Vermittlung eines Tieres trotz Vermisstenanzeige

Recht rund ums Tier

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LinB.
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Vermittlung eines Tieres trotz Vermisstenanzeige

Beitrag von LinB. » 09.06.14, 11:42

Guten Tag,

ein fiktiver fall:

Eine junge Frau hat ein Hund, den sie aufgrund eines Au-pair Aufenthaltes im Ausland zur Pflege gibt.
Es wird vereinbart, dass sie den Hund nach dem Aufenthalt wieder zu sich holt. Ihn ins Ausland mitzunehmen wäre für den Hund mit viel Stress verbunden, daher wird er in Pflege vor Ort gegeben.

Nach einem Jahr kehrt die junge Frau zurück. Es wird ihr mitgeteilt das der Hund seit mehreren Monaten verschwunden sei. Die Pflegestelle hat keine Vermisstenanzeige gestellt.

Die junge Frau ruft sofort bei Tasso an und meldet den Hund als Vermisst. Dort erfährt sie, dass seine Tattoo Nummer noch nicht registriert worden ist, was sie noch am gleichen Tag nachholt.

Es vergehen mehrere Jahre.
Durch einen Zufall erfährt die junge Frau plötzlich, dass er schon mehrere Jahre zuvor im Tierheim vermittelt wurde. Grund: Der Hund wurde gefunden und im Tierheim abgegeben. Die Tattoo Nummer wurde kontrolliert und kein Besitzer ausfindig gemacht. Die Registrierung bei Tasso e.V. erfolgte nach der Kontrolle. Somit überschnitt sich die Suche mit der Registrierung und der Vermisstenanzeige fast Zeitnah.

Nun die Frage: Da die junge Dame innerhalb der gesetzlichen sechs Monate den vermissten Hund registrieren lies und eine Vermisstenanzeige schalten lies, die Pflegestelle ihren Pflichten dagegen nicht nachgekommen ist stellt sich die Frage ob sie ein Recht darauf hat wenigstens zu erfahren wo der Hund vermittelt wurde. Oder ist sie ihren Pflichten sogar nachgegangen und ist Eigentümerin, sodass Sie ein Recht darauf hat den Hund zu sich zu nehmen?

Letzteres würde sie dem Hund zu liebe nicht tun, jedoch ist der Verlust des Hundes sehr schlimm für sie sodass sie gern wissen würde wo er nun lebt.

Wer kann sagen wie die Rechtslage aussieht, oder ist in diesem Fall womöglich eine Rechtslücke die vor Gericht zu Gunsten der jungen Frau verhandelt werden könnte?

Im Voraus vielen dank für eine Antwort.

Waschbärin
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Re: Vermittlung eines Tieres trotz Vermisstenanzeige

Beitrag von Waschbärin » 09.06.14, 12:58

Es kann doch niemand etwas dafür wenn ein Eigentümer eines Hundes versäumt diesen in eines der gängigen Heimtierregister eintragen zu lassen wie TASSO oder das Deutsche Haustierregister, welche i.d.R. durch die Tierheime abgefragt werden wenn ein Fundtier bei ihnen landet. Durch solche die Registierung erhöht ein Tierhalter die Chance, ein entlaufenes Tier wieder zu finden, sehr stark. Nicht weniger, aber auch nicht mehr! Denn diese Registrierung hat nichts mit der gesetzlichen Frist zu tun, innerhalb derer man ein Eigentumsrecht an einem entlaufenen Tier hat. Sie ist lediglich eine grosse Hilfe, damit ein Fundtier möglichst schnell bzw. überhaupt seinem Eigentümer zugeordnet werden kann.

Sind 6 Monate verstrichen bis ein Tierhalter sein entlaufenes Tier wieder findet, hat er keinen Anspruch mehr auf dieses Tier. Das Tierheim, welches den Hund aufgenommen und vermittelt hat, sowie dessen neuer Halter, haben dieses Tier ja nicht gestohlen. Innerhalb der 6-monatigen Frist hätte der Hundehalter diesen Anspruch, allerdings müsste er für die Unterbringungs- und Terarztkosten etc. aufkommen, die das Tier inzwischen verursacht hat. I.d.R. dürfte sich das mind. auf die üblichen Pensionskosten von 10 bis 15 Euro pro Tag belaufen.

Der jungen Frau in diesem Beispiel könnte man nur empfehlen den nächsten Hund sofort nach dessen Kennzeichnung bzw. seiner Übernahme (sofern dann bereits gekennzeichnet) sofort in den gängigen Haustierregistern anzumelden, damit sie als Halterin des Hundes im Fall der Fälle sofort ermittelt werden kann. Es ist auch nicht verkehrt sich im Falle einer so langen Abwesenheit hin und wieder nach dem Befinden des irgendwo in Pension gegebenen Hundes zu informieren. In diesem Fall hier hätte die Hundehalterin dann sehr viel früher reagieren können.

LinB.
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Re: Vermittlung eines Tieres trotz Vermisstenanzeige

Beitrag von LinB. » 09.06.14, 14:34

Hallo Waschbärin,

so einfach ist dieser Fall jedoch nicht.
(Am Rande: Haben Sie zufällig Paragraphen die Ihre Aussage unterstreichen?)

Die junge Frau hat sich regelmäßig nach den Hund erkundigt. Um genau zu sein, jede Woche per E-Mail oder Telefon. Es wurde ihr absichtlich verschwiegen, in der Hoffnung das Tier bis zu ihrer Rückkehr wieder zu finden. Als sie da war, konnte man ihr dies aus Scham nicht mehr verschweigen.

Nun, es geht nicht um Tasso sondern darum dass sie ihr Tier als vermisst gemeldet hat, wie es das Gesetz so vorsieht und das innerhalb (!) der sechsmonatigen Frist.

Mich würde interessieren ob sie damit, dass sie das Tier rechtzeitig als vermisst gemeldet hat ihren Pflichten nachgekommen ist:

§ 973 Eigentumserwerb des Finders (1) Mit dem Ablauf von sechs Monaten nach der Anzeige des Fundes bei der zuständigen Behörde erwirbt der Finder das Eigentum an der Sache, es sei denn, dass vorher ein Empfangsberechtigter dem Finder bekannt geworden ist oder sein Recht bei der zuständigen Behörde angemeldet hat. Mit dem Erwerb des Eigentums erlöschen die sonstigen Rechte an der Sache. (2) Ist die Sache nicht mehr als zehn Euro wert, so beginnt die sechsmonatige Frist mit dem Fund. Der Finder erwirbt das Eigentum nicht, wenn er den Fund auf Nachfrage verheimlicht. Die Anmeldung eines Rechts bei der zuständigen Behörde steht dem Erwerb des Eigentums nicht entgegen.

Waschbärin
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Re: Vermittlung eines Tieres trotz Vermisstenanzeige

Beitrag von Waschbärin » 09.06.14, 19:24

LinB. hat geschrieben: Nun die Frage: Da die junge Dame innerhalb der gesetzlichen sechs Monate den vermissten Hund registrieren lies und eine Vermisstenanzeige schalten lies.....
Eine TASSO-Registrierung hat keinerlei behördlichen Hintergrund. TASSO ist keine Behörde! Der Hund war zu dem Zeitpunkt, an dem er aufgefunden wurden, nicht in einem der gängigen Heimtierzentralregister registriert, und somit konte die zuständige Stadt bzw. Gemeinde = Fundbehörde (bzw. das durch sie beauftragte Tierheim) dessen Eigentümer damals nicht ausfindig machen. (Das hätte sie übrigens z.B. auch durch eine gültige Hundesteuermarke machen können.) Und die zuständige Fundbehörde ist immer die Stadt bzw. Gemeinde, in der ein Tier gefunden wurde. War der Verlust des Hundes denn in der Fundgemeinde angezeigt worden?

Normalerweise beginnt die 6-Monats-Frist zu dem Zeitpunkt, in dem ein Fundtier in Obhut der Stadt/Gemeinde genommen wird (i.d.R. übergibt diese das Tier an das für diesen Bezirk zuständige Tierheim). D.h. 6 Monate nach diesem Zeitpunkt geht das Eigentumsrecht auf den Finder übrig. Ausser der bisherige Eigentümer meldet sich bis zu diesem Zeitpunkt bei der zuständigen (und nicht irgend einer) Fundbehörde.

Für mich sieht diese Geschichte mehr nach einer zivilrechtlichen Sache zwischen der ehemaligen Eigentümerin des Hundes und der von ihr beauftragten Betreuungsperson aus. Es ist ja nicht nur die zur Betreuung übergebene Sache verloren gegangen, sondern die Hundeeigentümerin wurde bewusst getäuscht.

Was nun Jahre später ein Anzeige gegen die zuständige Fundbehörde (= Stadt/Gemeine) bringen soll verstehe ich nicht so ganz. Entweder man klagt ein vermeindliches Eigentumsrecht vollständig ein, oder man lässt es. Ersteres würde aber bedeuten das man u.a. für jahrelange Betreuungskosten aufkommen müsste. Und es ist allgemein üblich dass persönliche Daten der neuen Tierhalter nicht weiter gegeben werden. Du selbst würdest das im umgekehrten Fall sicherlich auch nicht wollen, dass Deine persönlichen Daten an irgend jemand Wildfremden gegeben werden, der vielleicht Jahre zuvor mal Deinen Hund besessen hat, den Du aus dem Tierheim geholt hast.

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