eigentümer wird unmissverständlich darauf hingewiesen,
dass sein Hund sich in einer Gruppenbetreuung mit mehreren anderen Hunden befindet. Bei einer Gruppenbetreuung mit mehreren Hunden ist es artbedingt möglich, dass diese, sei es durch Beißereien, Verletzungen davontragen können. Um dieses Risiko zu minimieren, garantiert der Hundehalter/Eigentümer hiermit, dass sein(e) zu betreuender/betreuenden Hund(e) absolut sozialverträglich mit Artgenossen/Menschen und weder aggressiv noch bissig ist/sind. Sollte der Hund diesbezüglich auffällig werden, wird der Hundesitter ihn von der Betreuung ausschließen. Gegebenenfalls von Gesetzes wegen einzuholende Begleitpapiere (z.B. Negativgutachten) sind vorzulegen.“

Nun sind in meiner Betreuung Hund-A und Hund-B aneinander geraten und es gab eine Kabbelei die einige Sekunden dauerte. Ich habe die Hunde, Hund-A und Hund-B dann unverzüglich getrennt. Hund-B hat Hund-A bei der Kabbelei ein kleines Stück von der Ohrspitze abgebissen. Es gab keine anderen Verletzungen an den Hunden. Ich habe Hund-A unverzüglich medizinisch versorgt. Ich habe die Wunde gereinigt, desinfiziert und verbunden. Es bestand keine Beeinträchtigung, noch eine Gefahr für das Leben des Hund-A. Hund-A war anschließend agil und wohlauf. Die durch den Unfall hervorgerufene Verletzung wäre in der Regel nach einigen Tagen ohne Komplikationen verheilt. Das ca. 1 cm große Stück Ohrspitze des Hund-A habe ich in eine kleine sterile Tüte getan und kalt gelegt.

Einige Stunden später holte die Hundehalterin-A ihren Hund-A ab. Ich informierte sie über die Kabbelei und übergab ihr Hund-A und das Stück von der Ohrspitze. Hundehalterin-A war empört und sehr verärgert. Sie fuhr mit Hund-A zur Tierklinik.
Dort wurde Hund-A einer stundenlangen tierärztlichen Operation unterzogen, um das Stück Ohrspitze wieder an das Ohr des Hund-A anzunähen. Das war aber nicht mehr möglich.

Meines Erachtens war die tierärztliche Operation fragwürdig und völlig unverhältnismäßig, da es dem Hund-A nach der Kabbelei gut ging und die tierärztliche Operation in keinem Zusammenhang mit dem Wohlergehen des Hund-A stand noch Notwendig war. Die OP sollte letztendlich nur dem Zweck dienen, ein kleines Stück Ohrspitze wieder an Hund-A anzunähen.

Die Hundehalterin-A hat einen Tag später dann mit Hundehalterin-B der Besitzerin von Hund-B die Hundehaftpflichtversicherungsdaten ausgetauscht.

Die Hundehaftpflichtversicherung von der Hundehalterin-B hat die Hälfte der Tierarztkosten übernommen, und 200,- € an Hundehalterin-A gezahlt.

Nun verlangt Hundehalterin-A die andere Hälfte, also 200,- € der Tierarztkosten von mir.

Muss ich der Hundehalterin-A die restlichen Tierarztkosten bezahlen, weil sich ihr Hund-A bei mir in der Betreuung befand während der Kabbelei zwischen Hund-A und Hund-B oder ist ihre Forderung unzulässig? Ich besitze eine Hundesitterhaftpflichtversicherung, soll ich den
Vorfall dort melden und die Hundehalterin-A darauf verweisen?

Wie ist die Rechtslage?

webelch
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Re: Hundesitter, Haftung bei Beisserei zwischen betreuten Hu

Beitrag von webelch » 24.12.13, 17:01

moldipoldi hat geschrieben:...ist ihre Forderung unzulässig? Ich besitze eine Hundesitterhaftpflichtversicherung, soll ich den
Vorfall dort melden und die Hundehalterin-A darauf verweisen?
genau zur klärung solcher fragen, der möglichen abwehr unberechtigter forderungen und dem ausgleich berechtigter forderungen hat man eine (haftpflicht)versicherung.

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Re: Hundesitter, Haftung bei Beisserei zwischen betreuten Hu

Beitrag von Townspector » 24.12.13, 17:47

moldipoldi hat geschrieben:Ich bin Hundesitter und hüte werktags auf meinem Hundeplatz bis zu 10 Hunde.
Mit meinen Kunden den Hundehaltern schließe ich einen Hundebetreuungsvertrag, dieser wird von meinen Kunden zur Kenntnis genommen und unterschrieben und an mich gegeben. Die Vertragsvereinbarungen bzw. meine AGB besagen zu dem Punkt [...]


Wie ist die Rechtslage?

Die Rechtslage ist so, dass Sie für Ihren konkreten Fall hier keine Rechtsberatung erhalten dürfen.

Also entweder den Fall anonymisieren oder doch mal den Rechtsanwalt Ihres Vertrauens aufsuchen.
Gedenksignatur - Gewidmet dem unbekannten Anwalt
In dankbarer Erinnerung an all jene namenlosen, stets laut angekündigten Rechtsvertreter,
die jedoch heldenhaft nie in meinem Dienstzimmer erschienen sind oder tapfer nichts von sich hören ließen.

Waschbärin
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Re: Hundesitter, Haftung bei Beisserei zwischen betreuten Hu

Beitrag von Waschbärin » 25.12.13, 11:47

1) Wer ein derartiges Gewerbe betreibt, ist gut beraten eine entsprechende Haftpflichtversicherung abzuschliessen, die sich um evtl. diesbzeügliche Ansprüche kümmert.

2) Wer seinen Hund in eine solche Betreuungseinrichtung gibt, der hat meiner Meinung nach 'nen Schatten...

3) Wer eine solche betreibt ebenfalls...

Selbst in einem gewachsenen Rudel, das ununterbrochen zusammen lebt, kann es zu Verletzungen kommen. Hunde klären Meinungsverschiedenheiten nun mal auch mit ihren Zähnen. Bei mir leben drei Generationen unter einem Dach, von Geburt an. Die Grossmütter betreuen ihre Enkel mit, nicht selten liegen Mutter und Grossmutter zusammen in der Wurfkiste. Trotzdem passieren hin und wieder Vorfälle dieser Art. Ein Drohschnappen während der andere Hund den Kopf in die falsche Richtung bewegt, und ein Stück vom Ohr kann fehlen. Hier hat ein schlecht berechnetes ins Fell schnappen (bei dem der Hund normalerweise nur ein paar Fusseln im Maul hat) zu einer Risswunde geführt, die seit gut 4 Wochen behandelt werden muss und der Hund entsprechend eingeschränkt ist (Halskragen etc.).

Werden jetzt jeden Tag fremde Hunde immer wieder auf's neue zusammen gestückelt, müssen die das jeden Tag immer wieder neu unter sich ausmachen wer wo steht. Und ab und zu hat auch ein Hund mal einen schlechten Tag, so dass es unter solchen Bedingungen selbst zwischen extrem verträglichen Hunden früher oder später unweigerlich zu derartigen Auseinandersetzungen kommen wird. Von daher dürfte eine Versicherung, die derartige Schäden mit abdeckt, entsprechend teuer sein. Geht der Betreiber der Hundepesion ein solches Risiko ja bewußt ein.

Es wundert mich übrigens dass die Versicherung des Hundehalters 50% des Schadens übernommen hat. Normalerweise sind über die Hundehalterhaftpflichtversicherung Schäden an dritten Personen nur dann mitversichert, wenn der Hund durch einen privaten Tierhüter betreut wird. Schäden in Bezug auf gewerbliche Tierhüter sind i.d.R. nur insofern mitversichert, dass sie Schäden betreffen die der Tierhüter erleidet. Z.B. wenn der Hund die gewerbliche Betreuungsperson beisst.

Im übrigen gilt bei Beissereien zwischen freilaufenden Hunden für die Versicherungen meist das 50:50-Prinzip, denn im nachhinein kann es i.d.R. nicht geklärt werden welcher Hund mit seinem Verhalten der Auslöser war für die Beisserei. Schicke ich meinen Hund unabgeleint in eine Hundebegegnung, dann muss ich damit rechen dass es aufgrund artüblichen Verhaltens zu Beissereien oder Unfällen (durch wildes Toben/Rennen) kommen kann. Möchte ich ein finanzielles Restrisiko ausschliessen, dann schliesse ich als Hundehalter eine Hundeunfallversicherung ab, die es schon für 10 bis 12 Euro pro Monat gibt.

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Re: Hundesitter, Haftung bei Beisserei zwischen betreuten Hu

Beitrag von moldipoldi » 25.12.13, 12:16

Ihre persönlichen Bekundungen, dass jemand Ihrer Meinung nach einen Schatten hat,
hat in diesem Forum nichts zu suchen.

Es geht hauptsächlich um die Frage, ob der Hundesitter eine tierärztliche Operation zahlen muss
die weder notwendig noch verhältnismäßig war.

Der Hund wurde vom Hundesitter nach der Kabbelei fachgerecht medizinisch versorgt.
Muss der Hundesitter nun eine nachträgliche tierärztliche Operation des Hundehalters zahlen,
die dazu dienen sollte, dem Hund ein Stück Ohrspitze wieder anzunähen?

Wie ist die Rechtslage?

webelch
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Re: Hundesitter, Haftung bei Beisserei zwischen betreuten Hu

Beitrag von webelch » 25.12.13, 12:19

Waschbärin hat geschrieben:1) Wer ein derartiges Gewerbe betreibt, ist gut beraten eine entsprechende Haftpflichtversicherung abzuschliessen, die sich um evtl. diesbzeügliche Ansprüche kümmert.
gibt es ja, wie die TE selbst schreibt
...ist ihre Forderung unzulässig? Ich besitze eine Hundesitterhaftpflichtversicherung, soll ich den Vorfall dort melden und die Hundehalterin-A darauf verweisen?

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Re: Hundesitter, Haftung bei Beisserei zwischen betreuten Hu

Beitrag von webelch » 25.12.13, 12:29

moldipoldi hat geschrieben:Ihre persönlichen Bekundungen, dass jemand Ihrer Meinung nach einen Schatten hat,
hat in diesem Forum nichts zu suchen.

Es geht hauptsächlich um die Frage, ob der Hundesitter eine tierärztliche Operation zahlen muss
die weder notwendig noch verhältnismäßig war.

Der Hund wurde vom Hundesitter nach der Kabbelei fachgerecht medizinisch versorgt.
Muss der Hundesitter nun eine nachträgliche tierärztliche Operation des Hundehalters zahlen,
die dazu dienen sollte, dem Hund ein Stück Ohrspitze wieder anzunähen?

Wie ist die Rechtslage?
dazu schrieb ich ja etwas. und die waschbärin indirekt auch. die haftpflicht ist für solche fälle da.

und als tip: nicht ganz so knurren.

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Re: Hundesitter, Haftung bei Beisserei zwischen betreuten Hu

Beitrag von Waschbärin » 25.12.13, 19:59

Sorry wenn ich mich so direkt ausdrücke. Ich persönlich würde niemals das Risiko eingehen täglich mehrere fremde Hunde im Freilauf zusammen zu führen. Und ich würde auch nie einen meiner Hunde in eine solche Situation schicken. Derartige Zwischenfälle sind dabei doch vorprogrammiert. In den AGB steht angeblich: "Für Schäden, die der/die betreute/betreuten Hund(e) in der Betreuungszeit erleiden kann/können, ist die Haftung von dem Hundesitter auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt." Und alleine schon die Herbeiführung der Situation (= täglich fremde Hunde im Freilauf zusammen zu bringen) fällt für mich unter den Begriff "grobe Fahrlässigkeit".

Waschbärin
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Re: Hundesitter, Haftung bei Beisserei zwischen betreuten Hu

Beitrag von Waschbärin » 25.12.13, 20:03

webelch hat geschrieben:
Waschbärin hat geschrieben:1) Wer ein derartiges Gewerbe betreibt, ist gut beraten eine entsprechende Haftpflichtver
gibt es ja, wie die TE selbst schreibt
Dann verstehe ich nicht warum der Vorfall nicht längst der Versicherung gemeldet wurde. Deren Rechtabteilung wird unberechtigte Ansprüche abwehren. Bzw. der Schaden wird bezahlt wenn die Ansprüche berechtigt sind. Und sich der Tierhüter an die Versicherungsklauseln gehalten hat.

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