Hundebiss - Tierrecht oder Schuldrecht?

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Odys
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Hundebiss - Tierrecht oder Schuldrecht?

Beitrag von Odys » 13.05.14, 17:19

Bin mir nicht ganz sicher, ob das hier wirklich zum Tierrecht gehört.

A wird beim Spazierengehen von einem Hund gebissen.

Verlauf: Zwei junge Mädchen (B und C) mit jeweils einem Hund an der Leinelaufen ihm in einer Unterführung entgegen. Beide Hunde bellen. Plötzlich rastet der Hund von B Hund komplett aus und fällt A an. Das Mädchen kann den Hund trotz Leine nicht zurückhalten. Ihr Hund beisst A ins Handgelenk.

A (schockiert) denkt jedoch, der Hund habe ihn nur am Ärmel seiner Jacke erwischt. Er sagt B, dass er zwar gebissen wurde, jedoch alles o.k. sei. In der Unterführung ist es dunkel, und er sieht keine Verletzung an seinem Arm. Außerdem will aus einer Lapalie keine große Sache machen.

Als A durch die Unterführung hindurch ist, merkt er plötzlich, dass er am Handgelenk blutet. Jetzt entdeckt er auch den Biss. Er geht mit Impfpass zum Arzt. Dort wird die Wunde desifiziert und verbunden. Er solle am nächsten Tag wieder kommen. Falls sich die Wunde später noch entzünde, müsse man sie dann evtl. komplett herausschneiden. Außerdem wäre es hilfreich mit der Hundehälterin zu sprechn, um sie zu fragen, ob der Hund alle gängigen Impfungen erhalten hat.

A kennt B nicht, jedoch hat er ihre Freundin C schon öfters mit ihrem Hund gesehen. Er nimmt sich vor, sie anzusprechen, wenn er sie das nächste Mal sieht.

Sollte A jetzt schon einen Anwalt aufsuchen, falls die Sache doch noch komplizierter wird?
Bringt das etwas? Oder kann er abwarten, um zu sehen, ob ees medizinische Komplikationen gibt?

Lohnt sich ein Besuch beim Anwalt überhaupt, wenn der Biss keine gravierenden Folgen mit sich bringt? Oder ist das auf jeden Fall Körperverletzung?

Roni
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Re: Hundebiss - Tierrecht oder Schuldrecht?

Beitrag von Roni » 13.05.14, 19:37

zunächst sollte man mal die Hundeführerin ermitteln, dann mal sehen wie sie sich verhält. Gegebenenfalls Anzeige beim Ordnungsamt.

FM
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Re: Hundebiss - Tierrecht oder Schuldrecht?

Beitrag von FM » 13.05.14, 20:12

Im Wesentlichen geht es darum, dass die Krankenkasse des Gebissenen ein Anspruch auf Ersatz der Behandlungskosten durch den Hundehalter hat (der vielleicht seinerseits dafür eine Haftpflichtversicherung hat).

Wenn der Gebissene selbst einen Anwalt beauftragt, kann es sein, dass er diesen selbst bezahlen muss. Naheliegender wäre es deshalb, dies der Krankenkasse zu überlassen.

Weitergehende eigene Ansprüche wie Erwerbsschaden oder Schmerzensgeld sind aus dem Sachverhalt nicht ersichtlich. Vielleicht noch die Kosten für die Fahrt zum Arzt oder der Eigenanteil bei Medikamenten, falls welche nötig waren, also wohl eher etwas im Bereich unter 10 Euro.

Waschbärin
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Re: Hundebiss - Tierrecht oder Schuldrecht?

Beitrag von Waschbärin » 14.05.14, 22:06

Bis jetzt geht das Mädel mit dem Hund ja davon aus dass es zu keiner Verletzung gekommen ist. Dass Person A das erst später festgestellt hat weiss sie ja nicht. Von daher würde ich erst einmal mit ihr bzw. den Eltern Kontakt aufnehmen.

In Bezug auf die Impfungen ist nur wichtig dass der Hund einen Tollwutimpfschutz hat. Wobei Deutschland derzeit den Status "tollwutfrei" trägt und es dadurch relativ unwahrscheinlich ist hier derzeit auf einen tollwutinfizierten Hund zu treffen. Es schadet allerdings auch nichts den Impfschutz zu kontrollieren.

Sollte es zu Komplikationen und somit höheren Behandlungskosten kommen, dann wird die Krankenkasse ein Interesse daran haben dass der Hundehalter seiner Verpflichtung zur Schadensregulierung nachkommt. Dito der Arbeitgeber des Gebissenen, sollte es deswegen zu einer Arbeitsunfähigkeit kommen.

I.d.R. übernimmt die Hundehalterhaftpflichtversicherung diese Kosten. Sofern der Hundehalter eine solche abgeschossen hat. Ansonsten muss er selbst zahlen.

Dann gibt es noch den Aspekt der Gefahrenabwehr. So ganz normal ist es ja nicht dass ein angeleinter Hund einfach so auf einen Passanten los stürzt und diesen in das Handgelenk beisst. Vor allem wenn dann noch eine Person am anderen Ende der Leine hängt, die nicht in der Lage ist so etwas zu verhindern. Wobei man nicht zwangsläufig davon ausgehen muss dass der Hund in Beschädigungsabsicht zugebissen hat. Es kann sich auch um einen jungen verspielten Hund handeln, der sich Fremden gegenüber distanzlos verhält und nur grob spielen wollte. Genau so gut kann es sich aber um einen aggressiven Hund handeln.

In jedem Fall hat sich gezeigt dass das Mädchen nicht in der Lage ist diesen Hund derzeit sicher zu führen. Ein Gespräch mit den Eltern wäre deswegen durchaus angebracht, bei dem zum einen eine evtl. Schadensregulierung besprochen werden, zum anderen der Gebissene aber auch die Situation beurteilen kann. Sind die Hundehalter einsichtig und werden Vorherkehrungen getroffen, dass eine solche Situation nicht mehr passieren kann? Oder sind sie uneinsichtig, evtl. sogar unverschämt oder interessieren sich nicht wirklich für den Vorfall? Davon würde ich es abhängig machen ob ich als Gebissener diesen Vorfall dem Ordnungsamt melden und ggf. auch einen Anwalt einschalten würde (Stichwort Schmerzensgeld).

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