Giftpflanzen im Pferdeauslauf - hohe Kosten nach Vergiftung

Recht rund ums Tier

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HeldinAufDerErbse
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Giftpflanzen im Pferdeauslauf - hohe Kosten nach Vergiftung

Beitrag von HeldinAufDerErbse » 04.03.14, 02:40

Hallo,

ich hoffe, hier kann mir jemand weiterhelfen.
Eine Pferdebesitzerin hat ihr Pferd in die Obhut eines privaten Stalles gegeben.
Es gibt nur zwei eingestallte Pferde, der Rest befindet sich im Eigentum des Stallbesitzers.
Die Pferdebesitzerin bezahlt Vollpension, kümmert sich also nur um die Pflege des Pferdes, nicht um Füttern oder Säubern der Nutzflächen.

Auf dem Gelände befindet sich an einigen Bäumen ein nicht unerhebliches Aufkommen von Efeu, was für Pferde giftig ist. Dies ist den Stallbesitzern bekannt. Die Pferdebesitzerin hat die Koppeln und Auslaufflächen nicht auf Giftpflanzen untersucht und wusste davon nicht.

Nachdem das ansonsten gesunde Pferd eine Kolik bekam, deren Symptome nicht verschwanden, nachdem der behandelnde Tierarzt alle nötigen Maßnahmen ergriff, wurde das Tier in eine Klinik gebracht, wo es eine Woche therapiert wurde.
Der Stallbesitzer gibt an, dass das Pferd das Efeu von einem halben Baum gefressen hätte.
Die Tierärzte sehen es als höchstwahrscheinlich an, dass die Krankheit durch das Fressen von Efeu verursacht wurde. Da es aber eine Krankheit gibt, deren Symptome fast identisch, allerdings schwerwiegender sind und meistens zum Tod des Tieres führen, können die sich darauf nicht festlegen.

Die Stallbesitzer sehen keine Schuld in ihrem Verhalten und haben die Giftpflanzen erst nach mehrfacher Aufforderung entfernt.

Fakt ist:
Es befanden sich für das Pferd giftige Pflanzen wissentlich in Reichweite und das Pferd hat große Mengen davon gefressen.

Bleibt der Pferdebesitzer nun auf seinen Kosten sitzen, weil er seiner Sorgfaltspflicht als Besitzer nicht nachgekommen ist?
Kann der Stallbesitzer in irgendeiner Weise für dieses fahrlässige Verhalten belangt werden?

webelch
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Re: Giftpflanzen im Pferdeauslauf - hohe Kosten nach Vergift

Beitrag von webelch » 04.03.14, 03:13

wenn ich mir http://www.giftpflanzen-fuer-pferde.de/ anschaue, dürfte nicht nur efeu für pferde (und vermutlich auch viele andere tiere) giftig sein. wenn ich hier sogar eiche, eibe, buche und krokus aufgeführt finde, sehe ich den stallbesitzer nicht in der pflicht all diese potentiell giftigen pflanzen von einem pferd ausser reichweite zu halten. dann dürfte es, so vermute ich, weder auf eine grössere weidefläche, noch in die nähe sonstiger natur. zumal sie selber angeben, dass auch eine krankheit analoge symptome hervorruft und der tierarzt sich nicht auf efeugenuss oder diese krankheit als ursache festlegen mag. nach meinem erachten hat sich hier, sollte efeu die ursache gewesen sein, die im tier selbst angelegte "betriebsgefahr" realisiert haben, für die der halter aufkommen muss.

Vitalier
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Re: Giftpflanzen im Pferdeauslauf - hohe Kosten nach Vergift

Beitrag von Vitalier » 04.03.14, 10:42

Das sehe ich anders. Es dürfte eine vertragliche Nebenpflicht des Einstellungsvertrages bestehen, seitens des Stallbesitzers jedenfalls alles zumutbare zu unternehmen, bekannt giftige Pflanzen aus dem Zugangsbereich der Pferde zu entfernen. Dabei kann man ohne Weiteres differenzieren zwischen zufällig auf der Weide wuchernden Krokussen und offensichtlich standorttreuem und möglicherweise gewolltem Efeubewuchs. Das Pferde nun mal nicht die hellsten Geschöpfe auf Gottes Erde sind und auch eine ganze Herde bereits an dem Genuss von Eibe krepiert ist, ist mir persönlich bekannt.
Den Nachweis indes, dass die Erkrankung des Pferdes auf den Konsum des Efeus zurückzuführen ist, werden Sie im Streitfall erbringen müssen.

HeldinAufDerErbse
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Re: Giftpflanzen im Pferdeauslauf - hohe Kosten nach Vergift

Beitrag von HeldinAufDerErbse » 04.03.14, 10:51

Oje - zwei Antworten, zwei gegensätzliche Meinungen.

Das hier habe ich eben noch gefunden:
"Der Stallinhaber ist verpflichtet, das Pferd derart unterzubringen und zu versorgen, dass es gesundheitlich nicht zu Schaden kommt (Element des Verwahrungs- und Obhutsvertrages). Dazu gehört, dass die Box so beschaffen ist, dass sich das Pferd dort nicht verletzen kann. Dies gilt auch für Pferde, die dazu neigen, im Stall zu toben. (OLG Frankfurt, Az 17 U 194/98, Urteil v. 24.11.1999)"

Nun kann man zwar nicht nachweisen, dass das Tier tatsächlich aufgrund des Efeus so schwer erkrankt ist.
Nachweisen kann man aber, dass das Pferd eine große Menge gefressen hat ("Menge" ist in diesem Fall relativ. Bei 3 Blättern kommt es bereits zu leichten Vergiftungserscheinungen, die abgerodete Fläche beträgt geschätzt 0,5m²) und dass es kurze Zeit später starke Symptome zeigte, die beinahe den Tod des Pferdes verursacht hätten. Auf die abgefressene Fläche hat der Stallbesitzer selbst hingewiesen.

Auf Einsicht ist nicht zu hoffen, der Stallbesitzer fühlt sich unschuldig. "ein Pferd frisst nichts Giftiges".

FM
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Re: Giftpflanzen im Pferdeauslauf - hohe Kosten nach Vergift

Beitrag von FM » 04.03.14, 11:50

Da ein Richter nichts von Tiermedizin versteht, würde er im Falle einer Klage wohl nach dem gehen, was ein Tierarzt als Ursache feststellt. Der sagt aber, es ist nicht sicher. Es ist unwahrscheinlich, dass das Gericht die Vermutung der Klägerin höher einschätzt als die Diagnose des Tierarztes.

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