Falsche Diagnose durch Tierarzt - massive Nach-OP bei Katze erforderlich

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Schupo
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Falsche Diagnose durch Tierarzt - massive Nach-OP bei Katze erforderlich

Beitrag von Schupo »

Hallo!
Folgender angenommener Fall: Tierhalter TH lässt auf Anraten des Tierarztes TA bei einem Kater K eine kleine Gewebeveränderung auf und unter der der Haut chirurgisch entfernen. OP wird in örtlicher Praxis des TA durchgeführt (ca. 4 cm vernähte Wunde). Zwei Tage danach wird K mit Fieber in die Notdienstsprechstunde zu TA gebracht. TA diagnostiziert nach kurzer Begutachtung eine Entzündung um die OP-Wunde/-Naht, ausgelöst durch eine seltene Reaktion auf Nahtmaterial und behandelt durch örtliche Medikamentengabe (Entzündungshemmer, Fiebersenker, Antibiose).
Nach weiteren 4 Tagen ist das Fieber bei K zurück und die Wunde nässt. Am Morgen des darauffolgenden Tags erneute Vorstellung bei TA. Diagnose: K habe sich einen Faden gezogen, bakterielle Infektion sei entstanden. TH bezweifelt das, da K geschützt war und in Dauerbetreuung die Wunde nicht durch TH wissentlich berührt hatte, es auch nicht versuchte. Wunde wird durch TA gesäubert, erneute örtliche medikamentöse Behandlung. Am frühen Abend des selbe Tages stellt TH fest, dass Wunde sich weiter geöffnet hat. Da keine (rechtzeitige) Rückmeldung des TA erfolgt, konsultiert TH mit K am selben Abend eine Tierklinik. Dort wird nach Begutachtung zweier Ärzte die Diagnose einer fortgeschrittenen Fettgewebsnekrose gestellt mit der dringenden Empfehlung eines umfassenden, zeitnahen chirurgischen Eingriffs.
TH lässt K zwei Tage darauf (frühestmöglicher Termin der Tierklinik) in der Tierklinik operieren. Eine massive Entfernung des abgestorbenen Fettgewebe (18-cm-Wunde und sekundärer Entlastungsschnitt) und eine stationäre Aufnahme ist erforderlich. Ob K überlebt und das Ganze heilt, ist zu dem Zeitpunkt noch nicht klar. Auf den TH kommen in jedem Fall Kosten in mittlerer vierstelliger Höhe durch OP und Klinikaufenthalt zu - zusätzlich zu den rund 800 Euro bereits an den TA gezahlten Gebühren.

Vermutung des TH: Hätte TA schon an Tag 2 nach der Ursprungs-OP eine korrekte Diagnose gestellt, hätte die Nekrose wohl mit einem weniger invasiven Eingriff behandelt werden können. Spätestens bei der dritten Vorstellung beim TA hätte die (abends durch die Klinik festgestellte) Diagnose getroffen werden müssen, wurde es aber nicht.

Die Frage die sich für das Szenario nun stellt: Kann TH den TA in irgendeiner Weise in Regress nehmen und hat realistische Chancen zumindest auf eine Kostenbeteiligung/-Erstattung der hohen Klinik-Behandlungskosten? Was benötigt der TH an Beweisen? Was, wenn in der Folge der zweiten OP Komplikationen auftreten und weitere Behandlungen folgen oder K verstirbt? Kann TH Schadenersatz vom TA verlangen o.ä.?

Danke für eine fachliche Einschätzung!
Erfolg ist die Kunst, FELER zu machen, die keiner mergt...

FM
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Re: Falsche Diagnose durch Tierarzt - massive Nach-OP bei Katze erforderlich

Beitrag von FM »

Schupo hat geschrieben:
03.05.20, 00:10
Was benötigt der TH an Beweisen?
Ein Sachverständigengutachten. Und zwar nicht von den Tierärzten, welche die Weiterbehandlung durchgeführt haben und möglichst auch nicht andere, die bei derselben Einrichtung angestellt sind.

Bottenbach
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Re: Falsche Diagnose durch Tierarzt - massive Nach-OP bei Katze erforderlich

Beitrag von Bottenbach »

Das Sachverständigengutachten wird erst beantragt, wenn ein Zivilprozeß bereits in Gang gesetzt wurde.

www.haufe.de/recht/deutsches-anwalt-off ... 43806.html

Der Tierhalter sollte sich bei einem Anwalt beraten lassen. Falls er rechtsschutzversichert ist, kann eine Ersteinschätzung oft schon über die Rechtsschutzversicherung gemacht werden.

Gute Besserung für den kleinen Patienten!

ExDevil67
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Re: Falsche Diagnose durch Tierarzt - massive Nach-OP bei Katze erforderlich

Beitrag von ExDevil67 »

Ich würde erstmal in der Tierklinik nachfragen ob und was an Dokumentation vor bzw während der OP erstellt wurde. Wenn da nix ausführlich (gutachtenmäßig) dokumentiert wurde, dürfte sich das Thema Forderungen an den Tierarzt erledigt haben. Jetzt nach erfolgter OP dürfte es unmöglich sein festzustellen was vorher war.

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