"Gefährliche Hunde"

Recht rund ums Tier

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deerhunter
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"Gefährliche Hunde"

Beitrag von deerhunter » 04.06.17, 16:16

Mal wieder ein fiktiver Fall aus meiner Praxis...vielleicht kann jemand helfen

Sachverhalt
Eine recht fitte Dame im Alter von 57 Jahren ist mit ihren beiden Schäferhunden unterwegs. Hinter einen Busch erscheint eine Reiterin, die Hundeführerin ruft ihre Hunde ran. Plötzlich erscheint weit hinter dem Pferd ein "Labradorgroßer" Hund und läuft auf die beiden Schäferhunde zu. Es gibt eine Rauferei. Die Schäferhundeführerin greift beherzt ein und trennt die Tiere, während die Reiterin sich das alles vom Pferd aus anschaut. Ein Schäferhund hat ein paar Kratzer und Abschürfungen, der "Labrador" eine kleine Bisswunde und ebenfalls ein paar Abschürfungen. Die Reiterin entfernt sich in Richtung eines Reiterhofes, der Labby trollt hinterher. Nachdem die Frau ihre Schäferhunde ins Auto verfrachtet hat, fährt sie sofort zur Reiterhof. Dort verarztet sie zusammen mit der Reiterin den Labby, entschuldigt sich für ihre Hunde da sie den Labby nicht sehen konnte und sagt, dass sie alle Tierarztkosten übernimmt. Eine Tierarztrechnung in Höhe von 100,- Euro wird sofort bezahlt. Damit war eigentlich alles gegessen, auch die Reiterin war freundlich und sagte das kann passieren...dachte man.
Einige Wochen später kommt ein Bescheid vom Amt (nach Anzeige vom Reiterhof), worin festgestellt wird dass man "gefährliche Hunde" führt...es gibt einen Bussgeldbescheid in Höhe von 128 € + 64 € für den Verwaltungsakt "Gefährliche Hunde" in Brandenburg.
Das heißt Leinen - Beißkorbpflicht und die Hundesteuer steigt von 36 / 72 € auf 308 / 460 € (1. /2. Hund)!

Die Frau arbeitet im absoluten Niedriglohnbereich als Sicherheitsfachkraft / Hundeführer und wird sich eine solche Hundesteuer nicht leisten können. Damit droht Arbeitslosigkeit. Sie ist seit über 40 Jahren Trainerin, Ausbilderin und Züchterin im Schäferhundverein. Hat zig Hunde ausgebildet und zu Prüfungen geführt, war 4x mit 3 verschiedenen Hunden erfolgreich auf der Deutschen Meisterschaft für Schutzhunde. Ist absolut unbescholten, sowohl mit Hunden als auch im sonstigen Leben!

Was kann man machen? Anwalt nehmen, habe ich empfohlen! Was noch
Gruß

Adam

Townspector
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Re: "Gefährliche Hunde"

Beitrag von Townspector » 06.06.17, 13:34

deerhunter hat geschrieben:Mal wieder ein fiktiver Fall aus meiner Praxis...vielleicht kann jemand helfen

Sachverhalt
Eine recht fitte Dame im Alter von 57 Jahren ist mit ihren beiden Schäferhunden unterwegs. Hinter einen Busch erscheint eine Reiterin, die Hundeführerin ruft ihre Hunde ran. Plötzlich erscheint weit hinter dem Pferd ein "Labradorgroßer" Hund und läuft auf die beiden Schäferhunde zu. Es gibt eine Rauferei. Die Schäferhundeführerin greift beherzt ein und trennt die Tiere, während die Reiterin sich das alles vom Pferd aus anschaut. Ein Schäferhund hat ein paar Kratzer und Abschürfungen, der "Labrador" eine kleine Bisswunde und ebenfalls ein paar Abschürfungen. Die Reiterin entfernt sich in Richtung eines Reiterhofes, der Labby trollt hinterher. Nachdem die Frau ihre Schäferhunde ins Auto verfrachtet hat, fährt sie sofort zur Reiterhof. Dort verarztet sie zusammen mit der Reiterin den Labby, entschuldigt sich für ihre Hunde da sie den Labby nicht sehen konnte und sagt, dass sie alle Tierarztkosten übernimmt. Eine Tierarztrechnung in Höhe von 100,- Euro wird sofort bezahlt. Damit war eigentlich alles gegessen, auch die Reiterin war freundlich und sagte das kann passieren...dachte man.
Einige Wochen später kommt ein Bescheid vom Amt (nach Anzeige vom Reiterhof), worin festgestellt wird dass man "gefährliche Hunde" führt...es gibt einen Bussgeldbescheid in Höhe von 128 € + 64 € für den Verwaltungsakt "Gefährliche Hunde" in Brandenburg.
Das heißt Leinen - Beißkorbpflicht und die Hundesteuer steigt von 36 / 72 € auf 308 / 460 € (1. /2. Hund)!

Die Frau arbeitet im absoluten Niedriglohnbereich als Sicherheitsfachkraft / Hundeführer und wird sich eine solche Hundesteuer nicht leisten können. Damit droht Arbeitslosigkeit. Sie ist seit über 40 Jahren Trainerin, Ausbilderin und Züchterin im Schäferhundverein. Hat zig Hunde ausgebildet und zu Prüfungen geführt, war 4x mit 3 verschiedenen Hunden erfolgreich auf der Deutschen Meisterschaft für Schutzhunde. Ist absolut unbescholten, sowohl mit Hunden als auch im sonstigen Leben!

Was kann man machen? Anwalt nehmen, habe ich empfohlen! Was noch
- Anwalt nehmen ist der richtige Weg, und zwar einen für Verwaltungsrecht, damit dieser ggf. gegen den Leinen- und Beißkorbzwang klagt.
- Gegen den Bußgeldbescheid kann man Einspruch einlegen ... wenn noch in der Frist ... kann vor Gericht billiger oder teurer werden ...man weiß nie.
- Den Leinen- und Beißkorbzwang zunächst tunlichst einhalten, da der Bescheid hierfür vermutlich sofort vollziehbar gemacht wurde und eine Klage zunächst keine aufschiebende Wirkung hat.

Frage: Warum sollte ihr wegen einer erhöhten Hundesteuer bitte die Arbeitslosigkeit drohen? Das einzige was dort droht, ist, dass man die Hunde ggf. abschaffen muss.
Gedenksignatur - Gewidmet dem unbekannten Anwalt
In dankbarer Erinnerung an all jene namenlosen, stets laut angekündigten Rechtsvertreter,
die jedoch heldenhaft nie in meinem Dienstzimmer erschienen sind oder tapfer nichts von sich hören ließen.

Pirate
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Re: "Gefährliche Hunde"

Beitrag von Pirate » 06.06.17, 14:48

deerhunter hat geschrieben:Sie ist seit über 40 Jahren Trainerin, Ausbilderin und Züchterin im Schäferhundverein. Hat zig Hunde ausgebildet und zu Prüfungen geführt, war 4x mit 3 verschiedenen Hunden erfolgreich auf der Deutschen Meisterschaft für Schutzhunde.
Und trotzdem hatte sie die Hunde nicht im Griff. Das spricht entweder gegen die Halterin mit jahrzehntelanger Erfahrung oder die Hunde.

Irgendwie scheint mir aber auch die Schilderung zum Beginn der "Rauferei" etwas zu kurz geraten. Die Hunde wurden herbeigerufen und waren dann bei Fuß (gehe ich bei einer Trainerin mit Erfahrungen bei der Deutschen Meisterschaft mal von aus), ein anderer Hund (der Labrador Retriever) stürmt auf diese zu, greift die Schäferhunde neben der Halterin an und die Halterin will dann hinterher die Tierarztkosten des Labradors übernehmen?

Warum werden Tierarztkosten sofort bezahlt statt das über die Hundehaftpflicht abzuwickeln? Ich bezahle doch bei einem Verkehrsunfall auch nicht irgendwas und räume damit meine Schuld ein.

deerhunter
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Re: "Gefährliche Hunde"

Beitrag von deerhunter » 06.06.17, 15:54

Townspector hat geschrieben:
- Anwalt nehmen ist der richtige Weg, und zwar einen für Verwaltungsrecht, damit dieser ggf. gegen den Leinen- und Beißkorbzwang klagt.
- Gegen den Bußgeldbescheid kann man Einspruch einlegen ... wenn noch in der Frist ... kann vor Gericht billiger oder teurer werden ...man weiß nie.
- Den Leinen- und Beißkorbzwang zunächst tunlichst einhalten, da der Bescheid hierfür vermutlich sofort vollziehbar gemacht wurde und eine Klage zunächst keine aufschiebende Wirkung hat.
Danke für die Antworten....das habe ich ihr auch geraten!
Townspector hat geschrieben:Frage: Warum sollte ihr wegen einer erhöhten Hundesteuer bitte die Arbeitslosigkeit drohen? Das einzige was dort droht, ist, dass man die Hunde ggf. abschaffen muss.
Ja, ohne Hunde kein Job! Hundeführer bei einem Sicherheitsunternehmen geht nicht ohne Hund...also vermutlich Arbeitslos
Pirate hat geschrieben:Und trotzdem hatte sie die Hunde nicht im Griff. Das spricht entweder gegen die Halterin mit jahrzehntelanger Erfahrung oder die Hunde.
Ja richtig! Aber die Reiterin hatte weder ihren Hund im griff noch unter Aufsicht. Wäre dieser Hund unter Kontrolle gewesen, wäre nichts passiert!
Pirate hat geschrieben:Irgendwie scheint mir aber auch die Schilderung zum Beginn der "Rauferei" etwas zu kurz geraten. Die Hunde wurden herbeigerufen und waren dann bei Fuß (gehe ich bei einer Trainerin mit Erfahrungen bei der Deutschen Meisterschaft mal von aus), ein anderer Hund (der Labrador Retriever) stürmt auf diese zu, greift die Schäferhunde neben der Halterin an und die Halterin will dann hinterher die Tierarztkosten des Labradors übernehmen?
Schilderung ist natürlich nur aus 2. Hand! Die HF ist mir seit langem persönlich bekannt und als recht resolut und gute Ausbilderin über die Landesgrenzen gekannt! Laut ihrer Aussage hat Sie die Reiterin gesehen und ihre Hunde rangerufen und mit Platz abgelegt! Dann das Pferd beobachtet! In diesem Augenblick kam der Labby von hinten und wollte "nur spielen"! Die Hunde wollten das nicht und es kam zu einer unter diesen Umständen "normalen" Rauferei!
Die HF griff sofort ein, während die Reiterin sich das alles vom Pferd aus ansah! Als die Schäferhunde wieder im Platz lagen und der Labby mittels lauter Worte vertrieben wurde, ritt die Reiterin richtig Ponyhof und der Labby hinterher!
Die Rechnung wurde wohl über die Hundehaftpflicht abgerechnet...falsche Angabe von mir!
Gruß

Adam

deerhunter
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Re: "Gefährliche Hunde"

Beitrag von deerhunter » 26.11.17, 17:28

Wollte Euch den Ausgang mitteilen
Verfahren eingestellt, Bußgeldbescheid zurückgenommen, ebenso die Auflagen. Alles mittels Anwalt!
Gruß

Adam

Kamikaze2001
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Re: "Gefährliche Hunde"

Beitrag von Kamikaze2001 » 05.03.18, 22:35

Mal so rein aus Interesse, in welchem Bundesland hat sich das abgespielt?

Ich kenne sowas nämlich genau anders.
Bekannter mit seinem Hund auf den Weg in den Wald, aus dem Wald kommt zuerst ein Hund, weiter hinter eine Reiterin. Hunde fetzen sich und am Ende blieben die Kosten bei der Reiterin. Jeder Hundehalter hat eine Sorgfaltspflicht und dazu gehört auch seinen Hund unter Aufsicht/Kontrolle zu haben.
Und das ein Hund nach einer einmaligen Rauferei unter Artgenossen gleich als gefährlich eingestuft wird habe ich auch noch nie gehört...

Elektrikör
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Re: "Gefährliche Hunde"

Beitrag von Elektrikör » 06.03.18, 18:22

Hallo,
deerhunter hat geschrieben: ... für den Verwaltungsakt "Gefährliche Hunde" in Brandenburg.

MfG
Alles hier von mir geschriebene stellt meine persönlichGanzFürMichAlleineMeinung dar
Falls in einer Antwort Fragen stehen, ist es ungemein hilfreich, wenn der Fragesteller diese auch beantwortet

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