Hunde ausgebüxt

Recht rund ums Tier

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Rhyanniddh
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Hunde ausgebüxt

Beitrag von Rhyanniddh » 03.09.14, 12:44

Angenommen, man hat 2 Hunde, wohnt in einer EG-Wohnung mit Terrasse und diese Terrasse ist ausbruchssicher, sofern die Tür zu ist. Normalerweise würde der Besitzer die Tiere nie unbeaufsichtigt auf der Terrasse lassen, nur wenn er zu Hause ist.
Nach einem Spaziergang hat der Besitzer die Hunde in der Wohnung abgeleint und mußte wg dringender Notdurft auf die Toillette.
Die Tür zur Terrasse war offen und die beiden Hunde sind ausgebüchst und haben eine Passantin bedrängt.
Da es nicht klar ist, wer die Tür offen gelassen hat, ob der Besitzer (der aber immer sehr paranoid auf die Türen achtet) oder der Nachbar, der den Hundebesitzer samt Hunde nicht leiden kann (dieser ist schon in die Wohnung eingebrochen und hat die Hunde "springen" lassen), wie ist denn da die Rechtslage?
Ist in diesem Fall immer der Hundebesitzer haftbar? Ist es vorhersehbar gewesen, daß die Türe offen ist? Wie ist die Rechtslage?

Roni
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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von Roni » 03.09.14, 12:50

zunächst haftet der Halter, der hoffentlich eine Hundehaftpflicht hat. Wenn dem bösen Nachbarn was nachgewiesen werden kann, dann haftet der.

all-in
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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von all-in » 03.09.14, 14:16

Wofür haften, für's Bedrängen?

Rhyanniddh
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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von Rhyanniddh » 03.09.14, 14:36

Aufsichtspflichtverletzung, weil Hunde ohne Leine rumlaufen (800,- € Strafe + Gerichtskosten) Strafrecht

Person hat eine Schürfwunde durch Kratzer (300 € Schmerzensgeld + sonstige Auslagen)

Alles, wohlgemerkt, angenommen

webelch
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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von webelch » 03.09.14, 14:41

Aus meiner Sicht haftet hier der Halter für beides. Ob eine ggfs vorhandene Hundehaftpflicht zumindest die Kosten des Dritten übernimmt, erscheint mir aus der Schilderung fraglich.

Ich frage mich bei der Behauptung in Bezug auf den Nachbarn, wie dieser die Tür in der Wohnung des Hundehalters hätte öffnen können sollen. Ist er eingebrochen? Wurde dies zur Anzeige gebracht?

flokon
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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von flokon » 03.09.14, 14:47

Rhyanniddh hat geschrieben:Aufsichtspflichtverletzung, weil Hunde ohne Leine rumlaufen (800,- € Strafe + Gerichtskosten) Strafrecht

Person hat eine Schürfwunde durch Kratzer (300 € Schmerzensgeld + sonstige Auslagen)

Alles, wohlgemerkt, angenommen
kleine Randfrage: Woher kamen denn die Kratzer?

CDS
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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von CDS » 03.09.14, 16:04

"Da es nicht klar ist, wer die Tür offen gelassen hat" ... wird sich der Hundebesitzer vermutlich ziemlich schwer damit tun glaubhaft zu machen das der Nachbar in seine Wohnung eingebrochen ist, nur in der Absicht die Türe offen zu lassen ....

FM
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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von FM » 03.09.14, 16:20

Rhyanniddh hat geschrieben:Aufsichtspflichtverletzung, weil Hunde ohne Leine rumlaufen (800,- € Strafe + Gerichtskosten) Strafrecht

Person hat eine Schürfwunde durch Kratzer (300 € Schmerzensgeld + sonstige Auslagen)

Alles, wohlgemerkt, angenommen
Die Haftung des Hundehalters ist vom Verschulden unabhängig, siehe: http://www.rechtslexikon-online.de/Tier ... ftung.html

Das betrifft den Schadensersatz, also hier das Schmerzensgeld (die Höhe müsste ggf. das Gericht feststellen), die Auslagen der Verletzten (z.B. Fahrtkosten zur Behandlung), die Kosten der Behandlung (da wird sich die Krankenkasse noch melden) und bei Krankschreibung einer Arbeitnehmerin die Entgeltfortzahlung (da meldet sich dann der Arbeitgeber).

Die "Strafe" (oder Bußgeld?) hängt davon ab, welche Tat vorgeworfen wird und ob diese auch fahrlässig strafbedroht ist. Bei Körperverletzung ist dies so. "Ohne Leine laufen lassen" klingt aber eher nach einer Ordnungswidrigkeit wie z.B. Verstoß gegen eine örtliche Satzung oder behördliche Auflage. Da kommt's jeweils darauf an. Für Geldstrafen und Bußgelder tritt keine Versicherung ein.

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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von Roni » 03.09.14, 19:46

aus dem ersten Post geht hervor dass der Nachbar ja schonmal die Hunde rausgelassen hat.
Viellt ist derr Hundehalter schon vom Ordnungsamt verwarnt worde und die Strafe könnte dewegen so hoch ausgefallen sein.

Waschbärin
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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von Waschbärin » 04.09.14, 10:39

Prinzipiell ist der Hundehalter dafür verantwortlich dass seine Hunde nicht unbeaufsichtigt frei herum laufen und Schäden verursachen. Das beinhaltet auch dass er es Dritten nicht ermöglich die Hunde vom umzäunten Grundstück entkommen zu lassen.

Etwas anderes ist es wenn die Hunde aufgrund einer nachweisbaren Straftat entweichen können. Sie z.B. aufgrund eines Wohnungseinbruches, für den der Täter z.B. die Türe aufbrechen muss, frei kommen. Das Öffnen eines Gartentores etc. reicht dazu aber nicht aus. Hier muss der Hundehalter dafür sorgen dass kein Dritter dieses öffnen kann, z.B. indem er durch das Gitter fasst und mit einem innen steckenden Schlüssel das Tor ausschliesst.

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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von Rhyanniddh » 05.09.14, 19:26

FM hat geschrieben: Die "Strafe" (oder Bußgeld?) hängt davon ab, welche Tat vorgeworfen wird und ob diese auch fahrlässig strafbedroht ist. Bei Körperverletzung ist dies so. "Ohne Leine laufen lassen" klingt aber eher nach einer Ordnungswidrigkeit wie z.B. Verstoß gegen eine örtliche Satzung oder behördliche Auflage. Da kommt's jeweils darauf an. Für Geldstrafen und Bußgelder tritt keine Versicherung ein.
Fahrlässige Körperverletzung wg Kratzer ist der Vorwurf, jedenfalls in diesem angenommenen Fall.

Versicherung zahlt natürlich nur Schmerzensgeld und Krankenkosten. Der Rest bleibt beim Halter.

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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von Rhyanniddh » 05.09.14, 19:26

Roni hat geschrieben:aus dem ersten Post geht hervor dass der Nachbar ja schonmal die Hunde rausgelassen hat.
Viellt ist derr Hundehalter schon vom Ordnungsamt verwarnt worde und die Strafe könnte dewegen so hoch ausgefallen sein.

Ne, da kam gar nichts.

Rhyanniddh
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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von Rhyanniddh » 05.09.14, 19:28

flokon hat geschrieben:
Rhyanniddh hat geschrieben:Aufsichtspflichtverletzung, weil Hunde ohne Leine rumlaufen (800,- € Strafe + Gerichtskosten) Strafrecht

Person hat eine Schürfwunde durch Kratzer (300 € Schmerzensgeld + sonstige Auslagen)

Alles, wohlgemerkt, angenommen
kleine Randfrage: Woher kamen denn die Kratzer?

Der Kratzer stammt angeblich vom Hund, weil er hochgesprungen ist.

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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von Rhyanniddh » 05.09.14, 19:32

webelch hat geschrieben:Aus meiner Sicht haftet hier der Halter für beides. Ob eine ggfs vorhandene Hundehaftpflicht zumindest die Kosten des Dritten übernimmt, erscheint mir aus der Schilderung fraglich.

Ich frage mich bei der Behauptung in Bezug auf den Nachbarn, wie dieser die Tür in der Wohnung des Hundehalters hätte öffnen können sollen. Ist er eingebrochen? Wurde dies zur Anzeige gebracht?
Also, der Nachbar ist vor ca. 1 Jahr in die Wohnung eingebrochen über die Wohnungstür und hat die Terrassentür der Wohnung aufgemacht und die Terrassentür der Terrasse aufgemacht. Dies hat der Nachbar gegenüber der Hundehalterin in diesem jetztigen Fall eingeräumt (leider ohne Zeugen).
Dieses mal hat er "nur" die Terrassentür der Terrasse aufgemacht, während der Hundehalter mit den Hunden Gassi waren. Die Terrassentür der Wohnung war leider offen, somit die Hunde auf die Terrasse kommen konnten und ausbüxten.

Waschbärin
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Re: Hunde ausgebüxt

Beitrag von Waschbärin » 05.09.14, 19:56

Rhyanniddh hat geschrieben: Dieses mal hat er "nur" die Terrassentür der Terrasse aufgemacht, während der Hundehalter mit den Hunden Gassi waren.
Hier muss der Hundehalter dafür sorgen dass so etwas Dritten nicht möglich ist. Also Terrassentüre nicht nur zu machen, sondern abschliessen! Notfalls mit stabiler Kette und Vorgängeschloss...

Wenn der Nachbar dann mit 'nem Bolzenschneider kommt ist das rechtlich etwas ganz anderes als wenn er nur ein nicht abgeschlossenes Türchen öffnet.

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