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Gewerbliche Verkäufer verkaufen wissentlich kranke Tiere

Verfasst: 08.04.20, 23:21
von Chaosprinzessin
Anne möchte sich Rassehühner anschaffen. Nach längerer Suche wird sie beim Geflügelhändler Bolle fündig. Allerdings findet sie die Tiere in keinem guten Zustand vor. Zwar sind sie munter, aber ihr Gefieder weist kahle stellen auf. Dafür hat der Verkäufer eine Erklärung, und er versichert, dass die Tiere gesund seien - sie seien geimpft. Einen Nachweis darüber legt er nicht vor. Ihr fällt auf, dass sie ssich dem Stallgeäude nicht nähern darf. Anne kauft trotzdem zwei Hennen, die sich zunächst unauffällig verhalten, und drei Tage später kauft sie noch eine dritte Henne. Am Tag darauf wirkt die erste Henne krank, einen Tag später sind alle zugekauften Hennen sichtlich krank. Der Tierarzt stellt eine Infektionskrankheit fest, die eine WOche Inkubationszeit benötigt. Die Verkäufer reagieren weder auf Telefonanrufe, noch Whatsapp oder Mailnachrichten. Und als sie zwei Tage später auf dem Hof des Verkäufers steht, fallen ihren entsprechend geschärftgen Sinnen einige kranke Tiere auf. Die Hofbetreiber lassen sich nicht blicken. Erst weitere zwei Tage später als sie unter einer anderen Tel Nr. anruft, nehmen die Verkäufer das Gespräch an. Sie leugnen, dass ihre Tiere krank seien, und bieten ihr sogar weitere Tiere zum Kauf an. Auch diverse Verkaufsanzeigen waren die ganze Zeit über geschaltet.

Im richtigen Leben möchte Anne die Tiere nicht zurück geben, und die Sache auf sich beruhen lassen.

Welche Ansprüche hätte sie gegen die Verkäufer, wenn sie sich anders entschließen würde? Was wäre, wenn infizierte Tiere in einen gesunden Bestand kommen, und diesen schädigen?

Re: Gewerbliche Verkäufer verkaufen wissentlich kranke Tiere

Verfasst: 09.04.20, 06:41
von ExDevil67
Chaosprinzessin hat geschrieben:
08.04.20, 23:21
Was wäre, wenn infizierte Tiere in einen gesunden Bestand kommen, und diesen schädigen?
Und das wäre zweifelsfrei nachweisbar das die gekauften Tiere die Infektion mitgebracht haben?

Re: Gewerbliche Verkäufer verkaufen wissentlich kranke Tiere

Verfasst: 09.04.20, 07:29
von winterspaziergang
Chaosprinzessin hat geschrieben:
08.04.20, 23:21
... Der Tierarzt stellt eine Infektionskrankheit fest, die eine WOche Inkubationszeit benötigt.

Die Verkäufer reagieren weder auf Telefonanrufe, noch Whatsapp oder Mailnachrichten. Und als sie zwei Tage später auf dem Hof des Verkäufers steht, fallen ihren entsprechend geschärftgen Sinnen einige kranke Tiere auf. Die Hofbetreiber lassen sich nicht blicken. Erst weitere zwei Tage später als sie unter einer anderen Tel Nr. anruft, nehmen die Verkäufer das Gespräch an. Sie leugnen, dass ihre Tiere krank seien, und bieten ihr sogar weitere Tiere zum Kauf an. Auch diverse Verkaufsanzeigen waren die ganze Zeit über geschaltet.

Im richtigen Leben möchte Anne die Tiere nicht zurück geben, und die Sache auf sich beruhen lassen.
Im richtigen Leben müsste der Tierarzt aktiv werden und das Veterinär- und Gesundheitsamt informieren. Oder Anne müsste das tun.
Chaosprinzessin hat geschrieben:
08.04.20, 23:21
Welche Ansprüche hätte sie gegen die Verkäufer, wenn sie sich anders entschließen würde? Was wäre, wenn infizierte Tiere in einen gesunden Bestand kommen, und diesen schädigen?
Hat Anne u.U. das Problem mit dem Veterinär- und Gesundheitsamt. Im richtigen Leben bringt niemand offensichtlich infizierte Tiere mit dem Bestand zusammen.

Re: Gewerbliche Verkäufer verkaufen wissentlich kranke Tiere

Verfasst: 09.04.20, 12:05
von Chaosprinzessin
Anne hat selbst keine Probleme mit ihrem Veterinäramt, und der Tierarzt hat gute Gründe, nicht das zuständige Veteriäramt einzuschalten. Also greift Anne zum Handy und erfährt schließlich, dass sich die Tierärzte nicht sicher sind, ob ein tierschutzwidriges Verhalten des Verkäufers vorliege. Und dass es eine privatrechtliche Angelegenheit sei, wenn jemand wissentlich erkrankte Tiere abgebe - sie möge doch bitte diesen Weg gehen.

Dass sie beweisen muss, dass sich die Tiere im Bestand des Verkäufers angesteckt haben, rechnet sich Anne vorab aus, und verzichtet auf weiteres. Theoretisch mag sich die Beweispflicht völlig in Ordnung sein, praktisch kann niemand ausschließen, dass sich der Erreger sich nicht seit Jahr und Tag in ihrem Bestand befand, und plötzlich durch die neuen Tiere akut wurde, auch nicht, wenn die Inkubationszeit dagegen spricht. :devil:

Derweil verscherbelt der Verkäufer munter weiter seine Tiere. :devil:

Re: Gewerbliche Verkäufer verkaufen wissentlich kranke Tiere

Verfasst: 09.04.20, 13:45
von ExDevil67
Chaosprinzessin hat geschrieben:
09.04.20, 12:05
Anne hat selbst keine Probleme mit ihrem Veterinäramt, und der Tierarzt hat gute Gründe, nicht das zuständige Veteriäramt einzuschalten.
Wie das eigene Verhältnis zum Veterinäramt ist dürfte sekundär sein. Bei Mensch und Tier gibt es Krankheiten die gemeldet werden müssen, ob man will oder nicht. Wobei eine Meldepflicht dürfte hier nicht bestehen da der Tierarzt nix machen will.

Re: Gewerbliche Verkäufer verkaufen wissentlich kranke Tiere

Verfasst: 09.04.20, 13:51
von winterspaziergang
Chaosprinzessin hat geschrieben:
09.04.20, 12:05
Anne hat selbst keine Probleme mit ihrem Veterinäramt,

die konkrete Anne interessiert hier auch nicht, die fiktive könnte je nach Infektion welche bekommen, wenn sie die infizierten Tiere mit den gesunden zusammenbringt und eine Infektion übergreift
und der Tierarzt hat gute Gründe, nicht das zuständige Veteriäramt einzuschalten.
wenn es keine meldepflichtige Infektion ist, ist das der einzige "gute Grund"
Theoretisch mag sich die Beweispflicht völlig in Ordnung sein, praktisch kann niemand ausschließen, dass sich der Erreger sich nicht seit Jahr und Tag in ihrem Bestand befand, und plötzlich durch die neuen Tiere akut wurde, auch nicht, wenn die Inkubationszeit dagegen spricht. :devil:
theoretisch muss Anne nur fürs Zivílrecht und ihre angefragten Ansprüche was beweisen. Je nach Infektion muss das Gesundheits- und Veterinäramt dem Verdacht nachgehen. Das Stichwort der Grundlage dürfte doch vor allem seit Februar 2020 bekannt sein
Derweil verscherbelt der Verkäufer munter weiter seine Tiere. :devil:
und was will "Anne" wissen?

Re: Gewerbliche Verkäufer verkaufen wissentlich kranke Tiere

Verfasst: 09.04.20, 14:34
von Zafilutsche
ExDevil67 hat geschrieben:
09.04.20, 06:41
Chaosprinzessin hat geschrieben:
08.04.20, 23:21
Was wäre, wenn infizierte Tiere in einen gesunden Bestand kommen, und diesen schädigen?
Und das wäre zweifelsfrei nachweisbar das die gekauften Tiere die Infektion mitgebracht haben?
Soweit ich das von einem "Virologen" es mitbekommen habe, können Viren über den Gen-Code (genauer über die gleiche Überdeckung>Wahrscheinlichkeit gegen 100%) ein gemeinsamer "Wirt" bestimmt werden. D.h. man entnimmt Proben aus dem Betrieb und vergleicht diese mit den betroffenen Tieren.
Ist der Unternehmer/Tierhändler der in den Verkehr Bringer (Züchter) könnte die Nummer zw. Fahrlässig, Grobfahrlässig oder Vorsätzlich (Arglist) laufen. (Je nachdem welchen Kenntnisstand der Züchter bzw der Tierarzt zum Zeitpunkt des Verkaufes hatte. Unabhängig von all dem, wären erkrankte Tiere ein "Sachmangel" mit allen rechtlichen Folgen!

Re: Gewerbliche Verkäufer verkaufen wissentlich kranke Tiere

Verfasst: 09.04.20, 14:38
von Zafilutsche
ExDevil67 hat geschrieben:
09.04.20, 06:41
Chaosprinzessin hat geschrieben:
08.04.20, 23:21
Was wäre, wenn infizierte Tiere in einen gesunden Bestand kommen, und diesen schädigen?
Und das wäre zweifelsfrei nachweisbar das die gekauften Tiere die Infektion mitgebracht haben?
Soweit ich das von einem "Virologen" es mitbekommen habe, können Viren über den Gen-Code (genauer über die gleiche Überdeckung>Wahrscheinlichkeit gegen 100%) ein gemeinsamer "Wirt" bestimmt werden. D.h. man entnimmt Proben aus dem Betrieb und vergleicht diese mit den betroffenen Tieren.
Ist der Unternehmer/Tierhändler der in den Verkehr Bringer (Züchter) könnte die Nummer zw. Fahrlässig, Grobfahrlässig oder Vorsätzlich (Arglist) laufen. (Je nachdem welchen Kenntnisstand der Züchter bzw der Tierarzt zum Zeitpunkt des Verkaufes hatte. Unabhängig von all dem, wären erkrankte Tiere ein "Sachmangel" mit allen rechtlichen Folgen!
Im Übrigen, wäre der Käufer Unternehmer, müßte dieser auch ein grob fahrlässiges Verhalten angelastet kriegen, wenn dieser den zugekauften Bestand ohne Quarantänemaßnahmen direkt in seinem Bestand (vielleicht sogar noch ungeprüft) aufnimmt. Auf die "Meldepflicht" ist im Thread bereits hingewiesen worden.

Re: Gewerbliche Verkäufer verkaufen wissentlich kranke Tiere

Verfasst: 12.04.20, 08:59
von Chaosprinzessin
Danke Euch, insbesondere Zafilutsche. Den Erreger würde sich wohl nur in einem veterinärmedizinischen Institut nachweisen lassen, oder?

Die Krankheit war und ist nicht meldepflichtig. Ist es jetzt trotzdem tierschutzrechtlich relevant, wenn Bolle wissentlich erkrankte Tiere verkauft? Massig Inserate von ihm waren sind durchgängig z. B. auf einschlägigen Portalen geschaltet.

Anne hat nur ihre paar Zierhühnchen. In der direkten Nachbarschaft sind zwei weitere Hobbyhühnerhalter, die befürchteten, dass sich ihre Tiere anstecken.

Re: Gewerbliche Verkäufer verkaufen wissentlich kranke Tiere

Verfasst: 12.04.20, 10:56
von winterspaziergang
Chaosprinzessin hat geschrieben:
12.04.20, 08:59
Die Krankheit war und ist nicht meldepflichtig. Ist es jetzt trotzdem tierschutzrechtlich relevant, wenn Bolle wissentlich erkrankte Tiere verkauft? Massig Inserate von ihm waren sind durchgängig z. B. auf einschlägigen Portalen geschaltet.

Anne hat nur ihre paar Zierhühnchen. In der direkten Nachbarschaft sind zwei weitere Hobbyhühnerhalter, die befürchteten, dass sich ihre Tiere anstecken.
wann es um Tierschutz geht und wann um Zivilrecht und was dabei zu beachten ist, wurde ja nun beantwortet.

Welche allgemeine Frage zur Rechtslage ist denn noch offen?

vielleicht noch
Also greift Anne zum Handy und erfährt schließlich, dass sich die Tierärzte nicht sicher sind, ob ein tierschutzwidriges Verhalten des Verkäufers vorliege.
Ein Tierarzt wird auch kaum über Ferndiagnose Auskunft geben können. Und ein Tierarzt ist weder Veterinär- noch das Gesundheitsamt.
Schöne :ostern:
:liegestuhl:

Re: Gewerbliche Verkäufer verkaufen wissentlich kranke Tiere

Verfasst: 12.04.20, 18:35
von Chaosprinzessin
winterspaziergang hat geschrieben:
12.04.20, 10:56
wann es um Tierschutz geht und wann um Zivilrecht und was dabei zu beachten ist, wurde ja nun beantwortet.

Welche allgemeine Frage zur Rechtslage ist denn noch offen?

vielleicht noch
Also greift Anne zum Handy und erfährt schließlich, dass sich die Tierärzte nicht sicher sind, ob ein tierschutzwidriges Verhalten des Verkäufers vorliege.
Ein Tierarzt wird auch kaum über Ferndiagnose Auskunft geben können. Und ein Tierarzt ist weder Veterinär- noch das Gesundheitsamt.
Schöne :ostern:
:liegestuhl:
Im Tierschutzgesetz steht gleich vornweg dass niemand ohne Grund einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Wenn Bolle daran gestoppt worden wäre, seine Viehcher aus dem infizierten Bestand zu verschachern, wäre anzunehmen, dass einiges an Leid verhindert worden wäre, zumal seine Käufer hauptsächlich Leute sind, die sich arglos ein paar Hühner zu ihren vorhandenen Hühnern holen. Die dann mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls erkranken, und, wenn die Halter nicht ganz fix reagieren, zum großen Teil sterben oder notgetötet werden müssen.

Das Kreisveterinäramt heißt übrigens so, weil dort Tierärzte arbeiten, mit einer Zusatzausbildung, aber eben Tierärzte, und die waren gemeint. Die brauchen auch am Telefon keine Ferndiagnosen zu geben, sondern könnten sich auch auf den Hof von Bolle begeben, nach dem Rechten schauen, und evtl. Auflagen erteilen, z. B. die Behandlung der Tiere veranlassen.