Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Recht rund ums Tier

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Siebenbürgen
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Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von Siebenbürgen »

Hallo!
Ich hätte gern gewußt, wie die Gesetzeslage in folgender Sache ist (Rheinland-Pfalz):

Ich habe einen sehr kleinen Hund (Chihuahua). Immer wieder geraten wir in bedrohliche Situationen, wenn große unangeleinte Hunde uns bedrängen oder gar bedrohen. So schnell, wie diese Situationen entstehen und ablaufen, kann man leider oft nicht einschätzen, ob der große Hund, der angerannt kommt, nur neugierig ist oder evtl. aggressiv. Und zudem ist es ja bekanntlich leider so, daß auch ein scheinbar harmloser Hund plötzlich von einer Sekunde auf die andere "umschlagen" kann.
Somit nehme ich meinen kleinen Hund in so einer Situation grundsätzlich schnellstmöglich auf den Arm, auch wenn das kein letzter Schutz ist, und man natürlich von einem großen Hund auch angesprungen werden und umgeworfen werden kann. Würde ich dieses Hochnehmen aber nicht praktizieren, hätte ich meinen kleinen Hund schon lange nicht mehr, da es schon viele Situationen mit hohem Aggressionspotential seitens der großen Hunden gegeben hat (und dies NICHT erst in dem Moment, wo ich meinen kleinen auf dem Arm habe! Große Hunde können einen Chihuahua bisweilen nicht eindeutig als auch-Hund erkennen und sehen ein Beutetier in ihm). Ich will damit sagen, daß dieses Hochnehmen absolut begründet und gerechtfertigt ist, wenn man das Leben des kleinen Hundes schützen will.

Nun muß man sich in solchen Situationen immer wieder von den Großhundbesitzern sagen lassen, die sich oft mit überheblicher Miene versuchen zu rechtfertigen, daß es "grundfalsch" sei, den kleinen Hund hochzunehmen. Daraufhin ergeben sich Wortgefechte, in denen man in die Defensive gerät, obwohl ja der freilaufende Hund der Verursacher der Situation ist bzw. der Mensch, der es nicht für nötig befindet, seinen Hund rechtzeitig anzuleinen bzw. zu sich zu rufen.

Fakt ist doch laut Gesetzgebung, daß ein Hund sich nicht unangeleint einem Menschen oder anderen Hund nähern darf, wenn es nicht erwünscht ist, oder? Wo finde ich diese Passagen im Gesetz? Ich würde gern wissen, wie genau die Gesetzgebung lautet, damit ich das in so einer Situation mal parat habe, ohne, daß ich mich auf "Diskussionen" einlassen muß.

Danke für Hilfe!

Para-Graf
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von Para-Graf »

Siebenbürgen hat geschrieben:Fakt ist doch laut Gesetzgebung, daß ein Hund sich nicht unangeleint einem Menschen oder anderen Hund nähern darf, wenn es nicht erwünscht ist, oder? Wo finde ich diese Passagen im Gesetz?
Sie meinen nicht angeleint oder unangeleint, richtig?

Die Stellen/Zeiten, an/zu denen keine Leinenpflicht herrscht, werden immer weniger/seltener. Leider gibt es dafür nun nicht ein Gesetz, sondern nur lokal geltende Verordnungen. Beispiel Hundeverordnung München:
http://www.muenchen.info/dir/recht/300/300_20130709.htm
Hier die wichtigsten Regeln im Überblick:

1. Betretungsverbot für alle Hunde gilt hier:
auf Kinderspielplätzen
auf Flächen von städtischen Grünanlagen
Sie erkennen ein Betretungsverbot auf den Rasenflächen an den „grünen Pollern“ mit einem durchgestrichenen Hundesymbol.
auf der Theresienwiese während des Oktoberfestes und Frühlingsfestes (auf dem Festgelände)

2. Leinenpflicht für alle Hunde gilt hier:
im gesamten Westpark und auf den Wegen von städtischen Grünanlagen in Bereichen, wo Sie die „grünen Poller“ mit durchgestrichenem Hundesymbol vorfinden.

3. Leinenpflicht für große Hunde gilt hier:
in der Innenstadt (innerhalb des Altstadtrings)
in Fußgängerzonen
in verkehrsberuhigten Bereichen
auf öffentlichen Veranstaltungen, Märkten, Festen sowie Versammlungen im Freien
in unmittelbarer Nähe von Kinderspielplätzen
(auf der Fläche des Kinderspielplatzes gilt ein absolutes Betretungsverbot)
in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Bahnhöfen (auch in den Zwischengeschossen und an den Bahnsteigen)
Eine kleinere Gemeinde als Beispiel:
Hundeverordnung Reichling (http://www.gemeinde-reichling.de/filead ... chling.pdf)
(1) Auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen und Anlagen innerhalb geschlossener Ortschaften sind große Hunde ... an einer reißfesten Leine mit höchstens 1,5 m Abstand zu führen.
...
(3) Für den Vollzug der Absätze 1 und 2 bestimmen den Beginn und das Ende geschlossener Ortschaften auf öffentlichen Straßen die Ortsschilder, in allen anderen Fällen liegt der Beginn bzw. das Ende der geschlossenen Ortschaften im Sinn dieser Verordnung etwa 100 m außerhalb der geschlossenen Siedlungen.
(4) Bei Zusammentreffen mit Passanten oder mit anderen Tieren, sind die Hunde innerorts möglichst eng an der Leine zu führen bzw. außerorts an einer Leine zu nehmen. Bei Bedarf ist anzuhalten.
(5) Führer der in Abs. 1 und 2 genannten Hunde müssen jederzeit in der Lage sein, ihre Hunde zu beherrschen.
Die Bestimmungen sind regional / lokal sehr unterschiedlich ausgelegt, man sollte sich an die entsprechende Gemeinde, Landkreis etc. wenden, um genaue Auskünfte über die Situation vor Ort zu erhalten.

Roni
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von Roni »

die genauen Bestimmungen kann man auf dem zuständigen Ordnungsamt nachfragen.

Waschbärin
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von Waschbärin »

"Nähern" darf sich ein Hund einem schon. Allerdings darf er Menschen oder andere Tiere dabei nicht gefährden. Und ob irgendwo vor Ort ein allgemeiner Leinenzwang herrscht erfährt man beim zuständigen Ordnungsamt und in den Hundeverordnungen der Bundesländer.

Der Halter eines grossen Hundes ist natürlich immer in einer sicheren Position, wenn dieser auf einen kleinen Hund trifft. Im allgemeinen geht für einen grossen Hund von einem kleinen Hund eine sehr viel geringere Gefahr aus als umgekehrt. Andererseits hat aber ein Hund, egal wie gross, bei einem anderen Hund nichts verloren, wenn dessen Halter das nicht möchte. Und es stört nicht nur Kleinhundhalter wenn es zu unerwünschten Hundekontakten kommt. Auch ich als Großhundhalter mag sie überhaupt nicht, aus verschiedenen Gründen.

Die rechtliche Seite ist die eine, die man beim Ordnungsamt erfragen kann. Die andere Seite ist die, wie man anderen Hundehaltern gegenüber auftritt. Ich lasse Halter fremder Hunde wissen dass ich keinen Kontakt zwischen meinem Hund und dem ihren möchte und zulasse. Warum/weshalb/weswegen geht die nichts an! Ich habe es aufgegeben zu diskutieren. Reicht ein höfliches "Bitte lassen sie Ihren Hund nicht zu dem meinen" nicht aus, kann ich ziemlisch schroff werden. Ich mache Hund und Halter klar dass ich mich weder mit dem einen (= dem Hund) noch mit dem anderen (= dem Halter) lange beschäftigen möchte. Mein Hund dient weder als Spielgefährte noch als Sparringspartner für fremde Hunde (wenn deren Halter so etwas suchen, dann sollen sie sich einen zweiten Hund kaufen um ihren ersten zu beschäftigen, und nicht da Eigentum anderer Leute dazu benutzen), und sind diese so schlecht erzogen dass sie sich von ihren Haltern nicht zurück rufen lasse, dann erziehe ich sie so weit dass sie künftig zumindest mich und meinen Hund zufrieden lassen. Dass meine Erziehungsmethoden vielleicht etwas rigeroser sind als die ihren werden die Hundehalter dann schon merken. Und spätestens beim nächsten Zusammentreffen wird der Hund dann plötzlich zurückgepfiffen und angeleint.

Kein Kleinhundhalter muss sich von einem anderen Hundehalter zulabern lassen warum er angeblich ein Risiko für seinen Hund eingehen soll. Gerade Chihuahuas sind sehr empfindlich, und es reicht aus dass ein grosser Hund freundschaftlich mit seiner Pfote drauf patscht um so einen Hund ernsthaft zu verletzen. Hunde sind Privateigentum, und welches Risiko jemand in Bezug auf sein Eigentum ein geht haben nicht andere Personen zu entscheiden.

flokon
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von flokon »

Waschbärin hat geschrieben:"

Kein Kleinhundhalter muss sich von einem anderen Hundehalter zulabern lassen warum er angeblich ein Risiko für seinen Hund eingehen soll. Gerade Chihuahuas sind sehr empfindlich, und es reicht aus dass ein grosser Hund freundschaftlich mit seiner Pfote drauf patscht um so einen Hund ernsthaft zu verletzen. Hunde sind Privateigentum, und welches Risiko jemand in Bezug auf sein Eigentum ein geht haben nicht andere Personen zu entscheiden.
Da reicht auch schon fast die 'Pfote' von einem Zweijährigen. :lachen:

Letztens hat er mal einen Chihuaha auf dem Spielplatz 'gefunden'.
Bevor ich das Kind hatte, hatte er den Hund.
Für das Tier tat es mir leid, aber ich hoffe der Besitzer lernt daraus.

Siebenbürgen
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von Siebenbürgen »

Danke für die Antworten!

Klar, ich denke auch, ein Hund darf sich einem nähern, aber nicht näher, als es einem lieb ist. Letztens bin ich sogar von einem großen Labrador in aggressiver Weise angesprungen worden (mit meiner Kleinen auf dem Arm, die in dem Moment noch NICHT gekläfft hat, also NICHT "provoziert" hat), der scheinbar harmlos (und natürlich unangeleint) direkt neben seinem Besitzer herumstand. Da hatte ich dann richtige Schrammen am Oberschenkel und natürlich mal wieder einen Schock :( . Und neben der Entschuldigung des Besitzers kam natürlich der obligatorische Satz "Das hat er ja noch nie gemacht" :evil:

Leinenpflicht herrscht in Rheinland-Pfalz meines Wissens nicht. Ich bin ja auch nicht so rigoros und sage, große Hunde sollten grundsätzlich an der Leine geführt werden. Wichtig ist halt nur, daß sie vom Besitzer im entscheidenden Moment kontrollierbar sind, und daß die Besitzer über genug Empathie und Verantwortungsgefühl gegenüber anderen und insbesondere kleinen Hunden verfügen (sowie gegenüber Menschen, welche nicht selten Angst vor jeder Art von Hunden haben), und den großen Hund rechtzeitig anleinen. Gerade diese Empathie und dieses Verantwortungsbewußtsein geht vielen Hundebesitzern allerdings ab. Viele davon haben nur Geringschätzung für einen Chihuahua übrig, weil der ja "kein richtiger Hund" sei.

Man könnte entspannter Gassi gehen, wenn die Großhundbesitzer alle so wie Waschbärin denken und handeln würden - danke für die Anwort!

Ich werde mich mal vor Ort erkundigen, wie es speziell in unserer Region aussieht mit der Hundeverordnung. Vlt entwerfe ich auch mal einen kleinen Zettel mit wenigen "Merksätzen" drauf, den ich mir ausdrucke, und den ich einem dickfelligen und besserwisserischen Großhundbesitzer einfach in die Hand drücken kann, um sinnlose Diskussionen zu vermeiden. Diskussionen sind in solchen Situationen eh nur unter lautem Geschrei möglich, da meine Kleine dann dermaßen laut kreischend am Kläffen ist, daß man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Leider herrscht unter vielen Großhundbesitzern auch die Meinung, die ganz kleinen Hunde seien halt nervige Kläffer. Keiner kommt auf die Idee, daß die Kleinen aufgrund der vielen angstbesetzten und teilweise lebensbedrohlichen Erlebnisse mit großen Hunden erst zu Kläffern werden. Meine Kleine hat als junger Hund nie gekläfft, das fing erst an, nachdem sie das erste Schockerlebnis mit einem riesigen Labradorrüden hatte, welcher, als sie zum ersten Mal läufig war, unangeleint auf sie zugeprescht ist und sie heftig bedrängt hat. Da hatte sie Todesangst. Ist doch klar, daß solche Erfahrungen prägen.

all-in
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von all-in »

Reicht ein höfliches "Bitte lassen sie Ihren Hund nicht zu dem meinen" nicht aus, kann ich ziemlisch schroff werden.
Das könnte je nach Umständen eine ziemliche Anmaßung sein. Öffentliche Grundstücke gehören einem nunmal nicht, und man kann nicht über den Bereich wo man sich gerade befindet derart verfügen, dass kein anderer, ob Hund oder Mensch, sich nähern darf. Wenn man seinen Hund nicht mit anderen in Kontakt kommen lassen will muss man halt auf entsprechenden Privatgrund ausweichen.
...und sind diese so schlecht erzogen dass sie sich von ihren Haltern nicht zurück rufen lasse, dann erziehe ich sie so weit dass sie künftig zumindest mich und meinen Hund zufrieden lassen. Dass meine Erziehungsmethoden vielleicht etwas rigeroser sind als die ihren werden die Hundehalter dann schon merken
Ist rigerose Erziehungsmethode hier vielleicht ein bisschen euphemistisch? Nach den anderen Schlagen ö.ä. nur weil er mal schnuppern kommt geht jedenfalls gar nicht.
Hunde sind Privateigentum
Sie sind aber auch eigenständige Lebewesen und brauchen Sozialkontakte. Wenn Hunde lernen mit Fremden umzugehen gibt es auch seltenst Probleme, das ist das normalste von der Welt. Wenn Frauchen oder Herrchen jedoch gleich aufgeregt reagieren kann das freilich nicht gelingen. Bei uns in der Hauptstadt funktioniert das jedenfalls sehr gut,wir begegnen jeden Tag zig fremden Hunden, und es wäre total absurd Platzansprüche geltend machen zu wollen.

gitta.
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von gitta. »

Ich bin Besitzerin sowohl großer Hunde als auch eines Mini-Hundes (Yorhshire-Terrier).

Meine Hunde lasse ich zu (fast) allen frei laufenden Hunden.

Begegnen uns angeleinte Hunde, so leine ich meine Hunde auch an.

Ich ärgere mich allerdings maßlos über Leute, die ihre Hunde frei laufen lassen, lange dabei zusehen,
wie meine Hunde ihnen entgegen gehen und dann kurz bevor sich die Hunde beschnüffeln können, ihre Hunde am Halsband hochzerren oder anleinen.

Wenn Leute mit Ängsten vor Hunden dies etwas eindeutiger kommunizieren würden, dann würde es
wesentlich weniger unschöne, wie von der TE geschilderte Begegnungen geben.

Rechtzeitig Bedenken zu äußern kann spätere Streigigkeiten verhindern.

Übrigens gibt es eine neue Aktion für Hundeführer.

Googeln Sie mal nach der Aktion " Gelber Hund ".

Ein gelbes Band / Schleife um die Leine gebunden soll anderen Hundehaltern signalisieren, dass Hundekontakte unerwünscht sind.

Mike Gimmerthal
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von Mike Gimmerthal »

Waschbärin hat geschrieben:Der Halter eines grossen Hundes ist natürlich immer in einer sicheren Position, wenn dieser auf einen kleinen Hund trifft. Im allgemeinen geht für einen grossen Hund von einem kleinen Hund eine sehr viel geringere Gefahr aus als umgekehrt. Andererseits hat aber ein Hund, egal wie gross, bei einem anderen Hund nichts verloren, wenn dessen Halter das nicht möchte. Und es stört nicht nur Kleinhundhalter wenn es zu unerwünschten Hundekontakten kommt. Auch ich als Großhundhalter mag sie überhaupt nicht, aus verschiedenen Gründen.
Wer sich ein "wildes Tier" hält (und dazu gehören Canidae nun mal) sollte aktzeptieren, dass sich Tiere gattungsentsprechend verhalten. Hunde sind Rudeltiere die ihre Rangordnung selbst ausmachen, ganz ohne Menschen. Nur wenn der Mensch sie versaut (also sie z.B auf den Arm nimmt um sie von anderen Artgenossen fern zu halten) werden sie ggf. gefährlich für Artgenossen weil sie keine gattungstypische Sozialisation haben.
Die Halter die ihre Tiere in menschliche Verhaltenformen und "Gesetze" pressen sind das Problem, nicht die Hunde!
Vom ganzen juristischen Kram mal abgesehen ...
Ich verabscheue Ihre Meinung, doch ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, daß sie sie äußern dürfen!(E.B. Hall)
Etwas ist nicht recht, weil es Gesetz ist, sondern es muss Gesetz sein, weil es recht ist. (C.-L. de Montesquieu)

Waschbärin
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von Waschbärin »

Da Hunde die Nachfahren wilder Tiere (= Wölfe) sind, verhalten sie sich tatsächlich artgemäss (der Begriff gefällt mir persönlich besser als " gattungsentsprechend"). Deswegen sollte man wissen dass Hund und Halter eine Einheit = Rudel bilden. Und wer sich nur ein bisschen mit Wölfen und ihrer Lebensweise beschäftigt hat, der weiss dass es absolut nicht artypisch ist dass wenn zwei Wolfsrudel in der Natur aufeinander treffen, die Mitglieder der einzelnen Rudel nett miteinander spielen und "die Rangordnung unter sich ausmachen". Im allerbesten Fall ignorieren sie sich und gegen sich gegenseitig aus dem Weg. Der Normalfall ist aber der dass es zur Ressourcenverteidigung inkl. Ernstkampf kommen wird.

Die "Rangfolge", die durch soziale Interaktion aufgebaut wird, gibt es bzw. gilt nur innerhalb des eigenen Rudels. Und fremde Hunde, die willkürlich aufeinander treffen, sind kein Rudel!

Im übrigen finde ich es frech einem Hundehalter, der keinen Kontakt zwischen seinem Hund und ihm unbekannten Hunden wünscht, von vorne herein zu unterstellen dass dessen Hund keinen anderweitigen Kontakt zu anderen Hunden bekommt und deswegen kein intaktes Sozialverhalten besitzen. Viele Hunde besitzen nur deswegen ein tolles Sozialverhalten weil sie noch keine schlechten Erfahrungen in ihrem Leben machen mussten mit vierbeinigen Psychopathen. Weil diese Hundehalter bisher darauf geachtet haben dass ihre Hunde zwar ausreichend Kontakt zu anderen Hunden haben, aber halt nur zu Hunden, die ein intaktes Sozialverhalten besitzen (= die sie also kennen). Diese Hundehalter haben es nicht nötig ihre Hunde auf der Strasse mit jedem dahergelaufenen vierbeinigen Hinz und Kunz sozialisieren zu müssen, mit all den Gefahren die das birgt, sollte man mal an den Falschen geraten.

Im übrigen ist das Gesetz auf deren Seite: Jeder Hundehalter hat seinen Hund so zu halten dass dieser Dritte (und dieser Begriff beinhaltet auch andere Hundehalter) nicht belästigt oder gar gefährdet. Und ein unerwünschter Kontakt zwischen Hunden (der um so berechtigter ist wenn der eigene Hund winzig klein und der andere Hund riesengross ist) stellt bereits eine Belästigung dar, wenn der Halter des freilaufenden Hundes den anderen Hundehalter zu einem Kontakt zwischen den Hunden nötigt.

Ronny1958
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von Ronny1958 »

Ich stimme der Waschbärin zu, der Halter des als Belästigung empfundenen Hundes ist hier in der Pflicht.

Nur noch als Ergänzung zum "gelben Schleifchen":

Das ist

1. bereits besetzt, weil http://solidaritaet-mit-soldaten.de/gelbe-schleife.html

2. unwirksam, weil ich damit kein Kontaktverbot verknüpfen würde (wegen 1.).
Wenn Leute mit Ängsten vor Hunden dies etwas eindeutiger kommunizieren würden, dann würde es
wesentlich weniger unschöne, wie von der TE geschilderte Begegnungen geben.
Nö, es ist nicht die Aufgabe des Normalsterblichen, seine Angst zu kommunizieren, sondern es ist Aufgabe des Hundehalters seinem Hund beizubringen, dass er nicht einfach auf alles und jeden zustürzt.
Ein Passant kann dann seine Bereitschaft zum Hundekontakt signalisieren.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

all-in
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von all-in »

Im übrigen ist das Gesetz auf deren Seite: Jeder Hundehalter hat seinen Hund so zu halten dass dieser Dritte (und dieser Begriff beinhaltet auch andere Hundehalter) nicht belästigt...
Ist das das Wunschdenken von Leuten, die sich durch jeden normalen Kontakt bereits belästigt fühlen? In den sticprobenartig nachgeshclagenen Hundegesetzen der Bundesländer findet sich keine entsprechende Vorschrift.

Ronny1958
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von Ronny1958 »

Dazu bedarf es keines Hundegesetzes, was auch erklärt warum es dort nicht explizit geregelt ist.

Der Hundehalter hat die Gefährdung der Allgemeinheit auszuschließen, ähnlich der Betriebsgefahr beim Auto fällt ihm die potenzielle Gefahr die vom Hund ausgeht auf die Füße.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

Waschbärin
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von Waschbärin »

all-in hat geschrieben:Ist das das Wunschdenken von Leuten, die sich durch jeden normalen Kontakt bereits belästigt fühlen? In den sticprobenartig nachgeshclagenen Hundegesetzen der Bundesländer findet sich keine entsprechende Vorschrift.
Das ist das was normale Menschen denken. Jeder Mensch (jeder Hund übrigens auch) besitzt eine sog. Individualdistanz, innerhalb der ihm der Aufenthalt fremder Menschen und oft auch fremder Tiere (oder Tiere allgemein) oft unangenehm ist. Und diesen Bereich meidet ein normal denkender Mensch, und er lässt auch seine Tiere nicht in diesen Bereich. Ausser sein Gegenüber signalisiert ihm dass das erwünscht ist.

Zudem gibt es Menschen die aus religiösen Gründen jeglichen direkten Kontakt zu Hunden meiden. Oder weil sie allergisch gegen Hunde sind. Oder einfach nur Angst vor ihnen haben. Direkten Kontakt zu andererleuts Hunde zu haben ist für diese Menschen nicht normal. Und sie haben ein Recht darauf nicht von Hunden beschnuppert oder angesprungen (oder gar gebissen) zu werden.

Und es gibt durchaus auch Hundehalter, die Angst vor fremden Hunden haben. Wer sich einen Chihuahua hält muss es nicht als "normal" ansehen plötzlich z.B. mit einem unangeleinten 60 oder 80 kg-Kalb von Hund direkt konfrontiert zu werden.

Das Leben könnte so einfach sein wenn jeder Hundehalter realisieren würde dass weder er noch sein Hund der Mittelpunkt dieser Welt sind, mit dem sich alle anderen Menschen direkt auseinander zu setzen haben.

slimal
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Re: Unangeleinte Hunde, die einen bedrängen

Beitrag von slimal »

Ich kann die Ängste nachempfinden.
Ich habe keine Angst vor fremden Hunden, aber ich habe Angst um meinen kleinen Hund. Er ist nach einem schlimmen Unfall behindert und reagiert manchmal eigenartig, ( er fängt fürchterlich an zu zittern) was andere , vor allem große Hunde, in der Annahme zu bestärken scheint, es handle sich um ein Beutetier.

Daher nehme ich
a) meinen Hund hoch, wenn ein Großer angetigert kommt
und
b) habe ich mir wirksames Pfefferspray besorgt für den Fall, der Hund macht auch vor mir nicht Halt.

Ist es doch auch nicht einfach, den Halter des großen Hundes zu bewegen, sein Daten preis zu geben. Eine Anzeige gegen Unbekannt bringt ja nichts.
Bei uns herrscht generell Leinenpflicht, aber kaum jemand hält sich dran.

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