Seite 1 von 1

Wenn der Schmied kein Schmied ist

Verfasst: 01.11.19, 07:34
von kampfdackel0815
Folgende Sachlage:
Pferdebesitzerin A gibt eine im August eine Suchanzeige für einen Schmied auf und Schmied B meldet sich daraufhin.
Schmied B beschlägt das Pferd von A im September und Oktober. Nach 3 Wochen tritt sich das Pferd ein Eisen ab und A fragt bei B an, ob er Zeit hat, um das Eisen wieder ran zu machen.
B sagt er wäre im Urlaub (Ausland) und könne dadurch nicht kommen.
Nach etlichen Telefonaten bekommt A endlich einen Schmied C, der am nächsten Tag Zeit hat.
Am Abend beschwert sich B bei A, daß sein Name genannt und erwähnt wurde, das er im Urlaub ist, weil er eigentlich krank geschrieben sei und nun in Teufels Küche kommen würde.
Als C nun bei A auftaucht kommt auch noch heraus, das B bereits seit Pfingsten krank geschrieben ist und seine Ausbildung zum Schmied aufgrund der Krankschreibung gar nicht beendet hat.

Wie ist hier denn die rechtliche Lage?
Könnte A eine Anzeige wegen arglistiger Täuschung erstatten und evtl Schadensersatz verlangen, da das Pferd von A aufgrund einer Krankheit einen Spezialbeschlag braucht?

Re: Wenn der Schmied kein Schmied ist

Verfasst: 01.11.19, 07:42
von ExDevil67
Anzeige erstatten kann man zu jeder Zeit gegen wen man will, bringt einem aber im Zweifel keinen Cent ein.
Schadensersatz wäre denkbar, näheres dazu beim Anwalt der Wahl.

Re: Wenn der Schmied kein Schmied ist

Verfasst: 01.11.19, 09:23
von Tastenspitz
Aus der Tatsache, dass der Schmied keiner war, läßt sich nmE. kein Schadenersatz ableiten.

Re: Wenn der Schmied kein Schmied ist

Verfasst: 01.11.19, 09:56
von ExDevil67
Tastenspitz hat geschrieben:
01.11.19, 09:23
Aus der Tatsache, dass der Schmied keiner war, läßt sich nmE. kein Schadenersatz ableiten.
Stimmt, nur weil der Schmied keiner war gibt's keinen Schaden. Den wird man immer noch explizit nachweisen müssen wobei das ggf je nach Schadensbild etwas einfacher werden könnte wenn der Schaden auf einem Fehler beruht der einem ausgebildetem Schmied nicht passiert wäre. Aber auch das dürfte sich dann im Bereich der üblichen Sachmängelhaftung abspielen. Man müsste also konkret nachweisen was B falsch gemacht hat (ginge das noch gerichtsfest?) und nachweisen das B es abgelehnt hat in zumutbarer Zeit nachzubessern (was bei Telefonaten im Regelfall schwieriger wird).

Wobei die Idee mit der Anzeige hier evtl doch ganz gut sein könnte. Arglistige Täuschung dürfte das eher nicht sein, aber so auf die schnelle könnte B gegen das HufBeschlG verstoßen haben.

Re: Wenn der Schmied kein Schmied ist

Verfasst: 01.11.19, 10:02
von Tastenspitz
Gut das wir ein Hufbeschlaggesetz haben. 8)

Re: Wenn der Schmied kein Schmied ist

Verfasst: 01.11.19, 10:52
von FM
Ist Schmied überhaupt noch eine amtlich geregelt Berufsbezeichnung?

Re: Wenn der Schmied kein Schmied ist

Verfasst: 01.11.19, 18:43
von Yane
Die korrekte Bezeichnung ist Hufbeschlagschmied bzw. Hufbeschlagschmiedin.

Ich bin kein Jurist, aber als TA bekommt man die berufsrelevanten Gesetze durchaus zu lesen.

Inwieweit sich ein Schadenersatz ergibt, weiss ich nicht. Das können mE nur Juristen sagen. Aber wer einen Hufbeschlag durchführt ohne die entsprechende ABGESCHLOSSENE Ausbildung dazu zu haben, handelt gemäss dem Hufbeschlaggesetz ordnungswidrig. Und das kann mit einem Bußgeld bis zu 3000 € geahndet werden. Also dürfte eine Anzeige Person B zumindest nen Schuss vor den Bug bringen.

Re: Wenn der Schmied kein Schmied ist

Verfasst: 01.11.19, 20:50
von FM
Yane hat geschrieben:
01.11.19, 18:43
Aber wer einen Hufbeschlag durchführt ohne die entsprechende ABGESCHLOSSENE Ausbildung dazu zu haben, handelt gemäss dem Hufbeschlaggesetz ordnungswidrig. Und das kann mit einem Bußgeld bis zu 3000 € geahndet werden. Also dürfte eine Anzeige Person B zumindest nen Schuss vor den Bug bringen.
Das Geld bekommt aber der Staat, nicht der Kunde.

Der Kunde hat dann einen Schaden, wenn ein Fehler z.B. zu einer Verletzung des Tieres führt (Tierarztkosten, Nutzungsausfall), das aber auch bei einem vollständig ausgebildetem Schmied. Oder wenn es noch einmal gemacht werden muss.

Die Sorge des vermeintlichen Schmiedes ist aber eine ganz andere, die Krankschreibung und der Urlaub und die Erwerbsarbeit während der Krankschreibung zuvor. Das deutet darauf hin, dass er - anderweitig - Arbeitnehmer ist und trotz Krankschreibung und vermutlich Krankengeldbezug arbeitet - könnte als Schwarzarbeit und Sozialbetrug verstanden werden. Und das macht man eher bei einem Gewerbe das auch insgesamt "schwarz" ausgeübt wird als bei einem regulären, wo durch die Aufzeichnungspflichten die Tätigkeit leicht nachweisbar ist. Da wäre dann auch noch die Auftraggeberhaftung zu prüfen. Und es könnte auch Auswirkungen auf die Frage der Gewährleistung haben. https://www.n-tv.de/ratgeber/Schwarzarb ... 49737.html