Tierarztrechnung (nicht besprochene Diagnostik durchgeführt)

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Elwy
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Tierarztrechnung (nicht besprochene Diagnostik durchgeführt)

Beitrag von Elwy » 04.08.14, 16:48

Hallo,
man nehme an, ein Kater musste sonntags in einer Tierklinik notfallmäßig am Auge operiert werden. Die Rechnung hierzu belief sich auf 333 Euro. Hier erhielt er eine sogenannte Bindehautschürze. Eine Woche später sollte er erneut vorgestellt werden, um zu schauen, ob es gut verheilt ist und die Bindehautschürze entfernt werden könne. Kosten sollten sich hierfür auf 100 Euro belaufen. Nun wurde der Kater nachmittags abgeholt und die Rechnung betrug 200 Euro. Undzwar haben sie in der Narkose im Leberbereich eine Verhärtung getastet und daraufhin ein Röntgen des Bauchbereiches durchgeführt, sowie Blut abgenommen und ein Differentialblutbild, Leberwerte, Nierenwerte bestimmt. Und das Ganze wurde ohne Rücksprache mit dem Besitzer durchgeführt und war für den geplanten Eingriff nicht notwendig. Im Röntgen hat sich wohl eine Vergrößerung der Leber gezeigt. Die Blutwerte waren allesamt in Ordnung. Hätte man die nicht abgesprochenen Dinge nicht durchgeführt, hätte die Rechnung nur 96 Euro betragen.
Die Rechnung hat sich somit also mehr als verdoppelt.

Hätte man den Besitzer angerufen, hätte dieser sagen können, dass er Kater erst vor 2 Monaten vom Tierschutzbund geholt wurde und da komplett tierärztlich durchgecheckt worden ist. Die Unterschungen wären durch den Besitzer also komplett abgelehnt worden.

Hinzu kommt, dass bei V.a. Leberveränderungen nicht Röntgen, sondern Ultraschall das Mittel der Wahl ist, denn eine Vergrößerung kann man ja tasten, die Struktur der Leber ist jedoch im Röntgen absolut nicht zu beurteilen.
Außerdem ist die Frage, warum diese Vergrößerung weder dem Tierarzt des Tierschutzbundes, noch dem Haustierarzt, noch bei der ersten OP aufgefallen ist.

Und nun meine Frage, wie die Rechtslage ist: Darf eine Tierklinik/Tierarzt Dinge berechnen, die nicht mit dem Besitzer abgesprochen sind und die Rechnung mehr als verdoppeln? Wie verhält es sich außerdem, wenn etwas durchgeführt wird, was zur Diagnostik des Organs gar nicht geeignet ist?


Vielen Dank im Voraus,

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Re: Tierarztrechnung (nicht besprochene Diagnostik durchgefü

Beitrag von questionable content » 08.08.14, 14:40

Die Kurzfassung auf Basis des bisherigen Sachverhalts ist m.E. "Nein, darf er nicht."

Es bestand kein Auftrag und kein ersichtlicher Notfall, der die Maßnahme ohne Einwilligung des Kunden erforderlich gemacht hätte.

Jetzt kann man allerdings noch vorsorglich in den Klinikvertrag/Behandlungsvertrag schauen und prüfen, ob dort in irgend einer Weise Kostentragungspflichten für zusätzliche Maßnahmen o.ä, geregelt sind. Die diesbezüglichen Regelungen - selbst wenn vorhanden - müssten nicht vollumfänglich wirksam sein.

In vielen Fällen solcher Art ist es allerdings simpler: Der Arzt entscheidet, dass er gern eine mögliche Erkrankung sinnvollerweise geklärt haben möchte. Für sich genommen nichts Böses, es dient dem Wohl des Tieres.

Findet sich etwas, ist es eine potentielle Einkunftsquelle und dient auch dem Wohl des Tieres. Findet sich Nichts, schaut man mal, ob der Kunde die Kosten freiwillig übernimmt. Protestiert er statt dessen, schreibt man es halt ab. Bei 100 € Rechnungsbetrag sind die internen Verluste der Klinik - also das wirtschaftliche Risiko des Arztes bei so einer Entscheidung - kaum der Rede wert.
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Elwy
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Re: Tierarztrechnung (nicht besprochene Diagnostik durchgefü

Beitrag von Elwy » 08.08.14, 14:43

Vielen Dank für die Antwort.
Ein Behandlungsvertrag wurde leider gar nicht geschlossen.

Liebe Grüße

questionable content
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Re: Tierarztrechnung (nicht besprochene Diagnostik durchgefü

Beitrag von questionable content » 08.08.14, 14:56

Elwy hat geschrieben:Vielen Dank für die Antwort.
Ein Behandlungsvertrag wurde leider gar nicht geschlossen.

Liebe Grüße
Dann ist der Behandlungsvertrag das mündlich ausdrücklich oder schlüssig Vereinbarte.

Wenn man zu einer Folgebehandlung zu einer vorangegangenen Op kommt, ist es nachvollziehbar, dass dafür Kosten entstehen können. So wie geschildert hat der andere Eingriff aber anscheinend nichts mit dieser Maßnahme zu tun und darüber wurde auch nicht gesprochen. Also könnte man durchaus erst einmal bei der Klinik nachfragen, wieso man die zusätzlichen Kosten für richtig und einen Auftrag insoweit als erteilt gesehen habe.

Mit anderen Worten: Man kann erstmal schauen, was die Klinik auf sachliche gestellte Fragen wie "Der Kater war da wegen der Nachbehandlung zu seinem Auge - woher kommt die Untersuchung der Leber ohne dass wir vorher kontaktiert wurden?", "Warum sollen wir nun dafür die Kosten tragen?", Woraus ergibt sich das aus Ihrer Sicht? reagiert.
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